Berichte der Website
www.oste.de
seit dem Herbst 2010


Fischbiologe
schmeißt hin

Zurückgetreten: Gerken mit verendeten Fischen

3. 5. 2012. Einer der profiliertesten Arten- und Gewässerschützer der Region, der Scheeßeler Ralf Gerken, hat sein Amt als Gewässerwart von vier Angelvereinen niedergelegt - aus Protest gegen die wasserwirtschaftlich, landwirtschaftlichen und behördlichen Reaktionen auf die jüngsten Fischsterben nach Gülle- und Maisgas-Havarien an Oste und Wümme (wir berichteten ausführlich).

Die "Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Weiterführung" des Projekts zur Wiederansiedlung von Wanderfischen seien "nicht mehr gegeben", so der Biologe, der neben seiner Tätigkeit für den Landessportfischerverband unter anderem die vorzügliche Website wuemme-meerforelle.de betreut hat; auch als Webmaster zieht er sich zurück.

Seiner Begründung mangelt es nicht an Schärfe: "Der Zustand fast aller Gewässer im oberen Wümmegebiet zeigt seit Jahren einen eindeutig negativen Trend in Richtung schlechter Zustand. Die Sandfrachten erreichen inzwischen derartige Ausmaße, dass viele einst inidividuen- und artenreiche Gräben und Nebenbäche fast fischleer geworden sind. Gesetzliche Abstandsregelungen bei der Dünge- und Pestzidaufbringung werden in der Praxis der Bewirtschaftung durchgehend ingnoriert.  Wo früher erosionsarmes Grünland die Bäche säumte, wurde in unzähligen Fällen selbst im gesetzlich geschützten Randstreifen verbotenerweise Ackerland umgebrochen, wo nun auf großer Länge Mais bis in die Gewässerböschung angebaut wird und Sand-, Gülle- und Pestizideinträge auf der Tagesordnung stehen."

Der Biologe weiter: "Unsere jahrelangen Versuche, hier auf dem Wege der Überzeugung Verbesserungen im behördlichen Vollzug herbeizuführen, müssen als vollständig gescheitert angesehen werden. Die vereinzelten von uns durchgeführten Gewässerrenaturierungen sind angesichts dieser Umstände ein Tropfen auf dem heißen Stein."


Fischsterben am Oste-Zufluss Bade

Aufgrund eindeutiger Aussagen der zuständigen Behörden gehe er weiterhin davon aus, dass die zahlreichen Biogasanlagen, Güllebehälter und Silagelagerflächen nicht im ausreichenden Maße im Sinne des Gewässerschutzes nachgerüstet werden: "Ich erwarte daher für die nächsten Jahre ähnliche schwere katastrophale Havarien, die ganze Gewässersysteme und deren Fischbestände auslöschen werden."

Besonders frustrierend sei zudem die Erkenntnis, dass sich im Zuge der aktuellen Gülle-und Biogashavarien "nicht eine staatliche Stelle für die biologische Qualitätskompente Fischfauna zuständig fühlte": "Es scheint so, dass ohne unsere ehrenamtliche Tätigkeit selbst schwerste Gewässerverunreinigungen in Bezug auf die Fischfauna völlig undokumentiert und unbearbeitet bleiben."

Unmittelbar nach dem spektakulären Schritt des bekannten Biologen ließ der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) heute eine Erfolgsmitteilung mit der Überschrift "Lachse und Flussneunaugen tummeln sich in der Wümme" verbreiten (Wortlaut), in der der Oste-Schwesterfluss als "beispielhaft für viele andere erfolgreiche Projekte" des staatlichen Gewässerschutzes bewertet wird. 

Im Kreis Rotenburg sind Landvolk und CDU gestern mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit getreten, statt behördlicher Kontrollen von Biogasanlagen eine Selbstkontrolle der Betreiber einzuführen. 

Unterdessen häufen sich weiterhin überall in Deutschland Fälle von Biogas-Havarien:

> Bauernverband: "Mais ist idiotensicher"
(Rotenburger Rundschau),

> Gülle stinkt den Sportfischern
(Weser-Kurier),

> Fast täglich Biogas-Gülle-Havarien
(Münchner Merkur),

> Fischsterben bei Passau
(Passauer Wochenblatt), 

> Rüben als Futter für die Gasbrüter
(Kreiszeitung),

> 13:6 Stimmen pro Biogas in Sittensen
(Zevener Zeitung),

> Explosiver Konflikt um Biogas
(Rotenburger Rundschau),

> Wieder Fischsterben durch Biogas-Gülle
(Franken-Fernsehen),

> Biogas-Gülle zählt als Abfall
(topagrar.com),

> Kritik an der Vermaisung wächst
(Süddeutsche Zeitung).

Dank für Hinweise an Kurt Ringen u. v. a.


Rückkehr
der Rübe

24. 4. 2011. Die zunehmend beklagte Vermaisung des Ostelandes mit ihren verheerenden Auswirkungen auf Artenvielfalt, Gewässerqualität, Bodenfruchtbarkeit und Landschaftsbild steht auch in der Biogas-Hochburg Landkreis Rotenburg "unter kritischer Beobachtung der Öffentlichkeit", schreibt heute die Bremervörder Zeitung; daher werde "intensiv nach Alternativen gesucht". Jetzt ist bei Zeven der erste Acker mit Rüben statt Mais angelegt worden, die als alternatives Gärsubstraten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ausführlicher Bericht hier.

CDU-Minister für
Biogas-Wende

Unterdessen setzt sich der Agrarminister von Sachsen-Anhalt, Hermann Onko Aeikens, für eine Überprüfung der Förderung von Biogasanlagen ein. Der CDU-Politiker fordert, dass die Anlagen so ausgerichtet werden, dass die Produktion umweltverträglich und primär als Verwertung von Gülle und Reststoffen erfolge - und nicht etwa von potentiellen Nahrungsmitteln. Sachsen-Anhalt will das Thema bei der morgen beginnenden Agrarministerkonferenz in Konstanz vorbringen. Mehr...


Vom Maise
befreit...


H. Stubenrauch: "Osterspaziergang"

16. 4. 2012. Dass in der Bevölkerung der Unmut über die Vermaisung der Landschaft wächst, registriert auch Niedersachsens Landwirtschaftskammer, die nach Alternativen zum Gasmais sucht und nun zum Beispiel die Zuckerrübe empfiehlt (siehe unten). 

Inspiriert durch Goethes "Osterspaziergang" ("Vom Eise befreit") hat unser Leser Dieter Höper aus Sittensen, Waldheim-Osteufer 75, die folgenden Verse zum Thema Mais verfasst:

Goethes Osterspaziergang
im Landkreis ROW

Vom Maise befreit sind Feld und Fläche
in des Frühlings holden, belebenden Blick;
im Ostetal grünet Hoffnungsglück.

Doch alte Maisstoppel in ihrer Schwäche
bringen düstere Gedanken zurück
an riesige Flächen missbrauchter Kulturen,
an  Äcker und Felder endlosen Maises,
an trostlose Einfalt statt bunter Naturen.
Aber es reicht nun den Menschen des Kreises:

Verstellt war das Auge, beengt war der Blick,
der Frühling, der gibt uns die Sicht frei zurück.
Jeder sonnt sich heute so gern,
wir feiern den Blick auf Natur nah und fern,
auf Felder und Flure ganz unverstellt,
auf Gottes Natur, eine Mais freie Welt.

Überall regt sich die Vielfalt des Lebens,
Protest allerorten ist doch nicht vergebens;
denn an Blumen fehlt’ s im Revier!
Wir wollen nicht immer nur Mais vor der Tür.

Kehret Euch um, ihr Bauern des Kreises,
lasst ab von den Flächen ewigen Maises,
widmet euch wieder der wahren Gewinnung,
gebt der Natur eine neue Chance:
Ernährung der Menschheit sei eure Gesinnung,
bringt alles wieder in gute Balance.

Sieh nur, sieh! Wie behende die Fülle
Der Flora und Fauna im Landkreis gedeiht,
Wird erst mal wieder das Land von der Gülle,
vom monoton-tödlichen Maise befreit.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel!
Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’ s sein!


Monokulturen

Volk "nicht 
unkritisch"


Maisanbau: Osteland unter den Spitzenreitern

16. 4. 2012. Die rapide Zunahme des Energiemais-Anbaus werde "in der Bevölkerung nicht unkritisch gesehen", heißt es heute in einer Pressemitteilung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. "Bei der Suche nach Alternativen" zum Mais sei die Zuckerrübe "ein vielversprechender Kandidat".

Über die bisherige Entwicklung schreibt die Kammer: "Der Mais ist in Deutschland mit Abstand die Energiepflanze Nummer Eins, wenn es um die Erzeugung von Biogas geht. Ganze 88 Prozent macht er an den pflanzlichen Gärsubstraten aus. Das macht sich auch auf dem Acker bemerkbar: Der Maisanteil an der Gesamtfläche hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. In Niedersachsen wird auf einem Drittel der Ackerfläche Mais angebaut. Hiervon wiederum ist jeder dritte Hektar sogenannter Energiemais." 

"Vieles spricht dafür, die Zuckerrübe als Ergänzung zum Mais für die Biogasgewinnung einzusetzen," schreibt die Landwirtschaftskammer. Unter anderem "greift die Zuckerrübe als niedrig wachsende Kultur deutlich weniger in das Landschaftsbild ein als der Mais". - Weiterlesen bitte hier...


Biogas-Havarie

Fischsterben
kein Einzelfall


TV-Bericht über Biogas-Havarie - VIDEO

4. 4. 2012. Die Biogas-Havarie in der Wümme-Region, die ein weiträumiges Fischsterben ausgelöst hat, war kein Einzelfall. Das zeigt eine alarmierende Studie des TÜV Süd über eine Kette von Störfällen bei der Biogas-Produktion. 80 Prozent der Anlagen weisen demnach bedeutsame Mängel auf. Die haarsträubende Auflistrung steht hier im Netz (PDF-Datei)


Haarsträubend: TÜV-Biogas-Bericht - lesen

Zum jüngsten Störfall schreibt die AG der Angelvereine an der Wümme auf ihrer hochaktuellen Website: "Zwei Tage nach der Biogas-Havarie ist das Medienecho unerwartet groß: "Zahlreiche regionale und überregionale Printmedien berichteten umfassend über den katastrophalen Biogasunfall in Schultenwede, z. B. die Rotenburger Rundschau, die Rotenburger Kreiszeitung, die Schneverdinger Zeitung, aber auch HAZ, NWZ und v.m. Auch die TAZ recherchiert in dem Fall und hinterfragt insbesondere die vielfach fragwürdige und skandalöse Genehmigungs- und Überwachungspraxis bei Biogasanlagen."

Weiter heißt es: "Die Brisanz des Vorfalls ist inzwischen auch beim NiedersächsischenUmweltministerium erkannt worden: Die betroffenen Landkreise Rotenburg und Heidekreis wurden aufgefordert, umfassend über die Umstände und die geplanten Maßnahmen zu berichten. Ein Verschleiern und Verharmlosen des Vorfalls ist damit nun wohl unmöglich geworden. Auch die Fraktion der LINKEN im Nds. Landtag stellte heute eine Anfrage an die Landesregierung."
 
 

Aufgegriffen wird der Vorfall auch von der in Berlin ansässigen Grünen Liga, die dazu schreibt: "Der stark geförderte Biomasseanbau bleibt nicht ohne Folgen für den Gewässerschutz und die Biodiversität. Mit den hier gezahlten Prämien können nicht einmal die EU-Direktzahlungen aus der Landwirtschaftsförderung mithalten. Der Anbau von Mais-Monokulturen wuchs sprunghaft an, Stillegungsflächen wurden wieder unter den Pflug genommen, Pestizide und Düngemittel verstärkt eingesetzt. Die Einträge in Grundwasser und Kleingewässer nehmen zu. Betriebsunfälle an Biomasseanlagen können schwerwiegende ökologische Folgen haben, wie ein aktuelles Beispiel aus Niedersachsen zeigt. 

Es ist Zeit umzusteuern; bei der Biomasseförderung, aber auch bei der EU-Agrarreform, die derzeit gerade auf EU-Ebene verhandelt wird für den Zeitraum 2014-2017. Das Scheitern von Reformansätzen liegt allerdings nicht immer automatisch in unzureichenden Vorschlägen der EU-Kommission begründet. Häufig genug werden positive Ansätze von den Mitgliedsstaaten torpediert oder in den operationellen Programmen nicht umgesetzt. Den Zusammenhang zwischen Subventionen, Landwirtschaft und Gewässerschutz wollen wir auf unserem 40. GRÜNE LIGA WRRL-Seminar am Mittwoch, dem 9. Mai 2012 in Hamburg-Harburg thematisieren".


Wird rar: Hase an der Oste (Foto: Bertholdt)

Parallel zu den Havarie-Meldungen häufen sich in der Regionalpresse weiterhin Berichte über indirekte Folgen der Maisvergasung: Die damit verbundene Monotonisierung der Landschaft hat - siehe unseren Bericht weiter unten über den jüngsten Hadler Kreisjägertag - zu einem verheerenden Rückgang des Niederwilds geführt. So ist der Hasenbestand um 25 Prozent zurückgegangen, wie Kreisjägermeister Ahrend Müller aus dem Streckenbericht. 2010/2011 (siehe Abbildung, hier vergrößern) zitierte 3272 Hasen zur Strecke gebracht worden. 2011/12 waren es nur noch 2535. Ein weiteres Sorgenkind sei der Fasan (Zahlen ebenfalls hier). 


'Das ist ein
Super-Gau'


Austritt des Gülle/Gärrückstand-Gemischs

2. 4. 2012. "Das ist ein Super-Gau." Mit diesen Worten reagiert Jürgen Cassier (Foto), Leiter der Naturschutzbehörde des Landkreises Rotenburg, in der Kreiszeitung auf ein weiträumiges Fischsterben. Ursache ist eine technische Panne in einer Biogasanlage, bei der Gülle und Gärrückstände aus der Maisvergasung in die Umwelt ausgetreten sind. "Der Schaden für die Umwelt ist massiv und besonders tragisch, da es sich um ein naturgeschütztes Gewässer handelt, in dem für die Region sehr seltene Fische beheimatet sind," erklärte Cassier, der auch Mitglied der AG Osteland ist.

Die Naturschutzarbeit von Jahrzehnten könnte mit einem Schlag zunichte gemacht worden sein, befürchtet Ralf Gerken (Foto) vom Landes- Sportfischerverband Niedersachsen nach dem Störfall im Landkreis Rotenburg: "Wenn sich die ersten Erkenntnisse bewahrheiten, sind ganze Populationen bedrohter und geschützter Arten im fischökologisch wertvollsten Gewässer des Landkreises und des Wümmegebietes vernichtet worden."

Große Mengen Gülle und Gärreste seien in den Lünzener Bruchbach sowie in das Flüsschen Veerse geströmt, teilte der Verband in Scheeßel heute mit. Ein Sprecher des Landkreises Rotenburg bestätigt den Vorfall. Der Landes- Sportfischerverband befürchtet, dass das Gewässersystem auf einer Strecke von 20 Kilometern biologisch tot sein könnte.
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Warum keine
Rückhaltung?

Zu der Biogas-Havarie im Kreis Rotenburg schreibt uns der Tostedter Gewässerkundler Dr. Ludwig Tent (Universität Hamburg-Harburg), der 2008 von der AG Osteland mit dem Goldenen Hecht in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet wurden ist: "Liebe Freundinnen und Freunde der Bäche und kleinen Flüsse, es ist so weit - musste es so weit kommen? Man sollte meinen, unsere Vorschriften zu hoch umweltgefährdenden Stoffen wären so, dass Rückhalteeinrichtungen jeglicher Art eine Mindestforderung wären. Möge dieser Fall dazu führen, dass Unterlassenes flächenhaft greift!"

Dr. Tent online:

> Blog zum Gewässerschutz

> Gewässerschutz für Bäche und kleine Flüsse

> Der Forellenbach in der Großstadt

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Kürzlich erst hatte, wie berichtet, der Verein VSR Gewässerschutz über die Gefahr einer Schädigung der Gewässerqualität der Oste durch Biogas-Rückstände berichtet (Wortlaut).

"Ohne Wasser, merkt Euch das, ist unsere
Welt ein leeres Fass" (Quelle: VIDEO)

Unser Leser Gerd Bertholdt, AG-Osteland-Mitstreiter und Handpressendrucker aus Kleinwörden, schreibt zu der Biogas-Havarie: "Der Super-Gau hat uns ganz schön aufgeschreckt! 'Wasser, Lebensmittel oder Handelsware!?' - unter diesem Titel druckte ich schon einmal ein Blatt, mit dem wir an die Wichtigkeit des Wassers appellieren wollten. Auch wenn wir im feuchten Elbe-Weser Dreieck leben und uns manchmal mehr Wasser beschert wird als uns lieb ist, müssen wir auf die Reinhaltung des Wassers achten, denn das ist das wichtigste Lebensmittel. So ein 'Unfall' muß eine Warnung sein und darf nie wieder vorkommen."

Mehr zum Thema:

> LESETIPP: Massive Schäden für die Umwelt
(Kreiszeitung; mit vielen Fotos),

> Katastrophe durch Biogas-Havarie
(AG der Angelvereine, mit Fotos),

> Großes Fischsterben im Kreis Rotenburg
(NDR online),

> Biogas-Gärreste als Ursache
(Radio Bremen),

> Vermaisung als Umweltbedrohung
(Sonderseite von www.oste.de),

> Oste-Belastung durch Gärrückstände
(Verein VSR-Gewässerschutz).


Public Relations

Der Effekt der
Blühstreifen


Maisfeld mit Blühstreifen im Kreis Rotenburg

25. 3. 2012. "Blühstreifen zeigen Wirkung", überschreibt die Zevener Zeitung einen Bericht über die Generalversammlung des Vereins "Bunte Felder" in Mulmshorn (Kreis Rotenburg), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Maismonokulturen mit Senf-, Sonnenblumen- und Weizenstreifen zu umrahmen. Bei genauerem Hinsehen hält sich die Wirkung bislang allerdings in Grenzen: Dem Verein gehören die Betreiber von 26 der 130 Biogasanlagen im Landkreis Rotenburg an. Für die Anschaffung von 180 Werbeschildern (20.000 Euro) gab der Verein mehr Geld aus als für die Anlage von 40 Hektar Blühstreifen (17.400 Euro). Mehr...


Fernsehen

N3-Thema
Vermaisung


Werbung für den N3-Beitrag

9. 3. 2012. Kein anderer Faktor hat Flora und Fauna des Ostelandes so schnell und so nachhaltig beeinträchtigt wie die Vermaisung der Landschaft zugunsten einer durch Subventionen forcierten und fehlgesteuerten Biogas-Produktion. Am Montag, 12. März, 22 Uhr, greift auch das NDR-Fernsehen das Thema auf. Der Beitrag von Tim Boehme trägt den Titel "Goldrausch auf dem Acker - Streitfall Biogas."


Oste

Biogas stört
Lachs & Stör


Oste-Lachs: Gefährdet durch Nitrat (Foto: ASV)

7. 3. 2012. "Biogas stört den Stör" - unter solchen Überschriften berichtet die Presse heute (Mittwoch) über weit überhöhte Nitratwerte im Wasser der Oste, die auf Mais-Gärabfälle aus Biogasanlagen zurückgeführt werden. Die Gärreste landeten als Dünger auf den Feldern und in der Oste, wo sie Lachs und Stör gefährden.

Untersuchungen an der Oste im Oktober 2011 weisen laut einer Pressemitteilung des Vereins VSR-Gewässerschutz auf die Gefahr hin, dass die Ansiedlung des Störs in der Oste längerfristig aufgrund einer zu erwartenden Verschlechterung der Wasserqualität scheitern könnte. Auch der Bestand an Lachsen sei durch die zahlreichen Genehmigungen für Biogasanlagen im Einzugsgebiet gefährdet.


Junger Stör für den Oste-Besatz

Auf der Messfahrt wurden laut VSR sowohl das Wasser der Oste als auch Grundwasser untersucht. Bei der Oste fielen die Nitratwerte von 13,8 Milligramm pro Liter in Sittensen, 13,5 in Bremervörde und 17,0 in Hemmoor auf. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) sollte das Ostewasser höchstens 11 Milligramm pro Liter Nitrat aufweisen.


VSR-Mitarbeiter im Labormobil

Der extreme Ausbau von Biogasanlagen bedeute eine Ausweitung der Maisfelder in der Region, zitiert das Stader Tageblatt heute die Untersuchung. Im gesamten Einzugsgebiet der Oste lag nach Angaben des Deutschen Maiskomitees e.V. der Anteil der Maisanbauflächen an den Ackerflächen bereits 2010 bei über 60 Prozent. Ein so hoher Anteil bestehe sonst in Deutschland nur in wenigen Gebieten.

Würden neue Biogasanlagen genehmigt, müsse genau geklärt werden, wo die Gärreste entsorgt werden, fordert der VSR. Zudem dürfe ein Randstreifen an der Oste gar nicht gedüngt werden, um Nährstoffeinträge zu verhindern. "Nur dann könnten die Fische wieder heimisch werden", fasst die Tageszeitung (taz) die VSR-Stellungnahme zusammen.

> Wortlaut der VSR-Mitteilung zur Oste 


Landwirtschaft

Zuckerrübe
statt Mais?


Naturschützer-Protest gegen Vermaisung

25. 2. 2012. Der Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg ist landesweit Spitzenreiter in Sachen Vermaisung und Monotonisierung der Landschaft). Jetzt suchen Betreiber von Biogasanlagen nach Alternativen zum Energiemais-Anbau - "auch vor dem Hintergrund anhaltender Kritik an Mais-Monokulturen", wie die Zevener Zeitung berichtet. "Es ist schön zu sehen, dass die Betreiber der Biogasanlagen offen sind für Alternativen zu Mais," freut Ulrike Jungemann vom Landkreis Rotenburg. Ins Visier genommen haben die Energiebauern die Zuckerrübe


Vermaisung

Jetzt kommt
der Zünsler!


Die Natur schägt zurück: Maiszünsler 

2. 2. 2012. Wehrt sich die Natur gegen die rapide Vermaisung des Ostelandes? Im Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg nimmt der Mais - nach Auffassung von Umweltschützern die "Syphilis der Landwirtschaft" - inzwischen 61,9 Prozent der Ackerfläche ein. Heinrich Romundt von der Bezirksstelle Bremervörde der Landwirtschaftskammer warnte jetzt laut Tageblatt vor Landwirten im "Selsinger Hof", dass mehrere Maisschädlinge von Süden her auf dem Vormarsch sind, darunter der Maiswurzelbohrer und der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis). Romundt: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er hier im Mais-Speckgürtel angekommen ist." 


Agrar-Lobby

Verlogene
Kampagne


Propaganda gegen Naturschutz (Foto: OpenPR)

1. 2. 2012. Auf massive Kritik auch im Osteland stößt zurzeit eine bundesweit koordinierte Propaganda-Kampagne der Agrar-Lobby. Während Naturschützer schon seit vielen Jahrzehnten gegen den Landschaftsverbrauch kämpfen (siehe Buchtitel aus dem Jahre 1983), hat jetzt die Agrarindustrie das Thema entdeckt und nutzt es auf eigene Weise: Die Landwirtschaftsfunktionäre wecken bei Laien Ängste vor Engpässen in der Nahrungsmittelproduktion infolge von "Landfraß", den sie ausgerechnet dem Naturschutz anlasten - eine durch und durch verlogene Kampagne. Der Rückgang der Flächen für Nahrungspflanzen wird in Wahrheit vor allem durch den Landfresser Nr. 1 verursacht: die von der Landwirtschaft selber forcierte Vermaisung eines Großteils der landwirtschaftlichen Ertragsfächen, etwa im Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg und zunehmend auch im Cuxland.

Landfresser Nr. 1
gegen "Landfraß"

"Ist Naturschutz 'Landfraß'?", fragt daher heute (Mittwoch) die Niederelbe-Zeitung (NEZ) auf ihrer lokalen Frontseite angesichts der "schrillen Endzeitszenarien" der Mais-Lobby. "Die billigen Polemiken gegen den Naturschutz, den Lieblingsfeind der Landwirte, hätte man sich sparen können," schreibt NEZ-Kommentator Roland Ahrendt: "Hier werden Ursache und Wirkung verwechselt. Anstatt alte Feindbilder aufzuwärmen, hätten die Verbände besser daran getan, großmütig den Schulterschluss mit den Naturschützern zu suchen." Weiterlesen...

Schon zum Start der Lobby-Kampagne Ende vorigen Jahres hatte der niedersächsische Vizevorsitzende des Naturschutzbundes NABU und AG-Osteland-Mitstreiter Wolfgang Baumert (Foto) scharfe Kritik an der Landvolk-Hetze gegen die Ausweisung von Naturschutzflächen geübt: Die Auffassung, "jeder Hektar sei für die Bioenergie und den Maisanbau notwendig, wie es der Bauernverband darstellt, ist für uns keinesfalls nachvollziehbar. Die Vermaisung der Landschaft nimmt zu. Teilweise beträgt der Maisanteil für Futtermittel und Biogasanlagen in Niedersachsen 5o Prozent und mehr an der Ackerfläche. Vielerorts sind Menschen genervt und haben kein Verständnis für den Raubbau durch Maisflächen und kritisieren die Not der Tiere."

Baumert bietet dem Landvolk die Zusammenarbeit im Kampf gegen Landschaftsverbrauch an: "Besonders die Zerschneidung von Landschaften und der Flächenverlust durch Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen macht deutlich, wo Landwirtschaft und NABU an einem Strang ziehen könnten: Für den Anteil der BAB A 20 an der A 22 (Küstenautobahn) werden insgesamt 800 Hektar oder acht (!) Vollerwerbsbetriebe als Fläche 'gefressen'. Deshalb fordern wir die Landwirtschaft auf, gemeinsam mit uns gegen derartige Verkehrsprojekte, wie auch gegen die geplante A 39, anzutreten." Mehr...

Dieser Tage haben alle großen Umweltverbände das Landvolk aufgefordert, seine Propagandakampagne einzustellen, wie aus dieser Pressemitteilung von NABU, BUND und DNR hervorgeht: "Landfraß"-Kampagne stoppen!"

Bauern im
Rückstand


Maisacker (am Bullenberg in Lamstedt)

31. 1. 2012. Das ist einer der Hintergründe der Landvolk-Attacken gegen den Naturschutz: Um weiter Subventionen zu erhalten, sollen sich die Landwirte künftig an "grüne" EU-Auflagen halten, die zum Beispiel Grünland-Umbruchverbote und den Anbau dreier verschiedener Fruchtarten vorsehen, von denen keine weniger als fünf Prozent und mehr als 70 Prozent der Fläche ausmachen darf. Das berichtete Dr. Wilfried Steffens vom Landvolkverband Niedersachsen jetzt im "Oste Hotel" in Bremervörde. Die Folge, laut Steffens: "100 Prozent Maisanbau mit Prämie wird es nicht mehr geben."

Darüber hinaus solle jeder Landwirt gemäß EU-Vorgabe ökologische Vorrangflächen schaffen. Auf sieben Prozent der beihilfefähigen Hektarfläche sind beispielsweise Hecken, Blühstreifen oder Uferrandstreifen anzulegen. Steffens laut Zevener Zeitung: "42 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen erfüllen diese Vorgaben derzeit nicht. Das betrifft auch diese Region." 


Natur

Fasan auf
der Flucht


Oste-Kulturpreisträger Gerhard Klotz

1. 2. 2011. Den Rückgang der Rebhuhn- und Fasanenbestände in der Region hat der Vorsitzende der Jägerschaft Land Hadeln / Cuxhaven, Gerhard Klotz (Hemmoor) beklagt. Als Ursachen nannte Klotz, der Ostepreisträger 2011 in der Kategorie Naturschutz, gegenüber der NEZ  jetzt die Veränderungen im Landschaftsbild wie den verstärkten Maisanbau und das Fehlen von Gräben und anderen Rückzugsorten .

Auch die Rotenburger Kreisjägerschaft, unter anderem zuständig für den Einzugsbereich der Oberen Oste, verweist auf ihrer Website seit längerem auf die Vermaisung der Region als Teilursache des Rückgangs von Rehwild, Feldhase, Kaninchen, Fasan, Rebhuhn und Wachtel: "Die hohe Dichte an Viehhaltungsbetrieben und Biogasanlagen und der damit verbundene Maisanbau haben dazu geführt, dass weite Bereiche unserer Kulturlandschaft inzwischen zu Monokulturflächen geworden sind." 


Vermaisung

Und jetzt
Gift drauf

20. 11. 2011. Die Agrarchemie-Industrie wittert ein Bombengeschäft: "Für den Maisanbau in Deutschland zeichnet sich mit Blick auf die nächsten Jahre vor dem Hintergrund der stark gewachsenen Fläche zumindest regional ein intensiverer Pflanzenschutzmitteleinsatz mit der Anwendung auch von Fungiziden ab," meldet der renommierte Agrar-Informationsdienst proplanta. Bei einem Pflanzenschutz-Symposium in Fulda hieß es, Feldversuche mit Maisfungiziden hätten Mehrerträge von bis zu 20 Prozent bei der Ganzpflanze sowie von bis zu 10 Prozent beim Körnermais ergeben. In Nordamerika seien mit einer solchen Applikation gute Erfahrungen gemacht worden.

Während in Dänemark, Tschechien und der Slowakei bereits Maisfungizide zugelassen sind, stünden die ersten Mittel dieser Art in Deutschland aktuell in der Prüfung. Praktiker zeigten sich überzeugt davon, "dass die Maisfungizide ungeachtet möglicher Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung und der Politik aufgrund der regionalen 'Vermaisung' der Landschaft Anwendung finden dürften".

Alibi oder Wende: Wie der Landkreis Rotenburg soeben mitteilt, soll in der schwer belasteten Oste- und Wümmeregion ab sofort eine Qualifizierung von Landwirten für Naturschutzmaßnahmen angeboten werden. Ziel dieses Projektes sei es, Landwirte über das Angebot von Naturschutz-Programmen zu informieren und sie bei der Umsetzung zu unterstützen. Mehr...

Dank für Hinweise an Kurt Ringen und Kurt Massmann.


Rotenburg

Gefährliche
Gärgülle

21. 11. 2011. Die Vermaisung der Landschaft trägt dazu bei, dass die Nitratbelastung von oberflächennahem Grundwasser im Landkreis Rotenburg häufig über dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation von 50 Milligramm je Liter liegt. "Garten bewässern ja, trinken nein," schreibt die Kreiszeitung am Freitag über die Konsequenzen für die Besitzer der betroffenen Privatbrunnen. Dezernent Dr. Torsten Lühring von der Kreis-Wasserbehörde wird dazu mit den Worten zitiert, in der Vergangenheit sei "sicherlich nicht immer in Art und Menge so mit den Düngemitteln umgegangen worden, wie das aus heutiger Sicht erforderlich sei". Die Intensivierung der Landwirtschaft, nicht zuletzt der Anbau von Bioenergiepflanzen und deren Reststoffe ("Gärgülle") hätten die Situation nicht einfacher gemacht, fügte der Dezernent hinzu.


Tostedt

Öko-Verein lehnt
Vermaisung ab


Naturfreunde-Artikel im Abendblatt - lesen

4. 11. 2011. Im Kampf gegen Elbvertiefung und Vermaisung haben die Naturschützer am Unterlauf der Oste rührige Verbündete in der Quellregion am Rande der Nordheide im Landkreis Harburg. Unweit der Ostequellen sind neben dem hochkompetenten und unermüdlichen AK Naturschutz (Website, Video) auch die in Buchholz ansässigen Naturfreunde Nordheide aktiv, deren Vorsitzender Bernd Wenzel jetzt gegenüber dem Hamburger Abendblatt kritisch Stellung genommen hat.

Unter der Überschrift "Auf Vertiefung verzichten" schreibt Wenzel: "Die Elbvertiefung würde erst kommen, wenn in Wilhelmshaven der Containerbetrieb mit den Giga-Frachtern längst läuft, also wohl dauerhaft an Hamburg vorbeiläuft. Hamburg sollte auf die Elbvertiefung verzichten und stattdessen mit Niedersachsen und den Reedereien aushandeln, dass ein bestimmtes Quantum an elbverträglichen Frachtern nicht nach Wilhelmshaven, sondern nach Hamburg geleitet wird. Das spart viel Geld, hilft der Elbe, verhindert, dass die Nordheide zum Hamburger Gewerbeklo verkommt, und sichert Hamburg gute Geschäfte auf lange Sicht."


Eine der sieben Ostequellen bei Tostedt

Viel Widerhall im NDR und in der Presse fand unlängst auch eine Stellungnahme der Naturfreunde zum Einsatz von Mais und anderen Lebensmitteln zur Biogasproduktion. "Naturfreunde befürchten eine Mais-Monokultur auf den Feldern," titelte das Abendblatt. Die Naturschützern fordern den Landkreis Harburg auf, Schulen und andere öffentliche Gebäude nur dann mit Biogas zu beheizen, wenn dies zu mindestens 50 Prozent aus Abfällen gewonnen wird. Das Gas für Blockheizkraftwerke im Landkreis werde aber "im Interesse der Gewinnmaximierung zu 70 bis 90 Prozent aus Nahrungsmitteln hergestellt", kritisieren die Naturfreunde. Auch die Verödung der Landschaft durch Monokulturen und die Veränderungen in der Tierwelt, im Grundwasser und den Böden seien negative Begleiterscheinungen des großflächigen Maisanbaus.


Rotenburg

Rot-Grün will
Maiskataster

31. 10. 2011. Die neue Mehrheit im Maiskreis Rotenburg will offenbar die galoppierende Vermaisung der Oste-Wümme-Region (siehe SONDERSEITE) nicht tatenlos hinnehmen: Ein Kataster der von Biogas-Bauern genutzten Flächen soll nun angelegt werden. Diese und andere Pläne präsentiert das neue Bündnis aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft, das im ROW-Kreistag nach 60 Jahren die bisher stets schwarz dominierten Mehrheiten in die Opposition schicken will.

"Jahrzehntelange Hinterzimmer- und Hochsitzpolitik ist nun beendet," kündigt der SPD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Ralf Borngräber aus Rotenburg in der Lokalpresse an. Etwas "geradezu Historisches" vollziehe sich im Kreis Rotenburg, urteilt die Bremervörder Zeitung. Mehr...


Pferdezucht

Ruin durch
Mais-Boom


TV-Bericht über Vermaisungsfolgen

26. 10. 2011. Über eine "Strohkrise" auf norddeutschen Reiterhöfen berichtet Radio Bremen (TV-Bericht ansehen): Aufgrund des Mais-Booms in der Landwirtschaft sind Heu und Stroh knapp geworden, allenfalls zu überhöhten Preisen erhältlich und obendrein aufgrund des feuchten Sommers von minderer Qualität. Die Lage sei für einige Pferdebetriebe existenzgefährdend, so der Fernsehbericht.


Mais als
Magnet?


Naturschützer-Protest gegen Vermaisung

19. 10. 2011. Die zunehmende Verärgerung von Urlaubern über die endlosen Monokulturen im Maiskreis Rotenburg-Wümme (siehe unten: "Malaise mit Mais")kam in der jüngsten Mitgliederversammlung der ROW-Touristiker zur Sprache.

Selsingens neuer Samtgemeindebürgermeister Hans-Hinrich Pape merkte kritisch an, dass sich das Landschaftsbild im Oste- und Wümme-Landkreis durch den rasant zunehmenden Maisanbau verändere. Eine ganz eigene Idee "zur Problematik des Tourismus in der Maisregion" steuerte TouROW-Geschäftsführer Udo Fischer bei, wie heute der Bremervörder Anzeiger berichtet: "Das Maisproblem ist eine Herausforderung." Man überlege daher, so Fischer, "Bauernhofführungen mit Biogasanlagenbesichtigungen anzubieten".


Malaise
mit Mais


Volland-Bericht im Sonntagsjournal

6. 10. 2011. Die Osteregion hat sich landesweit zu einem der Spitzenreiter in der Maisproduktion entwickelt - mit ersten Rückwirkungen auf den Tourismus in den Mais-Kreisen Rotenburg und Cuxhaven. Es störe die Radwanderer, "dass sie beim Radfahren in den Maisfeldern wie durch einen Tunnel fahren", räumt jetzt der Rotenburger Landvolk-Kreisgeschäftsführer Carsten Hipp gegenüber der Rotenburger Rundschau ein, die ihrerseits bemerkt hat: "Viele Bürger sind verärgert, wenn sie derzeit die vielen Mais-Transporte auf den Straßen sehen" (voller Wortlaut hier).

"Auf den Senkel", sagt auch der Bremervörder Historiker und Ostepreisträger Dr. Klaus Volland, gehe ihm die rapide zunehmende Vermaisung der Landschaft. Im Sonntagsjournal der Bremervörder Zeitung veröffentlichten er und seine Frau jetzt einen ganzseitigen Fahrtenbericht über eine Radtour rund um Bremervörde:

"O, traurig ist's, durch den Mais zu gehn! ... Bei uns sind inzwischen weit mehr als 50 Prozent der Ackerflächen mit systematisch als Futtermittel und zur Energiegewinnung in Biogasanlagen angepflanztem Mais bedeckt, der allen anderen Pflanzen und Tieren (abgesehen von Wildschweinrudeln) keine Lebenschance lässt. Von den 'Blühstreifen' und 'Blühfeldern' am Rande oder zwischen Maisfeldern, die jetzt zur Besänftigung der über die verödete Landschaft empörten Menschen hier und da angepflanzt werden, haben wir auf der von uns abgefahrenen Strecke nichts gesehen" (weiterlesen hier).

Frank Kalff ausRotenburg schreibt in einem Leserbrief an die Rotenburger Rundschau unter anderem:

"Neben der rein optischen Verarmung der Landschaft - denn in vielen Bereichen wird tatsächlich fast nur noch Mais angebaut - gibt es noch eine Vielzahl von weiteren ernsthaften, eigentlich auch hinlänglich bekannten Problemen, die mit dieser Materie in Zusammenhang stehen. Massentierhaltung beispielsweise, denn nicht selten unterhalten die heute von ihren Dimensionen her eher als Agrar-Fabriken betriebenen ehemaligen Bauernhöfe neben endlosen Mais-Monokulturen auch riesige Ställe, in denen in großem Rahmen Schweine oder Geflügel, neuerdings auch Fische gemästet werden. Und wo viele Tiere gehalten werden, fallen auch viele Abfallprodukte an.

"Energie-Anbau, koste
er, was es wolle"

Mit der Gülle werden dann in schöner Regelmäßigkeit die Felder regelrecht getränkt, auf denen dann im Frühjahr wieder Mais angebaut wird. Von Fruchtfolge, wie man sie früher einmal kannte, keine Spur mehr. Riesige Maschinen, kaputtgefahrene Feldwege (die auch unterhalten und natürlich bezahlt werden wollen), immer kleiner werdende Ackerrandstreifen, in denen Wildtiere Zuflucht finden, Grundwasserprobleme und überdüngte Gewässer durch die immer größer werdenden Mengen an Gülle, zum Teil rücksichtloses Verhalten der Fahrer von Erntemaschinen und eine ganze Reihe weiterer Punkte spricht dafür, dass man die Entwicklung in der Landwirtschaft vielleicht doch noch einmal einer genaueren Beobachtung und Analyse unterziehen sollte, damit man sie wieder in die richtigen Bahnen lenken kann."

Sicherlich ist die Vermaisung nicht allein ein Problem des Ostelandes, wie dieser Artikel ("Vermaist unsere Zukunft?") des süddeutschen Fachjournalisten Claus-Peter Lieckfeld über "Energie-Anbau, koste er, was es wolle" belegt.

Maisanbau hat das
Getreide überflügelt

Zwischen Elbe und Weser ist die Lage jedoch noch prekärer als anderswo. Das zeigen diese Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: "Der in den letzten Jahren stetige Anstieg der Maisanbaufläche hat Niedersachsen zur größten  Maisanbauregion Deutschlands aufsteigen lassen. Fast jede vierte Maispflanze Deutschlands steht in Niedersachsen. Im Elbe-Weser-Dreieck ist der Mais mit 114.000 ha nicht nur die flächenmäßig größte Kultur, er hat auch die gesamte Anbaufläche von Getreide überflügelt. In den flächenstarken Landkreisen Rotenburg und Cuxhaven werden 55 % der Ackerfläche mit Mais bestellt. Der Landkreis Osterholz erreicht sogar einen Flächenanteil von 63 %. Neben der Rindvieh- und Schweinehaltung dominiert immer stärker die Biogasproduktion. So werden im Landkreis Rotenburg 42% der Maisanbauflächen (19.601 ha) für die Biogasnutzung benötigt."

Während die Maisgas-Industrie auf die Anpflanzung werbeträchtiger "Blühstreifen" setzt, um im Publikum die Akzeptanz für die Maisäcker zu erhöhen (Zevener Zeitung: "Viel Lob für die blühenden Streifen"), weisen andere Landwirte darauf hin, dass die Kräuterränder nur Promille der vermaisten Fläche ausmachen. Ein kritischer Landwirt aus dem Kreis Rotenburg hat errechnet, dass allein in dieser Region die Maisfelder inzwischen eine Fläche einnehmen, die größer sei als Bremen einschließlich Bremerhaven...


Rotenburg

Unmut im
Maiskreis


Agrarsteppe im Landkreis ROW

5. 9. 2011. Unter der Überschrift "Biogasanlagen sind ein Reizthema" hat der Weser-Kurier eine Woche vor der Kommunalwahl die politische Landschaft im Oste- und Wümme-Kreis Rotenburg beschrieben. In dem Text von Uwe Dammann heißt es: "Biogasanlagen boomen - mit weitreichenden Folgen für Landwirtschaft, Ackerbau und Naturschutz. 112 Biogasanlagen gibt es derzeit im Kreis Rotenburg. Auf 60 Prozent der Ackerfläche wächst Mais und weiteres Grünland kommt unter den Pflug, damit die Biogasanlagen ihr 'Futter' kriegen. Ein Zustand, den der BUND laut und öffentlich beklagt."

Weiter heißt es: "Auch bei Jägern, Imkern und auch in landwirtschaftlichen Kreisen sinkt die Akzeptanz neuer Anlagen. Die SPD-Fraktion im Kreistag forderte deshalb, den Bau weiterer Biogasanlagen bis auf Weiteres auszusetzen, weil auch das Image des Landkreises bereits leide. Doch Landrat Luttmann hält einen Beschluss des Kreistages in dieser Richtung für 'eindeutig rechtswidrig'."

Entwicklung
beschönigt

Unterdessen beschönigen Uniospolitiker weiterhin das Problem der Vermaisung. Auf seiner Website äußert Ex-Agrarminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) auf die Frage nach einer drohenden "Monokultur in Bezug auf Biogasanlagen" wörtlich: "Die wird es so nicht geben. Zum Einen wird die bewährte Fruchtfolge eingehalten. Zum Anderen werden Biogasanlagen schon jetzt und in Zukunft noch mehr mit anderen Feldfrüchten gefahren. Getreide, Raps, Erbsen, Sonnenblumen und auch neue Pflanzen wie z. B. Chinaschilf sorgen für eine große Vielfalt. Zudem der meiste Mais heute wie in der Vergangenheit der Viehfütterung dient."

Jüngste Zahlen und Fakten zur tatsächlichen Entwicklung finden sich hier:

> Niedersachsen wird Maisland


Wasserwerke

Mais-Alarm
im Jubeljahr


Website der Wasserwerke Wingst

25. 8. 2011. Im Jubiläumsjahr der hiesigen Wasserversorger in der Wingst (50 Jahre) und in Hadeln (75 Jahre) bedrückt Experten die Sorge um die Grundwasserqualität in weiten Teilen Niedersachsens: Energie-Mais wird nach Einschätzung von Wasserversorgern häufig zu hoch gedüngt und erhöht damit langfristig den Nitratgehalt im Grundwasser.

Deshalb fordern Experten, die rasante Vermaisung zu stoppen. Wasserversorger in Brake und Hannover verlangen ein "generelles Verbot von Grünlandumbrüchen in Wasserschutzgebieten" sowie eine Begrenzung der Maisanbaufläche auf 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche; im Landkreis Rotenburg ist jedoch bereits die 50-Prozent-Grenze überschritten. - Ausführlicher Bericht im Weser-Kurier.

Gegensteuern wollen hiesigen Wasserversorger mit Beratungsangeboten an Landwirte und mit der freiwilligen Vereinbarung von Verträgen zur Reduzierung der Stiffstoffdüngung. - Die Wasserwerke veranstalten aus Anlass der Jubiläen jeweils einen Tag der offenen Tür in Wanna (Sonnabend, 10 bis 18 Uhr) und in der Wingst (Sonntag, 11 bis 17 Uhr).


Blühende
Landschaften


Fotoreporterin in Blühstreifen am Maisfeld

20. 8. 2011. Sterile Mais-Monokulturen, in denen Rebhuhnküken mangels Nahrung verhungern; illegal umgepflügte Wegraine und gefällte Einzelbäume - der Biogas-Boom hat weite Teile des Ostelandes vermaisen und veröden lassen. Auch der Rotenburger Vize-Landrat Reinhard Brünjes zeigt sich kritisch: "Wir haben bis zum Asphalt gepflügt."


Blühstreifen-Freunde Baumert, Klotz, Dr. Holsten

Bahnt sich jetzt eine Trendwende an? Am Freitagabend stellten Jäger, Landwirte, Imker und Naturschützer gemeinsam in Hepstedt (Kreis Rotenburg) ein "Erfolgsmodell" vor: Sie präsentierten - zwischen Jagdhorn-Signalen und Wildbret-Schmaus - der Presse und Gästen u. a. von der AG Osteland einige bunte "Blühstreifen", angelegt aus Mitteln des Landkreises und der Biogasbetreiber, inmitten der schier endlos anmutenden Maissteppen.

Nur Alibi
oder mehr?

In der Hepstedter Feldmark besichtigten die Gäste das Projekt "Blüh- und Huderstreifen" der Jägerschaften und das Projekt "Blühende Felder" einiger Biogasanlagen-Betreiber. Mit dabei waren fünf Männer, die mehr als andere dazu beigetragen haben, die dramatischen Folgeerscheinungen des wilden Biogas-Booms ein wenig zu dämpfen.


Kreisnaturschutz-Beauftragter Burkart

Dazu zählt der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte des Kreises, Werner Burkart, der seit Jahren immer wieder die Ausräumung der Agrarlandschaft, den Grünlandumbruch und den Artenschwund in der Region beklagt und der nun die Zusammensetzung der Blühstreifen erläuterte. Erfreut zeigte sich über die bunten Feldränder auch der NABU-Landesvize und AG-Osteland-Mitstreiter Uwe Baumert (Deinstedt), der schon frühzeitig einen Zehn-Punkte-Katalog zur Steuerung der Mais- und Biogasproduktion in die Diskussion gebracht hatte.

ROW-Kreistag
wachsweich

Im Rotenburger Kreistag aufgegriffen wurde der Baumert-Plan vom SPD-Naturschutzsprecher, Rektor und Vizebürgermeister Volker Kullik (Gnarrenburg/Karlshöfen). Der Vorsitzende des Kreistagsausschusses für Umwelt, Naturschutz und Planung entwickelte ein Konzept zur planerischen Regelung des ungezügelten Biogas-Booms, scheiterte damit aber an der Ablehnung seiner Forderungen durch CDU, FDP und NPD. "Der Berg kreißte und gebar eine Maus," kommentierte 2010 die "Zevener Zeitung": "Was als Versuch begann, die Entwicklung von Biogasanlagen im Landkreis Rotenburg zu steuern, endete im Kreistag mit wachsweichen Formulierungen, in denen sich nicht einmal mehr das Ziel wiederfindet, Mindestkriterien aufzustellen."


Naturschützer Baumert, SPD-Experte Kullik

Kullik gab nicht auf - er wusste, dass er in der Bevölkerung viele Mitstreiter hat: "Es ist von vielen Bürgern nicht mehr nachvollziehbar, dass zum Teil für die Errichtung eines Gartenhäuschens eine aufwändige Baugenehmigung eingeholt werden muss, während größte Stall- und Biogasanlagen einer Privilegierung unterliegen und selbst die Kommunen fast keinerlei Einfluss haben."

Unterstützung finden Vermaisungskritiker wie Kullik nicht zuletzt unter den Jägern: Im gesamten Elbe-Weser-Dreieck streiten engagierte Naturschützer wie der Vorsitzende der Hadler Jägerschaft, Gerhard Klotz (Hemmoor), für die Erhaltung der Artenvielfalt in den Zeiten der Vermaisung. Auch Klotz, der im Frühjahr mit dem "Goldenen Hecht" der AG Osteland geehrt worden ist (Begründung), begutachtete gestern in Hepstedt das Blühstreifen-Projekt.

Maisäcker lassen
Bienen verhungern

Finanziert werden die Anpflanzungen unter anderem durch den Landkreis mit einem Betrag von 50.000 Euro, einem Bruchteil der Einnahmen aus der Jagdsteuer; SPD-Mann Kullik war an der schwarz-gelben Mehrheit im Kreistag mit seiner Forderung gescheitert, das gesamte Jagdsteueraufkommen für diesen guten Zweck zu verwenden. Lobend äußerte sich Naturfreund Kullik über den Einsatz, den die Jägerschaft als "Bindeglied zwischen Naturschutz und Landwirtschaft" bei der Umsetzung des Blühstreifenprogramms leiste.


Präsentation des Jägers und Tierarztes Holsten

Respekt zollte Kullik dem Tarmstedter Tierarzt Dr. med. vet. Heinz-Hermann Holsten, der als Vorsitzender der Jägerschaft Zeven gestern die rund hundert Teilnehmer der Hepstedter Versammlung durch ein glänzendes Plädoyer pro Artenschutz und Artenvielfalt faszinierte. Die Verknappung der Blühpflanzen infolge der Monotonisierung der Agrarlandschaft lasse nicht nur pollensammelnde Insekten wie die Bienen verhungern, sondern zerstöre unter anderem auch die Nahrungsgrundlage des Rebhuhns.


Landrat Luttmann, Vize Brünjes (CDU)

Dr. Holstens Forderung, durch Anlage von Lerchenfenstern und Blühstreifen sowie den Schutz von Weg- und Gewässerrändern vor dem Umpflügen "strukturreiche Habitate zu erhalten und anzulegen", findet mittlerweile auch innerhalb der CDU/FDP-Mehrheitsfraktion - die um die Akzeptanz ihres strammen Biogas-Kurses fürchten muss - wie auch bei dem Rotenburger Landrat (und Jäger) Hermann Luttmann ein positives Echo.

"Macht Urlaubern
nicht richtig Laune"

Angesichts von mittlerweile 125 Biogasanlagen und von Maisäckern auf mittlerweile 52 Prozent der Nutzfläche im Landkreis mache es, so Vize-Landrat Brünjes, Chef des Tourismusverbandes Rotenburg (TouROW), auch "den Urlaubern nicht richtig Laune, kilometerweit durch Maisfelder zu radeln", wo Rotenburg doch "ein Tourismus-Landkreis sein will".


Blühstreifen am Maisfeld bei Hepstedt

Angesichts der massiven öffentlichen Kritik (siehe unsere Archivseite "Vermaisung stoppen") zeigen sich Landwirte zunehmend angetan von der Möglichkeit, mit Blühstreifen zur "Verbesserung unseres Images" beizutragen, so der Hepstedter Jürgen Blanken. Auch der Landvolk-Landesvize Heinz Korte registriert als Vorsitzender die Biogasanlagen-Betreiber im Kreis Rotenburg ein "positives Feedback aus der Bevölkerung" auf das PR-wirksame und zugleich kostengünstige Programm "Bunte Felder" (pro Anlagenbetreiber im Schnitt ca. 1500 Euro).

"Mehr als lediglich ein
Schönheitspflästerchen"


ROW-Naturschutzbeauftragter Burkart

Sind die Blühstreifen nur Kosmetik, nur ein billiges Alibi, um die ungebrenst voranschreitende häßliche Entwicklung ein wenig zu kaschieren? Der kritische Naturschutzbeauftragte Burkart sieht in den Blühstreifen mehr als lediglich ein "Schönheitspflästerchen". Auch er freut sich angesichts der grassierenden Naturzerstörung über jeden Mitstreiter, der durch die Aussaat von Phacelia, Borretsch oder Vogelbeere das Nahrungsangebot für Wildtiere erweitern hilft. Begrüßt wurde das Programm natürlich auch von den Imkern - und zunehmend von Landwirten, die zunächst skeptisch waren, jetzt aber schnell noch aufspringen und Randflächen zur Verfügung stellen wollen. Deren Zustimmung sei inzwischen "überwältigend", sagt sich der Tierarzt, Jäger und CDU-Mann Dr. Holsten.

Auch der Hepsteder Landwirt Blanken freut sich über das Leben in den bunten Streifen, "in denen man vor lauter Gesumme sein eigenes Wort nicht mehr versteht". Auch bei den Bürgern kämen sie Blühstreifen gut an: "Die Sonnenblumen an den Radwegen werden immer weniger."

Mehr zum Thema:

Blühstreifen geben Insekten Nahrung (Weser-Kurier)


Osteland

Mais bis
ans Ufer


Appell des UHV Obere Oste

19. 8. 2011. Oste-Zuflüsse wie der Duxbach bei Deinstedt, die bis dicht an beide Ufer mit Mais bestanden sind, sind dem Unterhaltungsverband (UHV) Obere Oste ein Ärgernis. In einem Appell an die Gewässeranlieger im Kreis Rotenburg weisen der Verbandsvorsteher und AG-Osteland-Mitstreiter Angelus Pape (Foto) und Geschäftsführer Wilhelm Meyer darauf hin, dass Seitenstreifen von mindestens fünf Metern Breite für die mechanische Gewässerunterhaltung freigehalten werden müssen.


Verbandsgebiet des UHV Obere Oste

Das Verbandsgebiet umfasst im Einzugsgebiet der Oberen Oste 136 Wasserläufe zweiter Ordnung mit einer Gesamtlänge von 516 Kilometern.


Landwirtschaft

Wo ist das
Grünland?

19. 8. 2011. Obwohl der Umbruch von Dauergrünland ohne Nachweis von Ersatzflächen seit 2009 verboten ist, entstehen auch im Osteland noch immer Maisäcker auf einstigem Grünland. Darum hat jetzt der Kreisverband Rotenburg/Wümme der Umweltorganisation BUND auf der Suche nach dem verschwundenen Grün von der Rotenburger Landwirtschaftskammer Akteneinsicht verlangt, um illegale Handlungen auf die Spur zu kommen.

Der BUND-Brief an die Landwirtschaftskammer steht hier im Netz. Mehr zum Thema in der Rotenburger Rundschau.


Biogas

Nachteile
bekämpfen

16. 8. 2011. Niedersachsen nimmt bei der Biogaserzeugung uanter anderem aus Mais eine Vorreiterrolle ein. "In unserem Bundesland werden mehr als 30 Prozent des in Deutschland aus Biogas gewonnenen Stromes erzeugt", erklärt die Landtagsabgeordnete Daniela Behrens (SPD). "Wir müssen einerseits die positiven Wirkungen des Energieträgers Biogas nutzen, aber andererseits die in vielen Regionen Niedersachsens überhandnehmende Monokultur eindämmen."

Um in Zukunft die Nutzung von Biogas nachhaltig zu sichern und regionale Konflikte und Risiken zu verhindern, erarbeitete die SPD-Landtagsfraktion einen Antrag. Die enorme Ausweitung der energetischen Nutzung von Biomasse, so Behrens, habe starke Auswirkungen auf Landnutzung und Raumordnung. "Ich bin mir sicher, dass auf Dauer die Biogasnutzung in der Bevölkerung lediglich Akzeptanz finden wird, wenn deren Risiken und Nachteile offen thematisiert und Konzepte zur Konfliktlösung vor Ort geschaffen werden. Neben mangelnder Transparenz fehlt es in der Landesraumordnung an grundsätzlichen Festlegungen und Gestaltungsfreiräumen für die Kommunen", meint Behrens. Mehr...


Umwelt

Maiskritik an
der Quelle


Mais-Schlagzeile im "Abendblatt"

11. 8. 2011. Auch im Quellgebiet von Oste und Este, im Landkreis Harburg, wird Kritik an der zunehmenden Vermaisung der Landschaft laut, wie heute das Hamburger Abendblatt berichtet. Die in Buchholz ansässigen Naturfreunde Nordheide kritisieren, so ihr Vorsitzender Bernd Wenzel, dass für die jüngst vom Landkreis in Auftrag gegebenen Blockheizkraftwerke mit aus Mais erzeugtem Biogas betrieben werden sollen.

In einem offenen Brief fordern sie den LandratJoachim Bordt auf, den Maisanteil bei der Biogaserzeugung zu begrenzen. Die Verödung der Landschaft durch Monokulturen und die Veränderungen in der Tierwelt, im Grundwasser und den Böden seien negative Begleiterscheinungen des großflächigen Maisanbaus. - Mehr auf den Websites des NDR (mit Video über Alternativen) und der Harburger Anzeigen und Nachrichten .


Artenschutz

Kampf der
Monokultur


Naturschützer-Protest von der Oste

5. 8. 2011. "Wir müssen einerseits also die positiven Wirkungen des Energieträgers Biogas nutzen, aber andererseits die in vielen Regionen Niedersachsens überhandnehmende Monokultur eindämmen.“ Mit dieser Stellungnahme hat sich Daniela Behrens (Foto), SPD-Abgeordnete im Landtag, in die Debatte über die Vermaisung der Landschaft in weiten Teilen Niedersachsens eingeschaltet. Was konkret geschehen soll, steht auf der Website der Abgeordneten.


Landwirtschaft

Kosmetik
und mehr


Mais-Monokultur an der Oste

26. 7. 2011. Immer mehr Beachtung findet die Kritik von Jägern und Naturschützern - darunter die Osteland-Mitglieder Uwe Baumert (Nabu Niedersachsen) und Ostepreisträger Gerhard Klotz (Jägerschaft Land Hadeln/Cuxhaven) - an der "Vermaisung" des Ostelandes. Umlängst haben die Landvolk-Verbände Bremervörde, Verden und Rotenburg/Zeven eine Initiative namens "Bunte Felder" gegründet, um etwa fürs Auge und für den Artenschutz zu tun: Entlang der Maisäcker wurden rund 40 Hektar Blühstreifen angelegt - mehr als nur "Kosmetik für die nicht eben attraktiven Maisfelder", wie heute Stefan Algermissen in der Bremervörder Zeitung schreibt.


Biogas

Grasschnitt
ersetzt Mais

8. 7. 2011. im südlichen Osteland, im Kreis Rotenburg, hat die Vermaisung und Monotonisierung der Landschaft Rekordwerte erreicht. Weil die Akzeptanz der Biogas-Prouktion in der Bevölkerung schwindet, hat der Landkreis - erfolgversprechende - Versuche anstellen lassen, Mais teilweise durch Grasschnitt zu ersetzen. Ein ausführlicher Bericht steht auf der Website des Landkreises.


Artenschwund

Experte
entsetzt


Naturschützer Burkart (Foto: Nabu BRV)

24. 5. 2011. Bereits voriges Jahr schlug Werner Burkart Alarm: Der Naturschutzbeauftrage des Kreises Rotenburg registrierte im Oste- und Wümmekreis ROW einen galoppierenden Niedergang der Tier- und Pflanzenvielfalt (siehe unsere damalige SONDERSEITE).

Der Trend hält ungebremst an, besonders in den Schwerpunkträumen für Biogaserzeugung, schreibt Burkart in seinem jüngsten Bericht, in dem er auch auf die "Vermaisung" eingeht: Dieses Wort sei "kein absurder Begriff, sondern ein echtes Ärgernis",  – auch aus Sicht von Landwirten, die nicht von Biogas profitieren", zitiert die Bremervörder Zeitung den Naturschützer.

Burkart weiter: "Der hohe Anspruch, durch die Förderung regenerativer Energien die Belastung von Umwelt und Klima zu mindern, hat sich zumindest auf unsere Region bezogen eher in sein Gegenteil verkehrt."

Infolge der der Biogas-Erzeugung rolle "eine bisher beispiellose Welle von Nutzungsintensivierungen bis in den letzten Winkel der freien Landschaft". Hinzu kämen "teilweise dramatische Fälle" von illegalem Grünlandumbuch. Mehr...


Jägerschaft

Freude über den
Goldenen Hecht


Vorsitzender Klotz (vor Hecht-Projektion)

27. 3. 2011. "Eine schöne Bestätigung, dass der Einsatz der Jäger für die Natur gewürdigt wird" - mit diesen Worten gratulierte der Vize-Landrat des Cuxlandes, Hans-Volker Feldmann (CDU), dem Vorsitzenden der Jägerschaft Land Hadeln/Cuxhaven, Gerhard Klotz (Hemmoor), zur Verleihung des "Goldenen Hechts" der AG Osteland.

Vor den rund 300 Teilnehmern der Jahresversammlung der Jäger im Lamstedter "Bördehuus" erwiderte Klotz, es sei in der Tat "nicht alltäglich", dass die Jägerschaft von einer "nichtjagdlichen Organisation" wie der Arbeitsgemeinschaft  Osteland Anerkennung finde für ihren Beitrag zum "großen kulturelle Werk" der Erhaltung einer artenreichen und gesunden Tier- und Pflanzenwelt.


 Rund 300 Jäger im Loomster Bördehuus

Stellvertretend für die Jäger in den Landreisen Stade, Cuxhaven und Rotenburg war Klotz in der Vorwoche für deren Naturschutzbemühungen (Blühstreifen, Feldgehölze, Lerchenfenster) mit dem Osteland-Kulturpreis ausgezeichnet worden. Besonders betont worden war in der Begründung Klotz' Einsatz gegen die Monotonisierung des Ostelandes durch die rapide zunehmende Vermaisung, die wiederum eine schwer beherrschbare Sauenplage nach sich zieht.


Vize-Landrat Feldmann gratuliert Klotz

Das Thema Mais war denn auch der - neben Wahlen und Regularien - der Schwerpunkt der diesjährigen Hauptversammlung. Bevor Gerfried Hoopmann (Minden) kenntnisreich und sehr konkret das Thema "Sauenbejagung im Mais" behandelte und Tipps für eine sicherheitsorientierte Drückjagd gab, appellierte Klotz an die Politik, die Notbremse zu ziehen, um die weitere Vermaisung des Landes zu bremsen: "Ich hoffe, es wird in Hannover erkannt, dass wir dabei sind, die Umwelt zu verwüsten."


Hoopmann: Tipps für Mais-Drückjagden

Ebenso notwendig sei ein guter Kontakt zwischen Jägern und Landwirten, um das alljährliche "Gemetzel vor unserer Tür" (schätzungsweise 500.000 totgemähte Wildtiere) zu beenden. Besonders begrüßte Klotz - zuständig auch für die Ausbildung - 16 Teilnehmer am diesjährigen Jägerlehrgang, darunter sechs Jägerinnen - die bisherige "Rekordquote" in Hadeln.


Gehörnschau der Unteren Jagdbehörde

Im Vorfeld der Jahreshauptversammlung hatte Klotz in einem Beitrag für die Niederelbe-Zeitung betont, Jagd dürfe weder als "Sportart" missverstanden noch auf den "Trophäenkult" reduziert. Als einer der 14 anerkannten Naturschutzverbände in Niedersachsen sehe sich die Jägerschaft zum Dienst an der Natur verpflichtet - ein Auftrag, der "nicht beim jagbaren Wild endet".

Vizelandrat Feldmann übrigens wünschte sich von den Jägern, dass sie dazu beitragen, der Jugend auch die Liebe zur Natur nahezubringen: "Auch bessere Naturkenntnisse können nicht schaden," fügte der frühere Biologielehrer hinzu: "Die Flugzeuge, die da oben fliegen, die kennen sie, die Vögel nicht."
.

Vermaisung: Osteland
unter den Spitzenreitern

Obere Oste ganz vorn - zoom

Die Monotonisierung der Landschaft durch Gasmais-Anbau schreitet rapide voran. An der Oberen Oste, im Kreis Rotenburg, gebe es "jetzt die höchste Anzahl an Biogasanlagen in Niedersachsen," meldet soeben die Bremervörder Zeitung unter Berufung auf die oben wiedergegebene Grafik der Landwirtschaftskammer (LWK).

Laut LWK ist "die Intensität der Fruchtfolgeveränderung in Gefolgschaft zur Dichte der Biogasanlagen im mittleren Lüneburger Raum sowie im mittleren Weser-Ems Raum am größten. Die größte Dichte und Intensität liegt dort in den Landkreisen Rotenburg und Cloppenburg vor". Mehr auf der LWK-Website (PDF).


Vermaisung

Farbe ins
Maisfeld

15. 3. 2011. Die breite Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft zeigt Wirkung. Im Rahmen eines Projekts "Farbe ins Feld" sollen noch dieses Jahr 12.000 Hektar neue Blühflächen in Deutschland entstehen. Träger sind der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) und Fachverband Biogas (FvB), die ihren Mitgliedern in Kooperation mit verschiedenen Saatgutfirmen zur Aussaat 2011 Nachlässe von 15 Prozent auf bestimmte Samenmischungen anbieten. Erleichterungen für die Anlage von Blühstreifen als Bejagungsschneisen im Maisfeld gibt es in den Bundesländern Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Weiterlesen...

Nichts zu tun mit
Landwirtschaft...

15. 3. 2011. Rund 100 der 800 niedersächsischen Biogasanlagen stehen im Oste-Landkreis Rotenburg. "Mit Landwirtschaft hat das nichts mehr zu tun," meint Grünen-MdL Elke Twesten (Foto)in einer Pressemitteilung über ein Treffen mit Vertretern der Bürgerinitiative gegen eine riesige Biogassanlage bei Freetz. "Die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen fördern in erheblichem Ausmaß den Schwund von Pflanzen- und Tierarten und führen zu einem einseitigen von endlosen Maisflächen geprägtem Landschaftsbild. Trotz des für 2010 ausgerufenen 'Internationalen Jahres der Biodiversität' verstärkt sich das Artensterben. Deshalb halten wir verbindliche ökologische und soziale Standards für die Biogasproduktion für unerlässlich." Der komplette Pressetext steht hier.


Vermaisung

NABU erzielt
Durchbruch


AG-Osteland-Neumitglied Baumert (l.)

5. 3. 2010. Im Kampf gegen die "Vermaisung" der Landschaft - zurzeit Öko-Thema Nummer eins im Osteland - hat der niedersächsische Naturschutzbund (NABU) am Wochenende einen ersten Durchbruch erzielt. Wie NABU-Landesvize Uwe Baumert (Deinstedt / Kreis Rotenburg) - seit kurzem auch Mitglied der AG Osteland - mitteilt, hat der Verband mit einem Biogas-Produzenten eine Zehn-Punkte-Vereinbarung über "naturverträgliche Biogasproduktion" unterzeichnet, die als wegweisend gilt. Ausführlicher Bericht auf der NABU-Website.

Biogas-Boom
im Kreis Stade


Stader Biogas-Pläne - ganze Karte hier

4. 3. 2011. "Goldgräberstimmung" herrscht laut Stader Wochenblatt zur Zeit noch unter Energiebauern im Kreis Stade. Dort werde sich die Zahl der Biogasanlagen in diesem Jahr gegenüber 2010 womöglich vervierfachen (mehr). - Ein informativer Text des Harsefelder Grünen Ralf Poppe über die Vermaisung der Stader Geest steht hier.

In ganz Niedersachsen hat die Anbaufläche für Mais laut NABU von 357.500 Hektar im Jahr 2005 auf rund 546.000 Hektar im Jahr 2010 zugenommen. Der Zuwachs allein im Jahr 2010 betrug 72.000 Hektar oder knapp 10.100 Fußballfelder.


Bioenergie

Unfallgrund
Vermaisung


Wildunfall-Rekord im Landkreis Rotenburg

4. 3. 2011. Auf eine bislang kaum beachtete mögliche Folge der Monotonisierung des Ostelandes durch den Gasmais-Anbau hat jetzt die Jägerschaft des Kreises Rotenburg hingewiesen: Die Region an Oste und Wümme weist Rekordbestände an Schwarz- und Damwild auf - und ein Rekordaufkommen an Wildunfällen, deren Zahl von 947 (2000) über 1520 (2009) auf 1589 (2010) emporgeschnellt ist.

Kreisjägermeister und Tierarzt Dr. Hermann Gerken (Foto) aus Zeven sieht laut Zevener Zeitung eine mögliche Erklärung "in dem gestiegenen Maisanbau und dem damit einhergehenden Grünlandumbruch" (mehr). Maisfelder gehören zu den bevorzugten Biotopen von Wildschweinen. Zudem habe sich das Damwild, so Gerken weiter, "regional stark konzentriert - mit den dazu gehörenden Problemen im Straßenverkehr".

Maismast für
die Wildsäue

Im Landkreis Rotenburg werden, wie berichtet, laut Landvolk bereits mehr als 50 Prozent der Agrarfläche für den Gasmais-Anbau genutzt; im Kreis Cuxhaven steigt der Anteil ebenfalls rapide. Bund und Land wollen die Übersubventionierung der Maisvergasung abbauen. Die Rotenburger Jäger kündigen jetzt an, den überhöhten Wildbestand durch eine Heraufsetzung der Abschusszahlen reduzieren zu wollen.


Umwelt

Schon über
50 % Mais!


Biogas-Anlage im Osteland

26. 2. 2011. Neue Zahlen über die Vermaisung der Region an Oste und Wümme wurden jetzt bei einem Landwirtetreffen im Landkreis Rotenburg bekannt: Im Kreisgebiet, wo 112 Biogasanlagen gebaut oder genehmigt worden sind, werden über 50 Prozent der Ackerfläche mit Mais bebaut. werden. Um auf die "zunehmende Ablehnung" der "merklichen Vermaisung" zu reagieren, wollen die Agrarenergierzeuger in Sichtweite von Wegen mindestens drei Meter breite "Blühstreifen" anlegen (etwa mit Hafer, Buchweizen, Sonnenblume und Rotklee) und Werbeschilder und -banner anbringen.

Jetzt was
fürs Auge

Bei dem Treffen in Gyhum (Kreis Rotenburg) traten elf Biogasbetreiber dem von Kreislandwirt Heinz Korte (siehe unten) konzipierten Verein "Bunte Felder" bei. Notwendig sei, so ein Teilnehmer, ein "absolut ehrlich gemeintes Zugehen auf die besorgte Bevölkerung“ und eine Einbindung des Naturschutzes.

Mehr in der Nordsee-Zeitung unter dem Titel "Bunte Felder für das Auge".


Osteland

Bunter Rand
für Maisäcker


Naturschützer-Protest gegen Vermaisung

26. 2. 2011. Der Bremervörder Landvolkvorsitzende und Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Heinz Korte (Foto), hat im Landkreis Rotenburg zunehmende Kritik an der Ausweitung des Maisanbaus festgestellt: "Biogas werten viele Menschen als gute Sache, aber der Maisanbau wird als störend empfunden". Mit bunten "Blühstreifen" am Maisackerrand soll nun "die Akzeptanz für die Bioenergieerzeugung gesteigert werden". Auf Initiative der Landvolkverbände in der Region hat sich daher einVerein namens "Bunte Felder" gegründet, der die Betreiber von Biogasanlagen veranlassen möchte, an Maisflächen für die Erzeugung von Bioenergie einen bunten Saum anlegen.

Die Einsaat der Blühstreifen soll zentral in der zweiten Maihäfte vom Maschinenring übernommen werden, meldet der Landvolk-Pressedienst.

Die Einsaat der Blühstreifen soll zentral in der zweiten Maihäfte vom Maschinenring übernommen werden, meldet der Landvolk-Pressedienst.

Mais - Gefahr
für Trinkwasser

25. 2. 2011. Die Vermaisung der Landschaft durch den Anbau von Biogas-Mais belastet das Grundwasser. Darauf macht jetzt das NDR-Fernsehen auf seiner Website aufmerksam. "Statt pflanzlicher Abfälle landet in 90 % der deutschen Biogasanlagen vor allem eines: Mais. Denn Mais bietet den höchsten Methanertrag und liefert damit die größte Energieausbeute... Und das hat Folgen für die Umwelt. Vor allem die Wasserwirtschaft schlägt Alarm: Sie sieht das Grundwasser in Gefahr," so der NDR.

Der viele Mais bringe hohe Konzentrationen von Stickstoff im Boden mit sich. Stickstoff, der in einigen Regionen durch den Umbruch vom Grünland freigesetzt wird, in anderen Regionen durch jahrzehntelange Düngung ohnehin schon im Boden schlummert: "Einen Teil dieses Stickstoffs braucht der Mais zum Wachsen. Doch längst nicht alles. Der Rest bleibt an den Bodenoberfläche, verwandelt sich in Nitrat und droht im Herbst ins Grundwasser 'ausgewaschen' zu werden...

Fast 100 Biogasanlagen stehen allein im Landkreis Cloppenburg. Um sie zu füttern, wird selbst in ausgewiesenen Trinkwasserschutzgebieten mittlerweile Mais angebaut. Die Folge: deutlich erhöhte Nitratwerte im Grundwasser. 50 mg pro Liter sind vertretbar – bis zu 200 mg werden hier gemessen." Weiterlesen auf NDR online.

Dank für den Hinweis an Wolfgang Röhl.


Gasmais

'So geht es
nicht weiter'


Vermaisungskritiker Borngräber

24. 2. 2011. Die Vermaisung des Ostelandes zwecks Biogasproduktion wird nicht nur vom Naturschutzbund NABU, der Jägerschaft und dem hannoverschen Umweltministerium kritisiert, die Monotonisierung der Landschaft weckt auch mehr und mehr politischen Widerstand bei Parlamentariern. Angesichts der hohen Dichte an Biogasanlagen im Landkreis Rotenburg bestehe Handlungsbedarf, sagte jetzt SPD-MdL Ralf Borngräber bei einem Besuch in Freetz an der Oberen Oste.

"Es ist der Punkt erreicht, an dem wir steuernde Elemente in die Biogasförderung einbauen müssen. So geht es nicht weiter. Wir können die Sache in der Region nicht ausufern lassen," zitiert die Zevener Zeitung den SPD-Politiker: "Wir brauchen ein Werkzeug, das uns wie im Bereich der Windkraft sagt: Hier macht eine Anlage Sinn, dort nicht. So etwas muss es geben." Mehr...

Dank für den Hinweis an Kurt Ringen.


Vermaisung

Kampf mit
Kalendern


Baumert-Visitenkarte gegen Vermaisung

20. 2. 2011. Auf originelle Weise kämpft Uwe Baumert (Foto), Landesvize des Naturschutzbundes (NABU) und AG-Osteland-Mitglied aus dem Kreis Rotenburg, gegen die dramatisch zunehmende Monotonisierung der Osteregion. "Vermaisung stoppen - Artenvielfalt fördern" steht auf einer Art Visitenkarte, die der Oberst a. D. aus Deinstedt und seine Frau Angelika verteilen und deren Rückseite mit einem Jahreskalender bedruckt ist. Über die Folgen der übersubventionierten Maisvergasung berichtete kürzlich auch die Fachzeitschrift Land und Forst; Wortlaut hier.

19. 2. 2011. In der Samtgemeinde Selsingen an der Oste wird die Zahl der Biogas-Anlagen in nächster Zeit voraussichtlich von 22 auf 35 ansteigen. Das meldet die Zevener Zeitung. Einzelheiten hier...

16. 2. 2011. Im Kreis Stade wächst der Widerstand gegen die "Vermaisung" der Landschaft zugunsten der Biogasproduktion - zum Beispiel in Harsefeld, wo zehn (!) neue Anlagen geplant sind und nun "Biogasexzesse" auf mehr als der Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche zu erwarten seien, wie der Grüne Ralf Poppe befürchtet: "Mit den zusätzlichen neuen Anlagen drohen Harsefeld und die Nachbargemeinden im Maislabyrinth zu verschwinden," warnt er in "Ralfs Blog". Weiterlesen...


Zeven

Landraub an
der Oste

18. 2. 2011. Teils seit Jahrzehnten nehmen Landwirte an der Oste einstige Wirtschaftswegeund ökologisch wertvolle Wegeseitenränder unerlaubt unter den Pflug. Heute wächst dort oft Mais. Der Landraub ist jetzt in Zeven aufgeflogen. Mehr in der Zevener Zeitung unter dem Titel "Der Bauer nimmt und schweigt"..


Landwirtschaft

Fischsterben
in Lamstedt


Vergiftete Fische (Foto: Wikipedia)

9. 2. 2011. "Bio" heißt Leben - doch Biogasanlagen können das Gegenteil bewirken: den Tod von Abertausenden von Fischen. Wer die Begriffe "Biogas" und "Fischsterben" googelt, stösst auf eine Vielzahl einschlägiger Vorkommnisse rund um Maisgas-Anlagen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft, wie die Niederelbe-Zeitung meldet, wegen eines Vorfalls in Lamstedt-Nindorf.

In einem dortigen Forellenteich, in den Abwässer einer landwirtschaftlichen Biogasanlage eingeleitet worden sein sollen, ist es zum dritten Mal binnen kürzester Zeit zu einem Fischsterben gekommen. Der Eigentümer des etwa 1.000 Quadratmeter großen Fischteichs hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem örtlichen Angelsportverein insgesamt 2.800 Forellen in dem Gewässer ausgesetzt. (Mehr zum Thema Sportfischerei im Osteland unter www.sfv-oste.de.)

Damit ist in der Samtgemeinde Börde Lamstedt innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal ein Umweltskandal publik geworden. Kürzlich erst hatte die NEZ gemeldet, dass Lamstedter Klärschlamm mit Perfluorierten Tensiden kontaminiert ist, die toxisch wirken und als krebserregend gelten. Mehr in der NEZ.


Natur

Bund bremst
Vermaisung

4. 2. 2011. Endlich greift die Politik die Kritik auf, die Milchbauern sowie Naturschützer wie etwa der  Bremervörder Nabu-Vorsitzende Uwe Baumert und Jäger wie dem Hemmoorer Gerhard Klotz (Foto) - beide Mitglieder der AG Osteland - an der der zunehmenden "Vermaisung" und Monotonisierung der Natur üben (wir berichteten): Jetzt soll die bisherige Übersubventionierung der Maisvergasung abgebaut werden, wie gestern die Fachzeitschrift Land und Forst meldete; Wortlaut hier.

Jäger-Kreisvorsitzender Klotz wird zum Thema Mais und Wild im Rahmen eines Farbbildvortrages sprechen, den er in der Jahreshauptversammlung der AG Osteland an diesem Freitag, 11. Februar, 20 Uhr, im Gasthaus Butt in Wingst-Zollbaum hält.



 

Landschaft

Vermaisung
lexikonreif


NABU-Chef Baumert mit Mais-Schlagzeile

2. 2. 2011. Amüsiert reagierte dieser Tage der niedersächsische Vizevorsitzende des Naturschutzbundes (NABU), Uwe Baumert, auf eine ihm gewidmete Jux-Ausgabe der "Bild" mit der Schlagzeile "Deutschland gratuliert - NABU stoppt Vermaisung." Ernster Hintergrund: Frühzeitig und intensiv kaum ein anderer Naturschützer hatte Oberst a. D. Baumert vor der ökologisch wie ästhetisch fatalen Monotonisierung der Landschaft durch hochsubventionierten Energiemaisanbau gewarnt (siehe auch Reportagen auf  Radio Bremen und im SPIEGEL). Mittlerweile hat Niedersachsens Umweltminister Heinrich Sander (FDP), wie berichtet, angekündigt, die Notbremse zu ziehen, um die Natur- und Landschaftszerstörung durch fehlgeleitete Subventionen zu stoppen - ein schöner Erfolg für Baumert und seinen 65.000 Mitglieder starken Landesverband.


Wikipedia mit neuem Stichwort

Grund zur Freude lieferte dem Naturschützer, dessen Verband soeben der AG Osteland beigetreten ist, auch das internationale Online-Lexikon Wikipedia, das - nach einigem Hin und Her - jetzt auch das von Baumert geprägte Stichwort "Vermaisung" enthält - mit einer Weiterleitung zum Kapitel "Energiemais".

Unmut bei Jägern
und Milcherzeugern

Kritik an der Vermaisung übte jetzt auch der landwirtschaftliche Berufs- und Beratungsring Lamstedt, der über erhöhte Pachtkosten infolge der Flächenkonkurrenz zwischen Milchviehhöfen und Biogasbetrieben Klage führt (siehe heutige NEZ online).

Wie berichtet, hat sich unlängst auch der Vorsitzende der Hadler Kreisjägerschaft, Gerhard Klotz (Hemmoor), zum Thema Mais geäußert - Wortlaut hier. Klotz wird dazu auch im Rahmen eines Farbbildvortrages in der Hauptversammlung der AG Osteland am 11. Februar, 20 Uhr, im Gasthaus Butt in Wingst-Zollbaum sprechen.


Osteland

Widersinn
mit Mais

25. 1. 2011. "Ursprünglich sollten die Biogasanlagen ausschließlich Gülle nutzen, jetzt wird dafür Mais angebaut. Ein Widersinn." So beurteilt Uwe Baumert (Foto), Vize-Landesvorsitzender und Bremervörder Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu), diese Umwidmung von Ackerflächen in der jüngsten Sendung "Gesprächszeit" von Nordwestradio. Die Sendung kann hier angehört werden.


Bundesrat

Land gegen
Mais-Wahn


Maiswüste an der Oste

5. 1. 2010. Wird die Vermaisung des Ostelandes durch exzessiven Nahrungsmittelanbau zur Biovergasung (mehr) endlich gebremst? Niedersachsens Umweltminister Heinrich Sander (FDP) ist jetzt im Bundesrat aktiv geworden, um die überhöhten finanziellen Anreize für Energiewirte abzubauen.

Stellt Stuttgart 21
in den Schatten...


Minister Sander vor der Ostemündung

Bis Jahresende wird es in Niedersachsen - Schwerpunkte sind die Regionen Rotenburg und Vechta - mehr als 900 Biogasanlagen geben, laut Landesregierung mehr als genug. Der Unmut in der Bevölkerung nehme seit langem zu. Minister Sander warnt bereits öffentlich vor einer Protestbewegung, "die Stuttgart 21 noch in den Schatten stellt". Ausführlicher Bericht heute im Stader Wochenblatt.

Auch die Jäger
sind in Sorge

Die negativen Auswirkungen der zunehmenden Vermaisung auf Flora und Fauna des Ostelandes werden seit längerem unter anderem vom Nabu-Landesvize Uwe Baumert (Bremervörde) beklagt. Wie berichtet, hat sich unlängst auch der Vorsitzende der Hadler Kreisjägerschaft, Gerhard Klotz (Hemmoor; Foto), ausführlich in einer Stellungnahme gegenüber unserer Website zum Thema geäußert - Wortlaut hier.


Rotenburg

Wieder Otter
in der Oste


Kehrt zurück ins Osteland: Fischotter

31. 12. 2010. Auf einige im Oste- und Wümme-Landkreis Rotenburg erzielte Naturschutzerfolge geht der dortige Landrat Hermann Luttmann (CDU; Foto) in seinem Grusswort zur Jahreswende ein. Das Tister Bauernmoor -unmittelbar an der Oste gelegen -  sei "inzwischen der bedeutendste Kranichrastplatz im nordwestdeutschen Binnenland": "Im Spätherbst rasten nicht selten tausende von Kranichen in den Flachwasserbereichen des abgetorften Moores. Mittlerweile ist der Kranich dort und an anderen Orten im Landkreis auch als Brutvogel anzutreffen."

Außerdem: "Nach Jahrzehnten der Abwesenheit fühlt sich bei uns an der Wümme und ihren Nebenflüssen sowie an der Oste der Fischotter wieder wohl – inzwischen mehrfach nachgewiesen."

Angesprochen wird von dem CDU-Politiker auch die viel diskutierte "Vermaisung" der Landschaft an Oste und Wümme durch den bislang staatlich forcierten Biomaisanbau. "Bereits jetzt werden über 50 % (bezogen auf das Jahr 2009) des gesamten Stromverbrauchs im Landkreis mit erneuerbaren Energien erzeugt. Insbesondere der zunehmende Maisanbau  hat dazu geführt, dass die Akzeptanz für die Nutzung dieser umweltfreundlichen Energiequelle in der Bevölkerung gelitten hat."


Osteland

Gelber gegen
gelbe Plage


Mais-Monokultur an der Oste

12. 12. 2010. Weil die mittlerweile fast 6000 Biogasanlagen in Deutschland zu fast 90 Prozent mit Mais betrieben werden, sind in der Landwirtschaft große Monokulturen entstanden mit fragwürdigen ökonomischen und ökologischen Folgen. Die Anbauflächen für Energiepflanzen wie Mais sind innerhalb eines Jahres von 530.000 Hektar auf 650.000 Hektar gestiegen. Die Folge sind Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion und erhöhte Umweltbelastungen. Jetzt will Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) die zunehmende Vermaisung stoppen, von der, wie mehrfach berichtet, besonders die Region Obere Oste betroffen ist.

Mehr über den Kampf des Gelben Sander gegen die "gelbe Plage" steht auf SPIEGEL ONLINE und, ausführlicher, im neuen SPIEGEL.


FDP

Stoppt die
Vermaisung


FDP-Abgeordneter Oetjen

16. 11. 2010. Der FDP-Landtagsabgeordnete Jan-Christoph Oetjen aus Sottrum (Kreis ROW) begrüßt die geplanten Kürzungen bei der Förderung von Biogas-Mais (wir berichteten). Die entsprechende Bundesratsinitiative von Landesumweltministers Hans-Heinrich Sander (FDP) sei "mehr als sinnvoll". Oetjen: "Wir müssen jetzt nachsteuern, weil die Nachteile inzwischen deutlich sichtbar sind."

Die "Vermaisung der Landschaft" - betroffen ist nicht zuletzt das südliche Osteland - werde immer augenfälliger. "Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Gesamt-Maisanbaufläche in Niedersachsen um 60 000 Hektar erhöht. Auf mehr als einem Drittel der Maisanbaufläche wird Mais für die Biogasanlagen angebaut", fügt Oetjen hinzu. Es sei jetzt an der Zeit, das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) anzupassen.

Mehr zum Thema Vermaisung des Ostelandes hier, hier, hier und hier in dieser Spalte.


Vermaisung

Sander auf
der Bremse

11. 10. 2010. Der rapide zunehmende Biogas-Maisanbau und seine Folge, die Monotonisierung der Landschaft, wird von Naturfreunden als "Syphilis der Landwirtschaft" gebrandmarkt. Auch Gerhard Klotz (Foto), der Vorsitzende der Jägerschaft Land Hadeln/Cuxhaven, äußerte sich kürzlich kritisch über diese Entwicklung, von der zunehmend auch das nördliche Osteland betroffen ist (mehr weiter unten, Wortlaut der Klotz-Stellungnahme hier).

Jetzt will der hannoversche Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) die Vermaisung Niedersachsens und den ausufernden Bau von Biogasanlagen bremsen. Nach Medienberichten soll Niedersachsen kurzfristig eine entsprechende Bundesratsinitiative einbringen, um die  massive finanzielle Förderung von Biogasanlagen drastisch zu kappen. - Ausführlicher Bericht und Video auf der Website des NDR.


Natur

Mais und
Moore

4. 11. 2010. Seit langem kämpfen auch im Osteland führende Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) wie Uwe Baumert (Foto) aus Deinstedt gegen die "Vermaisung" der Landschaft (wir berichteten). Diese Woche hat auch der SPIEGEL das Thema aufgegriffen und unter anderem die Auswirkungen der Monotonisierung der Natur auf die heimischen Moore untersucht. Zum Artikel...



 

Landwirtschaft

Wildsäue
im Visier


Mais: Schlaraffenland fürs Schwarzwild

28. 10. 2010. Das "hochintelligente" und stellenweise "schwer zu bejagende" Wildschweinentwickele sich aufgrund des zunehmenden Biogas-Maisanbaus mehr und mehr zur "Plage" und außerdem - wegen der Schweinepest-Gefahr - auch zum "seuchenhygienischen Risiko". Das sagte Helmut Dammann-Tamke, CDU-MdL und Präsident Landesjägerschaft Niedersachsen, heute Mittag in der aus Zevenübertragenen Hörfunk-Diskussion des Nordwestradios (siehe nächsten Text).

Die Dimensionen des Mais/Wildschwein-Problems verdeutlichte Rudolf  Heins, Vorsitzender des Landvolkverbandes Zeven, mit dem Hinweis, Mais werde bereits auf "etwas mehr als der Hälfte der Ackerfläche" im Kreis Rotenburg angebaut, wo rund 100 der etwa 800 niedersächsischen Biogas-Anlagen stehen. Jagdvorsteher Hermann Gerken, Kreisjägermeister und Tierarzt, berichtete über"fassballfeldgroße Zerstörungen" in Maisfeldern und eine zunehmende Zahl von Wildunfällen. Bei aller Vorliebe für erneuerbare Energien sehen auch die Grünen, so deren MdL Elke Twesten(Foto), in dem Trend zu großflächigen Maismonokulturen eine "Fehlentwicklung".

In einer heute abgegebenen Stellungnahme zu unserem Bericht "Maismast für die Wildsäue" weist Gerhard Klotz, Vorsitzender der Jägerschaft Land Hadeln/Cuxhaven, darauf hin, dass durch den Maisanbau bereits jetzt riesige Flächen der Flora und Fauna verlorengegangen sind. "Wenn schon das Biogas in der Politik von Bedeutung ist und der Maisanbau gewollt ist, so müssen unbedingt Möglichkeiten geschaffen werden, bei denen der Maisanbau nicht zur völligen Zerstörung des Naturhaushaltes führen wird", schreibt Klotz. Der Brief im Wortlaut steht auf dieser SONDERSEITE: "Die Natur ist der Verlierer."


Hörfunk

Maismast für
die Wildsäue


Frischlinge: Leben wie Maden im Speck

27. 10. 2010. Die grassierende Vermaisung des Ostelandes (wir berichteten) und ihre Auswirkungen auf die Wildpopulation sind an diesem Donnerstag, 28. 10., 13.05 Uhr, im Nordwestradio Thema einer Live-Übertragung aus dem Landvolkhaus in Zeven (Meyerstraße 15, Eintritt frei).

"Der Boom von Biogasanlagen in Niedersachsen hat eine tierische Nebenwirkung. Durch den zunehmenden Anbau von Energiepflanzen wie Mais haben Wildschweine so viel zu futtern, dass sie sich explosionsartig vermehren. Die Zeche zahlen die Jäger. Sie müssen für Wildschäden in der Landwirtschaft aufkommen, zahlen inzwischen in vielen Revieren Entschädigungen an Bauern. Der Kern des Problems ist bekannt. In den vergangenen Jahren sind im Norden Hunderte Biogasanlagen entstanden, weitere sind in Planung. Viele laufen mit Energiepflanzen, wobei der Bedarf an Raps und Mais enorm ist," schreibt Nordwestradio über die Sendung (Moderation: Hans Heinrich Obuch, Redaktion: Hilke Theessen).

Immer häufiger
Wildschweinunfälle


Biogasanlage (in der Wingst)

Und weiter: "Um diesen ständig steigenden Bedarf zu decken, bauen immer mehr Landwirte großflächig Mais an. Mindestens ein Drittel der Ernte wird in Biogasanlagen gehäckselt, als Maissilage vergoren und verstromt. Mais ist aber nicht nur die Hauptfrucht für Ökostrom, sondern auch die Lieblingsspeise der Wildschweine. In den riesigen Maisfeldern lassen sich ganze Rotten nieder. Unter diesen  Bedingungen klappt es auch mit dem Nachwuchs.

Eine Bache wirft sechs bis acht Frischlinge, und in den Feldern muss keines der Jungtiere hungern. In dem Schlaraffenland für das Schwarzwild haben die Jäger kaum eine Chance. Sie schießen zwar jährlich mehr Wildschweine ab, aber die Population wächst trotzdem. Inzwischen kommt es in Niedersachsen immer häufiger zu Unfällen mit Wildschweinen."

In der Diskussion sollen Fragen beantwortet werden wie: Wird das Schwarzwild auch zur Bedrohung für den Menschen? Überträgt es Seuchen wie die Schweinepest? Welche Rolle spielt die flächendeckende Monokultur? Welche wirtschaftlichen Schäden richten Wildschweine an?

"Syphilis der
Landwirtschaft"

Auch Touristen äußern sich zunehmend kritisch über die Maiswüsten an der Oste - wie eine Radwanderergruppe, die dieser Tage hier im Web über eine Tour von Osten nach Zeven berichtete: "Was uns an diesem Tag bereits morgens begleitete waren: Maisfelder, Maisfelder, Maisfelder…. In jeder kleinen Lichtung bis nah an den Wegen: Maisfelder, Maisfelder, Maisfelder…".

Dass von Naturschützern als "Syphilis der Landwirtschaft" charakterisierten Maismonokulturen auch den Jägern zu schaffen machen, hatte der Wildexperte Dr. Kurt Menzel laut Bremervörder Zeitung unlängst vor der Jägerschaft Bremervörde beklagt. Die Maiswüsten beherbergten massenhaft Schwarzwild. Die Landwirte müssten daher beim Maislegen "Schuss-Schneisen" einarbeiten, forderte Menzel.



 

Natur

Mais, Mais,
Mais, Mais


Heute im TV: Agrarsteppe an der Oste

20. 10. 2010. Die Maiswüsten, die sich vor allem - aber nicht nur - im südlichen Osteland ausweiten, sind am heutigen Mittwoch, 21 Uhr, Thema der NDR-TV-Sendung "Menschen und Schlagzeilen". Zum Thema Maismonokulturen, Biogas, Grundwassergefährdung und Niedermoorumbruch kommt unter anderem Uwe Baumert (Foto) vom Naturschutzbund (Nabu) zu Wort, dessen ROW-Kreisverband auch der AG Osteland angehört.

"Syphilis der
Landwirtschaft"

Auch Touristen äußern sich zunehmend kritisch über die Maiswüsten an der Oste - wie eine Radwanderergruppe, die dieser Tage hier im Web über eine Tour von Osten nach Zeven berichtete: "Was uns an diesem Tag bereits morgens begleitete waren: Maisfelder, Maisfelder, Maisfelder…. In jeder kleinen Lichtung bis nah an den Wegen: Maisfelder, Maisfelder, Maisfelder…".

Die von Naturschützern als "Syphilis der Landwirtschaft" charakterisierten Maismonokulturen machen auch den Jägern zu schaffen, wie der Wildexperte Dr. Kurt Menzel laut Bremervörder Zeitung (Mittwochausgabe) jetzt vor der Jägerschaft Bremervörde sagte. Die Maiswüsten beherbergten massenhaft Schwarzwild. Die Landwirte müssten daher beim Maislegen "Schussschneisen" einarbeiten, forderte Menzel.



Landschaftsschutz

Unmut über
Vermaisung


Mais-Einöde an der Oste

1. 10. 2010. Die zunehmende "Vermaisung"der Oste-Region hat auch Auswirkungen auf den Tourismus. Die Freizeitwissenschaftlerin Isabel Kaiser erklärte gegenüber der Zevener Zeitung, der für die Biovergasung angebaute "viele Mais" sei "aus touristischer Sicht ein Standortnachteil": "Wenn er hoch steht, sieht man von der Landschaft nichts mehr."

Isabel Kaiser entwickelt zur Zeit ein Tourismuskonzept für die Oste-Samtgemeinde Selsingen. Mehr...

MAIS-MAILS

Am 22. 3. 2012 schrieb unser Leser Kurt Ringen:

Die Blühstreifen machen nach meiner Rechnung weniger als ein Promille der Maisfläche des Landkreises aus. Also: Alles Augenwischerei. Die psychologische Wirkung in der Presse und der Aktionsschilder vor Ort übertrifft optisch und wahrnehmbar in jeder Hinsicht den Eindruck dieser Blühstreifen, die natürlich zu begrüßen sind. Der normal denken Bürger wird in jeder Hinsicht getäuscht... Ein sehr geschickter Schachzug der agraindustiellen Lobby. Wahr ist aber auch, dass der normal wirtschaftende Landwirt von seinen Flächen allein bei der Biogaserzeugung aus Maisanbau derzeit ein vernünftiges und anderen Berufen vergleichbares Einkommen erzielen kann. Dies muss deutlich gesagt werden.

Am 1. 2. 2012 schrieb unsere Leserin Sigrid Beier aus Osten:

Landwirtschaft:
Landwirt schafft
Landwirt schafft Landschaft
Landwirt schafft Landschaft ab.

Es ist schon eine Weile her, dass mir dieses Gedicht begegnete, weiß auch nicht mehr wo, habe es mir nur aufgeschrieben, weil es so treffend ist.

Manchmal glaube ich, dass die ökologische Bewegung sang- und klanglos verschwindet. Habe den Artikel heute auch in der NEZ gelesen und kann die Argumentation bzgl. Naturschutz überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn es um den Verkauf von Land für Straßen geht, sagt kein Landwirt "nein", er bekommt ja Geld dafür.

Naturschutz müsste eigentlich der Kern der Landwirtschaft sein - statt Monokultur Mais. Viele Obstbauern des integrierten Anbaus haben im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte begriffen, dass ein gesundes Umfeld - sprich Artenvielfalt an Tier und Pflanze - ihnen erheblich Spritzmittel ersparen, wodurch nicht nur die Äpfel gesünder sind. Im Ackerbau und bei der Viehzucht scheinen diese Erkenntnissse hartnäckig auf Ablehnung zu stoßen. Die intensive Landwirtschaft richtet sich gegen die Natur.

Insofern finde ich die Vorgaben der EU einen Schritt in die richtige Richtung!
Neidvoll blicken die deutschen Bauern immer nach Frankreich, dort aber gibt es viel mehr unbewirtschaftete Flächen, als bei uns in Deutschland, z.B. Weiden, wo nicht mal Kunstdünger gestreut werden darf. Beispiel: für Comté-Bergkäse und auch Morbier-Käse aus dem Jura dürfen die Tiere weder Rüben oder Silage, noch Kraftfutter bekommen. Sie weiden auf Wiesen, die vor Artenvielfalt an Pflanzen, Kräutern, Insekten... nur so wimmeln - 2/3 von ihnen würden absterben, würde der Boden mit Kunstdünger bearbeitet! Im Winter bekommen diese Kühe - fast das ganze Jahr draußen mit wuscheligem hellem Fell - das Heu dieser Wiesen. Man braucht nicht nachzufragen, welche Qualität diese Milch hat... Und bei uns ist alles Masse! Vom Mais über die Milch bis zum Geflügel.


Am 3. 2. 2012 schrieb unser Leser Kurt Ringen:

Die Diskussion über Vermaisung ist unausweichlich. Danke für Ihre
Thematisierung.

Im folgenden habe ich mir erlaubt, einige Links zu senden, welche die
Problematik unter den Gesichtspunkte nde agrarindustriellen Produktion
darstellen und eine Auseinandersetzung mit Einzelaspekten als auch eine
Einordnung in Gesamtzusammenhänge ermöglichen.

http://www.iva.de/umwelt

http://www.maiskomitee.de

http://www.topagrar.com

http://www.agrarheute.com

Die verlinkten Webseiten bilden die zentralen Kommunikationsplattformen
des agarindustriellen Komplexes.

Mit besten Grüßen
Kurt Ringen


Am 21. 11. 2011 schrieb unsere Leserin Sigrid Beyer aus Osten:

Dank der Infos über Mais, Gift... erfährt man, was sich die Agrarindustrie so alles vorstellt und zu praktizieren gedenkt. Dass die übermäßige Jauche auf unseren Feldern früher oder später die Nitratwerte unseres Grundwassers in die Höhe schnellen lässt, dafür braucht man kein Abitur, sondern nur ein bisschen gesunden Menschenverstand. Letzterer scheint bei einer gewissen Klientel auf ein Minimum geschrumpft zu sein!

Ich wage zu bezweifeln, dass eine Schulung der Landwirte für Naturschutzmaßnahmen viel bringen wird. Das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge ist in dieser Branche total abhanden gekommen. Geht man über einen abgeernteten Maisacker, so findet der Spaziergänger keine Häufchen vom Regenwurm mehr (unser Garten ist voll davon und zeigt die Aktivität und Anwesenheit dieser für ein gesundes Bodenleben so wichtigen Tiere). Bei den vielen Gaben von Gift, Jauche, Fungiziden etc. kann sich kein Bodenleben aufrecht erhalten, mit anderen Worten: Der Boden ist tot und nur "fruchtbar", weil der Mineraldünger dafür sorgt, dass etwas wächst!

Was in früheren Zeiten der Bauer über die Zusammenhänge im Naturgeschehen wusste, wird heute allenfalls milde belächelt, anderseits hat aber gerade jenes Bauerntum über Jahrtausende dafür gesorgt, dass Mensch, Tier und Pflanze harmonisch zusammenleben konnten. Der Bauer liebte seine Felder und seine Tiere und sorgte verantwortungsvoll auf ihr gutes Gedeihen. Eine Dreifelderwirtschaft sorgte für Abwechslung im Anbau und Nutzung des Ackers. Die Tiere brauchten kein Antbiotika, weil sie gesund und nicht in Massen gehalten wurden, die Ernte fiel mal besser, mal schlechter aus, aber mit Hilfe der chemischen Keule hat keiner versucht, die Ergebnisse zu manipulieren.

Diese Art von Bauerntum habe ich in meiner Kindheit noch erlebt - jede Kuh hatte einen Namen, die Schweine einen Koben, in dem sie sich suhlen konnten... die Hühner liefen über den Hof und kratzten im Mist, die Gänse und Enten hielten die Gärten von Schnecken sauber... und heute? Heute ist Tier und Pflanze zum Industrieprodukt geworden, je mehr produziert wird, um so besser, auch wenn dann andrerseits wieder tonnenweise Lebensmittel im Müll landen.

Ich weiß nicht, was passieren muss, damit das "Untier Mensch" umdenkt. Sowohl Erzeuger als auch Verbraucher haben keinen echten Bezug mehr zu unserer Erde, zur Natur, noch weniger Dankbarkeit. Und da hilft es nur wenig, wenn Bereiche wie Oste- und Wümmeniederungen geschützt werden, das Gift ist in der Landschaft und es braucht immer einige Zeit, bis sich die Auswirkungen im Grundwasser spürbar machen.

Der intensive Anbau von Mais und anderen Pflanzen nur für Biogasanlagen ist ein Wahnsinn!! Es gibt genug anderes Grünmaterial, das abfällt und in die Biogasanlage kann, vom Baumschnitt entlang der Straßen bis zu den Sammelaktionen von Gartenschnitt. Solange Nahrungspflanzen - wie Mais oder Getreide - für die Energiegewinnung (Biogas, E10...) angebaut werden und ein Drittel der Weltbevölkerung hungert, solange ist das in meinen Augen ein Verbrechen an der Schöpfung, ein Angriff auf das Leben dieses Planeten.

Es gibt nur einen Planeten Erde, wir haben keine zweite im Keller... aber die Menschen verhalten sich so, als ob im Kühlschrank eine weitere lagert, um ebenfalls ausgebeutet zu werden. Verbote, Gesetze, Auflagen etc. verändern nichts, wenn nicht das Bewusstsein der Erzeuger und Verbraucher ein anderes wird: FÜR das Leben.

Sigrid Beyer, Osten


www.oste.de