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9. Tag der Oste 2013

"Mit Mut und Fantasie
für unser Osteland"

Schirmherren, Sponsoren und Preisträger beim 9. Tag der Oste in Elm

17. 2. 2013. Sorge um die Zukunft des abgelegenen ländlichen Raums, Hoffnung auf Bürgerengagement sowie die Vergabe des "Goldenen Hechts", des sogenannten "Oste-Oscars", für Verdienste um das zentrale Drittel des Elbe-Weser-Dreiecks - das waren die Schwerpunkte des "9. Tages der Oste" in Bremervörde-Elm, der sich mit 300 Teilnehmern aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Vereinsleben einer Rekordbeteiligung erfreute (Wortlaut der Begrüßungsansprache der Vorsitzenden Jochen Bölsche und Walter Rademacherhier).


Osteland-Vorsitzender Jochen Bölsche

Unter der Schirmherrschaft der Landkreise Rotenburg, Stade und Cuxhaven, der Anrainer des längsten Nebenflusses der Niederelbe, hatte erneut die 2004 gegründete gemeinnützige Arbeitsgemeinschaft Osteland e. V. eingeladen.
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Die besten Fotos vom Tag der Oste, aufgenommen von Walter Rademacher, stehen auf dieser Website.
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Aufgrund wachsender Probleme für den abgelegenen ländlichen Raum müsse sich die die "Lobby für die Oste" zunehmend als "Kampfbündnis" verstehen, sagte in seiner Festrede der 1. Vorsitzende Jochen Bölsche (Osten).

Freude über den Goldenen Hecht

Es gelte, "mit Mut, Wut und Fantasie" den wachsenden Problemen zu begegnen. Die Osteregion, mit 1800 Quadratkilometern so groß wie Hamburg und Berlin zusammen, sei in vielfacher Hinsicht in Gefahr: "Der demografische Wandel und seine Folgen sind in aller Munde, die Landflucht der Jüngeren, die zunehmenden Leerstände, die Krise der Gastronomie, die Finanznot vieler Gemeinden, die drohende Aushöhlung der kommunalen Selbstverwaltung, die zunehmende Gängelung durch die Kommunalaufsicht, der Abbau bürgernaher Verwaltungsstellen, die drohende Schließung von Schwimmbädern, von Postfilialen, von Jugendzentren oder auch der bewährten Grundschule vor Ort mit den kurzen Wegen für die kurzen Beine."


Festrede im Wortlaut - PDF-Datei

Mit dem Dichter Friedrich Hölderlin - "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!" - hofft Bölsche auf die "Macht und Kraft des Bürgersinns". Überall auf den Dörfern setzten sich Vereine und Initiativen ehrenamtlich gegen den Niedergang des ländlichen Raums zur Wehr (Festrede im Wortlaut).


Schulleiterin Möller (l.) mit Kiebitz-Kids

Wie drängend die Problematik mancherorts ist, zeigte die Vergabe des "Goldenen Hechts" in der Kategorie Jugend an die Kinder der Kiebitzschule in Oberndorf (Landkreis Cuxhaven).


Applaus auch von Bürgermeister Horeis

Mit der Auszeichnung als Umweltschule, einem "Blauen Klassenzimmer", einem selbstgebauten Biomeiler und einem internationalen Kunst und Partnerschaftsprojekt hatten die Kinder immer wieder Aufmerksamkeit erregt - jetzt droht der Schule aufgrund kommunaler Finanznot die Schließung, gegen die sich das Dorf mit vielen Aktionen zur Wehr setzt (Wortlaut der Laudatio).


Patzschke-Schulz mit Störvater Schütz

Der "Goldene Hecht" in der Kategorie Medien ging an die NDR-Redakteurin und Filmautorin Kerstin Patzschke-Schulz. Ihr sei es, so die Laudatio, mit ihrer einstündigen Fernseh-Reportage "Eine Sommerreise entlang der Oste" gelungen, die Reize der Flussregion einem großen Publikum zu vermittelnund "eine Liebeserklärung" zu schaffen an "eine Landschaft, die die Seele wachsen läßt" (Wortlaut der Laudatio). Die Journalistin übergab ihr Preisgeld in Elm dem Ostener "Störvater" Wolfgang Schütz als Spende für das Wiederansiedlungsprojekt.


Küstenschifffahrtsmuseum Wischhafen

Für Verdienste um die Regionalgeschichte ausgezeichnet wurde der Kaufmann Volker von Bargen aus Wischhafen (Landkreis Stade), der als Gründer, Leiter und Motor des Kehdinger Küstenschiffahrts-Museums und als Hafenmeister des Museumshafens wie kein anderer dazu beigetragen habe, "Bewusstsein zu schaffen für den Wert des maritimen Erbes der Region". Deutschlands einziges, vielfach ausgezeichnetes und auch im Ausland anerkanntes Küstenschifffahrtsmuseum wird seit der Gründung vor fast 20 Jahren im alten, denkmalgeschützten Getreidespeicher des Ortes ausschließlich ehrenamtlich betrieben. Zugleich haben des Mitglieder des Museumsvereins in ungezählten ehrenamtlichen Arbeitsstunden das 2002 erworbene ehemalige Küstenmotorschiff "Iris-Jörg" von Grund auf restauriert. Unter der Leitung von Kapitän a. D. Ludwig Badenius (Cadenberge) ist auf diese Weise ein über Kehdingen und das Osteland hinaus bedeutendes Zeugnis der maritimen Geschichte der Region und ein wichtiger Anziehungspunkt an der Deutschen Fährstraße entstanden (Wortlaut der Laudatio).


Wird erweitert: Projekt Oste-Natur-Navi

Der Tourismuspreis ging an den  Biologen und Journalisten Christian C. Schmidt aus Fredenbeck (Kreis Stade). Ihm sei es in den letzten 30 Jahren gelungen, mit Zeitungs- und Buchbeiträgen sowie mit umweltpädagogischen Konzepten einem breiten Publikum die Naturschätze und das Kulturerbe der Niederelbe und des Ostelandes nahezubringen. Von großer touristischer Bedeutung für das Osteland seien unter anderem die von ihm konzipierte Rundtouren von 12 bis 90 Kilometern Länge entlang des Unterlaufs, bei denen ein "Oste-Natur-Navi", ein GPS-Leihgerät, an 45 Erlebnispunkten Text-, Bild- und Toninformationen liefert. Ergänzt wird dieses Projekt des Stader "Vereins zur Förderung von Naturerlebnissen" unter der Regie von Uwe Seggermann in der kommenden Saison durch ein neues "Oste-Natur-Navi für Kinder" mit dem Titel "Mit Stör Stups die Oste entdecken" (Wortlaut der Laudatio).


Detlef Ertel und Simone Zukowski

In der Kategorie Naturschutz ausgezeichnet wurden der ehrenamtlich tätige Naturschützer Detlef Ertel aus Ebersdorf und  Simone Zukowski aus der Leitung der NABU-Umweltpyramide in Bremervörde (Landkreis Rotenburg), die sich für den Schutz des Großen Brachvogels einsetzen, eines der Charaktervögel der Osteniederung im Vörder Land. In der Roten Liste Niedersachsen wird der Bodenbrüter, dessen Flügelspannweite bis zu einem Meter betragen kann, als "stark gefährdet" eingestuft. den Naturschützern ist es gelungen, Brut- und Aufzuchtplätze des Großen Brachvogels auf landwirtschaftlich genutzten Flächen zu lokalisieren, die Gelege einzuzäunen und die flügge gewordenen Nestflüchter vor Mähdreschern und Beutegreifern wie Marder und Fuchs zu schützen, so dass die Bestände die Chance haben, sich zu stabilisieren (Wortlaut der Laudatio).


Gerald Bruns beim Pappbootrennen

In der Kategorie Kunst wurde der Diplom-Ingenieur und Designer Gerald Bruns aus Neuhaus (Kreis Cuxhaven) ausgezeichnet, der in den vergangenen Jahrzehnten mit einer Vielzahl von Ideen und Aktivitäten dazu beigetragen habe, den idyllischen Flecken bekannter zu machen und dessen touristische Attraktivität zu erhöhen. Insbesondere Bruns durch sein beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement das "Internationale Neuhäuser Pappbootrennen" ins Leben gerufen. und das 2013  im zwanzigsten Jahr stattfindende maritime Ereignis am Leben zu erhalten und auszubauen. Die Auszeichnung gilt zugleich seiner Mitarbeit an vielen anderen Dorfaktivitäten sowie an der Gestaltung der Osteland-Ausstellung zum 50. Jahrestag der Sturmflutkatastrophe 1962. Sie ergeht auch stellvertretend  für alle ehrenamtlich tätigen Neuhäuserinnen und Neuhäuser, die den traditionsreichen Ort lebendig und lebenswert erhalten, zum Beispiel durch historische Kostümführungen, Krimi-Dinner, Live-Konzerte, Barkassentouren, das "White Dinner" und die "Kulinarische Meile" (Wortlaut der Laudatio).


Antje Rieckmann im Fernseh-Interview

Für Verdienste um die Heimatpflege geehrt werden Antje Rieckmann und Günter Schimkatis aus Brobergen (Kreis Stade) für ihre Arbei im dortigen Fähr- und Geschichtsvereins Brobergen und Umgebung. Den Aktive ist es gelungen, die historische Fährstelle zu retten, die zeitweise von einem Ausdeichungsprojekt gefährdet war, und den benachbarten Fährkrug wieder mit Leben zu erfüllen. Damit konnte gegen anfängliche bürokratische und politische Widerstände ein touristisch bedeutsamen Anziehungspunkt an der Deutschen Fährstraße Bremervörde - Kiel und am Oste-Radweg Tostedt - Balje erhalten werden.


Gerettet: Die Fähre in Brobergen

Über den Betrieb der Prahmfähre hinaus habe der Verein in den gut fünf Jahren seines Bestehens weitere wichtige Beiträge zur Förderung der Heimatpflege, des Dorflebens und des Geschichtsbewusstseins an der Oste geleistet, zum Beispiel mit der archäologischen Erkundung der einstigen Burgstelle, der Sicherung des alten Bauernfriedhofs, der Wiedererrichtung der historisch verbürgten Broberger Rolandfigur und der Veranstaltung von Fähr- und Mittelalterfesten (Wortlaut der Laudatio).


Elke Twesten mit Trinkwasserschützern

Zu Beginn der Matinee hatte als Schirmherrin des Tages der Oste die Rotenburger Vize-Landrätin Elke Twesten, Grünen-MdL und Osteland-Mitglied, die Teilnehmer begrüsst.


Vize-Bürgermeister Uwe Matthias

Grussworte sprachen auch der Elmer Bürgermeister Erich Gajdczek und der Bremervörder Vize-Bürgermeister Uwe Matthias.


"Mr. Mais": NABU-Akteur Uwe Baumert

Den zentralen Festvortrag hielt der NABU-Landesvize und -Kreisvorsitzende Uwe Baumert zum heiss umstrettenen Thema Energiepflanzen und Naturschutz (siehe weitere Berichte über den Tag der Oste).


Allseits gelobt: Elmer Räucherfischteller

Die Veranstaltung klang aus mit dem traditionellen Räucherfisch-Essen, diesmal aus der allseits hoch gelobten Küche von Wirtin und Osteland-Mitglied Kathrin Rabe und mit dem Appell des Osteland-Aktivisten und Marketingexperten Bert Frisch, der im Scglusswort dazu aufrief, den Verein mit Spenden zu unterstützen und als "Botschafter des Ostelandes" eine Werbewelle zu organisieren.


Die "Lumpenhunde" im Werbeeinsatz

Am Ausgang sorgten die "Neuhäuser Lumpenhunde" - ebenso korporatives Neumitglied der AG Osteland wie der Verein Radsport Hemmoor und wie der Fähr- und Geschichtsverein Brobergen - dafür, dass kein Teilnehmer der Festveranstaltung bei der Verteilung von Osteland-Material leer ausging.

Seite im Aufbau - Weitere Berichte folgen.



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Das sind die Stifter
der Goldenen Hechte

Die sieben diesjährigen Stifter sind: Sandmeyer GmbH, Elektro- & Gebäudetechnik, Oberndorf; Schiffsvermietung Eibe von Glasow (Mocambo), Oberndorf; Kreissparkasse Wesermünde- Hadeln, Otterndorf; Norddeutscher FEAM, Fonds für Ersatz- und Ausgleichs-Massnahmen, Schneverdingen; Elbfähre Glückstadt Wischhafen GmbH, Glückstadt; G. F. Ulex Nachfolger, Neuhaus (Oste); Windpark Hemmoor-Bröckelbeck, Hemmoor. 

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Osteland - größer als Hamburg und Berlin

Die 2004 gegründete Arbeitsgemeinschaft Osteland e. V. versteht sich als "Lobby für das Osteland", das Einzugsgebiet des 150 Kilometer langen Elbnebenflusses, das etwa ein Drittel des Elbe-Weser-Dreiecks umfasst und mit 1800 Quadratkilometern größer ist als Hamburg und Berlin zusammen.

Die AG Osteland ist unter anderem Trägerin der "Deutschen Fährstraße Bremervörde - Kiel", des Literatur- und Tourismusprojekts "Krimiland Kehdingen-Oste" und der Wassersport-Initiative "Blaues Netz Oste" sowie Förderer des Oste-Radwegs und Initiator der Niedersächsischen Milchstraße Nord. Die Arbeitsgemeinschaft Wanderfische Oste innerhalb der AG Osteland setzt sich für die Wiederansiedlung von Stör, Lachs und Meerforelle in der Oste ein.


Fisch mit goldener Krone
als Symbol des Ostelandes

Sage vom Oberlauf inspiriert Bildhauer, 
Zeichner, Autoren und Theatermacher

Mike Behrens mit Goldenen Hechten

Dieser Tage verpasste der Hemmoorer Künstler Mike Behrens einer Figur den letzten Schliff, die von der Arbeitsgemeinschaft Osteland alljährlich in sieben Exemplaren als Kulturpreis "Goldener Hecht" verliehen wird: die Bronzestatue eines Fischs mit Flügeln und goldener Krone.

Zu der Trophäe inspiriert wurde die gemeinnützige AG Osteland, so der Vorsitzende und Jury-Sprecher Jochen Bölsche, durch eine Sagenfigur vom Oberlauf des Flusses im Landkreis Rotenburg/Wümme: die Königstochter "Marie-Marei", deren goldene Krone in den Fluten der Oste versank. 


Oste-Hecht als Bilderbuch-Figur

Eine plattdeutsche Version des Märchens, überliefert von Hans Wohltmann in dem 1959 erschienenen Buch "Sagen aus dem Lande zwischen Niederelbe und Niederweser", hatte die Schriftstellerin Elke Loewe (Foto) und die Grafikerin Jo du Bosque zu ihrem Kinderbuch "Jonni Hecht" angeregt, zu deren Hauptfiguren ein gleichnamiger Oste-Hecht mit goldener Krone und eine Fährfrau aus Elm im Kreis Rotenburg zählen.


Der gekrönte Hecht im Bilderbuch

Nicht zuletzt dieses Bilderbuch, erschienen im Jahr 2000 im Fischerhuder Verlag Atelier im Bauernhaus, hat dazu beigetragen, dass der sagenhafte Hecht auch an der Unteren Oste zunehmend populär geworden ist - vor allem, naheliegenderweise, in Hechthausen im Kreis Cuxhaven. 


Fliegender Hecht im Wappen

Die Oste-Gemeinde führt nicht nur den geflügelten Hecht in ihrem Wappen, die gekrönte Sagengestalt schmückt auch den Brunnen am Restaurant "Ostekrone" im Ortskern. 


Gekrönter Hecht in Marionettenspiel

Und eine Hechthausenerin, die Marionettenspielerin Franziska Ochsler, war es, die zum "Jahr der Oste" 2009 das Puppentheaterstück "Der Hecht mit der goldenen Krone" verfasst hat, das die Sagenfigur auch den Jüngsten nahebringt. 

Nachdem die Künstlerin das Stück wiederholt in Hechthausen aufgeführt hat, präsentiert sie ihre selbstgestalteten Figuren demnächst auch in Osten: Am Sonntag, 10. April, 15 Uhr, gastiert "Jonni Hecht" auf Einladung des Vereins Kulturmühle in der historischen Kornmühle des Schwebefährendorfs.

Den ersten "Goldenen Hecht" in der Kategorie Literatur hatte die AG Osteland im Frühjahr 2005 - übrigens in Hechthausen - der Hechtbuch-Autorin Elke Loewe verliehen, damals wohnhaft am Rönndeich in Drochtersen-Hüll (Kreis Stade), heute in Geversdorf (Kreis Cuxhaven) gleich hinterm Ostedeich. 
 



Ein Projekt der
AG Osteland e. V.