Im Zeichen des
Goldenen Hechts

Die Preisreden zum
Oste-Kulturpreis 2005



Preisträger am Hechtbrunnen von Hechthausen

Die Arbeitsgemeinschaft Osteland e.V. verleiht den Kulturpreis DER GOLDENE HECHT 2005 in der Kategorie Kunst / Literatur an 

Elke Loewe 

Die bedeutendste zeitgenössische Schriftstellerin des Elbe-Weser-Dreiecks versteht es wie niemand sonst, Gegenwart und Geschichte der Flußlandschaft an der Oste dem Lesepublikum in ebenso bildhafter wie packender Sprache nahezubringen. 

Elke Loewe, Sponsor Heyer (Volksbanken)

Geprägt durch das Leben in der Nähe von Elm bei Bremervörde und am Rönndeich in Drochtersen-Hüll, hat die gebürtige Gifhornerin ihre Eindrücke von Marsch und Moor, Flora und Fauna, Gegenwart und Vergangenheit des Ostelandes immer wieder in Drehbücher, Bilderbücher, Fernsehserien sowie Kriminal- und Historienromane einfließen lassen. 

Schon die Fotoserie „Öber de Oost“ zeugt von der tiefen Verbundenheit der gelernten Fotografin mit dem Land zwischen Weser und Elbe. „Wat Recht is, mutt Recht bliewen“, der einzige plattdeutsche Tatort-Krimi, und die Familiensaga „Teufelsmoor“ sowie die Romane „Der Salzhändler“ und „Simon der Ziegler“ verraten tiefe Kenntnisse der Geschichte und der Seele der Region. Gemeinsam mit der Illustratorin Jo du Bosque hat sich Elke Loewe von den Märchen und Mythen um den Symbolfisch der Oste, den geflügelten Hecht mit der Krone, zu „Jonni Hecht“ inspirieren lassen, einem Bilderbuch auch für Erwachsene. 

Den Zauber der Flußlandschaft spiegeln nicht zuletzt aber auch die Kriminalromane wider, die, angesiedelt im fiktiven Augustenfleth an der Stinte, den Kundigen an den Landstrich um Osten an der Oste erinnern und die bei Lesern in der Ferne den Wunsch wecken, das herbe, schöne Land zwischen Moor und Meer kennenzulernen. 




Die Arbeitsgemeinschaft Osteland e.V.  verleiht den Kulturpreis DER GOLDENE HECHT 2005 in der Kategorie Medien an 

Grit Klempow 

Stellvertretend für die Journalistinnen und Journalisten in den Lokalredaktionen  der traditionsreichen Heimatzeitungen in den Landkreisen Cuxhaven, Stade und Rotenburg wird Grit Klempow, Redakteurin des Stader Tageblatts, dafür ausgezeichnet, dass sie sich mit besonderer Hingabe der Geschichte des Ostelandes und seiner touristischen und kulturellen Entwicklung verschrieben hat. 
Schon zu den ersten Beiträgen der jungen Journalistin zählte ein „Offener Brief“ an den legendären Hecht mit der Krone. Heimatgeschichtliche Beiträge über das Fährwesen an der Oste, im Stader Tageblatt ebenso wie im „Allgemeinen Haushaltungskalender“, folgten. 

Mehrfach berichtete die Autorin auf Sonderseiten über den touristischen Neubeginn an der Oste („Fluß wird als touristischer Schatz entdeckt“),  über die Oste-Schifffahrt („Sattes Grün und sanftes Schaukeln“) und die Restaurierung des nationalen Baudenkmals Schwebefähre Osten – Hemmoor. 


 Laudatorin Sigrid Frömming (r.) mit
Sponsoren Nils und Edfried Uhtenwoldt

Weit hinaus über ihren eigentlichen Berichterstattungsbereich, die Samtgemeinde Oldendorf, richtete die Lokalredakteurin ihren Blick auch, als sie im Sommer 2004 die gesamte, rund 250 Kilometer lange Deutsche Fährstraße bereiste und der jüngsten Ferienstraße der Bundesrepublik eine groß aufgemachte, fünfteilige Artikelserie widmete. Die mit eigenen Fotos bebilderten Folgen trugen die Überschriften „Reise beginnt an uralter Furt“ (Bremervörde – Osten), „Die stille Oste als Begleiterin“ (Osten – Balje), „Der raue Wind und der weite Blick“ (Balje – Brunsbüttel), „Blickfang Nord-Ostsee-Kanal“ (Brunsbüttel – Rendsburg) und „Unermüdliche ‚Eiserne Lady’“ (Rendsburg – Kiel). 
 




Die Arbeitsgemeinschaft Osteland e.V.  verleiht den Kulturpreis DER GOLDENE HECHT 2005 in der Kategorie Unternehmertum / Tourismus an 
Helmut Plate 
Der Gräpeler Gastwirt und Fährmann Helmut Plate wird ausgezeichnet für seine unternehmerische Leistung und die Förderung des Tourismus an der Oste. Für den Fremdenverkehr ist die von ihm seit Jahrzehnten betriebene, in viele Fahrrad-und Wanderrouten einbezogene historische Prahmfähre von zentraler Bedeutung. 

Sponsor Wolfgang Fels, Laudatorin Karin Harms

Nachdem Helmut Plate vor 32 Jahren das mittlerweile in dritter Generation geführte Gasthaus „Zum Osteblick“ übernommen hat, wurde er als Fährmann gleichsam zu der Symbolfigur an der Oste, dem „Fluß der Fähren“. Auch die 2004 eröffnete Deutsche Fährstraße verdankt den letzten verbliebenen Prahmfähren an der Oste einen Großteil ihres touristischen Reizes. 


Helmut Plate mit dem Goldenen Hecht

Mit der Auszeichnung Helmut Plates wird zugleich auch das Engagement des Familienbetriebes in der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Kulturtourismus Himmelpforten / Oldendorf gewürdigt. 

Die Arbeitsgemeinschaft zählt zu den Vorreitern überörtlicher und überbetrieblicher Zusammenarbeit im Osteland. Mit ihren bemerkenswerten touristischen und naturkundlichen Angeboten sowie ihren gemeinsamen Werbeaktivitäten, nicht nur im Internet, kann sie anderen Regionen in dem Bemühen, das Kirchturmdenken zu überwinden, als Vorbild dienen. 




Die Arbeitsgemeinschaft Osteland e.V.  verleiht den Kulturpreis  DER GOLDENE HECHT 2005  in der Kategorie Naturschutz an 

Egon Boschen 
und Ernst Peters 

Egon Boschen aus Lamstedt und Ernst Peters aus Zeven stehen stellvertretend für die Artenschützer unter den Sportanglern an der Unteren und an der Oberen Oste, denen zu verdanken ist, was die Presse als „Wunder an der Oste“ gewürdigt hat: die nach zwei Jahrzehnten unermüdlicher Arbeit geglückte Wiederansiedlung des Lachses in der Oste

Preisredner Heinrich Heinbockel (r.) mit Sponsoren

In den sechziger Jahren galt der „König der Fische“ in Deutschland als ausgerottet – Folge eines „heute unfassbaren Wahnsinns im Umgang mit der Umwelt“, wie der Verband Deutscher Sportfischer befand. 1980 veröffentlichten prominente Naturschützer wie Horst Stern einen Nachruf auf den Lachs: „Für Abwasserkanäle ist er nicht geschaffen. Wird er je wiederkommen können?“ 


Wolfgang Buck vertrat Egon Boschen

Damals begannen Männer wie der Betonbaumeister Egon Boschen und der Elekroniker Ernst Peters, von vielen belächelt, die Oste mit importierter Lachsbrut zu impfen, auch eigene Brutanlagen einzurichten und Jungtiere zu markieren. Im Jahr 2000 war es so weit: Fachleute bestätigten, dass in der Oste eine „sich selbst reproduzierende Population des Lachses“ ansässig ist, der Verband Deutscher Sportfischer bezeichnete den deutschen Lachsfluß Nummer eins als „Paradegewässer für die Wiedereinbürgerung von Großsalmoniden in Deutschland“




Die Arbeitsgemeinschaft Osteland e.V.  verleiht den Kulturpreis DER GOLDENE HECHT 2005 in der Kategorie Denkmalschutz an 

Birgit Greiner 

Der Cuxhavener Bauamtfrau Birgit Greiner, Denkmalschützerin in der Kreisverwaltung, hat auf Grund einer Einsatzbereitschaft, die das Normalmaß weit überschreitet, maßgeblich dazu beigetragen, dass die kultur- und technikgeschichtliche Bedeutung der Schwebefähre Osten – Hemmoor weithin erkannt worden ist und Zuwendungen in Millionenhöhe für die Reparatur eingeworben werden konnten, so dass trotz widriger Umstände die Wiederherstellung der Fahrbereitschaft im Sommer 2005 gewährleistet scheint.

Denkmalschutz-Preisträgerin Birgit Greiner

Als die Schwebefähre Ende 2001 wegen technischer Mängel die touristischen Demonstrationsfahrten einstellen mußte und die Reparaturkosten auf 1,1 Millionen Euro geschätzt wurden, war manch einer unter den Verantwortlichen angesichts der öffentlichen Finanznot schon bereit, das in seiner Konstruktion weltweit einzigartige Baudenkmal aufzugeben. 


Laudator Heino Grantz, Sponsor Ahlf (Dehoga)

Birgit Greiner, ermutigt auch durch die Unterstützung des Weltverbandes der Schwebefähren, an deren Gründung in Spanien sie beteiligt war,  beeindruckte mit Sachverstand, Beharrlichkeit und  Charme alle Zweifler und trug so dazu bei, dass zunächst das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und im Frühjahr 2004 auch die Bundesregierung das überragende Wahrzeichen des Ostelandes in den Rang eines Bauwerks von nationaler Bedeutung erhoben. 




Die Arbeitsgemeinschaft Osteland e.V. verleiht den Kulturpreis DER GOLDENE HECHT 2005 in der Kategorie Wissenschaft an 

Silvia Bochmann 

Die Wissenschaftlerin Silvia Bochmann hat ihre im Herbst 2004 am Geografischen Institut der Universität Kiel vorgelegte Diplomarbeit dem Thema „Die Deutsche Fährstraße – Zwischen Kiel und Bremervörde“ gewidmet. 

Für ihre mit „Sehr gut“ bewertete Arbeit hat Silvia Bochmann Dutzende von Politikern, Touristikern und Gastronomen entlang der rund 250 Kilometer langen Route befragt, um zu erkunden, welche Chancen die von der AG Osteland konzipierte neue Ferienstraße den strukturschwachen  Regionen an Oste und Nord-Ostsee-Kanal bietet. 


Renate Wendt (AG Osteland) bei der Laudatio

Auf rund 100 Seiten hat die Autorin nicht nur die Attraktivitäts- und Angebotselemente des nach ihrem Urteil „sehr erfolgversprechenden Projekts“ analysiert, sondern auch konkrete Vorschläge zu dessen Weiterentwicklung erarbeitet. So empfiehlt sie eine Herausarbeitung des „Alleinstellungsmerkmals“ Fähren und Flußquerungen und die Entwicklung der Schwebefähren in Osten und Rendsburg zu „lebendigen Fährmuseen“. 

Die Landesinvestitionsbank Schleswig-Holstein hat bereits Pläne für ein Bauprojekt zur Aufwertung der Rendsburger Schwebefähre vorgelegt. Die Diplomarbeit der Kieler Wissenschaftlerin ermutigt dazu, Planungen auch für ein Besucherzentrum mit Ausstellungsmöglichkeit an der Schwebefähre Osten – Hemmoor  beschleunigt voranzutreiben. 


Das Osteland im
NDR-Fernsehen


"Schrievers-Frau" Elke Loewe im NDR-TV

13. 3. 2005. Für einen Filmbeitrag über die Preisverleihung, der am Sonntagabend bei "Hallo Niedersachsen op Platt" lief, hatte das NDR-Fernsehen tagsüber in Osten und Hechthausen gedreht.

In dem kompakten Bericht wurde die AG Osteland mit ihren Projekten Tag der Oste und Deutsche Fährstraße vorgestellt. Zu sehen war unter anderem Peter Ahlf beim Angeln.
Auch eine Radfahrer-Gruppe mit Erich Meier (lks.) an der Schwebefähre war zu sehen, dazu die Ausschilderung der Deutschen Fährstraße.
Zur Verleihung des Goldenen Hechts in Hechthausen kamen Autorin Elke Loewe und Fährmann Helmut Plate - natürlich op Platt - zu Wort. Ebenfalls zu sehen: Wolfgang Fels , Vorsitzender der Unternehmergemeinschaft Hemmoor, bei der Übergabe des von seinem Verein gestifteten Preises für Tourismus und Unternehmertum an Helmut Plate (Foto unten).
Karin Harms (rechts im Bild) vom federführenden Arbeitskreis Natur/Kultur der AG Osteland gab Auskunft über die Ziele des vor einem Jahr in Osten gegründeten Vereins.
Im plattdeutschen Untertitel wurde die AG Osteland vom NDR übrigens als "Arbeitsgemeenschupp Osteland" vorgestellt.
Autorin des Beitrags war NDR-Redakteurin Hanne Klöver (hier im Vorgespräch mit Jochen Bölsche, AG Osteland).



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Ein Fest für 
das Osteland

Fotos von Renate Wendt sowie Karl-Heinz und Maximilian Brinkmann


Oldendorfer SG-Bürgermeister Thomas Scharbatke
Die Scharbatke-Rede ist hier dokumentiert

Bilder von Nikolaus Ruhl schmücken den Saal und... 

...den Vorplatz der "Ostekrone" in Hechthausen.

Tielebörger mit SG-Bgm. Falcke (Himmelpforten)

Dr. Christiane Sell-Greiser, Siegfried Dierken (ILEK)

Johannes Schmidt beim "Talk mit Landräten"

Abgeordnete McAllister (CDU), Johannßen (SPD)

Bernd Brauer, Bürgermeister Martens (Neuhaus)

Bürgermeister Hubert (Osten), Vorgänger Wichmann 

Grußwort: Bürgermeister Neumann, Hechthausen

Der Info-Stand der AG Osteland

Heimatforscherin Gisela Tiedemann-Wingst

CDU-MdB Reinhard Grindel (r.), Rotenburg/Wümme

Ostener Ratsfrau Heinsohn (r.) am Info-Stand

Gruppenbild: Preisträger, Schirmherren, Veranstalter

Viel Applaus für die Preisträger

"Jazz-Duo & Friends" umrahmte die Veranstaltung

Die Center-Buchhandlung mit Oste-Literatur

Federführend: der Osteland-AK Kultur/Natur 


Das Jahr 
an der Oste
Festvortrag von Jochen Bölsche
2. Vorsitzender der AG Osteland e. V.

Moin, moin, meine Damen und Herren, liebe Freunde des Ostelandes, 

das Jahr 2004 war ein gutes Jahr für die Oste – ein Jahr des Aufbruchs. Ein vergessener Fluß, so urteilen nicht nur örtliche Zeitungen, sei „aus dem Dornröschenschlaf erwacht“. Sogar im fernen Hamburg hat man erkannt, dass die Oste – ich zitiere das „Abendblatt“ – „zu Unrecht nur relativ wenig bekannt“ ist.

Nun, was ist geschehen? Auch an der Oste, die ja aufgrund ihrer Randlage im Grenzgebiet von Landkreisen lange Zeit irgendwie im toten Winkel verlief, hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass man nicht Gebietskörperschaften wie Samtgemeinden oder Landkreise touristisch vermarkten kann, sondern nur natürliche Landschaften – also in diesem Fall das gesamte wunderschöne Osteland von den Fischotter- und Eisvogeltälern im Oberlauf bis zu den Seehundbänken an der Mündung, diese Region zwischen Moor und Meer, die sich durch ihre natürliche Vielfalt ebenso auszeichnet wie durch ihre kulturelle Einzigartigkeit; die Oste ist schliesslich auch der Fluss von Peter Rühmkorf und Walter Kempowski.


Landtagsabgeordnete McAllister, Johannßen

Wie stark inzwischen dieser Trend – weg vom Kirchturmdenken, hin zur überörtlichen Zusammenarbeit – geworden ist, hat vor allem die im Januar 2004 gegründete AG Osteland e.V. erfahren: Binnen weniger Monate haben allein an der Oste sechs Samtgemeinderäte und ein Stadtrat aus drei Landkreisen jeweils einstimmig ihren Beitritt beschlossen.

Und zugleich hat sich die Zahl der Einzelmitglieder der AG Osteland seit der Gründung mehr als verdreifacht, darunter erfreulich viele Vereinsvorsitzende aus Wassersport und Heimatpflege, Sportangeln und Kultur, Touristik und Kommunalpolitik, denen der Jahresbeitrag in Höhe von 10 Euro nicht zu hoch ist. 

Der erste große Erfolg dieses neuen Denkens war im Mai 2004 die Eröffnung der 250 Kilometer langen Deutschen Fährstraße, die von der Oste zur Ostsee führt und die Geschichte der Gewässerquerungen erlebbar macht – ein „Musterbeispiel länderübergreifender Zusammenarbeit“, wie die Kieler Landesregierung damals in ihrem Grußwort hervorhob.

Mittlerweile wird die jüngste deutsche Ferienstraße nicht nur von uns selber mit Flyern, Großplakaten, Messeauftritten, einer eigenen Website und neuerdings auch Ansichtskartenserien beworben, sondern auch von unseren Kooperationspartnern in Niedersachsen und Schleswig-Holstein und, seit dieser Woche, aus Anlass der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, auch von der Deutschen Zentrale für Tourismus. In ihrem Programm „Deutschland Top 50“ weist die DZT im Internet in zwölf Sprachen auf die Deutsche Fährstraße hin – das ist sozusagen der Ritterschlag für unser Projekt.

Solche Resonanz verpflichtet natürlich zur Weiterarbeit am Produkt, das laut einer Diplomarbeit der Uni Kiel Chancen bietet, „ein sehr erfolgreiches Projekt“ zu werden, aber noch verbesserungsbedürftig ist. 

So steht die Ausschilderung der Fahrradroute an der Oste nun zwar vor dem Abschluß, aber die Autoroute harrt noch der Beschilderung. Zwar haben mehrere Kommunen und Verbände die Route in ihre Karten aufgenommen, aber das Angebot an Werbematerial, das dank des Hauptsponspors, der Volksbanken, aufgebaut werden konnte, muss erweitert werden. Zwar gibt es die ersten Pauschalreisen – Pionier ist hier der ADFC-Kreis Cuxhaven –, aber sehr viel mehr Angebote dieser Art wären wünschenswert. Zwar hat die Oste-Fahrgastschifffahrt 2004 einen erfreulichen Aufschwung erlebt, aber es fehlt noch an geeigneten Anlegern, etwa in Balje und Hemmoor, in Großenwörden und in Klint. 

Ein zweiter großer Erfolg der Zusammenarbeit entlang der Oste bahnt sich an rund um die Fähren, die diesen Fluß so unverwechselbar machen. Die  Maritime Landschaft Unterelbe hat sich 2004 der Erhaltung der Prahmfähren angenommen. Und die Bundesregierung hat die älteste deutsche Schwebefähre, das überragende Wahrzeichen des gesamten Ostelandes, im Frühjahr 2004 in den Rang eines Baudenkmals von nationaler kultureller Bedeutung erhoben. Mit einer großen Kraftanstrengung hat sich der Kreis Cuxhaven bemüht, seiner Verantwortung als Eigentümer dieses einzigartigen Baudenkmals gerecht zu werden, für dessen Erhaltung sich sogar der spanische König Juan Carlos I. als Ehrenpräsident des Schwebefähren-Weltverbandes eingesetzt hat. Mit der Wiederinbetriebnahme wird, nach allerdings fast vierjährigem Stillstand, für den Spätsommer dieses Jahres gerechnet.

Ebenso wichtig wie die technische Instandsetzung des Baudenkmals ist seine touristische Inwertsetzung. Dazu zählt die Einrichtung eines kleinen Besucherzentrums mit Fährausstellung ebenso wie, nach dem Vorbild ausländischer Schwebefähren, eine Illuminierung der Anlage. Nachdem die Verkabelung von privater Seite bereits finanziert worden, soll eine Spendensammlung hier und heute dazu beitragen, die noch fehlenden Scheinwerfer zu beschaffen, um das Wahrzeichen des Ostelandes bei seiner Wiederinbetriebnahme ins rechte Licht setzen zu können.

Vielleicht gelingt es uns sogar eines Tages, unseren „Eiffelturm des Nordens“ so ansprechend herzurichten und so schlüssig in touristische und pädagogische Konzepte einzubauen, dass die Bundesrepublik die Schwebefähre für das Weltkulturerbe der Unesco vorschlagen kann. Einen entsprechenden Beschluß für unsere „Schwesterfähre“ in Spanien hat die baskische Regionalregierung bereits vor kurzem verabschiedet. 

Ein weiterer Erfolg interkommunaler Zusammenarbeit im Osteland zeichnet sich ab mit dem Start des „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts“ Kehdingen-Oste (ILEK), das, ersonnen in den Rathäusern von Nordkehdingen und Drochtersen, von Heiner Ehlen, dem Minister für den ländlichen Raum, jüngst auf den Weg gebracht worden ist. 

Auch der Arbeitskreis Kommunalpolitik der AG Osteland sieht in ILEK ein gutes Instrument, die Erfordernisse von Landwirtschaft, Tourismus, Denkmalschutz und Dorferneuerung im Land zwischen Oste und Elbe abzustimmen und durchzusetzen. Das Ilek-Verfahren könnte vor allem helfen, den Nachholbedarf abzubauen, der an der Unteren Oste gegenüber der Oberen Oste entstanden  ist. 

Denn in vielfacher Hinsicht können die Aktivitäten der Tourow-Touristiker an der Oberen Oste Vorbild sein für notwendige Entwicklungen im Tidebereich des Flusses. Hingewiesen sei nur auf beispielhaft dichte Radwegebeschilderung im Kreis Rotenburg, auf die Informationstafeln, Rastplätze und Schutzhütten an der Oste, auf das Bemühen um Förderung und naturverträgliche Lenkung des Kanusports durch Befahrensregelungen, auf den hervorragend konzipierten und vermarkteten Radweg „Naturerlebnis Elbe-Weser-Dreieck“ und auf die am 16. April bevorstehende Eröffnung des Radwanderweges Hamburg – Bremen, der die Oste bei Sittensen queren wird. 

Damit die Untere Oste aufschließen kann, sind viele kleine Schritte nötig, wie sie erfreulicherweise seit Monaten überall am Fluss erörtert werden. 

Genannt seien beispielhaft die Bestrebungen in Kehdingen, das Natureum mit seinem vielfältigen, kreativ gestalteten Programm besser durch die Fahrgastschifffahrt zu erschließen; 

die Ambitionen des Fleckens Neuhaus, sich verstärkt als Drehscheibe des Wassersports an der Ostemündung zu profilieren; 

die Beharrlichkeit, mit der Oberndorf Bordtrauungen auf der Oste durchgesetzt hat; 

die Hemmoorer Pläne, das vakante Bahnhofsgebäude unter anderem als Info-Zentrum für das Osteland zu nutzen, nach dem Vorbild der gemeinsamen Gäste-Information von Nordkehdingen und Drochtersen

die gute Idee der Kirchengemeinde Osten, den Fluß und die Fähre auf dem Evangelischen Kirchentag in Hannover zu präsentieren; 

die pfiffigen Großenwördener Pläne, die Moorkieker-Bahn durch einen zusätzlichen Haltepunkt und einen Gemeindeanleger auch an den Ostetourismus anzubinden; 

die Hechthausener Überlegungen, das Ferienangebot in Klint durch einen Badesee zu ergänzen; 

der gelungene gemeinsame Internetauftritt der Touristiker in Himmelpforten und Oldendorf, die zu den ersten gehört haben, die eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit praktiziert haben; 

die Bemühungen in Gräpel, die Traditionen der Osteschiffer wachzuhalten - und sicherlich vieles andere mehr.

Unabdingbare Voraussetzung für jeglichen Tourismus in der Osteregion ist natürlich eine attraktive Gastronomie, die, vor allem, wenn sie typische Gerichte offeriert – Stichworte: Krabben, Aal, Stint – den Reiz unserer Region erhöht. Erfreulicherweise haben erste Betriebe bereits begonnen, Hinweise auf die Deutsche Fährstraße in ihre Selbstdarstellung, zum Beispiel im Internet, einzubeziehen.

Profitieren könnte von einer verstärkten Werbung für den Fluß vor allem auch der Wassersport in seinen verschiedenen Ausprägungen, einschließlich des Wasserski-Angebots am Ostesee, der Bootsvermietungen in Hechthausen und des Tauchreviers am Kreidesee in Hemmoor, das kürzlich als beste Tauchbasis im deutschsprachigen Bereich ausgezeichnet worden ist.

Wenn die internationale Fachzeitschrift „Sejleren’s“ die Oste über mehrere Seiten hinweg heute als „Kleinod für Wassersportler“ rühmt, ist das vor allem den Wassersportclubs an der Oste zu verdanken, deren Gastfreundschaft sprichwörtlich ist. Auch große wassersportliche Veranstaltungen wie der „Oste-Marathon“ der Wasserfreunde Hemmoor (seit über 30 Jahren!) oder die Osteregatten der Seglergemeinschaft Oberndorf genießen bekanntlich einen vorzüglichen Ruf.

Nicht minder verdient gemacht haben sich um die Oste allerdings die Sportfischer mit ihrem Jahrzehnte langen Engagement für den Artenschutz. Gerade an dem einstigen Kaviarfluß Oste, wo menschliche Unvernunft vor 100 Jahren den Stör ausgerottet hat, haben Sportfischer nicht nur Nordseeschnäpel, Quappe und Meerforelle wieder angesiedelt, sondern auch den Lachs, den König der Fische, so dass die Zeitschrift „Fischwaid“ die Oste zu Recht als „Lachsfluss Nr. 1“ bezeichnet.

Diese Sportfischer – stille Helden des Alltags, über die wir heute noch einiges mehr hören werden – haben begriffen, wie wichtig es ist, das Naturpotential der Oste zu bewahren, und das nicht nur deshalb, weil dessen schonende, nachhaltige Nutzung zu den wenigen Entwicklungschancen unserer strukturschwachen Region zählt.

Um so erfreulicher ist es auch, dass bei Volkensen dank eines bundesweit einmaligen Projekts der fast ausgestorbene Laubfrosch wieder angesiedelt werden konnte, dass im Tister Moor Tausende von Kranischen heimisch sind und dass an der Ostemündung seit vorigem Jahr der Seeadler wieder heimisch ist - ein Erfolg der Ausweisung großflächiger Naturschutzgebiete, die in diesem Fall dazu beitragen hat, dass „Niedersachsen wieder ein Stück reicher geworden ist“, wie der hannoversche Umweltminister Hans-Heinrich Sander zu Recht den Wiederansiedlungserfolg an der Oste kommentiert hat.

Aus solchen Gründen sehen wir uns daher als Verbündete jener neuen Generation aufgeschlossener Landwirte, die nach den Beobachtungen der Sportfischer zum Beispiel die Anlage von Gewässerschutzstreifen unterstützen und die nicht nur Konflikte, sondern mehr und mehr Schnitt-mengen zwischen Landwirtschaft, Landschaftspflege und Landschaftsschutz sehen. Wie kürzlich eine Untersuchung des Diplom-Geographen Ralf Baur an der mittleren Oste ergeben hat, sind immerhin 49 von 64 befragten Hofbesitzern bereit, sich am Vertragsnaturschutz zu beteiligen. Das sind ermutigende Signale.

Ebenso begrüßenswert ist das neu erwachte Interesse an der Heimatgeschichte des Ostelandes. Nachdem vor Jahren bereits im Fischerhuder Verlag Atelier im Bauernhaus von Wolf-Dietmar Stock der Natur- und Reiseführer  „Unterwegs zwischen Moor und Heide“ erschienen ist – ein wahres Juwel von einem Buch -, folgte zum Jahreswechsel 2003/2004 im Verlag der Männer vom Morgenstern der ebenso erfolgreiche Band „Die Oste“ mit exzellenten Beiträgen so renommierter Fachleute wie Elfriede Bachmann, Gisela Tiedemann, August Heinrich von Brook, Amandus Ahlf, Heinz Behrens und Holger Kuhne.

Hinzu gekommen sind im vorigen Jahr beachtenswerte Einzelstudien über die Osteschifffahrt (vom Gräpeler Schifferverein Freundschaft von 1904) oder über die jüdischen Gemeinden an der Unteren Oste (von Manfred und Rüdiger Toborg aus Osten). Der Bewältigung der düsteren Seiten unserer Regionalgeschichte hat sicherlich auch die Debatte um das Gedenken an die Opfer des Lagers Sandbostel gedient, wo die Beteiligten den Weg zu einer gemeinsamen Lösung beschritten haben. 

Den stärksten Einfluss auf das neue „Oste-Bewußtsein“, das zur Zeit überall aufkeimt, haben sicherlich die Medien. Genannt sei hier die Oste-Berichterstattung der Heimatpresse von Zeven bis Otterndorf, aber auch der 2004 mehrfach wiederholte wunderbare ARD-Film über die Oste.

Und erwähnt sei schließlich auch das Engagement heimischer Künstler: Nikolaus Ruhl, Schöpfer der wohl schönsten Oste-Fotos, sein Kollege Mike Behrens, der für uns den „Goldenen Hecht“ geschaffen hat, oder der Schauspieler Ernst Reinhardt, bekannt als Lilo Wanders, der gerade erst in der Bremervörder Zeitung mit einer „Hommage an die Oste“ zu Wort gekommen ist hat, und, allen voran, die Schriftstellerin Elke Loewe, die in ihrem literarischen Werk dem  Osteland ein Denkmal gesetzt hat. 

Eine Hoffnung, eine Vision zum Schluss: So wie wir heute zusammengekommen sind, über Vereins- und Parteigrenzen, über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg, lassen Sie uns gemeinsam weiterarbeiten - dafür, dass das Wort Osteland eines Tages zum Markenzeichen wird für eine gastfreundliche Region mit eigenem Zauber, deren Menschen das Naturpotential dieser Flußlandschaft nicht zuletzt deshalb schützen, um sie nutzen zu können.



Ehrenamtliche bewältigten am "Tag der Oste"... 

... auch die Auf- und Abbauarbeiten.

Ein Transparent warb für den "Tag der Oste"