Osteland

Der Fluß der
toten Adler


Schlagzeilen der Bremervörder Presse

21. 1. 2006. Der Naturschutz-Skandal im Osteland hält an. Erneut ist im Einzugsbereich des Flusses, diesmal in Sauensiek, ein vergifteter Greifvogel, ein Bussard, entdeckt worden. In Magen und Kropf fand sich das verbotete Gift E 605.

In den letzten Jahren waren an der Ostemündungbei Balje im Kreis Stade und in der Quellregion im Kreis Harburg jeweils drei tote Seeadler und im Kreis Rotenburg/Wümme sogar fünf tote Seeadler gefunden worden, also insgesamt elf Exemplare des mit 2,40 Metern Spannweite größten heimischen Greifvogels. Der vom Aussterben bedrohte Vogel ist Deutschlands Wappentier und gilt als "König der Lüfte".

Als Tatort tritt besonders häufig das wiedervernäßte Tister Bauernmoor an der Oberen Oste in Erscheinung.


Tatort Tister Moor an der Oberen Oste

Außer Seeadlern sind dort wie auch anderswo viele Bussarde, Milane und Uhus tot gefunden worden. Der zuletzt unweit des Oste-Quellgebiets bei Tostedt entdeckte vergiftete Seeadler hatte Federn einer Hausgans in den Krallen.

Laut Stader Tageblatt spekulieren die Naturschutzbehörden, die Täter könnten möglicherweise unter Geflügelhaltern zu suchen sein, die ihre Tiere draußen halten. In Süddeutschland ist vor Jahren ein Züchter von Kunstflugtauben wegen eines Giftanschlags auf Greifvögel rechtskräftig verurteilt worden.

Polizei und Naturschutzbehörde (Tel. 04141/ 12549) sind auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, hat der Naturschutzverband WWF 3000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Die früheren Berichte dieser Website über die Giftanschläge auf die Seeadler an der Oste stehen auf dieser SONDERSEITE.


Giftanschlag

Wer ist der
Adler-Killer?


Seeadler beim Beutefang

14. 10. 2005. Ein empörender Fall von Naturfrevel an der Oste bewegt die Bevölkerung.

Die beiden Seeadler-Küken, die im Frühjahr in ihrem Horst an der Ostemündung verendet sind, waren Opfer eines Giftanschlages!

Nach Angaben des hannoverschen Umweltministers Hans-Heinrich Sander sind die seltenen Vögel an einer mit dem Gift Carborfuran präparierten Taube verendet (mehr auf der Website des Ministeriums). Nach Medienberichten wird das Mittel normalerweise nur gegen Unterschrift und an Landwirte abgegeben.


Niedersächsischer Umweltminister Sander

Die Untersuchung des Berliner Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ergab, dass eine Taube durch Einschnitte in der Brust mit dem Gift gefüllt wurde. Die Seeadler-Eltern hatten den ausgelegten Köder ihren Jungen als Nahrung ins Nest gebracht.

Wer hat diesen unglaublichen Fall von Naturfrevel begangen?

"Da wollte offenbar jemand gezielt den Tod von Greifvögeln herbeiführen", kommentierte Umweltminister Sander die "kriminelle Tat". Die Deutsche Presseagentur meldet: "Umweltschützer schließen nicht aus, dass private oder professionelle Vogelzüchter die beiden Küken vergifteten."

Kreis erstattet
Strafanzeige

Der Landkreis Cuxhaven hat bei der Staatsanwaltschaft Stade Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

Der Giftanschlag an der Ostemündung ist kein Einzelfall. Im thüringischen Landkreis Sömmerdawurden in den letzten Jahren mindestens45 Mäusebussarde, 28 Rotmilane und fünf Rohrweihen vergiftet. Im Ort Nöda gingen die Täter im Fall von drei Bussarden auf dieselbe Weise vor wie an der Oste: mit giftgefüllten Tauben.

Die pathologisch-anatomische Untersuchung ergab, dass jemand den Tauben Schnittwunden zugefügt und in diese ein hochtoxisches Granulat eingebracht hatte: ein Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Aldicarb, der eine besonders hohe Toxizität für Vögel besitzt. Es kommt zu Krämpfen, Lähmungen, letztlich zum Tod.

Jäger verweisen
auf Taubenzüchter

Die zuständige Kreisjägerschaft wies in den Thüringer Fällen jeden Verdacht von sich - Giftköder würden schließlich auch Jagdhunde gefährden. Die Jäger appellierten an Geflügelhalter und Taubenzüchter, auch wenn ein Greifvogel ein Huhn bzw. eine Taube schlagen sollte, sei dies "sicher kein Grund, mit gefährlichen Giftködern, die ein hochgefährliches Risiko für die gesamte Umwelt darstellen, Greifvögeln nachzustellen".

Der Kreisverband der Rassegeflügelzüchter wiederum erklärte, man wisse zwar um den Groll einiger Mitglieder auf die Wildvögel. Dass jemand zu Gift greife, sei jedoch kaum vorstellbar. Der Sachgebietsleiter Naturschutz im Landratsamt kündigte an, er werde die Aufklärungsarbeit verstärken und Vorträge vor Jägern und Geflügelzüchtern halten.

Auch aus den alten Ländern werden immer wieder ähnliche Untaten gemeldet.


Taubenzucht: Zu Unrecht verdächtigt?

In der Nähe des westfälischen Soest etwa wurden ein Rotmilan und ein Mäusebussard vergiftet. Das Staatliche Veterinäruntersuchungsamt Arnsberg bestätigte, dass auch hier gezielt ein hochgefährliches Gift eingesetzt worden war. Laut bayrischem Landesbund für Vogelschutz werden im fränkischen Wiesenttal und im Bayerischen Wald Wanderfalken gezielt abgeschossen. Auch hier gerieten wieder - ohne dass ein Täter ermittelt werden konnte - Taubenzüchter in Verdacht, vielleicht zu Unrecht.

Gänsehalter
fürchten Adler

Die Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz verlautbarte gestern, dass Seeadler von professionellen Gänsezüchtern besonders gefürchtet werden: "Allein die Panik, die ein Adler-Überflug in einer Zuchtanlage mit 3000 Gänsen auslöst, kann einen Schaden von mehreren tausend Euro auslösen."

Ein Täter in Nürtingen ist wegen der Tötung geschützter Greifvögel verurteilt worden. Einem 81-jährigen Züchter und Halter von Kunstflugtauben waren, wie er aussagte, durch Habichte 40 Tiere im Wert von 500 Euro abhanden gekommen. Zeugen hatten in vier Fällen je einen toten Habicht im Kofferraum des Angeklagten gesehen.

Der Taubenzüchter wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr Gefängnis und einer Geldbuße von 1000 Euro verurteilt.

"Viel zu viel
Raubzeug"

Der Angeklagte, so die Urteilsbegründung, habe mit seiner Bemerkung, dass man heutzutage "viel zu viel Raubzeug" gewähren lasse, indirekt selbst seine Schuld eingestanden.

Zum Giftanschlag auf die Adlerjungen an der Oste erklärte Ministeriumssprecher Dr. Magnus Buhlert, bisher habe der niedersächsische Bestand der Seeadler Anlass zur Freude gegeben: Mit 20 Revierpaaren wurde 2005 der bislang höchste Brutbestand festgestellt.

Die Eltern der beiden verendeten Jungvögel hatten schon im vergangenen Jahr an der Ostemündung ein Küken erfolgreich aufgezogen und in diesem Jahr denselben Brutplatz gewählt. Seit Ende April war jedoch keine Regung der Jungadler mehr zu beobachten. Daraufhin bestieg Kreisnaturschutzbeauftragter Fritz Bechinger den Horst und stellte die toten Adlerküken sowie die darin befindlichen Beutereste sicher, darunter die vergiftete Ködertaube.


www.hemmoor.info