Berichte der Website
www.oste.de
seit dem Herbst 2010


Maisgasfabrik

Vorrang für
Trinkwasser!


Grüner Umweltminister Wenzel

30. 8. 2013. Die rot-grüne Landesregierung will die geplante Maisgasfabrik im Trinkwasserschutzgebiet an der Oste bei  Sittensen und Groß Meckelsen stoppen. Das Gewerbeaufsichtsamt Cuxhaven wurde heute vom Umweltministeriumangewiesen, die Biomethan Sittensen GmbH & Co. KG anzuhören, weil beabsichtigt ist, die Genehmigung für die Biogasanlage zurückzunehmen. Die Firma Biomethan soll die Gelegenheit haben, ihre Einwände gegen die beabsichtigte Rücknahme der Ende Mai 2013 erteilten Genehmigung vorzubringen. Eine endgültige Entscheidung fällt erst danach.

Hintergrund der geplanten Aufhebung der Genehmigung für die Biogasanlage ist das Ergebnis einer verwaltungsrechtlichen Überprüfung des Genehmigungsbescheids durch das Umweltministerium. Beanstandet wird die Erteilung der wasserrechtlichen Zulassung des Baus der Biogasanlage in einem Wasserschutzgebiet. 

Im Genehmigungsverfahren hatte sich der Landkreis Rotenburg dagegen ausgesprochen und angeregt, keine Befreiung von dem Verbot der Anlage nach der örtlichen Trinkwasserschutzgebietsverordnung zu erteilen. Das Gewerbeaufsichtsamt ist der Stellungnahme des Landkreises damals aus rechtlichen Erwägungen jedoch nicht gefolgt und hatte deshalb Bau und Betrieb der Anlage genehmigt. 

Nach der erneuten Überprüfung des Vorgangs hätte die Befreiung von diesem Verbot nicht erteilt werden dürfen. Denn die Errichtung von Anlagen, in denen mehr als 100.000 Liter wassergefährdende Stoffe gelagert werden sollen, ist in einem Wasserschutzgebiet verboten. Eine Befreiung kann nicht erteilt werden, denn das setzt voraus, dass das Verbot zu einer offenbar nicht beabsichtigten Härte führt. Dies ist bei der geplanten Anlage in Groß Meckelsen jedoch nicht der Fall. 

Eine in diesem Juni in Kraft getretene Verordnung des Umweltministeriums stellt klar, dass die Errichtung von Anlagen zur Erzeugung von Biogas generell in allen Wasserschutzgebieten verboten ist. Damit soll ein besserer Trinkwasserschutz gewährleistet werden. 


Biogasfabrik-Plangebiet an der Oste

Der vor vier Jahren aufgeflammte Widerstand gegen die Methangasfabrik oberhalb der Trinkwasser führenden "Rotenburger Rinne" - Wortführer waren u. a. die Kreispolitiker und AG-Osteland-Mitstreiter Bernd Wölbern (SPD) und Elke Twesten (Grüne) -  gipfelte letztes Jahr in einer Demonstration in Sittensen, die von einer Gegen-Demo der Befürworter und Investoren aus dem Mais-Agrarsektor begleitet wurde.


Gasfabrik
gebremst


Trinkwasserschutz-Demo an der Oste

22. 8. 2013. Die Gegner der Maisgasfabrik im Trinkwasserschutzgebiet bei Gross Meckelsen an der Oberen Oste schöpfen neue Hoffnung. Nachdem das Gewerbeaufsichtsamt die Methangasanlage zunächst im Schnellverfahren genehmigt und das "Netzwerk Sauberes Trinkwasser in Sittensen" dagegen Widerspruch eingelegt hatte, hat der hannoversche Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) den politisch brisanten Fall offenbar zur Chefsache erklärt.


Sittenser Trinkwasserschützer Höper

Jedenfalls erfuhr Netzwerk-Sprecher und Osteland-Mitglied Dieter Höper jetzt von der Gewerbeaufsicht, dass das Amt zum Stillhalten gezwungen sei, weil sich das Umweltministerium "die Zustimmung für alle damit im Zusammenhang stehenden Entscheidungen vorbehält".

Höper hofft, dass die grosse Sittenser Protestdemo 2012 gegen den Bau der Biogasanlage (BGA) doch nicht vergeblich gewesen ist: "Auf jeden Fall sind wir einen großen Schritt weiter gekommen." Die Regierenden in Hannover hätten "bewiesen, dass sie doch noch richtlinienkonform denken und hoffentlich dann auch so entscheiden können: Keine BGAs in Wasserschutzgebieten!"


Risiko war
bekannt


NLWKN-Nitratwarnung 2002 - größer

25. 7. 2013. Seit in Niedersachsen mit Christian Meyer ein beherzter Grüner Agrarminister ist, hat - endlich - eine breite politische Diskussion über eine Gefahr begonnen, die sich seit langem abzeichnet: die Nitrat-Belastung des Grundwassers durch Überdüngung.

An 24 von 89 Messstellen im Elbe-Weser-Raum wurde 2012 im oberflächennahen Grundwasser der EU-Grenzwert für den Stoff überschritten, der sich im Körper in krebserzeugende Nitrosamine umwandeln kann.

Schon vor zehn Jahren, als Schwarzgelb in Niedersachsen antrat, lagen bedrohliche Zahlen auch für das stark güllebelastete Elbe-Weser-Dreieck vor, siehe diese NLWKN-Archivseite mit Zahlen aus dem Jahre 2002.

Was ist seither geschehen? Die Intensivierung der Landwirtschaft hat sich fortgesetzt, so dass heute in Nordwestniedersachsen 280 Prozent der vorhandenen Fläche benötigt würden, um alle anfallende Gülle unterzubringen, so NABU-Landesvize und AG-Osteland-Mitglied Uwe Baumert. Die zunehmende Vermaisung und die Gärreste aus Maisgasanlagen hätten das Problem weiter verschärft, wie Baumert beim 9. Tag der Oste darlegte.


Wasserschützer Baumert, Warnke

Die bislang propagierte Selbstbeschränkung der Landwirte in Trinkwasserschutzgebieten (gegen Entschädigungszahlungen) scheint an Grenzen zu stoßen. Es werde "tendenziell immer schwieriger, die Landwirte aufgrund des hohen Flächendrucks zur Zusammenarbeit zu bewegen", zitiert die NEZ heute Torsten Heitsch, Geschäftsführer der Wasser- und Bodenverbände in Otterndorf.

Alfred Warnke (Wasserwerk Wingst) appelliert in dem NEZ-Bericht von Ulrich Rohde erneut - wie kürzlich schon in einer SPD-Veranstaltung in Osten - an die Bauern, zu "begreifen, dass sie bei dieser Trockenheit keinen Dünger aufbringen können".

Agrarminister Christian Meyer (Grüne) hat unterdessen bekräftigt, der bedrohlichen Entwicklung ab 2014 mit einem Güllekataster entgegenwirken zu wollen.

Zum Thema:

> Grillen gegen die Agrarindustrie
(campact.de).

Auf Facebook kommentiert oste.de-Leserin Beate Rühmann: "Solange auch noch Gülle von weit her transportiert wird, sind bald alle Gebiete betroffen."


Gift fürs
Wasser

24. 7. 2013.  Die Vermaisung der Landschaft ist Gift fürs Grundwasser. Das Umweltbundesamt und die EU-Kommission drängen nach Angaben von "Report Mainz" wegen hoher Nitratwerte im Grundwasser darauf, die Düngeverordnung zu verschärfen. Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, erklärte jetzt im Interview mit "Report Mainz": "Ein Viertel des Grundwassers in Deutschland hat zu hohe Nitratwerte. Das ist ein gravierendes Problem."

Gülle aus der Viehhaltung und Gärreste aus Biogasanlagen verunreinigten das Wasser mit Nitrat. Das südliche Osteland zählt bekanntlich zu den Regionen mit dem höchsten Vermaisungsgrad in der Bundesrepublik.

Vor allem die schnell wachsende Anzahl an Biogasanlagen und der damit verbundene Maisanbau verschärfen das Problem. Um das Grundwasser besser vor Nitrat zu schützen, gebe es, so Flasbarth, "dringenden Handlungsbedarf": "Das Umweltbundesamt empfiehlt dringend, dass die Düngeverordnung präzisiert und verschärft wird." Dabei sei es sehr wichtig, auch die Gärreste aus den Biogasanlagen in schärfere Regelungen für Düngehöchstmengen mit einzubeziehen.

> Frühere Berichte von oste.de über die Folgen der Vermaisung stehen auf dieser Archivseite.

Zum Thema:

Trinkwasser: Rotgrün bremst Herbstdüngung
(ml.niedersachsen.de).

Auf Facebook kommentiert oste.de-Leser Nico Bär: "Das Thema ist ja nicht neu - und es ist mehr als skandalös, dass man mancherorts immer noch nichts zum Thema Mais, Gülle und Nitrat im Grundwasser wissen will: In den 1980er Jahren gab es massive Probleme beim Wasserwerk Holdorf (Landkreis Vechta).

Den Staat ist das sehr teuer zu stehen gekommen: die Bezirksregierung Weser-Ems mußte zahlreiche Hausbrunnen in Südoldenburg stilllegen und die Haushalte an die Wasserleitung anschließen. Dabei lag die Ursache für die Verseuchung bei der PRIVATwirtschaft.

Auch anderenorts gab es wegen sehr hohem Nitratgehalt im Grundwasser erhebliche Probleme - der SPIEGEL berichtete in den 1980er Jahren (hier und hier).

Meine Polemik dazu: Immer schön CDU und FDP wählen. Dann werden die Gewinne privatisiert und ins Ausland transferiert - die Verluste werden - alternativlos - sozialisiert."


Stadt gegen 
Vermaisung 

1. 7. 2013. Der großflächige Anbau von Mais für Biogasanlagen gerät zunehmend in Verruf. Die fränkische Stadt Ochsenfurt will nun mit einer Neuregelung für ihre verpachteten Äcker einer weiteren Vermaisung entgegenwirken: Für diese Flächen wird eine viergliedrige Fruchtfolge vorgeschrieben. - Mehr in der Mainpost.


Front gegen
Vermaisung 


SPD-Politiker und Biologe Wölbern

30. 3. 2013. Nach Ansicht von Bernd Wölbern, dem Vorsitzenden der Mehrheitsgruppe aus SPD, WFB und Grünen im Rotenburger Kreistag und Mitglied der AG Osteland, hat die Maisgas-Welle an Oste und Wümme ihren Höhepunkt überschritten.

"Biogasanlagen sind nach meiner Auffassung nicht geeignet, die Energiewende zu bewältigen. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) in seiner ursprünglichen Form verfolgte in erster Linie das Ziel, den Landwirten eine Nische zur Reduzierung ihrer Betriebskosten zu bieten. An Großanlagen in der neuerdings entwickelten Form war dabei nicht gedacht worden. Die immensen, auf Jahre garantierten Einspeisevergütungen machten daraus ein Geschäftsmodell, welches dieses Ziel aus den Augen verlor", erklärte der Sozialdemokrat und Dipl.-Biologe in der Zevener Zeitung (Osterausgabe).

Aus Wölberns Sicht ist der Schaden durch den enormen Flächenverbrauch weitaus größer als der Nutzen. Der jetzige Landrat Hermann Luttmann habe noch als Erster Kreisrat bei einem Bestand von 60 Anlagen gesagt, der Markt im Landkreis sei gesättigt. Wölbern: "Heute gibt es 138 genehmigte Anlagen und sieben Anträge werden derzeit noch geprüft. Da wird doch wohl jedem deutlich, dass hier nichts mehr geht.“ Mehr...


Aktiv gegen
Vermaisung


campact-Website gegen Maiswüsten

5. 3. 2013. "Vielfalt statt Monokulturen: Agrarwende einläuten!" ist das Motto einer Unterschriftenaktion des Kampagnen-Netzwerks campact.de. Anlass: EU-Kommission und Regierungschefs wollen die Wende hin zu einer nachhaltig-bäuerlichen Landwirtschaft. Doch der Agrarausschuss des Europaparlaments will weiter Maiswüsten und Tierfabriken subventionieren

Am 13. März entscheiden alle Abgeordneten. campact bittet um Unterstützung der Forderung, dass "nicht länger vor allem die Agrarindustrie mit ihrer Massentierhaltung, mit hohem Pestizid-Einsatz und Monokulturen subventioniert wird": EU-Zahlungen dürfen nur noch an Betriebe fließen, die

> auf ihren Äckern mindestens drei Feldfrüchte im Wechsel anbauen,
> mindestens sieben Prozent ihrer Fläche für mehr Artenvielfalt und ohne Pestizide nutzen,
> Wiesen und Weiden in ihrer derzeitigen Größe bewahren und nicht umbrechen".

Unterschriften für eine "Wende hin zu einer nachhaltig-bäuerlichen Landwirtschaft" können hier geleistet werden.


Meyer gegen
Vermaisung


Naturschützer und Maisgas-Kritiker Baumert*

13. 2. 2012. Der designierte niedersächsische Agrarminister Christian Mayer (Grüne) will die Vermaisung stoppen, die auch auf oste.de seit langem beklagte Geißel nicht zuletzt der Osteregion. "Wir werden eine Bundesratsinitiative starten, um die Über-Förderung von Mais bei Neuanlagen zu reduzieren," erklärt Meyer weiter. Der Politiker, der von Agrarindustrie und Schwarzgelb vorab schon als "Bauernschreck" verteufelt wird, kündigt außerdem eine natur-, tier- und verbraucherfreundliche Politik an. -  In einem Porträt des Politikers stellte die Süddeutsche Zeitung gestern die Charakterisierung Meyers durch seine Gegner als Zerrbild dar. Das Gegenteil treffe eher zu, so das Blatt, dessen Artikel die Überschrift "Der grüne Bauern-Schmeichler" trägt. Meyer setzt auf eine "sanfte Agrarwende". Mehr hier in der Süddeutschen, der besten Zeitung des Landes.


Jäger und Maisgaskritiker Gerhard Klotz

Die fatalen Folgen der Vermaisung für Natur und Umwelt hatte als einer der ersten der Hadler Jägerschaftsvorsitzende und Osteland-Preisträger Gerhard Klotz kritisiert. Der bundesweit bekannteste Vermaisungsgegner, der NABU-Experte und Ex-Bundeswehroffizier Uwe Baumert aus Deinstedt, wird am Sonntag den Festvortrag beim 9. Tag der Oste in Elm halten. 

Zuletzt hatte Baumert am Wochenende im Raum Diepholz vor 200 Zuhörern über die Risiken der Maisgasproduktion gesprochen. Ein Bericht über seinen Vortrag steht in der Diepholzer Kreiszeitung.

In der Agrarpolitik wollen SPD und Grüne laut Koalitionsvereinbarung (mehr) im Dialog mit der Landeswirtschafts- und Ernährungsindustrie eine Wende einleiten: Bäuerliche Familienbetriebe sollten gestärkt werden, der Tierschutz verbessert werden. Außerdem soll Niedersachsen gentechnikfrei werden. 

* Das Foto oben zeigt Baumert mit einer "Bild"-Montage, mit der ihm Freude für seinen Kampf gegen die Vermaisung danken..


Landraub
am Rain


Blühstreifen: Als Ackerzufahrt genutzt

28. 1. 2013. Die Stadt Bremervörde hat in der Lokalpresse "stärkere Kontrollen der Grundstücksgrenzen an Wirtschaftswegen" angekündigt, um kommunale Wege und Randstreifen wieder in ihrer ursprünglichen Breite wiederherstellen zu können. Laut Baudezernent Wilhelm Gathmann wird von den Landwirten "in den meisten Fällen die Grundstücksgrenze ignoriert", teils versehentlich, häufig bewusst. Die mit Hilfe der Jägerschaft angelegten Blühstreifen werden laut Bremervörder Zeitung von einzelnen Landwirten und Lohnunternehmern als zusätzliche Zufahrt zum Acker genutzt und beschädigt.


Gift für die 
Fischbrut


Lachs und Meerforelle: Kaum eine Chance

28. 1. 2013. Unter dem Titel "Gülle und Mais: Gift für die Fischbrut" berichtet heute die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung (SHZ), dass zu viele Landwirte neben Gülle zusätzlich Mineraldünger einsetzen. Außerdem würden vermehrt Feinsande in die Gewässer geschwemmt. Folge: "Meerforellen und Lachse haben in freier Natur kaum eine Nachwuchs-Chance." 

Das Blatt zitiert den Diplom-Biologen Martin Purps, Fischereiberater beim Landessportfischerverband Schleswig-Holstein: "Das hat mit dem vermehrten Energiepflanzenanbau wie dem Mais für Biogasanlagen zu tun." Die "übermäßige Düngung" sei "schlimmer geworden", bestätigt Dr. Hans-Dieter Grett, Referatsleiter im Umweltministerium in Kiel. Der Dünger-Überschuss liege inzwischen bei 130 Kilogramm pro Hektar. 

"Leichentuch über
dem Lebensraum"

Am Ende belaste der Nährstoffüberschuss nicht nur das Grundwasser, sondern eben auch Flüsse, Seen und Küstengewässer. Durch zunehmende Bewirtschaftung bis an den Gewässerrand werde feiner Sand in die Gewässer eingetragen, wo er den Kiesgrund verstopfe und Fischbrut sterben lasse. Purps: "Die Versandung legt sich wie ein Leichentuch über den Lebensraum." Weiterlesen...

Dank für den Hinweis an Kurt Ringen.


Sickersäfte 
als Fischkiller

> Fast jede Woche ein neuer Fall bekannt
> Vermaisung der Osteregion als Ursache

25. 1. 2013. Bei den Anglern in Niedersachsen schrillen die Alarmglocken: In der jüngsten Vergangenheit häufen sich nach Angaben des Landessportfischerverbandes Niedersachsen massive Gewässerverunreinigungen durch illegal eingeleitete Sicker- und Gärsäfte aus landwirtschaftlichen Betrieben. Vor allem in den Biogas- und Maishochburgen des Elbe-Weser-Raumes, also beiderseits der Oste, würden dadurch zunehmend Fischsterben ausgelöst.

Quelle dieser Verunreinigungen sind in der Regel die Lagerplätze von Mais-Silage, die als Viehfutter oder Substrat für Biogasanlagen verwendet wird. "Aus den zum Teil Tausende Tonnen fassenden Silagehaufen sickern häufig Flüssigkeiten aus, die aufgrund ihres extrem hohen Gewässergefährungspotentials aufgefangen und schadlos entsorgt werden müssten“, meint Ralf Gerken, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landessportfischerverbands.

Dass dies aber nicht immer der Fall ist, zeigen zum Beispiel aktuelle Vorfälle aus den Landkreisen Stade und Rotenburg. Hier wurden allein in den letzten Wochen etwa 20 Gewässer massiv durch Sickersäfte verunreinigt. 

Die auch in geringen Mengen enorm sauerstoffzehrenden Flüssigkeiten haben im mehreren Zuflüssen der Schwinge, Oste und Bever den Fischbestand vernichtet. "Diese Bäche sind oft Lebensraum und Kinderstube gefährdeter Arten, wie der Meerforelle, die von den Angelvereinen in aufwändiger Arbeit wieder angesiedelt wurde. Mit einem Schlag wurde Etwa im Fredenbecker Mühlenbach die Artenschutzarbeit mehrerer Jahre des Stader Angelvereins zunichte gemacht", beklagt Gerken.

Auch aus anderen Regionen des Landes bekommt der Landesverband vermehrt Hinweise auf derartige Vorfälle, zur Zeit werde fast jede Woche ein neuer Fall bekannt. 

Niemand leitet absichtlich Silage-Sickersäfte in Gewässer ein. In vielen Fällen gehen die Betreiber dieser Anlagen aber unglaublich fahrlässig mit den behördlichen Auflagen um, so der Gewässerfachmann. Außerdem fehle es vielfach an einer wirksamen Überwachung der Anlagen durch die zuständigen Behörden, die angesichts des Biogasanlagenbooms und des vermehrten Maisanbaus oft schlichtweg personell überfordert seien.

Werner Klasing, Präsident des rund 90.000 Mitglieder zählenden Landessportfischerverbandes, fordert deswegen rasche Maßnahmen zum Gewässerschutz. "Die aktuelle Entwicklung zeigt ohne Zweifel, dass die Sickersaft-Problematik sich leider nicht auf bedauerliche Einzelfälle beschränkt. Alle Behörden, wie die Landkreise und Gewerbeaufsichtsämter, aber auch die Landwirtschaftskammern und Landwirte sind aufgefordert, die zum Teil erheblichen Sicherheitsmängel an ihren Anlagen umgehend zu beheben", so Klasing. Auch das Landwirtschafts- und Umweltministerium in Hannover werde man auffordern, alles dafür tun, dass dieses große Gefahrenpotential für die Artenvielfalt in den Gewässern entschärft werde. 


Warnung vor
Frost-Güllen


Verboten: Gülle auf verschneitem Acker

25. 1. 2013. Vor illegaler Gülleausbringung auf gefrorenen Böden und damit verbundener Gewässerverschmutzung hat Joachim Ramme gewarnt, Bremervörder Bezirksleiter der Landwirtschaftskammer. Insbesondere "Betriebe mit maisbetonten Fruchtfolgen" hätten oft nicht genügend Güllelagerraum geschaffen. 

Schon jetzt seien diverse Grünlandflächen "recht dunkel", obwohl das Thema "enorm im Fokus der Öffentlichkeit" stehe und Verstöße zu "rechtlichen Verschärfungen" führen würden, warnte Ramme laut Bremervörder Zeitung (Freitag) bei einer Fachtagung in Selsingen.

> Cuxland: Betriebe verseuchen Grundwasser
(nordsee-zeitung.de),

.
Besondere
Senbsibilität

Auch von Naturschützern begrüsst wird eine schriftliche Klarstellung, die das Landvolk jetzt seinen Mitgliedern übermittelt hat: "Nach Düngerecht ist das Aufbringen von stickstoff- oder phosphathaltigen Dünger einschließlich Festmist auf Böden, bei denen die Aufnahmefähigkeit nicht gegeben ist und daher auch Abschwemmungsgefahren bei einsetzendem Tauwetter oder Regen bestehen, verboten," heisst es darin.

"Als nicht aufnahmefähig angesehen werden Flächen, die ganz oder teilweise überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder durchgängig höher als fünf Zentimeter mit Schnee bedeckt sind. Auch zur Vermeidung von ggf. unberechtigten Anzeigen sollte auch auf geringfügig schneebedeckten Flächen eine Ausbringung möglichst unterbleiben. Eine Ausbringung bei Frosttemperaturen ist nur dann zulässig, wenn die Flächen noch nicht durchgängig gefroren sind (sondern z. B. nur in Schattenbereichen von Gehölzen oder an Waldrändern) oder falls der Boden wegen ansteigender Temperaturen tagsüber an der Oberfläche auftaut. 

Bei einer Dauerfrostperiode wie derzeit, die eventuell auch noch nach dem Ende der generellen Sperrfrist am 1. Februar anhält, trägt der Betrieb eine besondere Beweislast, dass die Ausnahmebedingungen für eine Ausbringung trotz nächtlicher Minustemperaturen und leichtem Schneefall gegeben sind.

Auch in diesem Bereich ist besondere Sensibilität sinnvoll, wenn die derzeitigen Ausnahmeregelungen erhalten bleiben sollen. Grundsätzlich ist eine sicher ausreichende Lagerkapazität für den anfallenden Wirtschaftsdünger immer die beste Möglichkeit, um den Ungewissheiten der Witterung begegnen zu können. Das Landvolk setzt sich daher auch dafür ein, bürokratische Hürden bei der Genehmigung von Wirtschaftsdüngerlagern zu reduzieren."

.
Zum Thema:

> Gülle-Gase zerstören Reetdächer
(tageblatt.de),

> Cuxland: Betriebe verseuchen Grundwasser
(nordsee-zeitung.de),

> Verboten: Gülle auf gefrorenem Boden
(shz.de),

> Argentinien: Verbot für Monsanto
(neopresse.com/umwelt).


SPD: Skandal
um Gasfabrik 


Kreis sagt Nein: Biogasanlage in Gross Meckelsen

15. 1. 2013. Die SPD im Kreis Rotenburg spricht von einem Skandal: Die schwarzgelbe Koalition in Hannover will unmittelbar vor der Wahl, bei der sie um ihre Mehrheit fürchten muss, an der Oste noch schnell vollendete Tatsachen schaffen - gegen den Willen Votum des (rot-grün dominierten) Kreisaussschusses. 

Streitpunkt ist der Bau einer Maisgasfabrik im Trinkwasserschutzgebiet bei Sittensen. Ein ausführlicher Bericht über die Hintergründe steht heute in der Bremervörder Zeitung.


Maisgasfabrik
im Wahlkampf


Demo gegen Maisgasfabrik an der Oste (2012)

11. 1. 2013. Die Vermaisung des Ostelandes und die hochumstrittene Maisgasfabrik im Trinkwasserschutzgebiet an der Oberen Oste sind zum Thema im niedersächsischen Wahlkampf geworden. Wie die Zevener Zeitung (offline) heute meldet, ist nach Auffassung der hannoverschen CDU/FDP-Regierung (federführend: FDP-Umweltminister Birkner) eine wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung für eine derartige Anlage im Wasserschutzgebiet in Gross Meckelsen bei Sittensen nicht erforderlich

Skurrile Begründung, sinngemäss: In der einschlägigen (veralteten) Verordnung sei von Biogas noch gar nicht die Rede - Empörung bei den Wasserschützern, die eine Klage angekündigt haben, Freude bei den Investoren des Industrieprojekts.

Weil vor Ort

Wie der SPD-Fraktionschef im Rotenburger Kreistag, Osteland-Mitglied und Landtagskandidat Bernd Wölbern aus Wohnste, soeben mitteilt, wird sich der SPD-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Stephan Weil, am kommenden Mittwoch, 16. Januar, vor Ort über das Methangas-Projekt im Wasserschutzgebiet informieren.

Über die Vermaisungs-Problematik hat sich unterdessen auch der NABU-Kreisvorsitzende und Osteland-Mitstreiter Uwe Baumert in einer Veranstaltung der SPD geäußert, die "Ende im Gelände" für den Biogas-Boom im Kreis Rotenburg fordert. 

"Ende im Gelände"

Die Kreiszeitung (voller Wortlaut hier) fasst die Position des Naturschützers so zusammen: "Baumert plädierte für einen Mix aus erneuerbaren Energien. Dort sei Biogas nur einer von mehren Faktoren. Er verlangte, die Vermaisung der Landschaft zu stoppen. Denn Monokulturen würden die Natur schädigen. Bestände an Weißstorch, Kiebitz, Rebhuhn und der Wiesenweihe gingen zurück, die Schwarzwildpopulation steige. Wenn er massive Gülleausbringung und intensiven Grünlandumbruch sehe, blute ihm das Herz.

Kommunen hätten keine Steuerungsinstrumente, um neue Anlagen zu verhindern, wohl aber könnten sie ihre Planungshoheit voll ausschöpfen. Zudem fordere der Nabu, so Baumert, 'keine Anlagen in Wasserschutzgebieten, in Überschwemmungsgebieten, in Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten und das Einhalten eines Mindestabstandes zur nächsten Wohnbebauung. Alternativ zum Mais regte Uwe Baumert an, andere Energiepflanzen wie die durchwachsende Silphie anzupflanzen. 'Wir Naturschützer wollen die Energiewende, wandeln uns vom Bedenkenträger zum Mitgestalter und suchen Wege zu einer Vision einer naturverträglichen Landwirtschaft', so der Experte."

Netzwerk klagt 

10. 1. 2013. Eine Klage kündigt das von AG-Osteland-Mitgliedern mitgetragene Netzwerk Sauberes Trinkwasser (NeST) in Sittensen für den Fall an, dass die vom rot-grün dominierten Rotenburger Kreisausschuss abgelehnte Biomethanfabrik im Trinkwasserschutzgebiet an der Oberen Oste doch noch genehmigt werden sollte - wir berichteten ausführlich. Unterstützt wird das Anliegen der Wasserschützer auch von dem SPD-Landtagskandidaten, Kreis-Fraktionschef, Diplom-Biologen und AG-Osteland-Mitstreiter Bernd Wölbern.

Mehr zum Thema:

> NeST gegen Biogasfabrik
(Treffpunkt Sittensen), 

> Entscheidung steht noch aus
(Zevener Zeitung),

> Wölbern (SPD) will es wissen
(Zevener Zeitung).

Dank für Hinweise an Andreas Rathjens, Gunnar Friedrich und Kurt Ringen.


Vermaisung

Sarkasmus
zum Fest


Annonce im Bremervörder Sonntagsjournal

26. 12. 2012. Kaum etwas bereitete den Naturschützern rund um Bremervörde 2012 mehr Verdruss als die Autobahnpläne und die fortschreitende Vermaisung der Landschaft - Anlass zum Sarkasmus für Uwe Baumert(Foto) aus Deinstedt, hochverdienter Kreis- und Vize-Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (NABU). Zum Fest schalteten er und die Initiative "Eisenbahn statt Autobahn" im Bremervörder Sonntagsjournal eine Anzeige, die beide Themen satirisch beleuchtet.


Umwelt

Maisgas im
Wahlkampf


Sozialdemokrat Lies (im Cuxland)

24. 12. 2012. Die seit langem beklagte Vermaisung der Landschaftwird vor allem im südlichen Osteland zum Thema von Veranstaltungen im Wahlkampf. In Bremervörde sprachen sich der SPD-Spitzenpolitiker Olaf Lies und der SPD-Landtagskandidat Bernd Wölbern kritisch gegenüber den Auswirkungen des Biogas-Booms im Kreis Rotenburg aus - siehe Ausschnitt aus der Heiligabend-Ausgabe der Bremervörder Zeitung:

Lies ist der designierte Wirtschafts- und Verkehrsminister der niedersächsischen Sozialdemokraten.


Umwelt

Landrat ist
"rechtsirrig"


Rotenburger SPD-Spitzenmann Wölbern

17. 12. 2012. Der Konflikt um die geplante Mega-Maisgasfabrik im Trinkwasserschutzgebiet bei Groß Meckelsen an der Oberen Oste gewinnt an Schärfe. Nachdem die neue SPD/Grüne/WFB-Mehrheit im Rotenburger Kreistag es abgelehnt hatte, den Bau per Ausnahmegenehmigung zu gestatten, bezeichnete CDU-Landrat Herrmann Luttmann, wie berichtet, die Entscheidung gegenüber der Fachaufsicht als rechtswidrig. 



Gruppenchef Wölbern bei Wasserschutz-Demo

Jetzt reagiert der Sprecher der Mehrheitsgruppe, der Diplom-Biologe, AG-Osteland-Mitstreiter und Landtagskandidat Bernd Wölbern (SPD) aus Deinste, mit einer Gegenerklärung. Darin bezeichnet er namens der Gruppe die Auffassung des Landrats als "rechtsirrig". Der Wölbern-Brief ist hier im Wortlaut verfügbar. 


Vermaisung

Biogas ist
ausgereizt


Anti-Maisgas-Demo an der Oste (Foto: N3)

8. 12. 2012. Kommt jetzt endlich die Wende weg vom Maisgas und weg von der Naturzerstörung? "Biogas: Niedersachsen geht die Luft aus" - unter dieser Überschrift berichtet das Fachmagazin agrarheute.com: "Da Biogasanlagen in Veredelungsregionen besonders viel Flächenbedarf entfalten, scheint in Niedersachsen eine Sättigung erreicht zu sein. Aber auch in den übrigen Regionen zeichnet sich eine Abschwächung des Booms beim Anlagenzubau ab." Zu diesem Schluss komme die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Weiterlesen bitte hier.


Vermaisung

Politkrieg um
Maisgasfabrik

1. 12. 2012. Der Rotenburger Landrat Hermann Luttmann will die geplante Methangasfabrik im Trinkwasserschutzgebiet an der Oste zwischen Groß Meckelsen und Sittensen durchsetzen - gegen den jüngsten Beschluss der rot-grünen Mehrheit im Kreistag (siehe unten). Luttmann  zweifelt die Rechtmäßigkeit des Beschlusses an. - Ausführlicher Bericht im Weser-Kurier.


Trinkwasserschutz

Sieg der
Vernunft


Kreis sagt Nein: Biogasanlage in Gross Meckelsen

22. 11. 2012. Auf Betreiben der neuen rot-grün dominierten Mehrheitsgruppierung im Rotenburger Kreistag um Bernd Wölbern (Foto) hat es der Kreisausauschuss heute abgelehnt, den Initiatoren der geplanten Groß-Maisgasanlage bei Groß Meckelsen an der Oberen Oste eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen, das Projekt im Wasserschutzgebiet zu realisieren. 

"Die Sittensener Mitstreiter der AG Osteland freuen sich über einen ersten Erfolg, die Vernunft hat gesiegt," mailte am Abend der Landwirt Andreas Rathjens (Foto) vom Netzwerk Sauberes Trinkwasser, der ebenso wie der Sozialdemokrat und Diplom-Biologe Wölbern, die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten und andere Gasanlagen-Gegner der Arbeitsgemeinschaft Osteland angehört. Rathjens: "Dies war ein erster Schritt, die saubere Oste auch weiterhin sauber zu halten. Wir haben zwar noch nicht gewonnen, aber ein Anfang ist gemacht!"

Jetzt muss das Gewerbeaufsichtsamt Cuxhaven entscheiden, ob die Maisgasfabrik trotz Lage im Trinkwasserschutzgebiet genehmigt werden kann. Für diesen Fall hat der Trinkwasserverband Bremervörde, wie berichtet, bereits eine Klage angekündigt. - Die geplante Anlage war unlängst Gegenstand einer landesweit beachteten Demonstration von Umweltschützern in Sittensen und einer Gegendemonstration der Landwirte gewesen, die in das Megaprojekt investieren wollen.


Maisgasfabrik

Verband
will klagen


Wasserwerk in Groß Meckelsen an der Oste

18. 11. 2012. Gegen den Bau der umstrittenen Methangasfabrik im Trinkwasserschutzgebiet an der Oberen Oste bei Sittensen und Groß Meckelsen will der Trinkwasserverband Bremervörde gegebenenfalls Klage einreichen. Das kündigte Geschäftsführer Erwin Busch nach einer nichtöffentlichen Sitzung des Verbandsausschusses an. Busch erklärte gegenüber der Zevener Zeitung (Wochenendausgabe),  diese Anlage gehöre nicht in das Trinkwasserschutzgebiet, die das Wasserwerk Groß Meckelsen umgibt.


Maisgaskritiker Wölbern (SPD),Twesten (Grüne)

Demnächst wird sich der Rotenburger Kreisausschuss mit der Frage befassen, ob für das von Sittensen befürwortete Projekt die benötigte wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung erteilt werdedn soll. In dem Gremium hat die von SPD und Grünen geführte Gruppierung die Mehrheit. Gegen die Biomethanfabrik im Schutzgebiet haben sich wiederholt der Rotenburger SPD-Kreisfraktionsvorsitzende Bernd Wölbern (Wohnste) und auch die Grünen-Landtagsabgeordnete bgeordnete Elke Twesten (Scheeßel) ausgesprochen; beide gehören auch der AG Osteland an. 

Sollte die nach einer Ablehnung durch den Kreisausschuss zu erwartende Klage der Biomethan GmbH erfolgreich sein, will der Trinkwasserverband, so Geschäftsführer Busch, seinerseits Klage einreichen. 

Wie die Zevener Zeitung weiter berichtet, wollen angesichts der Widerstände einige der Kommanditisten der Biomethan "lieber heute als morgen" die GmbH & Co. KG verlassen.

Birkner: Grundwasser
ist am Ende betroffen

Kritik an der Vermaisung der Region durch Biogasanlagen äußerte am Wochenende im Gespräch mit Redakteurin Frauke Heidtmann von der Niederelbe-Zeitung (siehe Ausriss) der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP). Auszug: "Mit dem Bau der Biogasanlagen ist der Anbau von Energiepflanzen gestiegen. Die Vermaisung sieht man in dieser Gegend, aber auch in Regionen wie dem Emsland oder dem Oldenburgischen Münsterland. Das hat einige negative Auswirkungen. Das Landschaftsbild verändert sich stark, die Artenvielfalt nimmt ab und am Ende ist auch das Grundwasserbetroffen. Mais hat den unangenehmen Nachteil, dass er Nitrat gut ab kann, das bei durchlässigen Böden wieder im Grundwasser landet. Da müssen wir gegensteuern."

Zum Thema: 

> Der Streit um Biogas an der Oste
(Rotenburger Rundschau),

> Porträt des SPD-Kreispolitikers Wölbern
(Rotenburger Rundschau, 2008),

> Dorf gegen Landkreis
(Sonderseite von oste.de)

Dank für Hinweise an Kurt Ringen u. a.


Umwelt

Vermaisung
begrenzen


Birkner im Video-Interview - ansehen

14. 11. 2012. Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner hat sich in einem Video-Interview den Fragen von Lesern der Niederelbe-Zeitung gestellt. Die aktuellste Frage - nach der zunehmenden Vermaisung des Ostelandes - stellte der Hadler Juso-Vorsitzende Sönke Franz (Hechthausen; Foto) dem FDP-Politiker. Der Minister begrüsste die Deckelung des Maisanteils bei der Biogasproduktion und forderte die verstärkte Nutzung von Abfällen und Alternativpflanzen. Ansehen...

"Unwort des 
Jahrzehnts"


Gross Meckelser CDU-Bürgermeister Detjen

14. 11. 2012. Scharfe Kontraste kennzeichneten am Nachmittag die Live-Debatte auf Nordwestradio über die geplante Methangas-Industrieanlage im Trinkwasserschutzgebiet an der Oberen Oste.  Kritiker wie der SPD-Kreisfraktionschef und Diplom-Biologe Bernd Wölbern (Foto) betonten erneut, der Einsatz der Energiequelle Biogas aus Mais sei mittlerweile bundesweit "ausgereizt", im Kreis Rotenburg sogar "überzogen". Von Seiten der Befürworter wurden negative Folgen in Abrede gestellt. "Vermaisung" sei für ihn das "Unwort des Jahrzehnts", sagte der Groß Meckelser Bürgermeister Dirk Detjen (CDU).


Obere Oste

Biogas-Streit
live im Funk

12. 11. 2012. Die umstrittene Maisgasfabrik, die im Trinkwasserschutzgebiet an der Oberen Oste bei Sittensen geplant ist, ist Thema einer Livesendung von "Nordwestradio unterwegs" am Mittwoch, 14. November, 15.05 Uhr

Zur Frage "Gefährdet die geplante Biogasanlage in Groß Meckelsen die Grundwasserversorgung?" äußern sich unter anderem Manfred Heppner, Geschäftsführer Biomethan Sittensen, Dirk Detjen, CD>U-Bürgermeister von Groß Meckelsen, Bernd Wölbern, Mitglied im Naturschutzbund NABU und SPD-Kreistagsabgeordneter, sowie Dieter Höper, Mitglied im Netzwerk Sauberes Trinkwasser und in der AG Osteland.

Zu der Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus, Schulstraße 1, 27419 Groß Meckelsen, sind Gäste willkommen, der Eintritt ist frei. Mehr...

Zum Thema:

> Zevener Biogas-Firma operiert weltweit
(DGAP.de),

> Milliardenschäden durch Maiszünsler
(Berner Zeitung),

> Zeven: Neue Biogas-Technologie entwickelt
(energie-und-technik.de),

> Umstrittener Biogas-F-Plan genehmigt
(Treffpunkt Sittensen),

> Biogas soll sicherer werden
(Biogas.org).


Demonstration

Neue, faire
Agrarpolitik


"Für Bauernhöfe statt Agrarfabriken"

5. 11. 2012. Viele Verbraucher-, Umwelt-, Imker-, Tierschutz- und Bauernorganisationen laden zu einer Demonstration "für eine in neue, faire Agrarpolitik in Niedersachsen" am Sonnabend, 10. November, 11 bis 14 Uhr, in Hannover ein. Der Demonstrationszug führt vom Steintor zum Opernplatz. Motto: "Wir haben es satt! - Für Bauernhöfe statt Agrarfabriken!"

Vermaisung
als Irrweg

In dem Aufruf heisst es: "In Niedersachsen gewinnt die Agrarindustrie die Oberhand: Überall im Land entstehen Megaställe, in den Millionen Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht werden - unter massivem Einsatz von Antibiotika. Ganze Landstriche werden nur noch mit Mais bestellt, als Tierfutter und für Biogasanlagen. Die bäuerliche Landwirtschaft ist allenthalben auf dem Rückzug. Eine neue Landesregierung muss dies ändern!" - Aus Hamburg, Bremen, Celle, Emden und Soltau fahren Busse zur Demo. Alle Infos zur Demo hier.


Schädlinge

Alarm an
der Elbe!


Männchen und Weibchen des Maiszünslers

1. 11. 2012. Schlägt die Natur zurück? Aufgrund der rapide zunehmenden Vermaisung der Landschaft hat ein gefürchteter Schädling, der Maiszünsler, jetzt die Elbregion erreicht. Das berichtet soeben die Lüneburger Landeszeitung. Auf einem Feld im Raum Bleckede wurde demnach vor wenigen Tagen zum ersten Mal eine Raupe des Maiszünslers nachgewiesen.

Nach Berechnungen von Agrarwissischaftlern verursacht der Maiszünsler jährlich einen Schaden von 11 bis 12 Millionen Euro. Der unscheinbare grau-braune Schmetterling kann bis zu 50 Prozent Ertragsverluste verursachen. 

Mit herkömmlichen Mitteln ist der Maisschädling nur schwer zu bekämpfen. Weil der kleine Falter kaumnatürliche Feinde hat und in den Maisfeldern ideale Lebensbedingungen vorfindet, breitet er sich im Zuge des Maisanbaus seit Jahren immer weiter nach Norden aus. Insbesondere der Oste- und Wümme-Kreis Rotenburg mit seinen rund 150 Biogasanlagen zählt zu den Regionen mit dem höchsten Maisanteil in Niedersachsen. Mehr...


Trinkwasserschutz

ROW billigt
Methan-Plan


Demo gegen Methanfabrik an der Oste

30. 10. 2012. Helle Freude bei den Investoren der heftig umstrittenen Biomethan-Großanlage im Trinkwasserschutzgebiet bei Groß Meckelsen an der Oberen Oste: Der Landkreis Rotenburg hat die notwendige "Änderung des Flächennutzungsplans zur Darstellung einer Sonderbaufläche für Biomethan" genehmigt, wie jetzt beim Erntefest des Dorfes mitgeteilt wurde. Bei der Feier nahm Bürgermeister Dirk Detjen die Trinkwasserschützer aufs Korn: "'...es macht großen Spaß, die Gegenseite zu ärgern', fügte er grinsend hinzu", so die Lokalpresse.


Methangasfabrik-Befürworter Detjen

Der Bürgermeister gehörte zu den Organisatoren einer Gegen-Demo, deren Teilnehmer die Veranstalter der Kundgebung gegen die Methanfabrik auf Transparenten als "schräge Vögel", "Dreckspatzen" und "Schmierfinken" titulierten (wir berichteten).


Transparent der Methanfabrik-Befürworter

Der Genehmigung des F-Planes durch den Kreis Rotenburg war eine Stellungnahme der Unteren Wasserbehörde vorausgegangen, die vom Netzwerk Sauberes Trinkwasser (NeST) scharf kritisiert wurde (Wortlaut hier), weil sie "nicht den erforderlichen Standards eines wasserrechtlichen Gutachtens entspricht". Das NeST hat, so Sprecher Dieter Höper, daher die Möglichkeit in Aussicht gestellt, den Rechtsweg zu beschreiten.


Sittenser Trinkwasserschützer Höper

Das NeST teilt die Ansicht des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dass die starke Zunahme organischer Dünger aus Biogas und Tierhaltung die natürlichen Nitrat-Puffermechanismen zunehmend überfordert (mehr). Einschlägige Bedenken waren bereits im Mai bei einem NeST-Expertengespräch über "Anlagenbezogenen Gewässerschutz in den Wasserschutzzonen des Wasserwerks Groß Meckelsen" geäußert worden - siehe Protokoll.

Der überregionale Verein VSR-Gewässerschutz sieht darüber hinaus Risiken für die Oberflächengewässer im Osteland - siehe die VSR-Stellungnahme "Biogasanlagen gefährden die Wasserqualität der Oste".


Obere Oste

1. Demo gegen
Vermaisung


Marsch von Gross Meckelsen nach Sittensen

Am Straßenrand: örtliche Gegendemonstranten

20. 10. 2012. Rund 300 Bürgerinnen und Bürger aus dem Osteland nahmen am Sonnabend an einer "Demonstration gegen den Wildwuchs von Biogasanlagen und die zunehmende Vermaisung der Landschaft" an der Oste teil. Aufgerufen hatten diverse Umweltverbände und Politiker, Anlass war der geplante Bau einer Methangasfabrik in einem Wasserschutzgebiet in der Gemarkung Groß Meckelsen (Kreis Rotenburg) an der Oberen Oste. 

Von Groß Meckelsen führte der Demonstrationszug - begleitet von Pro-Gas-Gegendemonstranten - über gut drei Kilometer zum Kundgebungsplatz unweit der Oste in Sittensen.


Kundgebungsrednerin Elke Twesten (Grüne)

Grünen-Aufruf zur Demo (Ausschnitt)

Zu den Rednern zählten die Rotenburger Vize-Landrätin, Grünen-Abgeordnete und AG-Osteland-Mitstreiterin Elke Twesten, der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Christian Kindler sowie der Mehrheitsführer im ROW-Kreistag und Landtagskandidat Bernd Wölbern (SPD). Gegenüber dem NDR erklärte AG-Osteland-Mitglied Dieter Höper namens des örtlichen Netzwerks Sauberes Trinkwasser, er könne nicht verstehen, warum die Mega-Anlage mitten im Wasserschutzgebiet gebaut werden soll. Die Nitratbelastung des Grundwassers sei laut den Werten der örtlichen Wasserverbände schon jetzt um das Zwei- bis Vierfache überhöht


SPD-Protest gegen Biogas-Industrieanlage

Der zusätzliche Maisanbau für die Biogas-Anlage würde die Lage Höpers Ansicht nach noch verschlimmern. Darüber hinaus würde der Betrieb in Groß Meckelsen für ein Verkehrschaos sorgen. Viele Tausend Tonnen Mais und Gülle müssten über die Straßen angeliefert werden.

Die Demonstration fand starkes Interesse bei den Medien. Vor Ort waren unter anderem auch Fernseh-Teams von SPIEGEL-TV, Arte und NDR (siehe auch NDR-Website zur Demo). - Mehr über das Biogas-Projekt auf den Websites des NABU, des BUND, der Zevener Grünen und der Sittenser SPD.

Fotos von Deutschlands erster größerer Demonstration gegen Mega-Gasanlagen und Vermaisung stehen auf unserer SONDERSEITE. Unsere früheren Beiträge zur Vermaisung des Ostelandes sind auf dieser ARCHIVSEITE auffindbar.

Zum Thema:

> TOP-TIPP: Goldrausch auf dem Acker
(ndr.de),

> Vermaisung ist Wochenthema auf N3
(NDR.de),

> Zevener Grüne gegen Gas-Industrie
(Zevener Zeitung),

> Resistenter Mais gesucht
(Bayerisches Fernsehen),

> Osteland: 650 Biogas-Arbeitsplätze
(oste.de),

> Biogas bald aus Stroh?
(agrarheute.com).


Naturschutz
ehrt Jäger


NABU-Chef Baumert (M.), Ehrengäste

30. 9. 2012. Unter dem Eindruck der rapide zunehmenden Vermaisung der Landschaft rücken Naturschützer und Jägerschaft enger zusammen - nicht zufällig insbesondere im Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg, der zur Maissteppe mutierten niedersächsischen Hochburg der Biogasproduktion. In der Umweltpyramide (Foto) in Bremervörde verlieh der Naturschutzbund Bremervörde-Zeven (NABU) am Wochenende seinen 22. Natur- und Umweltschutzpreis erstmals zwei Vertretern der Jägerschaft aus dem Osteland. Bemerkenswerte Festreden hielten der niedersächsische NABU-Vize Wolfgang Baumert (Deinstedt), einer der profiliertesten deutschen Naturschützer und Vermaisungskritiker, und der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen und CDU-Abgeordnete Helmut Dammann-Tamke.


Maisgas: Problem für Jäger und Naturschützer

Als diesjährige Preisträger geehrt wurden als Vertreter der Jägerschaft Astrid Brandtjen (Selsingen) und Herbert Tietjen (Rhade). Die zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin Brandtjen hat vieldutzendfach Schulkindern vermittelt, was Baumert mit den Worten von Joseph von Eichendorff die Begeisterung für das "große Bilderbuch" nannte, "das der liebe Gott uns draußen aufgeschlagen hat". Umweltpädagogische Verdienste mit der Infomobil-Aktion der Zevener Jägerschaft ("Lernort Natur") bescheinigte der Laudator auch dem Hegeringleiter und Landwirtschaftsmeister Tietjen, der mit "Wildtieren zum Anfassen" Kindern die Berührungsängste mit der Natur nehme.


Geehrte Jäger Tietjen und Brandtjen

Vor der Übergabe der Preise durch den Kreisvorsitzenden Baumert und seinen Stellvertreter Hans-Hermann Tiedemann (Elm) - beide übrigens auch Mitglied der AG Osteland - hatten die NABU-Sprecher den Vertretern der Jägerschaft versichert, dass "der Erhalt der Natur und der Mitwelt zu wichtig ist, als dass wir uns ein Gegeneinander leisten können". 


Vorsitzender Baumert, Stellvertreter Tiedemann

Jäger-Präsident Dammann-Tamke lobte die "beispielgebende Zusammenarbeit vor Ort" zwischen der Jägerschaft und dem NABU; beide sind anerkannte Naturschutzverbände. Vieles sei schon erreicht worden, wie die Rückkehr von Biber, Fischotter und Schwarzstorch in Gewässer und Wälder der Region zeige. "Erhebliche Sorgen" bereite aber auch den Jägern der zunehmende Artenschwund aufgrund der Monotonisierung des Lebensraums Feldflur.

Dem NABU sei es, so Dammann-Tamke, im Maiskreis Rotenburg "in exzellenter Weise gelungen, bei Landwirten Sensibilität zu schaffen" und mitzuhelfen, Blühstreifenprogramme auf den Weg zu bringen - das sei aber erst "ein Anfang". Bundesweit flächendeckend müßten 1,5 Prozent Saumstrukturen aus der intensiven Bewirtschaftung herausgenommen werden. Wo der Agrarsektor "zum Blockieren" neige, seien Jäger als Vermittler prädestiniert: Sie könnten darauf hinweisen, dass artenreiche bunte Feldstreifen für die Landwirte einen "enormen Imagegewinn" bedeuten.


Vize-Landrätin Elke Twesten (Grüne)

Zu Beginn der liebevoll mit Sketch (Beate Clara Krambeck) und Musikeinlagen (Enya Noelte und Ingrid Simon) gestalteten Feierstunde hatte Vize-Landrätin, Grünen-MdL und AG-Osteland-Mitglied Elke Twesten die Grüße des Landkreises überbracht und ebenfalls die Verdienste des NABU gewürdigt. Als Gäste des Festakts begrüßte der NABU unter anderem den Vorsitzenden des Kreistagsausschusses für Umwelt, Naturschutz und Planung sowie SPD-Naturschutzsprecher Volker Kullik (Foto), den Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände im Landkreis Rotenburg (Wümme), Wilfried Pils, die CDU-Bürgermeister Eduard Gummich (Bremervörde) und Reinhard Aufdemkamp (Selsingen), Kreisjägermeister Dr. Hermann Gerken, den CDU-Kreistagsabgeordneten und Vorsitzende der Jägerschaft Zeven, Dr. Heinz-Hermann Holsten, den ROW-Kreisnaturschutzbeauftragten Werner Burkhart, den SPD-Kreisfraktionschef, Landtagskandidaten und Diplom-Biologen Bernd Wölbern (Wohnste) und die AG-Osteland-Vorstandsmitglieder Jochen und Renate Bölsche.


Silphie 
statt Mais


Mais-Acker (bei Hemmoor)

25. 9. 2012. Es gibt eine Alternative zur Vermaisung: Gute Erfahrungen haben Landwirte in diesen Tagen mit der "Durchwachsenen Silphie" gemacht, einer Energiepflanze, die, anders als der Mais, Boden und Grundwasser schont, wenig Arbeits- und Pestizideinsatz erfordert, landschafts- und bienenfreundlich ist - und darüber hinaus profitabel


Neues Youtube-Video - ansehen

Ein brandaktuelles, sehenswertes Youtube-Video berichtet über die erste Ernte der Silphie in der Bioenergieregion Jena-Saale-Holzland. Mit bis zu 29 Tonnen pro Hektar fiel die erste Ernte teilweise überdurchschnittlich gut aus.


Wurzelbohrer
liebt's mono


Maisfeld im Osteland

4. 9. 2012. In Rheinland-Pfalz ist erneut der Maiswurzelbohrer aufgetreten, der weltweit bedeutendste Maisschädling. Nach Angaben des Mainzer Landwirtschaftsministeriums sind in der zweiten Augusthälfte in der Südpfalz zwei und in der Vorderpfalz vier Käfer in Pheromonfallen des Pflanzenschutzdienstes gefunden worden. Die Maiswurzelbohrer seien sehr wahrscheinlich durch den Fernverkehr aus Süd- oder Südosteuropa eingeschleppt worden.

Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken zeigte sich vor allem besorgt über das Auftreten des Schädlings. Sie forderte die Landwirte auf, nicht auf Mais-Monokulturen zu setzen, sondern auf ihren Äckern die Fruchtarten zu wechseln. Damit werde dem Schädling die Nahrungsgrundlage entzogen. Mehr...

Zum Thema:

> Maisdschungel verändert Tierwelt
> Maisboom auch um Osnabrück
> Feldlerchen und Kiebitze sterben aus
(Neue Osnabrücker Zeitung).

Dank für Hinweise an Kurt Ringen.


Biogas

Grenzen der
Akzeptanz


Maisgas-Bericht im neuen SPIEGEL

28. 8. 2012. In einer Kolumne für die Lokalpresse an der Oberen Oste verteidigt der Ex-Agrarminister und Rotenburger CDU-Kreisvorsitzende Hans-Heinrich Ehlen die Biogasanlagen, wenngleich "deren Akzeptanz in einigen Regionen an ihre Grenzen zu stoßen scheint". Zu den Regionen, in denen der Widerstand von Jägern, Landwirten sowie Natur- und Wasserschützern rapide zunimmt, zählt vor allem die niedersächsische Maishochburg ROW, wo die Ehlen-Familie selber von der Vermaisung des Ostelandes profitiert.

Wie der SPIEGEL in seiner jüngsten Ausgabe unter der Überschrift "Kolben-Fresser" berichtet, zählt Ehlens Sohn zu den Betreibern einer der  größten deutschen Biogasanlagen, die in im Trinkwasserschutzgebiet der Oste-Gemeinde Groß Meckelsen geplant ist.


Ausriss aus dem Maisgas-Bericht 

Die Kritik an solchen Entwicklungen - die sich jetzt auch auf der Titelseite des Stader Mittwochsjournals niederschlug - bringt Ehlen sen. in seiner Pressekolumne auf den allzu schlichten Nenner nachbarschaftlicher Neid. "Hier wird ...  die sogenannte Vermaisung der Landschaft angeprangert. Wo ein Einzelner nicht zum Zuge kommt, wird mit Bürgerinitiativen und Protesten dagegen aufbegehrt."


Schlagzeile gegen Vermaisungsfolgen

Für den Sektor Biogas sagt Ehlen sen. eine "Entspannung beim 'Für und Wider'" voraus, "da unsere Pflanzenzüchter mit alternativen Arten und Sorten zum herkömmlichen Mais auf den Markt kommen. Außerdem wird die relative Vorzüglichkeit zur Nahrungs-und Futtermittelproduktion durch steigende Preise und Verknappung in diesem Bereich verloren gehen. Auf lange Sicht werden sich die Preise herkömmlicher Energie und erneuerbarer Energie angleichen (müssen), so dass auch hier die Bäume nicht in den Himmel wachsen." Ehlen abschließend: "Bei der Nutzung bei den erneuerbaren Energien und den nachwachsenden Rohstoffen gilt für mich ganz klar die symbolische Reihenfolge:Teller,Trog,Tank."


Anlagenbau
eingebrochen


Biogasanlage im Osteland

23. 8. 2012. "Vermaisung stoppen" - unter diesem Titel berichten wir seit zwei Jahren über die schädlichen Auswirkungen der Maisgas-Produktion auf Flora und Fauna im Osteland. Jetzt scheint sich - nach massiven Protesten von Jägern, Naturschützern und schliesslich auch Politikern - der Trend zu wenden.

In der jüngsten Ausgabe von agrarheute.com heißt es zum Thema Biogas: "Neuanlagenmarkt bricht ein. Der Biogasanlagenboom scheint vorerst vorbei. Der Fachverband für Biogas geht von nur etwa 300 Neubauten in 2012 aus."

Weiter berichtet das Fachmagazin: "Mit den neuen Vergütungen und Restriktionen des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2012 bricht der Neuanlagenmarkt im Vergleich zu 2011 um fast 70 Prozent ein", erklärt Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbandes Biogas. Nach 1.300 neuen Biogasanlagen in 2011 prognostiziert der Verband nur noch rund 300 Neuanlagen für das laufende Jahr.

Kürzlich veröffentlichte das Deutsche Maiskomitee (DMK) die Maisanbaustatistiken für das Jahr 2012. Daraus ging hervor, dass die Anbaufläche für Silomais nur um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. "Dieser sehr geringe Anstieg bestätigt die Prognosen des Fachverbandes Biogas in Bezug auf den Zubau von neuen Biogasanlagen in 2012.", so Pellmeyer.

Pellmeyer fügte hinzu, "dass die Biogasanlagenbetreiber zunehmend auf Alternativen zum Mais setzen". In Schleswig-Holstein würden beispielsweise zunehmend Rüben für Biogasanlagen angebaut. Auch schnellwachsende Grassorten, Wildpflanzen und die gelb blühende Dauerkultur Durchwachsene Silphie seien als Maisersatz auf dem Vormarsch. In Mecklenburg-Vorpommern (-6,0 Prozent) und Sachsen-Anhalt (-2,7 Prozent) habe sich die Fläche für den Silomaisanbau ebenfalls verringert. Mehr...


Imker klagen
über Bio-Wüste

19. 8. 2012. Als "echtes Problem" beurteilt der Hemmoorer Imker Rolf Patjens den Trend zur "Monokultur, vor allem zu viel Maisanbau und zu wenig blühende Vielfalt für Bienen", berichtet die Niederelbe-Zeitung. Auch an der Oberen Oste wächst der Protest. 

Die Zevener Zeitung zitiert den Hobby-Imker Adolf Rossol aus Zeven mit den Worten: "Wir haben ja mittlerweile richtiggehende 'Maismeere' in unserer Landschaft. Das ist für die Bienen wie eine einzige riesige Steppe, wo sie nichts mehr sammeln können. Wir können die Sommertracht schon fast abschreiben, weil es kaum noch Blüten gibt, wo die Bienen Nektar und Pollen finden."

"Wer durch die Landschaft rund um Zeven wandert oder radelt, fühlt sich nicht selten wie in einem Mais-Labyrinth gefangen: "Im Landkreis Rotenburg werden nach Zahlen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen aus dem Jahr 2011 im Durchschnitt 55 Prozent der Ackerfläche mit Mais bestellt."


Flyer des hannoverschen Agrarministeriums

NABU-Vorstandsmitglied und Osteland-Mitstreiter Uwe Baumert, Unterstützer der Initiative "Blüh- und Huderstreifen" der Jägerschaft Zeven, setzt auf Umkehr: "Die Biogas-Branche hat erkannt, dass es so nicht weiter gehen kann." Schon 2004 habe er mit "Vielfalt statt Einfalt auf dem Acker" einen Energiepflanzen-Mix gefordert, doch bis heute dominiert der Mais auf vielen Flächen. Eine gute Alternative könne die "Durchwachsene Silphie" sein, zumal für Biogas-Neuanlagen der maximale Mais-Anteil auf 60 Prozent reduziert wurde. worden ist. 

Blühstreifen rund um die Maisfelder, so Baumert in der ZZ, seien viel mehr als nur Kosmetik oder ein Mittel zur Akzeptanzförderung. Wenn diese, wie von der Jägerschaft geplant, auf sechs bis 24 Meter ausgedehnt würden, stellten sie nicht nur ein wichtiges Vernetzungselement dar, sondern böten auch reiche Nahrungsgründe für viele Insektenarten. Das wäre eine gute Entwicklung, auch im Sinne der Imker, so Baumert.


Vermaisung wird
Öko-Thema Nr. 1


Auch die NEZ greift die Biogaskritik auf

19. 8. 2012. Die Vermaisung der Landschaft und der Biogas- und Biospritwahn sind am Wochenende zum Umweltthema Nummer 1 in den Medien aufgestiegen. Die Debatte hat inzwischen - nach über zwei Jahren - auch die Berliner Politik erreicht, wie es heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) heißt..

FDP-Generalsekretär Patrick Döring hat sich in der Diskussion "Tank oder Teller" kritisch über den massiven Anbau von Energiepflanzen geäußert und vor der zunehmenden "Vermaisung" in Deutschland gewarnt. "Dass wir wertvolles Ackerland mit Pflanzen bebauen, aus denen Biosprit und Biogas hergestellt werden, ist weder sinnvoll noch nachhaltig", sagte Döring der FAS. Für ihn habe das auch "eine ethische Dimension". Döring warnte vor einer "Verknappung von Ackerland". Er fügte hinzu: "Wenn ganze Landstriche zu Maisanbaugebieten werden, ist das nicht die Kulturlandschaft, die wir in Deutschland historisch haben."

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hält dagegen daran fest, Biomasse sei "ein sehr vielseitiger und zuverlässiger erneuerbarer Energieträger, der eine wichtige Rolle für die zukünftige Energieversorgung unseres Landes spielt". Um einer "Vermaisung" der landwirtschaftlichen Flächen entgegenzuwirken, erhielten neue Biogasanlagen seit Anfang des Jahres nur noch die volle Vergütung, wenn maximal 60 Prozent Mais eingesetzt wird, so Altmaier gegenüber der FAS.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, kritisierte, dass "mit öffentlichen Geldern Monokultur und Raubbau gefördert werden". "Das muss man beenden", so Künast. Sie forderte, alle staatlichen Anreize für den Anbau von Mais abzuschaffen. "Es ist ein großes Problem, dass wir heute so viel Ackerfläche für Mais nutzen", so Künast. Sie forderte, dass der Anbau von Lebensmitteln Vorrang vor der Energiegewinnung haben müsse: "Food First".

Die Auswirkungen der Vermaisung beklagt auch der in Oberndorf lebende "Stern"-Autor Wolfgang Röhl. Auszug: "Die Artenverarmung durch den Mais-Boom ist nur die ökologische Hälfte des Dilemmas. Die ökonomische: Zur Maiserntezeit röhren unablässig auf dem Land gewaltige Schlepper und LKW," so Röhl im Internetportal achgut.de in einem Rundumschlag gegen alle Formen erneuerbarer Energie: "Die Landstrassen, ohnehin chronisch vernachlässigt, werden durch den brachialen Maschineneinsatz ruiniert, sehen inzwischen aus wie die von Burkina Faso."

Vermaisung

Front gegen
den Biowahn
wird breiter


Kritiker Weil (SPD), Niebel (FDP), McAllister (CDU)

16. 8. 2012. Die Einsicht, dass die einst gut gemeinte Förderung von Biosprit und Biogas letztlich Mensch und Umwelt schädigt, greift rasant um sich. Von renommierten Forschern über Rot/Grün und FDP bis hin zu einzelnen CDU-Politikern wird die Forderung nach einem Stopp oder einer Deckelung der Maisgas-Förderung erhoben und die Biosprit-Zwangsbeimischung (Stichworte: Tank statt Teller, Weizen zum Heizen) in Frage gestellt.

Entwicklungsminister Niebel (FDP) fordert einen sofortigen Verkaufsstopp von Biosprit E10 - Begründung laut SPIEGEL online: Die Preise für Getreide steigen weltweit, die Uno warnt vor einer Lebensmittelkrise. Für Niebel ist klar: Am drohenden globalen Hunger ist auch die Produktion von Biosprit schuld. 

"Stoppt den Bio-Wahnsinn", fordert auch die Wochenzeitschrift "Zeit" in ihrer jüngsten Ausgabe: "Anders als erhofft können Kraftstoffe vom Acker den Klimawandel nicht aufhalten. Stattdessen verschärfen sie das Problem des Hungers auf der Welt. Wissenschaftler fordern, die Nutzung von Bioenergie zu überdenken."


Auch online: Neue Leopoldina-Studie

Die "Zeit" zitiert " eine der angesehensten Institutionen der Republik", die Nationale Akademie der Wissenschaften, kurz Leopoldina, die in einer auch online verfügbaren Studie zu dem Schluss kommt, dass "die Bioenergie als nachhaltige Energiequelle für Deutschland heute und in Zukunft keinen quantitativ wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten kann". Entsprechend sei auch "kein weiterer Ausbau von Bioenergie anzustreben". Einzige Ausnahme: eine verstärkte Nutzung von Bioabfällen." Weiterlesen...

Die niedersächsische CDU, der Agrarindustrie-Lobby eng verbunden, nutzt dagegen die jüngste Kontroverse zu einer parteipolitisch motivierten Polemik gegen SPD und Grüne, die den - von ihnen selbst einst eröffneten - Irrweg der Biogas- und -spitförderung selbstkritisch betrachten und die Leopoldina-Studie als Aufforderung zur Umkehr begrüssen.  Für die CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag bezeichnete Umweltsprecher Martin Bäumer die von SPD-Spitzenmann Stephan Weil verlangte Kurskorrektur als "halbgar". Während Ministerpräsident McAllister sich jüngst bereits für eine Maisgas-Deckelung aussprach, hackte Bäumer auf früheren Rotgrün-Positionen herum: "Es war eine rot-grüne Bundesregierung, die mit einem großzügigen Nawaro-Bonus-System den Biogasboom überhaupt erst ausgelöst hat." 

Die Agrarexpertin der SPD-Fraktion im Landtag, Renate Geuter, hatte zuvor darauf hingewiesen, dass sich die Sozialdemokraten in ihrer Kritik an der steigenden Nutzung der Bioenergie "vollkommen bestätigt" sehen in den Ergebnissen der Leopoldina-Studie. Die schwarz-gelbe Landesregierung habe jahrelang den Biogasboom angeheizt und alle Warnrufe ignoriert. So habe sie erst im letzten Jahr bei der Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) "vehement" für die weitestgehende Beibehaltung der Bioenergiesubventionen gekämpft. 

Geuter: "Uns erstaunt die kürzlich geäußerte Kritik des Ministerpräsidenten David McAllister an der Biogasförderung." Ihm scheine zum ersten Mal die Vermaisung der Landschaft aufzufallen. Fest stehe, so die Sozialdemokratin, dass in Niedersachsen vor allem aufgrund der notwendigen starken Düngung der Maisfelder mehr als 60 Prozent der Flächen eine zu hohe Nitratbelastung aufwiesen.

Niedersachsens stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender und Umweltsprecher Detlef Tankeergänzt: Der "ungezügelte Biogasboom" habe in Niedersachsen zu nachhaltigen Fehlentwicklungen geführt. Die SPD fordere die Landesregierung daher auf, ein Konzept zu erarbeiten, wie die bisher entstandenen Schäden behoben werden könnten, sagte Tanke. Geuter kündigte vor diesem Hintergrund eine schriftliche Anfrage im Landtag an (Quelle: raiffeisen.com).

Dank für Hinweise an Kurt Ringen.


Maisgas

Grüne gegen
Grün-Energie


Mais-Protestaktion von Greenpeace

13. 8. 2012. Niemand hät so für die Förderung von Biogas so stark gemacht wie die Grünen. Niemand gesteht jetzt aber auch so konsequent die damit eingeleiteten Fehlentwicklungen ein wie die Ökopartei - insbesondere im Oste- und Wümmekreis Rotenburg, wo fast 140 der und 800 Biogasanlagen in Niedersachsen stehen.


Grünen Abgeordnete und Vize-Landrätin Twesten

Für einen Stopp der mit der Vermaisung verbundenen Monotonisierung der Landschaft, Gefährdung des Grundwassers und Beschleunigung des Artensterbens haben sich - nach Jägern, Touristikerinnen Natur- und Wasserschützern - jetzt drei profilierte Grünen-Politikerinnen ("AK Mais") ausgesprochen, darunter Landtagsmitglied, Vize-Landrätin und Osteland-Mitstreiterin Elke Twesten (Scheeßel).


Zevener Grüne Buschmann, Mrugalla

Gemeinsam mit ihren Prarteifreundinnen Susanne Mrugalla, Mitglied des Samtgemeinderates in Zeven, und Antje Buschmann, Vorstandsmitglied im Ortsverein Zeven, hat Twesten Forderungen zur Abkehr von der Maisvergasung aufgestellt, die soeben in der Zevener Zeitung dokumentiert worden sind. 

Der wegweisende Beitrag ist hier online verfügbar.


Deutschland,
ein Maislabyrinth


Maislabyrinth in Oederquart (Nordkehdingen)

5. 8. 2012. Mais kann Freude bereiten - so wie das gerade eröffnete Maislabyrinth am Gasthaus Witt in Oederquart (Nordkehdingen). Naturfreunden, Touristikern und Wasserschützern aber bereitet die Pflanze mehr und mehr Verdruss. "Heute sieht Deutschland stellenweise aus wie ein riesiges Maislabyrinth," beschreibt "Planet Wissen" (ARD) die Folgen der Vermaisung. Noch vor zwei, drei  Jahren warnten nur wenige Kritiker vor den Folgen (siehe unsere im Herbst 2011 eingerichtete Sonderseite). Als erste machten Vertreter der Jägerschaft auf die fatalen Konsequenzen aufmerksam - wie etwa Gerhard Klotz (Hemmoor), der dafür 2011 mit dem "Goldenen Hecht" der AG Osteland geehrt wurde, unterstützt von Naturschützern wie dem NABU-Vordenker und AG-Osteland-Mitstreiter Uwe Baumert (Deinstedt), der für sein Engagement jüngst das Bundesverdienstkreuz erhielt. 


Vermaisung kritisiert: Jäger-Vorsitzender Klotz

Mittlerweile aber hat das Thema über die Mainstream-Medien die breite Öffentlichkeit erreicht, und auch Politiker vom CDU-Ministerpräsidenten David McAllister bis zum grünen Kieler Agrar- und Energieminister Robert Habeck fordern, wie berichtet, zur Umkehr auf. 

Eine sehr gute Übersicht über die Problematik bietet jetzt eine Website zur ARD-Sendung Planet Wissen. Dort heißt es u. a.:

"Inzwischen ist landauf, landab von der "Vermaisung" Deutschlands die Rede. Im Rheintal in Baden-Württemberg stehen nach Angaben des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands auf 80 Prozent der Flächen Maispflanzen; in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hat der Mais innerhalb weniger Jahrzehnte die traditionellen Futterpflanzen fast völlig verdrängt. Klee, Kleegras, einzelne Gräserarten und Wiesen verschwinden. Wo Mais angebaut wird, wächst nichts anderes mehr. Mit der Pflanzenvielfalt verschwinden auch die Tiere. Vögel wie Lerche und Goldammer, Bienen, verschiedene Wiesenbrüter oder auch Feldhamster verlieren ihren Lebensraum. 


Vermaisungs-Website von Planet Wissen

Wer sich dagegen im Maisfeld "sauwohl" fühlt, sind Wildschweine, die vielerorts ohnehin schon zur Plage geworden sind. Naturschützer in etlichen Bundesländern werden gegen den vermehrten Maisanbau und dessen Flächenverbrauch aktiv, weil inzwischen auch Niedermoorgebiete zunehmend trockengelegt und in Ackerland verwandelt werden. Abgesehen vom Verschwinden der typischen Arten wie Brachvogel und Wachtelkönig sowie bedrohten Orchideenarten wird beim Austrocknen der Moore das Treibhausgas Kohlendioxid freigesetzt. Durch den intensiven Maisanbau kommt es außerdem zu stärkerer Bodenerosion; die intensive Düngung belastet wiederum das Grundwasser mit Herbiziden und Nitrat.

Abgesehen von den ökologischen Folgen fällt inzwischen der Mais auch beim Landschaftsbild negativ auf: Anstelle abwechslungsreicher Landschaften sind in ländlichen Gegenden, so weit das Auge blickt, oft nur noch meterhohe Maisstängel zu sehen. Insbesondere Touristen beschweren sich über die monotonen Maiswüsten. Jäger kommen angesichts der rasanten Vermehrung der durch Mais wohlgenährten und vermehrungsfreudigen Wildschweine nicht mehr mit dem Abschießen nach; viele berichten von steigenden Wildunfällen. Auf den Vorwurf der Monotonie haben viele pfiffige Bauern längst eine Antwort: Wo Mais angebaut wird, ist das nächste Maislabyrinth meist nicht weit." Weiterlesen...


Vermaisungs-Website von Radio Bremen

Ein informatives Mais-Dossier bietet auch die Website von Radio Bremen. Auszug:

"Im Gegensatz zu Wind- und Sonnenenergie ist die Biogasmethode nicht wetterabhängig – ein großer Vorteil. Doch auch diese Methode der Energiegewinnung hat Nachteile: Gegner kritisieren die 'Vermaisung' der Landschaft und den Gestank. .. Energie aus nachwachsenden Rohstoffen – das klingt nach einer guten Alternative zu umweltgefährdender Atomenergie und schmutzigen Kohlekraftwerken. Immerhin stammen die Rohstoffe aus der Natur, oder es sind Abfälle, die in der Landwirtschaft ohnehin entstehen. Rückstände aus der Produktion sind organisch und deswegen umweltverträglich. Soweit die Theorie. 

In der Praxis ergibt sich jedoch ein etwas anderes Bild... Um die entsprechenden Anlagen zu betreiben, braucht es riesige Mengen an Rohstoffen. Eine Anlage, die Strom für ungefähr 1.000 Haushalte produzieren kann, benötigt täglich 90 Tonnen Mais-Silage. Diese Rohstoffmengen können längst nicht mehr nur aus den Abfallprodukten der Landwirtschaft gewonnen werden. Stattdessen hat der Anbau von Mais massiv zugenommen. Kritiker fürchten eine Maismonokultur, die der Umwelt schaden könnte. Ungefähr ein Drittel der Ackerfläche in Niedersachsen besteht bereits aus Maisfeldern. Die biologische Vielfalt ist gefährdet, Tiere sind in ihrem natürlichen Lebensraum eingeschränkt. Weiterlesen...


Vermaisung
tötet Vögel


Protest dem "Tag der Oste" 2011

25. 7. 2012. Das Osteland, Vorreiter der Vermaisung, steht an der Spitze einer Entwicklung, die mittlerweile allerorten Sorge bereitet. Auf Äckern, Wiesen und Weiden leben nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren. Feldspatz, Kiebitz und Rebhuhn verschwinden. Diese alarmierende Zahl nannte gestern das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn. Auf eine Art mit wachsendem Bestand kämen vier mit schrumpfendem, zitierten die Experten aus einer Untersuchung von 37 Vogelarten in der Europäischen Union. 

Das Amt kritisierte die wachsenden Maisfeldflächen. Es gebe erheblich weniger Grünland in Deutschland, die Ackernutzung sei intensiviert, zudem seien vielfach Hecken und Feldraine verschwunden, biologische Vielfalt sei verloren gegangen. Zudem würden Böden und Grundwasser durch die intensivere Landnutzung stark belastet. 

Das Bundesamt drängt auf eine Wende in der europäischen Agrarpolitik. Ein wichtiger Schritt sei, dass die EU-Kommission plane, künftig den Bezug von Direktzahlungen an die verpflichtende Einhaltung naturverträglicher Bewirtschaftungsmethoden zu knüpfen - ein Plan, der von den Betonköpfen in den Verbänden der konventionellen Landwirtschaft erbittert bekämpft wird. 

Das Bundesamt dagegen: "Mit der Verpflichtung eines jeden Betriebs, mindestens sieben Prozent ökologische Vorrangflächen bereitzustellen - ausgenommen sind Ökolandbaubetriebe -, könnten wichtige Lebens- und Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten geschaffen und damit ein Beitrag zu einer naturverträglicheren Landbewirtschaftung geleistet werden."

Mehr in der Süddeutschen Zeitung.

Zum Thema:

> Biogasanlage zerstört Dorfleben
(shz.de),

> Zuviel Nitrat im Grundwasser
(shz.de),

> Biogas-Unfälle an der Oste und anderswo
(DER SPIEGEL)


Nitrat zwingt
zur Reaktion

19. 7. 2012. Das Land Niedersachsen scheint allmählich Wirkung zu zeigen. Steigende Nitratwerte im Grundwasser u. a. unter Gasmais-Plantagen - wir berichteten mehrfach - beunruhigen die Experten, wie sich beim 17. Grundwasser-Workshop des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Cloppenburg zeigte. Hauptursachen für die Nitratanreicherung seien "Umbruch von Grünland in Ackerland, verbunden mit einem verstärkten Aufkommen von Wirtschaftsdünger, sowie die zunehmende Zahl von Biogas- und Stallanlagen in einigen Bereichen".

Die Landesregierung will offenbar nicht länger allein auf Freiwilligkeit und Einsichtsfähigkeit des Agrarsektors setzen: "Das Kooperationsmodell stößt hier an seine Grenzen. Wir müssen zu einem ausgefeilten Nährstoffmanagement kommen", betonten Mathias Eberle, Referatsleiter aus dem Umweltministerium, sowie Stephan-Robert Heinrich aus der Direktion des NLWKN.

Ausführlicher Bericht auf der Website der Landesregierung.


21 Störfälle
in 5 Jahren


Rotenburger SPD-Abgeordneter Borngräber

21. 7. 2012. Bislang unbekannte Fakten aus dem Oste- und Wümme-Kreis Rotenburg hat die Antwort von Landrat Hermann Luttmann auf eine Anfrage der Naturschutzverbände offenbart: Allein von 2006 bis 2011 gab es im Kreisgebiet insgesamt 21 Schadensfälle an Biogasanlagen, davon elf im Jahr 2011. "Das sind die Fälle, die dem Kreis offiziell bekannt geworden sind," kommentiert der SPD-Landtagsabgeordnete und Kommunalpolitiker Ralf Borngräber im Internet in einem wegweisenden Beitrag zum Thema.

Borngräber über die Dimensionen der Vermaisung des Kreises ROW: "Im Dezember 2011 waren kreisweit 139 Biogasanlagen in Betrieb. Weitere sind inzwischen fertig geworden, befinden sich im Bau oder im Genehmigungsverfahren. Zugleich ist ein starker Rückgang des für viele Vogelarten wichtigen Grünlandes zu verzeichnen. Gab es 1995 noch 62.000 Hektar Wiesen im Kreis Rotenburg, waren es 2010 nur noch 40.000. Dafür ist in diesem Zeitraum ist die Ackerfläche um 20 Prozent auf jetzt 83.000 Hektar gestiegen. Auf 63 Prozent dieser Äcker – das sind 52.000 Hektar - wird Mais angebaut. Mehr als die Hälfte davon ist nur für Biogasanlagen bestimmt."

Weiterlesen bitte hier


FDP kontra
Vermaisung


Biogas-Plangebiet in Groß Meckelsen

11. 7. 2012.  Auch niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) beklagt jetzt die fatalen Folgen der Vermaisung ganzer Regionen zum Zwecke der Biogasproduktion, die durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) forciert worden ist. "Das bisher angewandte EEG hat keine Zukunft und muss mittelfristig durch andere Regelungen ersetzt werden", fordert Birkner. Die derzeitige Biogas-Förderung wertet der Minister als Beleg für eine Fehlentwicklung. Der Ausbau von Biomasse werde zum Teil sogar in Wasserschutzgebieten vorangetrieben. Das habe verheerende Folgen, sagte Birkner laut Presseberichten.

Exakt diese Konzequenzen sind, wie die Sittenser Bürgerinitiative Netzwerk Sauberes Trinkwasser (NeST) erklärt, jetzt an der Oberen Oste zu erwarten, wo die größte Biogasanlage der Region in einer Trinkwasserschutzzone gebaut werden soll. Über die NeST-Stellungnahme berichtet ausführlich die Zevener Zeitung


Tipps zum
Gas-Mais


Neues Faltblatt der Landesregierung

15. 7. 2012. Wie kann die Landschafts- und Naturzerstörung durch Gasmais-Steppen - unter den negativen Spitzenreitern: der Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg - gebremst werden? Tipps zur Verminderung der Umweltschäden gibt ein neues Faltblatt des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Gert Lindemann (CDU).

Der Flyer trägt den Titel "Maisanbau - Mehr Vielfalt durch Alternativen und Blühstreifen" (Gratis-Download hier). Mitverfasser ist der AG-Osteland-Mitstreiter Uwe Baumert (Deinstedt), ROW-Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) und frisch gebackener Bundesverdienstkreuzträger (Foto l.). Das Faltblatt nicht nur  die Folgen des vermehrten Maisanbaus auf Landschaftsbild und die - auch von den heimischen Jägern beklagte -  Artenvielfalt.

Wenngleich Mais, so das Lindemann-Ministerium, als Futterplanze und Biogas-Rohstoff von "herausragendem Wert" sei, müsse er jedoch nachhaltig angebaut werden - etwa mit Mulchsaat zur Minimierung der Wind- und Wassererosion, verringertem Reihenabstand für optimale Standraumverteilung, Grasuntersaaten zur Verringerung der Nitratauswaschung, Integration in die Fruchtfolge, konsequentem Anbau von Winterzwischenfrüchten, Gülledüngung vor der Aussaat des Maises und mit emissionsarmen Ausbringtechniken sowie zeitnaher Einarbeitung oder Gülle-Injektion, wie die Bremervörder Zeitung die Empfehlungen der Landesregierung zusammenfasst.


Gasfabrik im
Schutzgebiet


Biogas-Plangebiet im Ostedorf Gross Meckelsen

16. 7. 2012. Begleitet von scharfen Wortgefechten und massiver Kritik von SPD und Grünen hat die konservative Mehrheit im Rat der Oste-Samtgemeinde Sittensen mit 13:8 Stimmen eine Änderung des Flächennutzungsplans zugunsten des Baus einer Biogasanlage in Groß Meckelsen durchgesetzt - ausgerechnet in einem Wasserschutzgebiet! Der Kommunalpolitiker, Landtagskandidat und Diplom-Biologe Bernd Wölbern (SPD; Foto) hielt die Veraussetzungen für eine entsprechende Ausnahmegenehmigung nicht für gegeben. Uwe Hellmers (Grüne) bezweifelte die "Echtheit" der Standortalternativenprüfung. - Ausführlicher Bericht in Treffpunkt Sittensen.

Kürzlich hatte sich, wie berichtet, neben einer örtlichen Bürgerinitiative auch der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) generell gegen Biogasanlagen in Wasserschutzzonen ausgesprochen. Die Sittenser Ratsmehrheit zeigte sich davon offenbar unbeeindruckt.

Wieder ein
Schadensfall

17. 7. 2012. Nach Informationen des Naturschutzbundes NABU ist es im Oste- und Wümme Kreis Rotenburg erneut zu einer "schweren Havarie", nach Polizei- und Betreiberangaben aber nur zu einem örtlich begrenzten Schadensfall gekommen. Wie jetzt publik wurde, sind in Hemslingen Silagesickersäfte in einen Graben gelaufen. Einzelheiten auf Facebook und in der Kreiszeitung.

Am Montag hatte der SPIEGEL über die rapide Zunahme von Sickersaft- und Gülle-Störfällen unter anderem in der Biogas-Hochburg ROW berichtet.

Zum Thema:

> Ratsherr fühlt sich belogen
(Zevener Zeitung)


Dorfkrieg
um Biogas

21. 6. 2012. Die dörflichen Konflikte um den Bau einer Biogas-Grossanlage im Osteort Groß Meckelsen spitzen sich zu. Jetzt wurde der als Umweltschützer hervorgetretene Landwirt Andreas Rathjens (Foto), Mitglied einer Bürgerinitiative Netzwerk Sauberes Trinkwasser, aus dem örtlichen "Arbeitskreis Wärmekonzept" ausgeschlossen. Zuvor war Biogas-Kritiker Rathjens in der Lokalpresse an den Pranger gestelt worden, weil er, so die Vorwürfe aus den Reihen der Biogas-Front, auf seinem Waldgrundstück selber Bauschutt und Schlamm abgeladen habe. Bürgermeister Detjen musste unterdessen einräumen, Asbestabfall abgelagert zu haben; der CDU-Politiker sieht sich einer "Hetzjagd" ausgesetzt.

Ein ausführlicher Bericht über den Krieg um die Biogasanlage steht auf Treffpunkt Sittensen.


Grüne

Gülle als
Gefahrgut


Fischsterben durch Gülle bei Bademühlen

21. 6. 2012. Bewirken die jüngsten Gülle- und Gärmasse-Havarien an Oste und Wümme ein Umdenken? Die Einführung eines "Güllekatasters" könnte die Überdüngung des Bodens durch die Landwirtschaft eindämmen, erklärte jetzt der Agrargeograf Prof. Werner Klohn von der Universität Vechta gegenüber der Presse.

Die Grünen wollen an diesem Freitag eine entsprechende Forderung nach Einführung eines Güllekatasters in den hannoverschen Landtag einbringen. Der gut begründete Antrag trägt den Titel "Überdüngung durch Gülle und Kot wirksam verhindern – Umweltbelastung reduzieren" und ist hier online im Wortlaut verfügbar.


Initiative pro
Trinkwasser

3. 6. 2012. Gegen die geplante Biogas-Grossanlage in einem Trinkwasserschutzgebiet im Oste-Dorf Groß Meckelsen bei Sittensen hat sich jetzt eine Bürgerinitiative namens "Netzwerk Sauberes Trinkwasser (NeST)" gebildet. Sorge im die Qualität des Trinkwassers bewegt unter anderem Mitglieder der ehemaligen Bürgerinitiative gegen die geplante Biogasanlage in Freetz sowie die Bürger Dieter Höper und Andreas Rathjens (Foto), der auch der AG Osteland angehört.

Die Mitglieder fürchten, "dass sich der Bau der Großanlage zur Rohgasgewinnung auch aufgrund des Maisanbaus negativ auf die Qualität Trinkwassers im Bereich des Wasserwerks Groß Meckelsen auswirken könnte," heißt es in einem ausführlichen Bericht der Zevener Zeitung, der hier online steht.

CDU-Politikerin gegen
neue Biogas-Anlagen

Die Rotenburger CDU-Kreistagsabgeordnete Dr. Gabriele Hornhardt (Foto) wird mit den Worten zitiert: "Wir haben eine Sättigung an Bodenbelastung erreicht." Ihre Forderung: Keine weiteren Biogasanlagen mehr genehmigen. Laut Zevener Zeitung beklagen auch die Geschäftsführer der Wasserversorgungsverbände Bremervörde und Rotenburg eine zunehmende Belastung des Trinkwassers mit Nitrat, für die unter anderem wird der intensive Maisanbau verantwortlich gemacht wird.

SPD Sittensen plant
Podiumsdiskussion

Am Mittwoch, 6. Juni, 19 Uhr, lädt die SPD Börde Sittensen zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Biogasanlagen in Wasserschutzgebieten"  in das "Landhaus de Bur"ein. Neben diversen Kreistagspolitikern und den Geschäftsführern der Wasserversorgungsverbände werden u. a.  die Initiatoren des Netzwerk Sauberes Trinkwasser zugegen sein.


Fischbiologe
schmeißt hin


Zurückgetreten: Gerken mit verendeten Fischen

3. 5. 2012. Einer der profiliertesten Arten- und Gewässerschützer der Region, der Scheeßeler Ralf Gerken, hat sein Amt als Gewässerwart von vier Angelvereinen niedergelegt - aus Protest gegen die wasserwirtschaftlich, landwirtschaftlichen und behördlichen Reaktionen auf die jüngsten Fischsterben nach Gülle- und Maisgas-Havarien an Oste und Wümme (wir berichteten ausführlich).

Die "Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Weiterführung" des Projekts zur Wiederansiedlung von Wanderfischen seien "nicht mehr gegeben", so der Biologe, der neben seiner Tätigkeit für den Landessportfischerverband unter anderem die vorzügliche Website wuemme-meerforelle.de betreut hat; auch als Webmaster zieht er sich zurück.

Seiner Begründung mangelt es nicht an Schärfe: "Der Zustand fast aller Gewässer im oberen Wümmegebiet zeigt seit Jahren einen eindeutig negativen Trend in Richtung schlechter Zustand. Die Sandfrachtenerreichen inzwischen derartige Ausmaße, dass viele einst inidividuen- und artenreiche Gräben und Nebenbäche fast fischleer geworden sind. Gesetzliche Abstandsregelungen bei der Dünge- und Pestzidaufbringung werden in der Praxis der Bewirtschaftung durchgehend ingnoriert.  Wo früher erosionsarmes Grünland die Bäche säumte, wurde in unzähligen Fällen selbst im gesetzlich geschützten Randstreifen verbotenerweise Ackerland umgebrochen, wo nun auf großer Länge Mais bis in die Gewässerböschung angebaut wird und Sand-, Gülle- und Pestizideinträge auf der Tagesordnung stehen."

Der Biologe weiter: "Unsere jahrelangen Versuche, hier auf dem Wege der Überzeugung Verbesserungen im behördlichen Vollzug herbeizuführen, müssen als vollständig gescheitert angesehen werden. Die vereinzelten von uns durchgeführten Gewässerrenaturierungen sind angesichts dieser Umstände ein Tropfen auf dem heißen Stein."


Fischsterben am Oste-Zufluss Bade

Aufgrund eindeutiger Aussagen der zuständigen Behörden gehe er weiterhin davon aus, dass die zahlreichen Biogasanlagen, Güllebehälter und Silagelagerflächen nicht im ausreichenden Maße im Sinne des Gewässerschutzes nachgerüstet werden: "Ich erwarte daher für die nächsten Jahre ähnliche schwere katastrophale Havarien, die ganze Gewässersysteme und deren Fischbestände auslöschen werden."

Besonders frustrierend sei zudem die Erkenntnis, dass sich im Zuge der aktuellen Gülle-und Biogashavarien "nicht eine staatliche Stelle für die biologische Qualitätskompente Fischfauna zuständig fühlte": "Es scheint so, dass ohne unsere ehrenamtliche Tätigkeit selbst schwerste Gewässerverunreinigungen in Bezug auf die Fischfauna völlig undokumentiert und unbearbeitet bleiben."

Unmittelbar nach dem spektakulären Schritt des bekannten Biologen ließ der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) heute eine Erfolgsmitteilung mit der Überschrift "Lachse und Flussneunaugen tummeln sich in der Wümme" verbreiten (Wortlaut), in der der Oste-Schwesterfluss als "beispielhaft für viele andere erfolgreiche Projekte" des staatlichen Gewässerschutzes bewertet wird. 

Im Kreis Rotenburg sind Landvolk und CDU gestern mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit getreten, statt behördlicher Kontrollen von Biogasanlagen eine Selbstkontrolle der Betreiber einzuführen. 

Unterdessen häufen sich weiterhin überall in Deutschland Fälle von Biogas-Havarien:

> Bauernverband: "Mais ist idiotensicher"
(Rotenburger Rundschau),

> Gülle stinkt den Sportfischern
(Weser-Kurier),

> Fast täglich Biogas-Gülle-Havarien
(Münchner Merkur),

> Fischsterben bei Passau
(Passauer Wochenblatt), 

> Rüben als Futter für die Gasbrüter
(Kreiszeitung),

> 13:6 Stimmen pro Biogas in Sittensen
(Zevener Zeitung),

> Explosiver Konflikt um Biogas
(Rotenburger Rundschau),

> Wieder Fischsterben durch Biogas-Gülle
(Franken-Fernsehen),

> Biogas-Gülle zählt als Abfall
(topagrar.com),

> Kritik an der Vermaisung wächst
(Süddeutsche Zeitung).

Dank für Hinweise an Kurt Ringen u. v. a.


Rückkehr
der Rübe

24. 4. 2011. Die zunehmend beklagte Vermaisung des Ostelandes mit ihren verheerenden Auswirkungen auf Artenvielfalt, Gewässerqualität, Bodenfruchtbarkeit und Landschaftsbild steht auch in der Biogas-Hochburg Landkreis Rotenburg "unter kritischer Beobachtung der Öffentlichkeit", schreibt heute die Bremervörder Zeitung; daher werde "intensiv nach Alternativen gesucht". Jetzt ist bei Zeven der erste Acker mit Rüben statt Mais angelegt worden, die als alternatives Gärsubstraten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ausführlicher Bericht hier.

CDU-Minister für
Biogas-Wende

Unterdessen setzt sich der Agrarminister von Sachsen-Anhalt, Hermann Onko Aeikens, für eine Überprüfung der Förderung von Biogasanlagen ein. Der CDU-Politiker fordert, dass die Anlagen so ausgerichtet werden, dass die Produktion umweltverträglich und primär als Verwertung von Gülle und Reststoffen erfolge - und nicht etwa von potentiellen Nahrungsmitteln. Sachsen-Anhalt will das Thema bei der morgen beginnenden Agrarministerkonferenz in Konstanz vorbringen. Mehr...


Vom Maise
befreit...


H. Stubenrauch: "Osterspaziergang"

16. 4. 2012. Dass in der Bevölkerung der Unmut über die Vermaisung der Landschaft wächst, registriert auch Niedersachsens Landwirtschaftskammer, die nach Alternativen zum Gasmais sucht und nun zum Beispiel die Zuckerrübe empfiehlt (siehe unten). 

Inspiriert durch Goethes "Osterspaziergang" ("Vom Eise befreit") hat unser Leser Dieter Höper aus Sittensen, Waldheim-Osteufer 75, die folgenden Verse zum Thema Mais verfasst:

Goethes Osterspaziergang
im Landkreis ROW

Vom Maise befreit sind Feld und Fläche
in des Frühlings holden, belebenden Blick;
im Ostetal grünet Hoffnungsglück.

Doch alte Maisstoppel in ihrer Schwäche
bringen düstere Gedanken zurück
an riesige Flächen missbrauchter Kulturen,
an  Äcker und Felder endlosen Maises,
an trostlose Einfalt statt bunter Naturen.
Aber es reicht nun den Menschen des Kreises:

Verstellt war das Auge, beengt war der Blick,
der Frühling, der gibt uns die Sicht frei zurück.
Jeder sonnt sich heute so gern,
wir feiern den Blick auf Natur nah und fern,
auf Felder und Flure ganz unverstellt,
auf Gottes Natur, eine Mais freie Welt.

Überall regt sich die Vielfalt des Lebens,
Protest allerorten ist doch nicht vergebens;
denn an Blumen fehlt’ s im Revier!
Wir wollen nicht immer nur Mais vor der Tür.

Kehret Euch um, ihr Bauern des Kreises,
lasst ab von den Flächen ewigen Maises,
widmet euch wieder der wahren Gewinnung,
gebt der Natur eine neue Chance:
Ernährung der Menschheit sei eure Gesinnung,
bringt alles wieder in gute Balance.

Sieh nur, sieh! Wie behende die Fülle
Der Flora und Fauna im Landkreis gedeiht,
Wird erst mal wieder das Land von der Gülle,
vom monoton-tödlichen Maise befreit.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel!
Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’ s sein!


Monokulturen

Volk "nicht 
unkritisch"


Maisanbau: Osteland unter den Spitzenreitern

16. 4. 2012. Die rapide Zunahme des Energiemais-Anbaus werde "in der Bevölkerung nicht unkritisch gesehen", heißt es heute in einer Pressemitteilung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. "Bei der Suche nach Alternativen" zum Mais sei die Zuckerrübe "ein vielversprechender Kandidat".

Über die bisherige Entwicklung schreibt die Kammer: "Der Mais ist in Deutschland mit Abstand die Energiepflanze Nummer Eins, wenn es um die Erzeugung von Biogas geht. Ganze 88 Prozent macht er an den pflanzlichen Gärsubstraten aus. Das macht sich auch auf dem Acker bemerkbar: Der Maisanteil an der Gesamtfläche hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. In Niedersachsen wird auf einem Drittel der Ackerfläche Mais angebaut. Hiervon wiederum ist jeder dritte Hektar sogenannter Energiemais." 

"Vieles spricht dafür, die Zuckerrübe als Ergänzung zum Mais für die Biogasgewinnung einzusetzen," schreibt die Landwirtschaftskammer. Unter anderem "greift die Zuckerrübe als niedrig wachsende Kultur deutlich weniger in das Landschaftsbild ein als der Mais". - Weiterlesen bitte hier...


Biogas-Havarie

Fischsterben
kein Einzelfall


TV-Bericht über Biogas-Havarie - VIDEO

4. 4. 2012. Die Biogas-Havarie in der Wümme-Region, die ein weiträumiges Fischsterben ausgelöst hat, war kein Einzelfall. Das zeigt eine alarmierende Studie des TÜV Süd über eine Kette von Störfällen bei der Biogas-Produktion. 80 Prozent der Anlagen weisen demnach bedeutsame Mängel auf. Die haarsträubende Auflistrung steht hier im Netz (PDF-Datei)


Haarsträubend: TÜV-Biogas-Bericht - lesen

Zum jüngsten Störfall schreibt die AG der Angelvereine an der Wümme auf ihrer hochaktuellen Website: "Zwei Tage nach der Biogas-Havarie ist das Medienecho unerwartet groß: "Zahlreiche regionale und überregionale Printmedien berichteten umfassend über den katastrophalen Biogasunfall in Schultenwede, z. B. die Rotenburger Rundschau, die Rotenburger Kreiszeitung, die Schneverdinger Zeitung, aber auch HAZ, NWZ und v.m. Auch die TAZ recherchiert in dem Fall und hinterfragt insbesondere die vielfach fragwürdige und skandalöse Genehmigungs- und Überwachungspraxis bei Biogasanlagen."

Weiter heißt es: "Die Brisanz des Vorfalls ist inzwischen auch beim NiedersächsischenUmweltministerium erkannt worden: Die betroffenen Landkreise Rotenburg und Heidekreis wurden aufgefordert, umfassend über die Umstände und die geplanten Maßnahmen zu berichten. Ein Verschleiern und Verharmlosen des Vorfalls ist damit nun wohl unmöglich geworden. Auch die Fraktion der LINKEN im Nds. Landtag stellte heute eine Anfrage an die Landesregierung."
 
 

Aufgegriffen wird der Vorfall auch von der in Berlin ansässigen Grünen Liga, die dazu schreibt: "Der stark geförderte Biomasseanbau bleibt nicht ohne Folgen für den Gewässerschutz und die Biodiversität. Mit den hier gezahlten Prämien können nicht einmal die EU-Direktzahlungen aus der Landwirtschaftsförderung mithalten. Der Anbau von Mais-Monokulturen wuchs sprunghaft an, Stillegungsflächen wurden wieder unter den Pflug genommen, Pestizide und Düngemittel verstärkt eingesetzt. Die Einträge in Grundwasser und Kleingewässer nehmen zu. Betriebsunfälle an Biomasseanlagen können schwerwiegende ökologische Folgen haben, wie ein aktuelles Beispiel aus Niedersachsen zeigt. 

Es ist Zeit umzusteuern; bei der Biomasseförderung, aber auch bei der EU-Agrarreform, die derzeit gerade auf EU-Ebene verhandelt wird für den Zeitraum 2014-2017. Das Scheitern von Reformansätzen liegt allerdings nicht immer automatisch in unzureichenden Vorschlägen der EU-Kommission begründet. Häufig genug werden positive Ansätze von den Mitgliedsstaaten torpediert oder in den operationellen Programmen nicht umgesetzt. Den Zusammenhang zwischen Subventionen, Landwirtschaft und Gewässerschutz wollen wir auf unserem 40. GRÜNE LIGA WRRL-Seminar am Mittwoch, dem 9. Mai 2012 in Hamburg-Harburg thematisieren".


Wird rar: Hase an der Oste (Foto: Bertholdt)

Parallel zu den Havarie-Meldungen häufen sich in der Regionalpresse weiterhin Berichte über indirekte Folgen der Maisvergasung: Die damit verbundene Monotonisierung der Landschaft hat - siehe unseren Bericht weiter unten über den jüngsten Hadler Kreisjägertag - zu einem verheerenden Rückgang des Niederwilds geführt. So ist der Hasenbestand um 25 Prozent zurückgegangen, wie Kreisjägermeister Ahrend Müller aus dem Streckenbericht. 2010/2011 (siehe Abbildung, hier vergrößern) zitierte 3272 Hasen zur Strecke gebracht worden. 2011/12 waren es nur noch 2535. Ein weiteres Sorgenkind sei der Fasan (Zahlen ebenfalls hier). 


'Das ist ein
Super-Gau'


Austritt des Gülle/Gärrückstand-Gemischs

2. 4. 2012. "Das ist ein Super-Gau." Mit diesen Worten reagiert Jürgen Cassier (Foto), Leiter der Naturschutzbehörde des Landkreises Rotenburg, in der Kreiszeitung auf ein weiträumiges Fischsterben. Ursache ist eine technische Panne in einer Biogasanlage, bei der Gülle und Gärrückstände aus der Maisvergasung in die Umwelt ausgetreten sind. "Der Schaden für die Umwelt ist massiv und besonders tragisch, da es sich um ein naturgeschütztes Gewässer handelt, in dem für die Region sehr seltene Fische beheimatet sind," erklärte Cassier, der auch Mitglied der AG Osteland ist.

Die Naturschutzarbeit von Jahrzehnten könnte mit einem Schlag zunichte gemacht worden sein, befürchtet Ralf Gerken (Foto) vom Landes- Sportfischerverband Niedersachsen nach dem Störfall im Landkreis Rotenburg: "Wenn sich die ersten Erkenntnisse bewahrheiten, sind ganze Populationen bedrohter und geschützter Arten im fischökologisch wertvollsten Gewässer des Landkreises und des Wümmegebietes vernichtet worden."

Große Mengen Gülle und Gärreste seien in den Lünzener Bruchbach sowie in das Flüsschen Veerse geströmt, teilte der Verband in Scheeßel heute mit. Ein Sprecher des Landkreises Rotenburg bestätigt den Vorfall. Der Landes- Sportfischerverband befürchtet, dass das Gewässersystem auf einer Strecke von 20 Kilometern biologisch tot sein könnte.
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Warum keine
Rückhaltung?

Zu der Biogas-Havarie im Kreis Rotenburg schreibt uns der Tostedter Gewässerkundler Dr. Ludwig Tent (Universität Hamburg-Harburg), der 2008 von der AG Osteland mit dem Goldenen Hecht in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet wurden ist: "Liebe Freundinnen und Freunde der Bäche und kleinen Flüsse, es ist so weit - musste es so weit kommen? Man sollte meinen, unsere Vorschriften zu hoch umweltgefährdenden Stoffen wären so, dass Rückhalteeinrichtungen jeglicher Art eine Mindestforderung wären. Möge dieser Fall dazu führen, dass Unterlassenes flächenhaft greift!"

Dr. Tent online:

> Blog zum Gewässerschutz

> Gewässerschutz für Bäche und kleine Flüsse

> Der Forellenbach in der Großstadt

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Kürzlich erst hatte, wie berichtet, der Verein VSR Gewässerschutz über die Gefahr einer Schädigung der Gewässerqualität der Oste durch Biogas-Rückstände berichtet (Wortlaut).

"Ohne Wasser, merkt Euch das, ist unsere
Welt ein leeres Fass" (Quelle: VIDEO)

Unser Leser Gerd Bertholdt, AG-Osteland-Mitstreiter und Handpressendrucker aus Kleinwörden, schreibt zu der Biogas-Havarie: "Der Super-Gau hat uns ganz schön aufgeschreckt! 'Wasser, Lebensmittel oder Handelsware!?' - unter diesem Titel druckte ich schon einmal ein Blatt, mit dem wir an die Wichtigkeit des Wassers appellieren wollten. Auch wenn wir im feuchten Elbe-Weser Dreieck leben und uns manchmal mehr Wasser beschert wird als uns lieb ist, müssen wir auf die Reinhaltung des Wassers achten, denn das ist das wichtigste Lebensmittel. So ein 'Unfall' muß eine Warnung sein und darf nie wieder vorkommen."

Mehr zum Thema:

> LESETIPP: Massive Schäden für die Umwelt
(Kreiszeitung; mit vielen Fotos),

> Katastrophe durch Biogas-Havarie
(AG der Angelvereine, mit Fotos),

> Großes Fischsterben im Kreis Rotenburg
(NDR online),

> Biogas-Gärreste als Ursache
(Radio Bremen),

> Vermaisung als Umweltbedrohung
(Sonderseite von www.oste.de),

> Oste-Belastung durch Gärrückstände
(Verein VSR-Gewässerschutz).


Public Relations

Der Effekt der
Blühstreifen


Maisfeld mit Blühstreifen im Kreis Rotenburg

25. 3. 2012. "Blühstreifen zeigen Wirkung", überschreibt die Zevener Zeitung einen Bericht über die Generalversammlung des Vereins "Bunte Felder" in Mulmshorn (Kreis Rotenburg), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Maismonokulturen mit Senf-, Sonnenblumen- und Weizenstreifen zu umrahmen. Bei genauerem Hinsehen hält sich die Wirkung bislang allerdings in Grenzen: Dem Verein gehören die Betreiber von 26 der 130 Biogasanlagen im Landkreis Rotenburg an. Für die Anschaffung von 180 Werbeschildern (20.000 Euro) gab der Verein mehr Geld aus als für die Anlage von 40 Hektar Blühstreifen (17.400 Euro). Mehr...


Fernsehen

N3-Thema
Vermaisung


Werbung für den N3-Beitrag

9. 3. 2012. Kein anderer Faktor hat Flora und Fauna des Ostelandes so schnell und so nachhaltig beeinträchtigt wie die Vermaisung der Landschaft zugunsten einer durch Subventionen forcierten und fehlgesteuerten Biogas-Produktion. Am Montag, 12. März, 22 Uhr, greift auch das NDR-Fernsehen das Thema auf. Der Beitrag von Tim Boehme trägt den Titel "Goldrausch auf dem Acker - Streitfall Biogas."


Oste

Biogas stört
Lachs & Stör


Oste-Lachs: Gefährdet durch Nitrat (Foto: ASV)

7. 3. 2012. "Biogas stört den Stör" - unter solchen Überschriften berichtet die Presse heute (Mittwoch) über weit überhöhte Nitratwerte im Wasser der Oste, die auf Mais-Gärabfälle aus Biogasanlagen zurückgeführt werden. Die Gärreste landeten als Dünger auf den Feldern und in der Oste, wo sie Lachs und Stör gefährden.

Untersuchungen an der Oste im Oktober 2011 weisen laut einer Pressemitteilung des Vereins VSR-Gewässerschutz auf die Gefahr hin, dass die Ansiedlung des Störs in der Oste längerfristig aufgrund einer zu erwartenden Verschlechterung der Wasserqualität scheitern könnte. Auch der Bestand an Lachsen sei durch die zahlreichen Genehmigungen für Biogasanlagen im Einzugsgebiet gefährdet.


Junger Stör für den Oste-Besatz

Auf der Messfahrt wurden laut VSR sowohl das Wasser der Oste als auch Grundwasser untersucht. Bei der Oste fielen die Nitratwerte von 13,8 Milligramm pro Liter in Sittensen, 13,5 in Bremervörde und 17,0 in Hemmoor auf. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) sollte das Ostewasser höchstens 11 Milligramm pro Liter Nitrat aufweisen.


VSR-Mitarbeiter im Labormobil

Der extreme Ausbau von Biogasanlagen bedeute eine Ausweitung der Maisfelder in der Region, zitiert das Stader Tageblatt heute die Untersuchung. Im gesamten Einzugsgebiet der Oste lag nach Angaben des Deutschen Maiskomitees e.V. der Anteil der Maisanbauflächen an den Ackerflächen bereits 2010 bei über 60 Prozent. Ein so hoher Anteil bestehe sonst in Deutschland nur in wenigen Gebieten.

Würden neue Biogasanlagen genehmigt, müsse genau geklärt werden, wo die Gärreste entsorgt werden, fordert der VSR. Zudem dürfe ein Randstreifen an der Oste gar nicht gedüngt werden, um Nährstoffeinträge zu verhindern. "Nur dann könnten die Fische wieder heimisch werden", fasst die Tageszeitung (taz) die VSR-Stellungnahme zusammen.

> Wortlaut der VSR-Mitteilung zur Oste 


Landwirtschaft

Zuckerrübe
statt Mais?


Naturschützer-Protest gegen Vermaisung

25. 2. 2012. Der Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg ist landesweit Spitzenreiter in Sachen Vermaisung und Monotonisierung der Landschaft). Jetzt suchen Betreiber von Biogasanlagen nach Alternativen zum Energiemais-Anbau - "auch vor dem Hintergrund anhaltender Kritik an Mais-Monokulturen", wie die Zevener Zeitung berichtet. "Es ist schön zu sehen, dass die Betreiber der Biogasanlagen offen sind für Alternativen zu Mais," freut Ulrike Jungemann vom Landkreis Rotenburg. Ins Visier genommen haben die Energiebauern die Zuckerrübe


Vermaisung

Jetzt kommt
der Zünsler!


Die Natur schägt zurück: Maiszünsler 

2. 2. 2012. Wehrt sich die Natur gegen die rapide Vermaisung des Ostelandes? Im Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg nimmt der Mais - nach Auffassung von Umweltschützern die "Syphilis der Landwirtschaft" - inzwischen 61,9 Prozent der Ackerfläche ein. Heinrich Romundt von der Bezirksstelle Bremervörde der Landwirtschaftskammer warnte jetzt laut Tageblatt vor Landwirten im "Selsinger Hof", dass mehrere Maisschädlinge von Süden her auf dem Vormarsch sind, darunter der Maiswurzelbohrer und der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis). Romundt: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er hier im Mais-Speckgürtel angekommen ist."


Agrar-Lobby

Verlogene
Kampagne


Propaganda gegen Naturschutz (Foto: OpenPR)

1. 2. 2012. Auf massive Kritik auch im Osteland stößt zurzeit eine bundesweit koordinierte Propaganda-Kampagne der Agrar-Lobby. Während Naturschützer schon seit vielen Jahrzehnten gegen den Landschaftsverbrauch kämpfen (siehe Buchtitel aus dem Jahre 1983), hat jetzt die Agrarindustrie das Thema entdeckt und nutzt es auf eigene Weise: Die Landwirtschaftsfunktionäre wecken bei Laien Ängste vor Engpässen in der Nahrungsmittelproduktion infolge von "Landfraß", den sie ausgerechnet dem Naturschutz anlasten - eine durch und durch verlogene Kampagne. Der Rückgang der Flächen für Nahrungspflanzen wird in Wahrheit vor allem durch den Landfresser Nr. 1 verursacht: die von der Landwirtschaft selber forcierte Vermaisung eines Großteils der landwirtschaftlichen Ertragsfächen, etwa im Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg und zunehmend auch im Cuxland.

Landfresser Nr. 1
gegen "Landfraß"

"Ist Naturschutz 'Landfraß'?", fragt daher heute (Mittwoch) die Niederelbe-Zeitung (NEZ) auf ihrer lokalen Frontseite angesichts der "schrillen Endzeitszenarien" der Mais-Lobby. "Die billigen Polemiken gegen den Naturschutz, den Lieblingsfeind der Landwirte, hätte man sich sparen können," schreibt NEZ-Kommentator Roland Ahrendt: "Hier werden Ursache und Wirkung verwechselt. Anstatt alte Feindbilder aufzuwärmen, hätten die Verbände besser daran getan, großmütig den Schulterschluss mit den Naturschützern zu suchen." Weiterlesen...

Schon zum Start der Lobby-Kampagne Ende vorigen Jahres hatte der niedersächsische Vizevorsitzende des Naturschutzbundes NABU und AG-Osteland-Mitstreiter Wolfgang Baumert (Foto) scharfe Kritik an der Landvolk-Hetze gegen die Ausweisung von Naturschutzflächen geübt: Die Auffassung, "jeder Hektar sei für die Bioenergie und den Maisanbau notwendig, wie es der Bauernverband darstellt, ist für uns keinesfalls nachvollziehbar. Die Vermaisung der Landschaft nimmt zu. Teilweise beträgt der Maisanteil für Futtermittel und Biogasanlagen in Niedersachsen 5o Prozent und mehr an der Ackerfläche. Vielerorts sind Menschen genervt und haben kein Verständnis für den Raubbau durch Maisflächen und kritisieren die Not der Tiere."

Baumert bietet dem Landvolk die Zusammenarbeit im Kampf gegen Landschaftsverbrauch an: "Besonders die Zerschneidung von Landschaften und der Flächenverlust durch Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen macht deutlich, wo Landwirtschaft und NABU an einem Strang ziehen könnten: Für den Anteil der BAB A 20 an der A 22 (Küstenautobahn) werden insgesamt 800 Hektar oder acht (!) Vollerwerbsbetriebe als Fläche 'gefressen'. Deshalb fordern wir die Landwirtschaft auf, gemeinsam mit uns gegen derartige Verkehrsprojekte, wie auch gegen die geplante A 39, anzutreten." Mehr...

Dieser Tage haben alle großen Umweltverbände das Landvolk aufgefordert, seine Propagandakampagne einzustellen, wie aus dieser Pressemitteilung von NABU, BUND und DNR hervorgeht: "Landfraß"-Kampagne stoppen!"

Bauern im
Rückstand


Maisacker (am Bullenberg in Lamstedt)

31. 1. 2012. Das ist einer der Hintergründe der Landvolk-Attacken gegen den Naturschutz: Um weiter Subventionen zu erhalten, sollen sich die Landwirte künftig an "grüne" EU-Auflagen halten, die zum Beispiel Grünland-Umbruchverbote und den Anbau dreier verschiedener Fruchtarten vorsehen, von denen keine weniger als fünf Prozent und mehr als 70 Prozent der Fläche ausmachen darf. Das berichtete Dr. Wilfried Steffens vom Landvolkverband Niedersachsen jetzt im "Oste Hotel" in Bremervörde. Die Folge, laut Steffens: "100 Prozent Maisanbau mit Prämie wird es nicht mehr geben."

Darüber hinaus solle jeder Landwirt gemäß EU-Vorgabe ökologische Vorrangflächen schaffen. Auf sieben Prozent der beihilfefähigen Hektarfläche sind beispielsweise Hecken, Blühstreifen oder Uferrandstreifen anzulegen. Steffens laut Zevener Zeitung: "42 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen erfüllen diese Vorgaben derzeit nicht. Das betrifft auch diese Region." 


Natur

Fasan auf
der Flucht


Oste-Kulturpreisträger Gerhard Klotz

1. 2. 2011. Den Rückgang der Rebhuhn- und Fasanenbestände in der Region hat der Vorsitzende der Jägerschaft Land Hadeln / Cuxhaven, Gerhard Klotz (Hemmoor) beklagt. Als Ursachen nannte Klotz, der Ostepreisträger 2011 in der Kategorie Naturschutz, gegenüber der NEZ  jetzt die Veränderungen im Landschaftsbild wie den verstärkten Maisanbau und das Fehlen von Gräben und anderen Rückzugsorten .

Auch die Rotenburger Kreisjägerschaft, unter anderem zuständig für den Einzugsbereich der Oberen Oste, verweist auf ihrer Website seit längerem auf die Vermaisung der Region als Teilursache des Rückgangs von Rehwild, Feldhase, Kaninchen, Fasan, Rebhuhn und Wachtel: "Die hohe Dichte an Viehhaltungsbetrieben und Biogasanlagen und der damit verbundene Maisanbau haben dazu geführt, dass weite Bereiche unserer Kulturlandschaft inzwischen zu Monokulturflächen geworden sind." 


Vermaisung

Und jetzt
Gift drauf

20. 11. 2011. Die Agrarchemie-Industrie wittert ein Bombengeschäft: "Für den Maisanbau in Deutschland zeichnet sich mit Blick auf die nächsten Jahre vor dem Hintergrund der stark gewachsenen Fläche zumindest regional ein intensiverer Pflanzenschutzmitteleinsatz mit der Anwendung auch von Fungiziden ab," meldet der renommierte Agrar-Informationsdienst proplanta. Bei einem Pflanzenschutz-Symposium in Fulda hieß es, Feldversuche mit Maisfungiziden hätten Mehrerträge von bis zu 20 Prozent bei der Ganzpflanze sowie von bis zu 10 Prozent beim Körnermais ergeben. In Nordamerika seien mit einer solchen Applikation gute Erfahrungen gemacht worden.

Während in Dänemark, Tschechien und der Slowakei bereits Maisfungizide zugelassen sind, stünden die ersten Mittel dieser Art in Deutschland aktuell in der Prüfung. Praktiker zeigten sich überzeugt davon, "dass die Maisfungizide ungeachtet möglicher Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung und der Politik aufgrund der regionalen 'Vermaisung' der Landschaft Anwendung finden dürften".

Alibi oder Wende: Wie der Landkreis Rotenburg soeben mitteilt, soll in der schwer belasteten Oste- und Wümmeregion ab sofort eine Qualifizierung von Landwirten für Naturschutzmaßnahmen angeboten werden. Ziel dieses Projektes sei es, Landwirte über das Angebot von Naturschutz-Programmen zu informieren und sie bei der Umsetzung zu unterstützen.Mehr...

Dank für Hinweise an Kurt Ringen und Kurt Massmann.


Rotenburg

Gefährliche
Gärgülle

21. 11. 2011. Die Vermaisung der Landschaft trägt dazu bei, dass die Nitratbelastung von oberflächennahem Grundwasser im Landkreis Rotenburg häufig über dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation von 50 Milligramm je Liter liegt. "Garten bewässern ja, trinken nein," schreibt die Kreiszeitung am Freitag über die Konsequenzen für die Besitzer der betroffenen Privatbrunnen. Dezernent Dr. Torsten Lühring von der Kreis-Wasserbehörde wird dazu mit den Worten zitiert, in der Vergangenheit sei "sicherlich nicht immer in Art und Menge so mit den Düngemitteln umgegangen worden, wie das aus heutiger Sicht erforderlich sei". Die Intensivierung der Landwirtschaft, nicht zuletzt der Anbau von Bioenergiepflanzen und deren Reststoffe ("Gärgülle") hätten die Situation nicht einfacher gemacht, fügte der Dezernent hinzu.


Tostedt

Öko-Verein lehnt
Vermaisung ab


Naturfreunde-Artikel im Abendblatt - lesen

4. 11. 2011. Im Kampf gegen Elbvertiefung und Vermaisung haben die Naturschützer am Unterlauf der Oste rührige Verbündete in der Quellregion am Rande der Nordheide im Landkreis Harburg. Unweit der Ostequellen sind neben dem hochkompetenten und unermüdlichen AK Naturschutz (Website, Video) auch die in Buchholz ansässigen Naturfreunde Nordheide aktiv, deren Vorsitzender Bernd Wenzel jetzt gegenüber dem Hamburger Abendblatt kritisch Stellung genommen hat.

Unter der Überschrift "Auf Vertiefung verzichten" schreibt Wenzel: "Die Elbvertiefung würde erst kommen, wenn in Wilhelmshaven der Containerbetrieb mit den Giga-Frachtern längst läuft, also wohl dauerhaft an Hamburg vorbeiläuft. Hamburg sollte auf die Elbvertiefung verzichten und stattdessen mit Niedersachsen und den Reedereien aushandeln, dass ein bestimmtes Quantum an elbverträglichen Frachtern nicht nach Wilhelmshaven, sondern nach Hamburg geleitet wird. Das spart viel Geld, hilft der Elbe, verhindert, dass die Nordheide zum Hamburger Gewerbeklo verkommt, und sichert Hamburg gute Geschäfte auf lange Sicht."


Eine der sieben Ostequellen bei Tostedt

Viel Widerhall im NDR und in der Presse fand unlängst auch eine Stellungnahme der Naturfreunde zum Einsatz von Mais und anderen Lebensmitteln zur Biogasproduktion. "Naturfreunde befürchten eine Mais-Monokultur auf den Feldern," titelte das Abendblatt. Die Naturschützern fordern den Landkreis Harburg auf, Schulen und andere öffentliche Gebäude nur dann mit Biogas zu beheizen, wenn dies zu mindestens 50 Prozent aus Abfällen gewonnen wird. Das Gas für Blockheizkraftwerke im Landkreis werde aber "im Interesse der Gewinnmaximierung zu 70 bis 90 Prozent aus Nahrungsmitteln hergestellt", kritisieren die Naturfreunde. Auch die Verödung der Landschaft durch Monokulturen und die Veränderungen in der Tierwelt, im Grundwasser und den Böden seien negative Begleiterscheinungen des großflächigen Maisanbaus.


Rotenburg

Rot-Grün will
Maiskataster

31. 10. 2011. Die neue Mehrheit im Maiskreis Rotenburg will offenbar die galoppierende Vermaisung der Oste-Wümme-Region (siehe SONDERSEITE) nicht tatenlos hinnehmen: Ein Kataster der von Biogas-Bauern genutzten Flächen soll nun angelegt werden. Diese und andere Pläne präsentiert das neue Bündnis aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft, das im ROW-Kreistag nach 60 Jahren die bisher stets schwarz dominierten Mehrheiten in die Opposition schicken will.

"Jahrzehntelange Hinterzimmer- und Hochsitzpolitik ist nun beendet," kündigt der SPD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Ralf Borngräber aus Rotenburg in der Lokalpresse an. Etwas "geradezu Historisches" vollziehe sich im Kreis Rotenburg, urteilt die Bremervörder Zeitung. Mehr...


Pferdezucht

Ruin durch
Mais-Boom


TV-Bericht über Vermaisungsfolgen

26. 10. 2011. Über eine "Strohkrise" auf norddeutschen Reiterhöfen berichtet Radio Bremen (TV-Bericht ansehen): Aufgrund des Mais-Booms in der Landwirtschaft sind Heu und Stroh knapp geworden, allenfalls zu überhöhten Preisen erhältlich und obendrein aufgrund des feuchten Sommers von minderer Qualität. Die Lage sei für einige Pferdebetriebe existenzgefährdend, so der Fernsehbericht.


Mais als
Magnet?


Naturschützer-Protest gegen Vermaisung

19. 10. 2011. Die zunehmende Verärgerung von Urlaubern über die endlosen Monokulturen im Maiskreis Rotenburg-Wümme (siehe unten: "Malaise mit Mais")kam in der jüngsten Mitgliederversammlung der ROW-Touristiker zur Sprache.

Selsingens neuer Samtgemeindebürgermeister Hans-Hinrich Pape merkte kritisch an, dass sich das Landschaftsbild im Oste- und Wümme-Landkreis durch den rasant zunehmenden Maisanbau verändere. Eine ganz eigene Idee "zur Problematik des Tourismus in der Maisregion" steuerte TouROW-Geschäftsführer Udo Fischer bei, wie heute der Bremervörder Anzeiger berichtet: "Das Maisproblem ist eine Herausforderung." Man überlege daher, so Fischer, "Bauernhofführungen mit Biogasanlagenbesichtigungen anzubieten".


Malaise
mit Mais


Volland-Bericht im Sonntagsjournal

6. 10. 2011. Die Osteregion hat sich landesweit zu einem der Spitzenreiter in der Maisproduktion entwickelt - mit ersten Rückwirkungen auf den Tourismus in den Mais-Kreisen Rotenburg und Cuxhaven. Es störe die Radwanderer, "dass sie beim Radfahren in den Maisfeldern wie durch einen Tunnel fahren", räumt jetzt der Rotenburger Landvolk-Kreisgeschäftsführer Carsten Hipp gegenüber der Rotenburger Rundschau ein, die ihrerseits bemerkt hat: "Viele Bürger sind verärgert, wenn sie derzeit die vielen Mais-Transporte auf den Straßen sehen" (voller Wortlaut hier).

"Auf den Senkel", sagt auch der Bremervörder Historiker und Ostepreisträger Dr. Klaus Volland, gehe ihm die rapide zunehmende Vermaisung der Landschaft. Im Sonntagsjournal der Bremervörder Zeitung veröffentlichten er und seine Frau jetzt einen ganzseitigen Fahrtenbericht über eine Radtour rund um Bremervörde:

"O, traurig ist's, durch den Mais zu gehn! ... Bei uns sind inzwischen weit mehr als 50 Prozent der Ackerflächen mit systematisch als Futtermittel und zur Energiegewinnung in Biogasanlagen angepflanztem Mais bedeckt, der allen anderen Pflanzen und Tieren (abgesehen von Wildschweinrudeln) keine Lebenschance lässt. Von den 'Blühstreifen' und 'Blühfeldern' am Rande oder zwischen Maisfeldern, die jetzt zur Besänftigung der über die verödete Landschaft empörten Menschen hier und da angepflanzt werden, haben wir auf der von uns abgefahrenen Strecke nichts gesehen" (weiterlesen hier).

Frank Kalff ausRotenburg schreibt in einem Leserbrief an die Rotenburger Rundschau unter anderem:

"Neben der rein optischen Verarmung der Landschaft - denn in vielen Bereichen wird tatsächlich fast nur noch Mais angebaut - gibt es noch eine Vielzahl von weiteren ernsthaften, eigentlich auch hinlänglich bekannten Problemen, die mit dieser Materie in Zusammenhang stehen. Massentierhaltung beispielsweise, denn nicht selten unterhalten die heute von ihren Dimensionen her eher als Agrar-Fabriken betriebenen ehemaligen Bauernhöfe neben endlosen Mais-Monokulturen auch riesige Ställe, in denen in großem Rahmen Schweine oder Geflügel, neuerdings auch Fische gemästet werden. Und wo viele Tiere gehalten werden, fallen auch viele Abfallprodukte an.

"Energie-Anbau, koste
er, was es wolle"

Mit der Gülle werden dann in schöner Regelmäßigkeit die Felder regelrecht getränkt, auf denen dann im Frühjahr wieder Mais angebaut wird. Von Fruchtfolge, wie man sie früher einmal kannte, keine Spur mehr. Riesige Maschinen, kaputtgefahrene Feldwege (die auch unterhalten und natürlich bezahlt werden wollen), immer kleiner werdende Ackerrandstreifen, in denen Wildtiere Zuflucht finden, Grundwasserprobleme und überdüngte Gewässer durch die immer größer werdenden Mengen an Gülle, zum Teil rücksichtloses Verhalten der Fahrer von Erntemaschinen und eine ganze Reihe weiterer Punkte spricht dafür, dass man die Entwicklung in der Landwirtschaft vielleicht doch noch einmal einer genaueren Beobachtung und Analyse unterziehen sollte, damit man sie wieder in die richtigen Bahnen lenken kann."

Sicherlich ist die Vermaisung nicht allein ein Problem des Ostelandes, wie dieser Artikel ("Vermaist unsere Zukunft?") des süddeutschen Fachjournalisten Claus-Peter Lieckfeld über "Energie-Anbau, koste er, was es wolle" belegt.

Maisanbau hat das
Getreide überflügelt

Zwischen Elbe und Weser ist die Lage jedoch noch prekärer als anderswo. Das zeigen diese Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: "Der in den letzten Jahren stetige Anstieg der Maisanbaufläche hat Niedersachsen zur größten  Maisanbauregion Deutschlands aufsteigen lassen. Fast jede vierte Maispflanze Deutschlands steht in Niedersachsen. Im Elbe-Weser-Dreieck ist der Mais mit 114.000 ha nicht nur die flächenmäßig größte Kultur, er hat auch die gesamte Anbaufläche von Getreide überflügelt. In den flächenstarken Landkreisen Rotenburg und Cuxhaven werden 55 % der Ackerfläche mit Mais bestellt. Der Landkreis Osterholz erreicht sogar einen Flächenanteil von 63 %. Neben der Rindvieh- und Schweinehaltung dominiert immer stärker die Biogasproduktion. So werden im Landkreis Rotenburg 42% der Maisanbauflächen (19.601 ha) für die Biogasnutzung benötigt."

Während die Maisgas-Industrie auf die Anpflanzung werbeträchtiger "Blühstreifen" setzt, um im Publikum die Akzeptanz für die Maisäcker zu erhöhen (Zevener Zeitung: "Viel Lob für die blühenden Streifen"), weisen andere Landwirte darauf hin, dass die Kräuterränder nur Promille der vermaisten Fläche ausmachen. Ein kritischer Landwirt aus dem Kreis Rotenburg hat errechnet, dass allein in dieser Region die Maisfelder inzwischen eine Fläche einnehmen, die größer sei als Bremen einschließlich Bremerhaven...


Rotenburg

Unmut im
Maiskreis


Agrarsteppe im Landkreis ROW

5. 9. 2011. Unter der Überschrift "Biogasanlagen sind ein Reizthema" hat der Weser-Kurier eine Woche vor der Kommunalwahl die politische Landschaft im Oste- und Wümme-Kreis Rotenburg beschrieben. In dem Text von Uwe Dammann heißt es: "Biogasanlagen boomen - mit weitreichenden Folgen für Landwirtschaft, Ackerbau und Naturschutz. 112 Biogasanlagen gibt es derzeit im Kreis Rotenburg. Auf 60 Prozent der Ackerfläche wächst Mais und weiteres Grünland kommt unter den Pflug, damit die Biogasanlagen ihr 'Futter' kriegen. Ein Zustand, den der BUND laut und öffentlich beklagt."

Weiter heißt es: "Auch bei Jägern, Imkern und auch in landwirtschaftlichen Kreisen sinkt die Akzeptanz neuer Anlagen. Die SPD-Fraktion im Kreistag forderte deshalb, den Bau weiterer Biogasanlagen bis auf Weiteres auszusetzen, weil auch das Image des Landkreises bereits leide. Doch Landrat Luttmann hält einen Beschluss des Kreistages in dieser Richtung für 'eindeutig rechtswidrig'."

Entwicklung
beschönigt

Unterdessen beschönigen Uniospolitiker weiterhin das Problem der Vermaisung. Auf seiner Website äußert Ex-Agrarminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) auf die Frage nach einer drohenden "Monokultur in Bezug auf Biogasanlagen" wörtlich: "Die wird es so nicht geben. Zum Einen wird die bewährte Fruchtfolge eingehalten. Zum Anderen werden Biogasanlagen schon jetzt und in Zukunft noch mehr mit anderen Feldfrüchten gefahren. Getreide, Raps, Erbsen, Sonnenblumen und auch neue Pflanzen wie z. B. Chinaschilf sorgen für eine große Vielfalt. Zudem der meiste Mais heute wie in der Vergangenheit der Viehfütterung dient."

Jüngste Zahlen und Fakten zur tatsächlichen Entwicklung finden sich hier:

> Niedersachsen wird Maisland


Wasserwerke

Mais-Alarm
im Jubeljahr


Website der Wasserwerke Wingst

25. 8. 2011. Im Jubiläumsjahr der hiesigen Wasserversorger in der Wingst (50 Jahre) und in Hadeln (75 Jahre) bedrückt Experten die Sorge um die Grundwasserqualität in weiten Teilen Niedersachsens: Energie-Mais wird nach Einschätzung von Wasserversorgern häufig zu hoch gedüngt und erhöht damit langfristig den Nitratgehalt im Grundwasser.

Deshalb fordern Experten, die rasante Vermaisung zu stoppen. Wasserversorger in Brake und Hannover verlangen ein "generelles Verbot von Grünlandumbrüchen in Wasserschutzgebieten" sowie eine Begrenzung der Maisanbaufläche auf 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche; im Landkreis Rotenburg ist jedoch bereits die 50-Prozent-Grenze überschritten. - Ausführlicher Bericht im Weser-Kurier.

Gegensteuern wollen hiesigen Wasserversorger mit Beratungsangeboten an Landwirte und mit der freiwilligen Vereinbarung von Verträgen zur Reduzierung der Stiffstoffdüngung. - Die Wasserwerke veranstalten aus Anlass der Jubiläen jeweils einen Tag der offenen Tür in Wanna (Sonnabend, 10 bis 18 Uhr) und in der Wingst (Sonntag, 11 bis 17 Uhr).


Blühende
Landschaften


Fotoreporterin in Blühstreifen am Maisfeld

20. 8. 2011. Sterile Mais-Monokulturen, in denen Rebhuhnküken mangels Nahrung verhungern; illegal umgepflügte Wegraine und gefällte Einzelbäume - der Biogas-Boom hat weite Teile des Ostelandes vermaisen und veröden lassen. Auch der Rotenburger Vize-Landrat Reinhard Brünjes zeigt sich kritisch: "Wir haben bis zum Asphalt gepflügt."


Blühstreifen-Freunde Baumert, Klotz, Dr. Holsten

Bahnt sich jetzt eine Trendwende an? Am Freitagabend stellten Jäger, Landwirte, Imker und Naturschützer gemeinsam in Hepstedt (Kreis Rotenburg) ein "Erfolgsmodell" vor: Sie präsentierten - zwischen Jagdhorn-Signalen und Wildbret-Schmaus - der Presse und Gästen u. a. von der AG Osteland einige bunte "Blühstreifen", angelegt aus Mitteln des Landkreises und der Biogasbetreiber, inmitten der schier endlos anmutenden Maissteppen.

Nur Alibi
oder mehr?

In der Hepstedter Feldmark besichtigten die Gäste das Projekt "Blüh- und Huderstreifen" der Jägerschaften und das Projekt "Blühende Felder" einiger Biogasanlagen-Betreiber. Mit dabei waren fünf Männer, die mehr als andere dazu beigetragen haben, die dramatischen Folgeerscheinungen des wilden Biogas-Booms ein wenig zu dämpfen.


Kreisnaturschutz-Beauftragter Burkart

Dazu zählt der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte des Kreises, Werner Burkart, der seit Jahren immer wieder die Ausräumung der Agrarlandschaft, den Grünlandumbruch und den Artenschwund in der Region beklagt und der nun die Zusammensetzung der Blühstreifen erläuterte. Erfreut zeigte sich über die bunten Feldränder auch der NABU-Landesvize und AG-Osteland-Mitstreiter Uwe Baumert (Deinstedt), der schon frühzeitig einen Zehn-Punkte-Katalog zur Steuerung der Mais- und Biogasproduktion in die Diskussion gebracht hatte.

ROW-Kreistag
wachsweich

Im Rotenburger Kreistag aufgegriffen wurde der Baumert-Plan vom SPD-Naturschutzsprecher, Rektor und Vizebürgermeister Volker Kullik (Gnarrenburg/Karlshöfen). Der Vorsitzende des Kreistagsausschusses für Umwelt, Naturschutz und Planung entwickelte ein Konzept zur planerischen Regelung des ungezügelten Biogas-Booms, scheiterte damit aber an der Ablehnung seiner Forderungen durch CDU, FDP und NPD. "Der Berg kreißte und gebar eine Maus," kommentierte 2010 die "Zevener Zeitung": "Was als Versuch begann, die Entwicklung von Biogasanlagen im Landkreis Rotenburg zu steuern, endete im Kreistag mit wachsweichen Formulierungen, in denen sich nicht einmal mehr das Ziel wiederfindet, Mindestkriterien aufzustellen."


Naturschützer Baumert, SPD-Experte Kullik

Kullik gab nicht auf - er wusste, dass er in der Bevölkerung viele Mitstreiter hat: "Es ist von vielen Bürgern nicht mehr nachvollziehbar, dass zum Teil für die Errichtung eines Gartenhäuschens eine aufwändige Baugenehmigung eingeholt werden muss, während größte Stall- und Biogasanlagen einer Privilegierung unterliegen und selbst die Kommunen fast keinerlei Einfluss haben."

Unterstützung finden Vermaisungskritiker wie Kullik nicht zuletzt unter den Jägern: Im gesamten Elbe-Weser-Dreieck streiten engagierte Naturschützer wie der Vorsitzende der Hadler Jägerschaft, Gerhard Klotz (Hemmoor), für die Erhaltung der Artenvielfalt in den Zeiten der Vermaisung. Auch Klotz, der im Frühjahr mit dem "Goldenen Hecht" der AG Osteland geehrt worden ist (Begründung), begutachtete gestern in Hepstedt das Blühstreifen-Projekt.

Maisäcker lassen
Bienen verhungern

Finanziert werden die Anpflanzungen unter anderem durch den Landkreis mit einem Betrag von 50.000 Euro, einem Bruchteil der Einnahmen aus der Jagdsteuer; SPD-Mann Kullik war an der schwarz-gelben Mehrheit im Kreistag mit seiner Forderung gescheitert, das gesamte Jagdsteueraufkommen für diesen guten Zweck zu verwenden. Lobend äußerte sich Naturfreund Kullik über den Einsatz, den die Jägerschaft als "Bindeglied zwischen Naturschutz und Landwirtschaft" bei der Umsetzung des Blühstreifenprogramms leiste.


Präsentation des Jägers und Tierarztes Holsten

Respekt zollte Kullik dem Tarmstedter Tierarzt Dr. med. vet. Heinz-Hermann Holsten, der als Vorsitzender der Jägerschaft Zeven gestern die rund hundert Teilnehmer der Hepstedter Versammlung durch ein glänzendes Plädoyer pro Artenschutz und Artenvielfalt faszinierte. Die Verknappung der Blühpflanzen infolge der Monotonisierung der Agrarlandschaft lasse nicht nur pollensammelnde Insekten wie die Bienen verhungern, sondern zerstöre unter anderem auch die Nahrungsgrundlage des Rebhuhns.


Landrat Luttmann, Vize Brünjes (CDU)

Dr. Holstens Forderung, durch Anlage von Lerchenfenstern und Blühstreifen sowie den Schutz von Weg- und Gewässerrändern vor dem Umpflügen "strukturreiche Habitate zu erhalten und anzulegen", findet mittlerweile auch innerhalb der CDU/FDP-Mehrheitsfraktion - die um die Akzeptanz ihres strammen Biogas-Kurses fürchten muss - wie auch bei dem Rotenburger Landrat (und Jäger) Hermann Luttmann ein positives Echo.

"Macht Urlaubern
nicht richtig Laune"

Angesichts von mittlerweile 125 Biogasanlagen und von Maisäckern auf mittlerweile 52 Prozent der Nutzfläche im Landkreis mache es, so Vize-Landrat Brünjes, Chef des Tourismusverbandes Rotenburg (TouROW), auch "den Urlaubern nicht richtig Laune, kilometerweit durch Maisfelder zu radeln", wo Rotenburg doch "ein Tourismus-Landkreis sein will".


Blühstreifen am Maisfeld bei Hepstedt

Angesichts der massiven öffentlichen Kritik (siehe unsere Archivseite "Vermaisung stoppen") zeigen sich Landwirte zunehmend angetan von der Möglichkeit, mit Blühstreifen zur "Verbesserung unseres Images" beizutragen, so der Hepstedter Jürgen Blanken. Auch der Landvolk-Landesvize Heinz Korte registriert als Vorsitzender die Biogasanlagen-Betreiber im Kreis Rotenburg ein "positives Feedback aus der Bevölkerung" auf das PR-wirksame und zugleich kostengünstige Programm "Bunte Felder" (pro Anlagenbetreiber im Schnitt ca. 1500 Euro).

"Mehr als lediglich ein
Schönheitspflästerchen"


ROW-Naturschutzbeauftragter Burkart

Sind die Blühstreifen nur Kosmetik, nur ein billiges Alibi, um die ungebrenst voranschreitende häßliche Entwicklung ein wenig zu kaschieren? Der kritische Naturschutzbeauftragte Burkart sieht in den Blühstreifen mehr als lediglich ein "Schönheitspflästerchen". Auch er freut sich angesichts der grassierenden Naturzerstörung über jeden Mitstreiter, der durch die Aussaat von Phacelia, Borretsch oder Vogelbeere das Nahrungsangebot für Wildtiere erweitern hilft. Begrüßt wurde das Programm natürlich auch von den Imkern - und zunehmend von Landwirten, die zunächst skeptisch waren, jetzt aber schnell noch aufspringen und Randflächen zur Verfügung stellen wollen. Deren Zustimmung sei inzwischen "überwältigend", sagt sich der Tierarzt, Jäger und CDU-Mann Dr. Holsten.

Auch der Hepsteder Landwirt Blanken freut sich über das Leben in den bunten Streifen, "in denen man vor lauter Gesumme sein eigenes Wort nicht mehr versteht". Auch bei den Bürgern kämen sie Blühstreifen gut an: "Die Sonnenblumen an den Radwegen werden immer weniger."

Mehr zum Thema:

Blühstreifen geben Insekten Nahrung (Weser-Kurier)


Osteland

Mais bis
ans Ufer


Appell des UHV Obere Oste

19. 8. 2011. Oste-Zuflüsse wie der Duxbach bei Deinstedt, die bis dicht an beide Ufer mit Mais bestanden sind, sind dem Unterhaltungsverband (UHV) Obere Oste ein Ärgernis. In einem Appell an die Gewässeranlieger im Kreis Rotenburg weisen der Verbandsvorsteher und AG-Osteland-Mitstreiter Angelus Pape (Foto) und Geschäftsführer Wilhelm Meyer darauf hin, dass Seitenstreifen von mindestens fünf Metern Breite für die mechanische Gewässerunterhaltung freigehalten werden müssen.


Verbandsgebiet des UHV Obere Oste

Das Verbandsgebiet umfasst im Einzugsgebiet der Oberen Oste 136 Wasserläufe zweiter Ordnung mit einer Gesamtlänge von 516 Kilometern.


Landwirtschaft

Wo ist das
Grünland?

19. 8. 2011. Obwohl der Umbruch von Dauergrünland ohne Nachweis von Ersatzflächen seit 2009 verboten ist, entstehen auch im Osteland noch immer Maisäcker auf einstigem Grünland. Darum hat jetzt der Kreisverband Rotenburg/Wümme der Umweltorganisation BUND auf der Suche nach dem verschwundenen Grün von der Rotenburger Landwirtschaftskammer Akteneinsicht verlangt, um illegale Handlungen auf die Spur zu kommen.

Der BUND-Brief an die Landwirtschaftskammer steht hier im Netz. Mehr zum Thema in der Rotenburger Rundschau.


Biogas

Nachteile
bekämpfen

16. 8. 2011. Niedersachsen nimmt bei der Biogaserzeugung uanter anderem aus Mais eine Vorreiterrolle ein. "In unserem Bundesland werden mehr als 30 Prozent des in Deutschland aus Biogas gewonnenen Stromes erzeugt", erklärt die Landtagsabgeordnete Daniela Behrens (SPD). "Wir müssen einerseits die positiven Wirkungen des Energieträgers Biogas nutzen, aber andererseits die in vielen Regionen Niedersachsens überhandnehmende Monokultur eindämmen."

Um in Zukunft die Nutzung von Biogas nachhaltig zu sichern und regionale Konflikte und Risiken zu verhindern, erarbeitete die SPD-Landtagsfraktion einen Antrag. Die enorme Ausweitung der energetischen Nutzung von Biomasse, so Behrens, habe starke Auswirkungen auf Landnutzung und Raumordnung. "Ich bin mir sicher, dass auf Dauer die Biogasnutzung in der Bevölkerung lediglich Akzeptanz finden wird, wenn deren Risiken und Nachteile offen thematisiert und Konzepte zur Konfliktlösung vor Ort geschaffen werden. Neben mangelnder Transparenz fehlt es in der Landesraumordnung an grundsätzlichen Festlegungen und Gestaltungsfreiräumen für die Kommunen", meint Behrens. Mehr...


Umwelt

Maiskritik an
der Quelle


Mais-Schlagzeile im "Abendblatt"

11. 8. 2011. Auch im Quellgebiet von Oste und Este, im Landkreis Harburg, wird Kritik an der zunehmenden Vermaisung der Landschaft laut, wie heute das Hamburger Abendblatt berichtet. Die in Buchholz ansässigen Naturfreunde Nordheide kritisieren, so ihr Vorsitzender Bernd Wenzel, dass für die jüngst vom Landkreis in Auftrag gegebenen Blockheizkraftwerke mit aus Mais erzeugtem Biogas betrieben werden sollen.

In einem offenen Brief fordern sie den LandratJoachim Bordt auf, den Maisanteil bei der Biogaserzeugung zu begrenzen. Die Verödung der Landschaft durch Monokulturen und die Veränderungen in der Tierwelt, im Grundwasser und den Böden seien negative Begleiterscheinungen des großflächigen Maisanbaus. - Mehr auf den Websites des NDR (mit Video über Alternativen) und der Harburger Anzeigen und Nachrichten .


Artenschutz

Kampf der
Monokultur


Naturschützer-Protest von der Oste

5. 8. 2011. "Wir müssen einerseits also die positiven Wirkungen des Energieträgers Biogas nutzen, aber andererseits die in vielen Regionen Niedersachsens überhandnehmende Monokultur eindämmen.“ Mit dieser Stellungnahme hat sich Daniela Behrens (Foto), SPD-Abgeordnete im Landtag, in die Debatte über die Vermaisung der Landschaft in weiten Teilen Niedersachsens eingeschaltet. Was konkret geschehen soll, steht auf der Website der Abgeordneten.


Landwirtschaft

Kosmetik
und mehr


Mais-Monokultur an der Oste

26. 7. 2011. Immer mehr Beachtung findet die Kritik von Jägern und Naturschützern - darunter die Osteland-Mitglieder Uwe Baumert (Nabu Niedersachsen) und Ostepreisträger Gerhard Klotz (Jägerschaft Land Hadeln/Cuxhaven) - an der "Vermaisung" des Ostelandes. Umlängst haben die Landvolk-Verbände Bremervörde, Verden und Rotenburg/Zeven eine Initiative namens "Bunte Felder" gegründet, um etwa fürs Auge und für den Artenschutz zu tun: Entlang der Maisäcker wurden rund 40 Hektar Blühstreifen angelegt - mehr als nur "Kosmetik für die nicht eben attraktiven Maisfelder", wie heute Stefan Algermissen in der Bremervörder Zeitung schreibt.


Biogas

Grasschnitt
ersetzt Mais

8. 7. 2011. im südlichen Osteland, im Kreis Rotenburg, hat die Vermaisung und Monotonisierung der Landschaft Rekordwerte erreicht. Weil die Akzeptanz der Biogas-Prouktion in der Bevölkerung schwindet, hat der Landkreis - erfolgversprechende - Versuche anstellen lassen, Mais teilweise durch Grasschnitt zu ersetzen. Ein ausführlicher Bericht steht auf der Website des Landkreises.


Artenschwund

Experte
entsetzt


Naturschützer Burkart (Foto: Nabu BRV)

24. 5. 2011. Bereits voriges Jahr schlug Werner Burkart Alarm: Der Naturschutzbeauftrage des Kreises Rotenburg registrierte im Oste- und Wümmekreis ROW einen galoppierenden Niedergang der Tier- und Pflanzenvielfalt (siehe unsere damalige SONDERSEITE).

Der Trend hält ungebremst an, besonders in den Schwerpunkträumen für Biogaserzeugung, schreibt Burkart in seinem jüngsten Bericht, in dem er auch auf die"Vermaisung" eingeht: Dieses Wort sei "kein absurder Begriff, sondern ein echtes Ärgernis",  – auch aus Sicht von Landwirten, die nicht von Biogas profitieren", zitiert die Bremervörder Zeitung den Naturschützer.

Burkart weiter: "Der hohe Anspruch, durch die Förderung regenerativer Energien die Belastung von Umwelt und Klima zu mindern, hat sich zumindest auf unsere Region bezogen eher in sein Gegenteil verkehrt."

Infolge der der Biogas-Erzeugung rolle "eine bisher beispiellose Welle von Nutzungsintensivierungen bis in den letzten Winkel der freien Landschaft". Hinzu kämen "teilweise dramatische Fälle" von illegalem Grünlandumbuch. Mehr...


Jägerschaft

Freude über den
Goldenen Hecht


Vorsitzender Klotz (vor Hecht-Projektion)

27. 3. 2011. "Eine schöne Bestätigung, dass der Einsatz der Jäger für die Natur gewürdigt wird" - mit diesen Worten gratulierte der Vize-Landrat des Cuxlandes, Hans-Volker Feldmann (CDU), dem Vorsitzenden der Jägerschaft Land Hadeln/Cuxhaven, Gerhard Klotz (Hemmoor), zur Verleihung des "Goldenen Hechts"der AG Osteland.

Vor den rund 300 Teilnehmern der Jahresversammlung der Jäger im Lamstedter "Bördehuus" erwiderte Klotz, es sei in der Tat "nicht alltäglich", dass die Jägerschaft von einer "nichtjagdlichen Organisation" wie der Arbeitsgemeinschaft  Osteland Anerkennung finde für ihren Beitrag zum "großen kulturelle Werk" der Erhaltung einer artenreichen und gesunden Tier- und Pflanzenwelt.


 Rund 300 Jäger im Loomster Bördehuus

Stellvertretend für die Jäger in den Landreisen Stade, Cuxhaven und Rotenburg war Klotz in der Vorwoche für deren Naturschutzbemühungen (Blühstreifen, Feldgehölze, Lerchenfenster) mit dem Osteland-Kulturpreis ausgezeichnet worden. Besonders betont worden war in der Begründung Klotz' Einsatz gegen die Monotonisierung des Ostelandes durch die rapide zunehmende Vermaisung, die wiederum eine schwer beherrschbare Sauenplage nach sich zieht.


Vize-Landrat Feldmann gratuliert Klotz

Das Thema Mais war denn auch der - neben Wahlen und Regularien - der Schwerpunkt der diesjährigen Hauptversammlung. Bevor Gerfried Hoopmann (Minden) kenntnisreich und sehr konkret das Thema "Sauenbejagung im Mais" behandelte und Tipps für eine sicherheitsorientierte Drückjagd gab, appellierte Klotz an die Politik, die Notbremse zu ziehen, um die weitere Vermaisung des Landes zu bremsen: "Ich hoffe, es wird in Hannover erkannt, dass wir dabei sind, die Umwelt zu verwüsten."


Hoopmann: Tipps für Mais-Drückjagden

Ebenso notwendig sei ein guter Kontakt zwischen Jägern und Landwirten, um das alljährliche "Gemetzel vor unserer Tür" (schätzungsweise 500.000 totgemähte Wildtiere) zu beenden. Besonders begrüßte Klotz - zuständig auch für die Ausbildung - 16 Teilnehmer am diesjährigen Jägerlehrgang, darunter sechs Jägerinnen - die bisherige "Rekordquote" in Hadeln.


Gehörnschau der Unteren Jagdbehörde

Im Vorfeld der Jahreshauptversammlung hatte Klotz in einem Beitrag für die Niederelbe-Zeitung betont, Jagd dürfe weder als "Sportart" missverstanden noch auf den "Trophäenkult" reduziert. Als einer der 14 anerkannten Naturschutzverbände in Niedersachsen sehe sich die Jägerschaft zum Dienst an der Natur verpflichtet - ein Auftrag, der "nicht beim jagbaren Wild endet".

Vizelandrat Feldmann übrigens wünschte sich von den Jägern, dass sie dazu beitragen, der Jugend auch die Liebe zur Natur nahezubringen: "Auch bessere Naturkenntnisse können nicht schaden," fügte der frühere Biologielehrer hinzu: "Die Flugzeuge, die da oben fliegen, die kennen sie, die Vögel nicht."
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Vermaisung: Osteland
unter den Spitzenreitern

Obere Oste ganz vorn - zoom

Die Monotonisierung der Landschaft durch Gasmais-Anbau schreitet rapide voran. An der Oberen Oste, im Kreis Rotenburg, gebe es "jetzt die höchste Anzahl an Biogasanlagen in Niedersachsen," meldet soeben die Bremervörder Zeitung unter Berufung auf die oben wiedergegebene Grafik der Landwirtschaftskammer (LWK).

Laut LWK ist "die Intensität der Fruchtfolgeveränderung in Gefolgschaft zur Dichte der Biogasanlagen im mittleren Lüneburger Raum sowie im mittleren Weser-Ems Raum am größten. Die größte Dichte und Intensität liegt dort in den Landkreisen Rotenburg und Cloppenburg vor". Mehr auf der LWK-Website (PDF).


Vermaisung

Farbe ins
Maisfeld

15. 3. 2011. Die breite Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft zeigt Wirkung. Im Rahmen eines Projekts "Farbe ins Feld" sollen noch dieses Jahr 12.000 Hektar neue Blühflächen in Deutschland entstehen. Träger sind der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) und Fachverband Biogas (FvB), die ihren Mitgliedern in Kooperation mit verschiedenen Saatgutfirmen zur Aussaat 2011 Nachlässe von 15 Prozent auf bestimmte Samenmischungen anbieten. Erleichterungen für die Anlage von Blühstreifen als Bejagungsschneisen im Maisfeld gibt es in den Bundesländern Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Weiterlesen...

Nichts zu tun mit
Landwirtschaft...

15. 3. 2011. Rund 100 der 800 niedersächsischen Biogasanlagen stehen im Oste-Landkreis Rotenburg. "Mit Landwirtschaft hat das nichts mehr zu tun," meint Grünen-MdL Elke Twesten (Foto)in einer Pressemitteilung über ein Treffen mit Vertretern der Bürgerinitiative gegen eine riesige Biogassanlage bei Freetz. "Die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen fördern in erheblichem Ausmaß den Schwund von Pflanzen- und Tierarten und führen zu einem einseitigen von endlosen Maisflächen geprägtem Landschaftsbild. Trotz des für 2010 ausgerufenen 'Internationalen Jahres der Biodiversität' verstärkt sich das Artensterben. Deshalb halten wir verbindliche ökologische und soziale Standards für die Biogasproduktion für unerlässlich." Der komplette Pressetext steht hier.


Vermaisung

NABU erzielt
Durchbruch


AG-Osteland-Neumitglied Baumert (l.)

5. 3. 2010. Im Kampf gegen die "Vermaisung" der Landschaft - zurzeit Öko-Thema Nummer eins im Osteland - hat der niedersächsische Naturschutzbund (NABU) am Wochenende einen ersten Durchbruch erzielt. Wie NABU-Landesvize Uwe Baumert (Deinstedt / Kreis Rotenburg) - seit kurzem auch Mitglied der AG Osteland - mitteilt, hat der Verband mit einem Biogas-Produzenten eine Zehn-Punkte-Vereinbarung über "naturverträgliche Biogasproduktion" unterzeichnet, die als wegweisend gilt. Ausführlicher Bericht auf der NABU-Website.

Biogas-Boom
im Kreis Stade


Stader Biogas-Pläne - ganze Karte hier

4. 3. 2011. "Goldgräberstimmung" herrscht laut Stader Wochenblatt zur Zeit noch unter Energiebauern im Kreis Stade. Dort werde sich die Zahl der Biogasanlagen in diesem Jahr gegenüber 2010 womöglich vervierfachen (mehr). - Ein informativer Text des Harsefelder Grünen Ralf Poppe über die Vermaisung der Stader Geest steht hier.

In ganz Niedersachsen hat die Anbaufläche für Mais laut NABU von 357.500 Hektar im Jahr 2005 auf rund 546.000 Hektar im Jahr 2010 zugenommen. Der Zuwachs allein im Jahr 2010 betrug 72.000 Hektar oder knapp 10.100 Fußballfelder.


Bioenergie

Unfallgrund
Vermaisung


Wildunfall-Rekord im Landkreis Rotenburg

4. 3. 2011. Auf eine bislang kaum beachtete mögliche Folge der Monotonisierung des Ostelandes durch den Gasmais-Anbau hat jetzt die Jägerschaft des Kreises Rotenburg hingewiesen: Die Region an Oste und Wümme weist Rekordbestände an Schwarz- und Damwild auf - und ein Rekordaufkommen an Wildunfällen, deren Zahl von 947 (2000) über 1520 (2009) auf 1589 (2010) emporgeschnellt ist.

Kreisjägermeister und Tierarzt Dr. Hermann Gerken (Foto) aus Zeven sieht laut Zevener Zeitung eine mögliche Erklärung "in dem gestiegenen Maisanbau und dem damit einhergehenden Grünlandumbruch" (mehr). Maisfelder gehören zu den bevorzugten Biotopen von Wildschweinen. Zudem habe sich das Damwild, so Gerken weiter, "regional stark konzentriert - mit den dazu gehörenden Problemen im Straßenverkehr".

Maismast für
die Wildsäue

Im Landkreis Rotenburg werden, wie berichtet, laut Landvolk bereits mehr als 50 Prozent der Agrarfläche für den Gasmais-Anbau genutzt; im Kreis Cuxhaven steigt der Anteil ebenfalls rapide. Bund und Land wollen die Übersubventionierung der Maisvergasung abbauen. Die Rotenburger Jäger kündigen jetzt an, den überhöhten Wildbestand durch eine Heraufsetzung der Abschusszahlen reduzieren zu wollen.


Umwelt

Schon über
50 % Mais!


Biogas-Anlage im Osteland

26. 2. 2011. Neue Zahlen über die Vermaisung der Region an Oste und Wümme wurden jetzt bei einem Landwirtetreffen im Landkreis Rotenburg bekannt: Im Kreisgebiet, wo 112 Biogasanlagen gebaut oder genehmigt worden sind, werden über 50 Prozent der Ackerfläche mit Mais bebaut. werden. Um auf die "zunehmende Ablehnung" der "merklichen Vermaisung" zu reagieren, wollen die Agrarenergierzeuger in Sichtweite von Wegen mindestens drei Meter breite "Blühstreifen" anlegen (etwa mit Hafer, Buchweizen, Sonnenblume und Rotklee) und Werbeschilder und -banner anbringen.

Jetzt was
fürs Auge

Bei dem Treffen in Gyhum (Kreis Rotenburg) traten elf Biogasbetreiber dem von Kreislandwirt Heinz Korte (siehe unten) konzipierten Verein "Bunte Felder" bei. Notwendig sei, so ein Teilnehmer, ein "absolut ehrlich gemeintes Zugehen auf die besorgte Bevölkerung“ und eine Einbindung des Naturschutzes.

Mehr in der Nordsee-Zeitung unter dem Titel "Bunte Felder für das Auge".


Osteland

Bunter Rand
für Maisäcker


Naturschützer-Protest gegen Vermaisung

26. 2. 2011. Der Bremervörder Landvolkvorsitzende und Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Heinz Korte (Foto), hat im Landkreis Rotenburg zunehmende Kritik an der Ausweitung des Maisanbaus festgestellt: "Biogas werten viele Menschen als gute Sache, aber der Maisanbau wird als störend empfunden". Mit bunten "Blühstreifen" am Maisackerrand soll nun "die Akzeptanz für die Bioenergieerzeugung gesteigert werden". Auf Initiative der Landvolkverbände in der Region hat sich daher einVerein namens "Bunte Felder" gegründet, der die Betreiber von Biogasanlagen veranlassen möchte, an Maisflächen für die Erzeugung von Bioenergie einen bunten Saum anlegen.

Die Einsaat der Blühstreifen soll zentral in der zweiten Maihäfte vom Maschinenring übernommen werden, meldet der Landvolk-Pressedienst.

Die Einsaat der Blühstreifen soll zentral in der zweiten Maihäfte vom Maschinenring übernommen werden, meldet der Landvolk-Pressedienst.

Mais - Gefahr
für Trinkwasser

25. 2. 2011. Die Vermaisung der Landschaft durch den Anbau von Biogas-Mais belastet das Grundwasser. Darauf macht jetzt das NDR-Fernsehen auf seiner Website aufmerksam. "Statt pflanzlicher Abfälle landet in 90 % der deutschen Biogasanlagen vor allem eines: Mais. Denn Mais bietet den höchsten Methanertrag und liefert damit die größte Energieausbeute... Und das hat Folgen für die Umwelt. Vor allem die Wasserwirtschaft schlägt Alarm: Sie sieht das Grundwasser in Gefahr," so der NDR.

Der viele Mais bringe hohe Konzentrationen von Stickstoff im Boden mit sich. Stickstoff, der in einigen Regionen durch den Umbruch vom Grünland freigesetzt wird, in anderen Regionen durch jahrzehntelange Düngung ohnehin schon im Boden schlummert: "Einen Teil dieses Stickstoffs braucht der Mais zum Wachsen. Doch längst nicht alles. Der Rest bleibt an den Bodenoberfläche, verwandelt sich in Nitrat und droht im Herbst ins Grundwasser 'ausgewaschen' zu werden...

Fast 100 Biogasanlagen stehen allein im Landkreis Cloppenburg. Um sie zu füttern, wird selbst in ausgewiesenen Trinkwasserschutzgebieten mittlerweile Mais angebaut. Die Folge: deutlich erhöhte Nitratwerte im Grundwasser. 50 mg pro Liter sind vertretbar – bis zu 200 mg werden hier gemessen." Weiterlesen auf NDR online.

Dank für den Hinweis an Wolfgang Röhl.


Gasmais

'So geht es
nicht weiter'

24. 2. 2011. Die Vermaisung des Ostelandes zwecks Biogasproduktion wird nicht nur vom Naturschutzbund NABU, der Jägerschaft und dem hannoverschen Umweltministerium kritisiert, die Monotonisierung der Landschaft weckt auch mehr und mehr politischen Widerstand bei Parlamentariern. Angesichts der hohen Dichte an Biogasanlagen im Landkreis Rotenburg bestehe Handlungsbedarf, sagte jetzt SPD-MdL Ralf Borngräber bei einem Besuch in Freetz an der Oberen Oste.

"Es ist der Punkt erreicht, an dem wir steuernde Elemente in die Biogasförderung einbauen müssen. So geht es nicht weiter. Wir können die Sache in der Region nicht ausufern lassen," zitiert die Zevener Zeitung den SPD-Politiker: "Wir brauchen ein Werkzeug, das uns wie im Bereich der Windkraft sagt: Hier macht eine Anlage Sinn, dort nicht. So etwas muss es geben." Mehr...

Dank für den Hinweis an Kurt Ringen.


Vermaisung

Kampf mit
Kalendern


Baumert-Visitenkarte gegen Vermaisung

20. 2. 2011. Auf originelle Weise kämpft Uwe Baumert (Foto), Landesvize des Naturschutzbundes (NABU) und AG-Osteland-Mitglied aus dem Kreis Rotenburg, gegen die dramatisch zunehmende Monotonisierung der Osteregion. "Vermaisung stoppen - Artenvielfalt fördern" steht auf einer Art Visitenkarte, die der Oberst a. D. aus Deinstedt und seine Frau Angelika verteilen und deren Rückseite mit einem Jahreskalender bedruckt ist. Über die Folgen der übersubventionierten Maisvergasung berichtete kürzlich auch die Fachzeitschrift Land und Forst; Wortlaut hier.

19. 2. 2011. In der Samtgemeinde Selsingen an der Oste wird die Zahl der Biogas-Anlagen in nächster Zeit voraussichtlich von 22 auf 35 ansteigen. Das meldet die Zevener Zeitung. Einzelheiten hier...

16. 2. 2011. Im Kreis Stade wächst der Widerstand gegen die "Vermaisung" der Landschaft zugunsten der Biogasproduktion - zum Beispiel in Harsefeld, wo zehn (!) neue Anlagen geplant sind und nun "Biogasexzesse" auf mehr als der Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche zu erwarten seien, wie der Grüne Ralf Poppe befürchtet: "Mit den zusätzlichen neuen Anlagen drohen Harsefeld und die Nachbargemeinden im Maislabyrinth zu verschwinden," warnt er in "Ralfs Blog". Weiterlesen...


Zeven

Landraub an
der Oste

18. 2. 2011. Teils seit Jahrzehnten nehmen Landwirte an der Oste einstige Wirtschaftswegeund ökologisch wertvolle Wegeseitenränder unerlaubt unter den Pflug. Heute wächst dort oft Mais. Der Landraub ist jetzt in Zeven aufgeflogen. Mehr in der Zevener Zeitung unter dem Titel "Der Bauer nimmt und schweigt"..


Landwirtschaft

Fischsterben
in Lamstedt


Vergiftete Fische (Foto: Wikipedia)

9. 2. 2011. "Bio" heißt Leben - doch Biogasanlagen können das Gegenteil bewirken: den Tod von Abertausenden von Fischen. Wer die Begriffe "Biogas" und "Fischsterben" googelt, stösst auf eine Vielzahl einschlägiger Vorkommnisse rund um Maisgas-Anlagen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft, wie die Niederelbe-Zeitung meldet, wegen eines Vorfalls in Lamstedt-Nindorf.

In einem dortigen Forellenteich, in den Abwässer einer landwirtschaftlichen Biogasanlage eingeleitet worden sein sollen, ist es zum dritten Mal binnen kürzester Zeit zu einem Fischsterben gekommen. Der Eigentümer des etwa 1.000 Quadratmeter großen Fischteichs hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem örtlichen Angelsportverein insgesamt 2.800 Forellen in dem Gewässer ausgesetzt. (Mehr zum Thema Sportfischerei im Osteland unter www.sfv-oste.de.)

Damit ist in der Samtgemeinde Börde Lamstedt innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal ein Umweltskandal publik geworden. Kürzlich erst hatte die NEZ gemeldet, dass Lamstedter Klärschlamm mit Perfluorierten Tensiden kontaminiert ist, die toxisch wirken und als krebserregend gelten. Mehr in der NEZ.


Natur

Bund bremst
Vermaisung

4. 2. 2011. Endlich greift die Politik die Kritik auf, die Milchbauern sowie Naturschützer wie etwa der  Bremervörder Nabu-Vorsitzende Uwe Baumert und Jäger wie dem Hemmoorer Gerhard Klotz (Foto) - beide Mitglieder der AG Osteland - an der der zunehmenden "Vermaisung" und Monotonisierung der Natur üben (wir berichteten): Jetzt soll die bisherige Übersubventionierung der Maisvergasung abgebaut werden, wie gestern die Fachzeitschrift Land und Forst meldete; Wortlaut hier.

Jäger-Kreisvorsitzender Klotz wird zum Thema Mais und Wild im Rahmen eines Farbbildvortrages sprechen, den er in der Jahreshauptversammlung der AG Osteland an diesem Freitag, 11. Februar, 20 Uhr, im Gasthaus Butt in Wingst-Zollbaum hält.



 

Landschaft

Vermaisung
lexikonreif


NABU-Chef Baumert mit Mais-Schlagzeile

2. 2. 2011. Amüsiert reagierte dieser Tage der niedersächsische Vizevorsitzende des Naturschutzbundes (NABU), Uwe Baumert, auf eine ihm gewidmete Jux-Ausgabe der "Bild" mit der Schlagzeile "Deutschland gratuliert - NABU stoppt Vermaisung." Ernster Hintergrund: Frühzeitig und intensiv kaum ein anderer Naturschützer hatte Oberst a. D. Baumert vor der ökologisch wie ästhetisch fatalen Monotonisierung der Landschaft durch hochsubventionierten Energiemaisanbau gewarnt (siehe auch Reportagen auf  Radio Bremen und im SPIEGEL). Mittlerweile hat Niedersachsens Umweltminister Heinrich Sander (FDP), wie berichtet, angekündigt, die Notbremse zu ziehen, um die Natur- und Landschaftszerstörung durch fehlgeleitete Subventionen zu stoppen - ein schöner Erfolg für Baumert und seinen 65.000 Mitglieder starken Landesverband.


Wikipedia mit neuem Stichwort

Grund zur Freude lieferte dem Naturschützer, dessen Verband soeben der AG Osteland beigetreten ist, auch das internationale Online-Lexikon Wikipedia, das - nach einigem Hin und Her - jetzt auch das von Baumert geprägte Stichwort "Vermaisung" enthält - mit einer Weiterleitung zum Kapitel "Energiemais".

Unmut bei Jägern
und Milcherzeugern

Kritik an der Vermaisung übte jetzt auch der landwirtschaftliche Berufs- und Beratungsring Lamstedt, der über erhöhte Pachtkosten infolge der Flächenkonkurrenz zwischen Milchviehhöfen und Biogasbetrieben Klage führt (siehe heutige NEZ online).

Wie berichtet, hat sich unlängst auch der Vorsitzende der Hadler Kreisjägerschaft, Gerhard Klotz (Hemmoor), zum Thema Mais geäußert - Wortlaut hier. Klotz wird dazu auch im Rahmen eines Farbbildvortrages in der Hauptversammlung der AG Ostelandam 11. Februar, 20 Uhr, im Gasthaus Butt in Wingst-Zollbaum sprechen.


Osteland

Widersinn
mit Mais

25. 1. 2011. "Ursprünglich sollten die Biogasanlagen ausschließlich Gülle nutzen, jetzt wird dafür Mais angebaut. Ein Widersinn." So beurteilt Uwe Baumert (Foto), Vize-Landesvorsitzender und Bremervörder Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu), diese Umwidmung von Ackerflächen in der jüngsten Sendung "Gesprächszeit" von Nordwestradio. Die Sendung kann hier angehört werden.


Bundesrat

Land gegen
Mais-Wahn


Maiswüste an der Oste

5. 1. 2010. Wird die Vermaisung des Ostelandes durch exzessiven Nahrungsmittelanbau zur Biovergasung (mehr) endlich gebremst? Niedersachsens Umweltminister Heinrich Sander (FDP) ist jetzt im Bundesrat aktiv geworden, um die überhöhten finanziellen Anreize für Energiewirte abzubauen.

Stellt Stuttgart 21
in den Schatten...


Minister Sander vor der Ostemündung

Bis Jahresende wird es in Niedersachsen - Schwerpunkte sind die Regionen Rotenburg und Vechta - mehr als 900 Biogasanlagen geben, laut Landesregierung mehr als genug. Der Unmut in der Bevölkerung nehme seit langem zu. Minister Sander warnt bereits öffentlich vor einer Protestbewegung, "die Stuttgart 21 noch in den Schatten stellt". Ausführlicher Bericht heute im Stader Wochenblatt.

Auch die Jäger
sind in Sorge

Die negativen Auswirkungen der zunehmenden Vermaisung auf Flora und Fauna des Ostelandes werden seit längerem unter anderem vom Nabu-Landesvize Uwe Baumert (Bremervörde) beklagt. Wie berichtet, hat sich unlängst auch der Vorsitzende der Hadler Kreisjägerschaft, Gerhard Klotz (Hemmoor; Foto), ausführlich in einer Stellungnahme gegenüber unserer Website zum Thema geäußert - Wortlaut hier.


Rotenburg

Wieder Otter
in der Oste


Kehrt zurück ins Osteland: Fischotter

31. 12. 2010. Auf einige im Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg erzielte Naturschutzerfolge geht der dortige Landrat Hermann Luttmann (CDU; Foto) in seinem Grusswort zur Jahreswende ein. Das Tister Bauernmoor -unmittelbar an der Oste gelegen -  sei "inzwischen der bedeutendste Kranichrastplatz im nordwestdeutschen Binnenland": "Im Spätherbst rasten nicht selten tausende von Kranichen in den Flachwasserbereichen des abgetorften Moores. Mittlerweile ist der Kranich dort und an anderen Orten im Landkreis auch als Brutvogel anzutreffen."

Außerdem: "Nach Jahrzehnten der Abwesenheit fühlt sich bei uns an der Wümme und ihren Nebenflüssen sowie an der Oste der Fischotter wieder wohl – inzwischen mehrfach nachgewiesen."

Angesprochen wird von dem CDU-Politiker auch die viel diskutierte "Vermaisung" der Landschaft an Oste und Wümme durch den bislang staatlich forcierten Biomaisanbau. "Bereits jetzt werden über 50 % (bezogen auf das Jahr 2009) des gesamten Stromverbrauchs im Landkreis mit erneuerbaren Energien erzeugt. Insbesondere der zunehmende Maisanbau  hat dazu geführt, dass die Akzeptanz für die Nutzung dieser umweltfreundlichen Energiequelle in der Bevölkerung gelitten hat."


Osteland

Gelber gegen
gelbe Plage


Mais-Monokultur an der Oste

12. 12. 2010. Weil die mittlerweile fast 6000 Biogasanlagen in Deutschland zu fast 90 Prozent mit Mais betrieben werden, sind in der Landwirtschaft große Monokulturen entstanden mit fragwürdigen ökonomischen und ökologischen Folgen. Die Anbauflächen für Energiepflanzen wie Mais sind innerhalb eines Jahres von 530.000 Hektar auf 650.000 Hektar gestiegen. Die Folge sind Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion und erhöhte Umweltbelastungen. Jetzt will Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) die zunehmende Vermaisung stoppen, von der, wie mehrfach berichtet, besonders die Region Obere Oste betroffen ist.

Mehr über den Kampf des Gelben Sander gegen die "gelbe Plage" steht auf SPIEGEL ONLINE und, ausführlicher, im neuen SPIEGEL.


FDP

Stoppt die
Vermaisung


FDP-Abgeordneter Oetjen

16. 11. 2010. Der FDP-Landtagsabgeordnete Jan-Christoph Oetjen aus Sottrum (Kreis ROW) begrüßt die geplanten Kürzungen bei der Förderung von Biogas-Mais (wir berichteten). Die entsprechende Bundesratsinitiative von Landesumweltministers Hans-Heinrich Sander (FDP) sei "mehr als sinnvoll". Oetjen: "Wir müssen jetzt nachsteuern, weil die Nachteile inzwischen deutlich sichtbar sind."

Die "Vermaisung der Landschaft" - betroffen ist nicht zuletzt das südliche Osteland - werde immer augenfälliger. "Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Gesamt-Maisanbaufläche in Niedersachsen um 60 000 Hektar erhöht. Auf mehr als einem Drittel der Maisanbaufläche wird Mais für die Biogasanlagen angebaut", fügt Oetjen hinzu. Es sei jetzt an der Zeit, das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) anzupassen.

Mehr zum Thema Vermaisung des Ostelandes hier, hier, hier und hier in dieser Spalte.


Vermaisung

Sander auf
der Bremse

11. 10. 2010. Der rapide zunehmende Biogas-Maisanbau und seine Folge, die Monotonisierung der Landschaft, wird von Naturfreunden als "Syphilis der Landwirtschaft" gebrandmarkt. Auch Gerhard Klotz (Foto), der Vorsitzende der Jägerschaft Land Hadeln/Cuxhaven, äußerte sich kürzlich kritisch über diese Entwicklung, von der zunehmend auch das nördliche Osteland betroffen ist (mehr weiter unten, Wortlaut der Klotz-Stellungnahme hier).

Jetzt will der hannoversche Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) die Vermaisung Niedersachsens und den ausufernden Bau von Biogasanlagen bremsen. Nach Medienberichten soll Niedersachsen kurzfristig eine entsprechende Bundesratsinitiative einbringen, um die  massive finanzielle Förderung von Biogasanlagen drastisch zu kappen. - Ausführlicher Bericht und Video auf der Website des NDR.


Natur

Mais und
Moore

4. 11. 2010. Seit langem kämpfen auch im Osteland führende Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) wie Uwe Baumert (Foto) aus Deinstedt gegen die "Vermaisung" der Landschaft (wir berichteten). Diese Woche hat auch der SPIEGEL das Thema aufgegriffen und unter anderem die Auswirkungen der Monotonisierung der Natur auf die heimischen Moore untersucht. Zum Artikel...



 

Landwirtschaft

Wildsäue
im Visier


Mais: Schlaraffenland fürs Schwarzwild

28. 10. 2010. Das "hochintelligente" und stellenweise "schwer zu bejagende" Wildschweinentwickele sich aufgrund des zunehmenden Biogas-Maisanbaus mehr und mehr zur "Plage" und außerdem - wegen der Schweinepest-Gefahr - auch zum "seuchenhygienischen Risiko". Das sagte Helmut Dammann-Tamke, CDU-MdL und Präsident Landesjägerschaft Niedersachsen, heute Mittag in der aus Zevenübertragenen Hörfunk-Diskussion des Nordwestradios (siehe nächsten Text).

Die Dimensionen des Mais/Wildschwein-Problems verdeutlichte Rudolf  Heins, Vorsitzender des Landvolkverbandes Zeven, mit dem Hinweis, Mais werde bereits auf "etwas mehr als der Hälfte der Ackerfläche" im Kreis Rotenburg angebaut, wo rund 100 der etwa 800 niedersächsischen Biogas-Anlagen stehen. Jagdvorsteher Hermann Gerken, Kreisjägermeister und Tierarzt, berichtete über"fassballfeldgroße Zerstörungen" in Maisfeldern und eine zunehmende Zahl von Wildunfällen. Bei aller Vorliebe für erneuerbare Energien sehen auch die Grünen, so deren MdL Elke Twesten(Foto), in dem Trend zu großflächigen Maismonokulturen eine "Fehlentwicklung".

In einer heute abgegebenen Stellungnahme zu unserem Bericht "Maismast für die Wildsäue" weist Gerhard Klotz, Vorsitzender der Jägerschaft Land Hadeln/Cuxhaven, darauf hin, dass durch den Maisanbau bereits jetzt riesige Flächen der Flora und Fauna verlorengegangen sind. "Wenn schon das Biogas in der Politik von Bedeutung ist und der Maisanbau gewollt ist, so müssen unbedingt Möglichkeiten geschaffen werden, bei denen der Maisanbau nicht zur völligen Zerstörung des Naturhaushaltes führen wird", schreibt Klotz. Der Brief im Wortlaut steht auf dieser SONDERSEITE: "Die Natur ist der Verlierer."


Hörfunk

Maismast für
die Wildsäue


Frischlinge: Leben wie Maden im Speck

27. 10. 2010. Die grassierende Vermaisung des Ostelandes (wir berichteten) und ihre Auswirkungen auf die Wildpopulation sind an diesem Donnerstag, 28. 10., 13.05 Uhr, im Nordwestradio Thema einer Live-Übertragung aus dem Landvolkhaus in Zeven (Meyerstraße 15, Eintritt frei).

"Der Boom von Biogasanlagen in Niedersachsen hat eine tierische Nebenwirkung. Durch den zunehmenden Anbau von Energiepflanzen wie Mais haben Wildschweine so viel zu futtern, dass sie sich explosionsartig vermehren. Die Zeche zahlen die Jäger. Sie müssen für Wildschäden in der Landwirtschaft aufkommen, zahlen inzwischen in vielen Revieren Entschädigungen an Bauern. Der Kern des Problems ist bekannt. In den vergangenen Jahren sind im Norden Hunderte Biogasanlagen entstanden, weitere sind in Planung. Viele laufen mit Energiepflanzen, wobei der Bedarf an Raps und Mais enorm ist," schreibt Nordwestradio über die Sendung (Moderation: Hans Heinrich Obuch, Redaktion: Hilke Theessen).

Immer häufiger
Wildschweinunfälle


Biogasanlage (in der Wingst)

Und weiter: "Um diesen ständig steigenden Bedarf zu decken, bauen immer mehr Landwirte großflächig Mais an. Mindestens ein Drittel der Ernte wird in Biogasanlagen gehäckselt, als Maissilage vergoren und verstromt. Mais ist aber nicht nur die Hauptfrucht für Ökostrom, sondern auch die Lieblingsspeise der Wildschweine. In den riesigen Maisfeldern lassen sich ganze Rotten nieder. Unter diesen  Bedingungen klappt es auch mit dem Nachwuchs.

Eine Bache wirft sechs bis acht Frischlinge, und in den Feldern muss keines der Jungtiere hungern. In dem Schlaraffenland für das Schwarzwild haben die Jäger kaum eine Chance. Sie schießen zwar jährlich mehr Wildschweine ab, aber die Population wächst trotzdem. Inzwischen kommt es in Niedersachsen immer häufiger zu Unfällen mit Wildschweinen."

In der Diskussion sollen Fragen beantwortet werden wie: Wird das Schwarzwild auch zur Bedrohung für den Menschen? Überträgt es Seuchen wie die Schweinepest? Welche Rolle spielt die flächendeckende Monokultur? Welche wirtschaftlichen Schäden richten Wildschweine an?

"Syphilis der
Landwirtschaft"

Auch Touristen äußern sich zunehmend kritisch über die Maiswüsten an der Oste - wie eine Radwanderergruppe, die dieser Tage hier im Web über eine Tour von Osten nach Zeven berichtete: "Was uns an diesem Tag bereits morgens begleitete waren: Maisfelder, Maisfelder, Maisfelder…. In jeder kleinen Lichtung bis nah an den Wegen: Maisfelder, Maisfelder, Maisfelder…".

Dass von Naturschützern als "Syphilis der Landwirtschaft" charakterisierten Maismonokulturen auch den Jägern zu schaffen machen, hatte der Wildexperte Dr. Kurt Menzel laut Bremervörder Zeitung unlängst vor der Jägerschaft Bremervörde beklagt. Die Maiswüsten beherbergten massenhaft Schwarzwild. Die Landwirte müssten daher beim Maislegen "Schuss-Schneisen" einarbeiten, forderte Menzel.



 

Natur

Mais, Mais,
Mais, Mais


Heute im TV: Agrarsteppe an der Oste

20. 10. 2010. Die Maiswüsten, die sich vor allem - aber nicht nur - im südlichen Osteland ausweiten, sind am heutigen Mittwoch, 21 Uhr, Thema der NDR-TV-Sendung "Menschen und Schlagzeilen". Zum Thema Maismonokulturen, Biogas, Grundwassergefährdung und Niedermoorumbruch kommt unter anderem Uwe Baumert (Foto) vom Naturschutzbund (Nabu) zu Wort, dessen ROW-Kreisverband auch der AG Osteland angehört.

"Syphilis der
Landwirtschaft"

Auch Touristen äußern sich zunehmend kritisch über die Maiswüsten an der Oste - wie eine Radwanderergruppe, die dieser Tage hier im Web über eine Tour von Osten nach Zeven berichtete: "Was uns an diesem Tag bereits morgens begleitete waren: Maisfelder, Maisfelder, Maisfelder…. In jeder kleinen Lichtung bis nah an den Wegen: Maisfelder, Maisfelder, Maisfelder…".

Die von Naturschützern als "Syphilis der Landwirtschaft" charakterisierten Maismonokulturen machen auch den Jägern zu schaffen, wie der Wildexperte Dr. Kurt Menzel laut Bremervörder Zeitung (Mittwochausgabe) jetzt vor der Jägerschaft Bremervörde sagte. Die Maiswüsten beherbergten massenhaft Schwarzwild. Die Landwirte müssten daher beim Maislegen "Schussschneisen" einarbeiten, forderte Menzel.



Landschaftsschutz

Unmut über
Vermaisung


Mais-Einöde an der Oste

1. 10. 2010. Die zunehmende "Vermaisung"der Oste-Region hat auch Auswirkungen auf den Tourismus. Die Freizeitwissenschaftlerin Isabel Kaiser erklärte gegenüber der Zevener Zeitung, der für die Biovergasung angebaute "viele Mais" sei "aus touristischer Sicht ein Standortnachteil": "Wenn er hoch steht, sieht man von der Landschaft nichts mehr."

Isabel Kaiser entwickelt zur Zeit ein Tourismuskonzept für die Oste-Samtgemeinde Selsingen. Mehr...

MAIS-MAILS

Am 19. 10. 2012 schrieb unser Leser Kurt Ringen aus Hanstedt:

Die Biogastechnologie bietet allein in Zeven nach diesen und diesen Angaben 650 Arbeitsplätze. Mit geschätzten ca. 200 Anlagen im "Nassen Dreieck" kommen ca. 200 Arbeitsplätze vor Ort hinzu. Weiterhin werden ca. 500 bis 1000 Landw. Betriebe ganz oder teilweise abgesichert. Darf man dafür 200 Arbeitsplätze rechnen?

Dazu kommt der gesamte vor- und nachgelagerte Bereich von technischem Service, Wartung und Beratung. Vielleicht noch einmal 300 regionale Arbeitsplätze, vorsichtig geschätzt.

Ich komme auf mindestens 1150 Arbeitplätze, die entweder im Osteland liegen oder vom Osteland aus gut erreichbar sind.

Aus der zusätzlichen Wertschöpfung entehende weitere Arbeitsplätze (z. B. für Investitionen an Haus und Hof, Infrastruktur, Metallverarbeitung, Maschinenbau, Elektronik-Industrie usw. dürfte schätzungsweise noch einmal die gleiche Anzahl hervorgehen. Davon die Hälfte in unserem Raum.


Am 21. 11. 2011 schrieb unsere Leserin Sigrid Beyer aus Osten:

Dank der Infos über Mais, Gift... erfährt man, was sich die Agrarindustrie so alles vorstellt und zu praktizieren gedenkt. Dass die übermäßige Jauche auf unseren Feldern früher oder später die Nitratwerte unseres Grundwassers in die Höhe schnellen lässt, dafür braucht man kein Abitur, sondern nur ein bisschen gesunden Menschenverstand. Letzterer scheint bei einer gewissen Klientel auf ein Minimum geschrumpft zu sein!

Ich wage zu bezweifeln, dass eine Schulung der Landwirte für Naturschutzmaßnahmen viel bringen wird. Das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge ist in dieser Branche total abhanden gekommen. Geht man über einen abgeernteten Maisacker, so findet der Spaziergänger keine Häufchen vom Regenwurm mehr (unser Garten ist voll davon und zeigt die Aktivität und Anwesenheit dieser für ein gesundes Bodenleben so wichtigen Tiere). Bei den vielen Gaben von Gift, Jauche, Fungiziden etc. kann sich kein Bodenleben aufrecht erhalten, mit anderen Worten: Der Boden ist tot und nur "fruchtbar", weil der Mineraldünger dafür sorgt, dass etwas wächst!

Was in früheren Zeiten der Bauer über die Zusammenhänge im Naturgeschehen wusste, wird heute allenfalls milde belächelt, anderseits hat aber gerade jenes Bauerntum über Jahrtausende dafür gesorgt, dass Mensch, Tier und Pflanze harmonisch zusammenleben konnten. Der Bauer liebte seine Felder und seine Tiere und sorgte verantwortungsvoll auf ihr gutes Gedeihen. Eine Dreifelderwirtschaft sorgte für Abwechslung im Anbau und Nutzung des Ackers. Die Tiere brauchten kein Antbiotika, weil sie gesund und nicht in Massen gehalten wurden, die Ernte fiel mal besser, mal schlechter aus, aber mit Hilfe der chemischen Keule hat keiner versucht, die Ergebnisse zu manipulieren.

Diese Art von Bauerntum habe ich in meiner Kindheit noch erlebt - jede Kuh hatte einen Namen, die Schweine einen Koben, in dem sie sich suhlen konnten... die Hühner liefen über den Hof und kratzten im Mist, die Gänse und Enten hielten die Gärten von Schnecken sauber... und heute? Heute ist Tier und Pflanze zum Industrieprodukt geworden, je mehr produziert wird, um so besser, auch wenn dann andrerseits wieder tonnenweise Lebensmittel im Müll landen.

Ich weiß nicht, was passieren muss, damit das "Untier Mensch" umdenkt. Sowohl Erzeuger als auch Verbraucher haben keinen echten Bezug mehr zu unserer Erde, zur Natur, noch weniger Dankbarkeit. Und da hilft es nur wenig, wenn Bereiche wie Oste- und Wümmeniederungen geschützt werden, das Gift ist in der Landschaft und es braucht immer einige Zeit, bis sich die Auswirkungen im Grundwasser spürbar machen.

Der intensive Anbau von Mais und anderen Pflanzen nur für Biogasanlagen ist ein Wahnsinn!! Es gibt genug anderes Grünmaterial, das abfällt und in die Biogasanlage kann, vom Baumschnitt entlang der Straßen bis zu den Sammelaktionen von Gartenschnitt. Solange Nahrungspflanzen - wie Mais oder Getreide - für die Energiegewinnung (Biogas, E10...) angebaut werden und ein Drittel der Weltbevölkerung hungert, solange ist das in meinen Augen ein Verbrechen an der Schöpfung, ein Angriff auf das Leben dieses Planeten.

Es gibt nur einen Planeten Erde, wir haben keine zweite im Keller... aber die Menschen verhalten sich so, als ob im Kühlschrank eine weitere lagert, um ebenfalls ausgebeutet zu werden. Verbote, Gesetze, Auflagen etc. verändern nichts, wenn nicht das Bewusstsein der Erzeuger und Verbraucher ein anderes wird: FÜR das Leben.

Sigrid Beyer, Osten


Am 22. 3. 2012 schrieb unser Leser Kurt Ringen:

Die Blühstreifen machen nach meiner Rechnung weniger als ein Promille der Maisfläche des Landkreises aus. Also: Alles Augenwischerei. Die psychologische Wirkung in der Presse und der Aktionsschilder vor Ort übertrifft optisch und wahrnehmbar in jeder Hinsicht den Eindruck dieser Blühstreifen, die natürlich zu begrüßen sind. Der normal denken Bürger wird in jeder Hinsicht getäuscht... Ein sehr geschickter Schachzug der agraindustiellen Lobby. Wahr ist aber auch, dass der normal wirtschaftende Landwirt von seinen Flächen allein bei der Biogaserzeugung aus Maisanbau derzeit ein vernünftiges und anderen Berufen vergleichbares Einkommen erzielen kann. Dies muss deutlich gesagt werden.

Am 1. 2. 2012 schrieb unsere Leserin Sigrid Beier aus Osten:

Landwirtschaft:
Landwirt schafft
Landwirt schafft Landschaft
Landwirt schafft Landschaft ab.

Es ist schon eine Weile her, dass mir dieses Gedicht begegnete, weiß auch nicht mehr wo, habe es mir nur aufgeschrieben, weil es so treffend ist.

Manchmal glaube ich, dass die ökologische Bewegung sang- und klanglos verschwindet. Habe den Artikel heute auch in der NEZ gelesen und kann die Argumentation bzgl. Naturschutz überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn es um den Verkauf von Land für Straßen geht, sagt kein Landwirt "nein", er bekommt ja Geld dafür.

Naturschutz müsste eigentlich der Kern der Landwirtschaft sein - statt Monokultur Mais. Viele Obstbauern des integrierten Anbaus haben im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte begriffen, dass ein gesundes Umfeld - sprich Artenvielfalt an Tier und Pflanze - ihnen erheblich Spritzmittel ersparen, wodurch nicht nur die Äpfel gesünder sind. Im Ackerbau und bei der Viehzucht scheinen diese Erkenntnissse hartnäckig auf Ablehnung zu stoßen. Die intensive Landwirtschaft richtet sich gegen die Natur.

Insofern finde ich die Vorgaben der EU einen Schritt in die richtige Richtung!
Neidvoll blicken die deutschen Bauern immer nach Frankreich, dort aber gibt es viel mehr unbewirtschaftete Flächen, als bei uns in Deutschland, z.B. Weiden, wo nicht mal Kunstdünger gestreut werden darf. Beispiel: für Comté-Bergkäse und auch Morbier-Käse aus dem Jura dürfen die Tiere weder Rüben oder Silage, noch Kraftfutter bekommen. Sie weiden auf Wiesen, die vor Artenvielfalt an Pflanzen, Kräutern, Insekten... nur so wimmeln - 2/3 von ihnen würden absterben, würde der Boden mit Kunstdünger bearbeitet! Im Winter bekommen diese Kühe - fast das ganze Jahr draußen mit wuscheligem hellem Fell - das Heu dieser Wiesen. Man braucht nicht nachzufragen, welche Qualität diese Milch hat... Und bei uns ist alles Masse! Vom Mais über die Milch bis zum Geflügel.


Am 3. 2. 2012 schrieb unser Leser Kurt Ringen:

Die Diskussion über Vermaisung ist unausweichlich. Danke für Ihre
Thematisierung.

Im folgenden habe ich mir erlaubt, einige Links zu senden, welche die
Problematik unter den Gesichtspunkte nde agrarindustriellen Produktion
darstellen und eine Auseinandersetzung mit Einzelaspekten als auch eine
Einordnung in Gesamtzusammenhänge ermöglichen.

http://www.iva.de/umwelt

http://www.maiskomitee.de

http://www.topagrar.com

http://www.agrarheute.com

Die verlinkten Webseiten bilden die zentralen Kommunikationsplattformen
des agarindustriellen Komplexes.

Mit besten Grüßen
Kurt Ringen



 

www.oste.de