
| Holger Kuhne
Grönlandfahrer von der Oste Grönlandfahrt ist hauptsächlich von den großen Handelsplätzen in England, Niederlanden und von Hamburg aus betrieben worden, die mit ihrem Kapital, Werften und Ausrüstungsmöglichkeiten dieses Gewerbe maßgeblich beeinflußt haben. Die Grönlandfahrt wurde auch immer wieder von kleinen Hafenplätzen, besonders auch von der Unterelbe aus, betrieben. Dies waren, um einige zu nennen, auf der holsteinischen Seite Brunsbüttel, Beidenfleth, Elmshorn, Glückstadt, Itzehoe, Kollmar, Uetersen und auf der hannoverschen Seite Stade und an der Oste Geversdorf und Osten. Es gibt heute nur wenige Spuren, die darauf hinweisen, daß es auch an der Niederelbe und speziell an der Oste Grönlandfahrer gegeben hat. Im Museum in Geversdorf an der Oste kann man einen Rückenwirbel eines Wales besichtigen. Er wurde bei Baggerarbeiten 1961 oder 1962 an der Oste gefunden. Mündlich ist überliefert, daß vor dem Ersten Weltkrieg in Geversdorf ein Tor aus Walkieferknochen auf dem Deich gestanden hat. Andere Quellen berichten von einem Heckpfahl aus Walknochen. Auf dem Kirchhof in Geversdorf steht ein Grabstein des Grönlandreeders Johann Thumann sen. Im Kranichhaus in Otterndorf werden Speckmesser und Harpunen aufbewahrt, deren Herkunft nicht mehr festzustellen ist. Die Kommandeure, Steuerleute, Harpuniere und Speckschneider
auf den deutschen Walfängern kamen überwiegend von den Nord-
und Ostfriesischen Inseln. Aus den elbabwärts von Hamburg gelegenen
Gebieten fuhren jedoch viele Besatzungsmitglieder auf den Grönlandfahrern
aus Hamburg und Altona. Dieses macht eine Aufstellung aus dem Jahre 1775
deutlich. Besatzungsmitglieder auf Hamburger Walfängern linkselbisch:
Insgesamt stammten also 290 Seefahrer (16%) aus diesen Gebieten. 277 dienten als Matrosen und nur 13 hatten eine höhere Position, und zwar 4 Harpuniere, 3 Schiemänner, 3 Bootsleute, 2 Schiffsköche und l Speckschneider. Aus den rechtselbischen Gebieten kamen in diesem Jahr 277 Seefahrer. Weiter wird dazu geschrieben: "Im Gegensatz zu den rechtselbischen Gebieten blieben die Rekrutierungsschwerpunkte (für Hamburg) auf der linken Seite der Elbe weiter bestehen. Insgesamt konnten sie ihre Anteilswerte steigern und damit die durch den Ausfall der rechtselbischen Sseeleute entstandene Bedarfslücke ausfüllen. So kamen 1795 aus Stade und Umgebung (Bützfleth, Himmelpforten, Twielenfleth, Engelschoff u.a.) 158 Seeleute, die damit ihren Anteil von 9% im Jahre 1775 auf jetzt 18% ausbauten. Ebenso konnten die Seefahrer aus Drochtersen und Cuxhaven mit den umliegenden Gebieten ihre Anteilswerte an der Hamburger Grönlandfahrt von 6% auf 10% steigern." Zuwachsraten lassen sich auch für die Einzugsbereiche an der Weser nachweisen. So heuerten aus der Umgebung von Bremerhaven - hier kristallisierte sich Spaden als Schwerpunkt heraus - und aus Bremen und Umgebung (Altenesch usw.) insgesamt 103 Seeleute in Hamburg an, die damit ihren Anteil im Vergleich zu 1775 von 5% auf 12% erweitern konnten. Auffällig dabei ist auch, daß aus diesen Weserbezirken eine relativ hohe Zahl von qualifizierten Besatzungsmitgliedern ausgehoben wurde: l Kommandeur, 3 Steuerleute, 4 Harpuniers, 3 Speckschneider, 2 Köche, l Bootsmann und l Schiemann. 1820 fuhren nur noch 4 Seeleute aus Spaden auf Hamburger Grönlandfahrern. Auch war 1820 der Anteil der linkselbischen Seefahrer am Hamburger Walfang von 28% (1795) auf 18% (82 Seeleute) gesunken. Die Initiative für den Walfang und Robbenschlag ins Nordmeer ging an der Oste von der Familie Thumann aus. Sie war in Otterndorf, Neuhaus und Geversdorf ansäßig. Johann Thumann in Geversdorf hat durch Kriegslieferungen an die Hannoversche "Königliche Kriegs-Canzeley" ein beträchtliches Vermögen erworben. Er wird sonst als Kornhändler bezeichet, Regierungsrat von Bülow von der Landdrostei in Stade hält ihn für "ein(en) schlimmer(n) Vogel, der gern einen übermäßigen Profit nimt, so muß man ihm desto mehr auf die Finger sehen". 1766 hat er ein Schiff, der Ost Strom, de oost Stroom oder Der Osten Strohm genannt, für den Walfang ausgerüstet. Dafür wurde ein Kapital von 20.000 Rthlr. aufgebracht. Thumann war Geschäftsführer (Directeur) und wahrscheinlich Hauptaktionär. Die meisten Aktionäre kamen aus der Gegend. Es waren meistens wohlhabende Marschbauern, die ihr Geld gewinnbringend anlegen wollten. Die Anteile wurden, wie damals bei Schiffsfinazierungen üblich, als 1/4, 1/8 , 1/16 oder 1/32 Parten ausgegeben. Ludwig Brinner, einer der ersten, die sich wissenschaftlich mit Walfang befaßt hat, vermutet, daß vielleicht auch der Hamburger Hermann Govert Gerhardson, der als "Kommisionär" bezeichnet wurde, beteiligt war. Es beteiligten sich auch einige Adlige an dem Unternehmen, unter diesen war auch Regierungsrat von Bülow. Das Schiff, über dessen Bauart nichts mehr bekannt ist, war im Frühjahr 1766 in Amsterdam gekauft und in den Hafen von Neuhaus an der Oste gelegt worden, wahrscheinlich um es auf der dort vorhandenen Werft instand zu setzen. In diesem Jahr ist es vermutlich nicht mehr nach Grönland ausgefahren. Die Landdrostei in Stade mißtraute Johann Thumann und man wollte deshalb fünf oder sechs "Dierecteurs" als Rechnungsprüfer einsetzen. Dieses ist aber anscheinend nicht gelungen, denn es gab jährlich wiederkehrende Klagen, daß Thumann zu späte oder unvollständige Abrechnungen vorlegte. Thumann erhielt für seine Buchführung 8% des Segens (Fanges). Der Ankauf des Schiffes war nach Ansicht des Regiergsrats von Bülow zu teuer gewesen. Dafür spricht, daß die Zahl der geplanten 50 Aktionäre auf 200 gestiegen, und das Schiff in Amsterdam ohne Fleet gekauft worden war. Die erste Ausfahrt nach Grönland war der 16. April 1767. Der Kommandeur war bis zum Jahre 1772 Jan Adriansen Breed(t). Der Oste Strom war am 1. September 1767 mit dem Fang eines halben "Walfischs" glücklich heimgekehrt. Die Tranausbeute betrug 53 "Vaten". Die Tonne Tran wurde in diesem Jahr mit 45 Mk. "Hamburger Geld" gerechnet. Regierungsrat von Bülow rechnete als laufende Kosten:
Rechnet man also nur die Kosten für die Mannschaft von 5500 Mk. gegen die angegebene Einnahme von 4050 Mk., so muß diese Ausfahrt ein geschäftlicher Mißerfolg gewesen sein. Der Wal wurde zusammen mit einem holländischen Walfänger erlegt. Nach dem Fang des halben Wals entschloß sich der Kommandeur, weil er noch genügend Proviant hatte, zum Weygath zu segeln. Er erhoffte dort noch Wale zu erlegen. Anscheinend hatte er aber nichts mehr gefangen. Ob auch Robben geschlagen oder Walrosse erlegt wurden, darüber ist nichts bekannt. Als Grund für den schlechten Fang 1767 wurde der anhaltende Nordwind genannt. Wegen der schlechten Frachtenlage in diesem Jahre wurden keine Frachtreisen zwischen Herbst und Frühjahr gemacht. Solche Reisen wurden manchmal gemacht, um die Winterliegezeit zu verkürzen oder zu überbrücken. Der Tran wurde in Hamburg ausgebrannt. Die Landdrostei in Stade bedauert dies sehr und schreibt zu diesem Thema: "Es ist schade, daß die Anlegung der Thran Brennerey an einem oder anderen Orte sich noch nicht hat fügen wollen, um auch Profit hievon im Lande zu behalten". Mit der Abrechnung des Fanges ließ sich der "Directeur" viel Zeit. Es wurde der Verdacht geäußert, daß Thumann den Fangerlös für seinen Kornhandel mißbrauchte. Im 1768 machte Der Oste Strom die zweite Reise nach Grönland. Sie ging vom 30. März bis zum 3. September. Es wurde ein "glückliches" Ergebnis: 7 1/4 Wale wurden gefangen. Die Ausbeute daraus betrug 122 Quardelen Speck und 3100 Pfund Barten. Wegen des guten Fanges gewährte der König (Hannover) am 21. Oktober 1768 ein Geldgeschenk von 20 Pistolen. Das Geld wurde "unter dem Commandeur und den übrigen Officiers" verteilt. Den Erlös aus Tran und Barten schätzte Thumann auf 21915 Luisdor. Die Dividende betrug pro Aktie 50 - 60% des Einlagewertes. Der Kommandeur und die Mannschaft erhielten zusammen eine Heuer von 3915 Luisdor. Auf dieser Reise waren einige Leute gestorben, und man war mit vielen kranken Leuten auf der Elbe angekommen. Die geschäftliche Führung durch Thumann muß so undurchsichtig gewesen sein, daß sich die Aktionäre ohne sein Wissen schriftlich untereinander über die Auflösung der Aktiengesellschaft und den Verkauf des Schiffes ausgetauscht hatten. Der Gesellschaftsvertrag war anscheinend aber auf sechs Jahre abgeschlossen worden. Einige Anteilseigner haben dann ihre Aktien unter der Hand verkauft und sich auf diese Art von der Gesellschaft getrennt. Im Frühjahr 1769 war der Walfänger wieder nach Grönland ausgefahren. Die Rückkehr war 18. August. Der Fang, der als "nicht beträchtlich" bezeichnet wurde, betrug 3 1/2 "Fische". Daraus wurden 121 1/2 Tonnen Tran und 2921 Pfund Barten gewonnen. Der Erlös wurde auf 7000 Rthlr geschätzt. "Directeur" Thumann rechnete mit einer Dividende von 5,8%. Der Regierungsrat von Bülow in Stade war immer noch über Thumanns Rechnungsführung verärgert, sprach sich aber für eine Fortsetzung des Walfangunternehmens aus. Die nächste Ausfahrt nach war im Jahre 1770. Der Oste Strom kehrte am 14. August mit einem Fang von 4 1/4 Walen zurück. Das ergab 268 Quardelen Speck und 7164 Pfund Barten. Im Frühjahr 1771 ging die nächste Reise nach Grönland. Kommandeur war wieder J. A. Breedt. Die Heimkehr war dieses Jahr später und zwar am 2. September. Das Wetter war dieses Jahr für den Walfang nicht günstig, dazu folgende Bemerkung: "Durch beständige S. und SW Winde und Nebell war die Fischerey sehr schlecht." Der Fang betrug 1 1/3 Wale. Daraus wurden 66 Quardelen Speck gewonnen. In diesem Jahr wurde der Fang an der Oste in Geversdorf gelöscht. Der Speck wurde dann mit kleineren Schiffen zum Tranbrennen nach Hamburg gebracht. Thumann wollte mit dieser Maßnahme wahrscheinlich den Hamburger Zoll umgehen. Die früheren Fänge wurden von dem Grönlandfahrer selbst nach Hamburg gebracht. Für die Annahme, daß in diesem Jahr eine Tranbrennerei in Geversdorf errichtet wurde, gibt es keine konkreten Hinweise. Aus der Anlandung des Walspecks und der Barten in Geversdorf entwickelte sich ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Thumann und der Stader Regierung einerseits und dem Hamburger Senat andererseits. Am 15. Juni 1772 richtete Thumann über die Landdrostei (Regierung) in Stade eine Beschwerde an den Bürgermeister und den Rat von Hamburg. Dazu folgendes: Der Hamburger Kaufmann und Reeder Hermann Goverts Geradson,
"Commissionaire" für Thumann, hatte für das Jahr 1771 31 Mark
Weiter zu diesem Thema: "Der eingebrachte Speck wurde in der Hamburger Tranbrennerei ausgebrannt, weshalb Thumann 5 Taler Schiffgeld und 4 Taler Fischgeld (für jeden Wal) bezahlen mußte. 1772 weigerte er sich, diese Abgabe zu leisten, beschwerte sich bei der Regierung in Stade, führte unter anderem an, die Glückstädter brauchten diese Gebühr ebenfalls nicht zu entrichten und drückte schließlich seine Verwunderung über die 'Prätensionen' der Hamburger aus, die doch in ihren eigenen Schiffen alles zollfrei bei Stade vorbeiführen dürften. Hamburg erwiderte auf die erhobenen Vorstellungen, die Glückstädter brauchten zwar diese Abgaben nicht zu erlegen, weil sie die Tranbrennerei in Hamburg nicht in Anspruch nehmen, müßten aber dafür den dort eingebrachten Tran mit l Mk 3 1/2 ß Spezies, das Fischbein mit 3/4 Prozent verzollen, was wiederum die das Schiff- und Fischgeld zahlenden Altonaer und anderen Fremden nicht nötig hätten. Hierbei beruhigten sich Thumann und seine Regierung nicht, und noch 1775 wurden deswegen Schreiben gewechselt. Da ließ der Hamburger Rat dem Geversdorfer die Wahl, sich für die eine oder die andere Art der Abgabenzahlung zu entscheiden und verhehlte nicht, in dem letzten über diese Angelegenheit handelnden Schriftstück darauf aufmerksam zu machen, daß 'nach angestellter genauer Untersuchung aufzumachender Rechnung sich deutlich ergeben werde, daß er (Thumann) keineswegs etwas als zu viel bezahlet zurück verlangen könne, sondern vielmehr dem hiesigen Zollen wegen anhergebrachter Waaren ein weit größeres Quantum zu vergüten habe'." Die nächste Ausfahrt nach Grönland erfolgte 1772. Das war die letzte Reise mit Kommandeur Jan Adriansen Breedt. Der Fang war gut, und zwar 5 1/4 Wale. Die Ausbeute war 281 Quardele Speck und 7225 Pfund Barten. Auch dieser Fang wurde an der Oste gelöscht. Die Barten wurden im nächsten Frühjahr nach Hamburg gebracht. Dazu folgende Notiz: "Hamburg d: 10 Martz 1773
Jan Adriansen Breedt war danach von 1773 bis 1781 Kommandeur auf dem Hamburger Walfänger De Twe Gesüster. Breedt kam anscheinend nicht aus Nordfriesland. Seine Besatzungen auf diesem Schiff kamen zum großen Teil von Föhr. Die Fangergebnisse in diesen Jahren entsprachen dem Durchschnitt. Im Frühjahr 1773 fuhr Der Oste Strom mit einem neuen Kommandeur, J. Teunies, aus. Das Schiff kehrte am 16.September mit einem halben Wal zurück. Daraus wurden 30 Quardelen Speck gewonnen. Die Ausfahrt 1774 erfolgte wieder unter Kommandeur J. Teunies. Der Fang war mit 3 1/2 Walen besser als im Vorjahr. Das Ergebnis waren 120 Quardelen Speck, die ausgebrannt 177 Quardelen Tran erbrachten. Die Heimkehr war am 7. August. 1775 kehrte das Schiff am 2. September "ledig" von Grönland zurück. Kommandeur war wieder J. Teunies. Wahrscheinlich wegen der schlechten Fangergebnisse von J. Teunies fuhr 1776 ein neuer Kommandeur, C. Christoffersen sen., mit dem Schiff nach Grönland. Er kehrte am 17. August mit 4 Walen, aber nur 37 Quardelen Speck gleich 68 Quardelen Tran zurück. 1777 war die letzte nachweisbare Reise des Oste Strom nach Grönland. Kommandeur war, wie im Vorjahr wieder C. Christoffersensen. Die Ausbeute waren l 1/2 Wale. Daraus wurden nur 15 Quardelen Speck geschnitten, die 20 Quardelen Tran ergaben. Der Kommentar zu diesem Fangjahr war: "Die Schiffe so auf niedrige Graden besetzt im Eis geblieben, sind bis zum Statenhoek (Ostgrönland) getrieben, da eins nach dem anderen verunglückt." Diese Eisverhältnisse werden auch durch Aufzeichnungen bestätigt. Die schlechten Fangergebnisse unter den letzten beiden Kommandeuren J. Teunies und C. Christoffersen sen. von 1773 bis 1777 mögen dazu geführt haben, den Walfang mit dem Oste Strom aufzugeben. Wahrscheinlich war dies auf Druck der Aktionäre geschehen, denn Thumann als "Directeur" und Reeder konnte gewiß auch aus der Bereederung einen Gewinn erzielen, z. B. aus Ein- und Verkauf von Proviant und Ausrüstung u.s.w. Von den 11 Ausfahrten der Oste Strom von 1767 bis 1777 wurden 1336 1/2 Quardelen Tran und 17310 Pfund Barten zurückgebracht. Der Ertrag an Barten war nachweisbar höher. Der schon vorher erwähnte Ludwig Brinner meinte der Fang des Schiffes sei gering. Im Vergleich mit den Fangergebnissen von Glückstadt und Altona in diesen Jahren lag der Fang mit im Durchschnitt 121 Quardelen Tran pro Jahr höher als der durchschnittliche Fang der Schiffe aus diesen Häfen. Über den weiteren Einsatz dieses Walfängers ist nichts bekannt. Es ist wahrscheinlich als Frachtschiff zurück nach Holland verkauft worden. Die Fänge des Oste Strom zusammengefaßt:
Eine Tranbrennerei hat es in Geversdorf gegeben. Sie wurde wahrscheinlich vor 1800 errichtet. Zuerst war sie im Dorf, später außerhalb des Dorfes im Außendeichgebiet am Schleusenpriel, wohl wegen der Geruchsbelästigung und der längeren Transportwege ins Dorf. Am 10. September 1820 wollte "Madam" Thumann Ackerland bei der Tranbrennerei in Geversdorf verkaufen. Thumann erhielt 1764 vom Deichverband die Genehmigung, den Schleusenpriel mit einem Bollwerk zu versehen. Dort legten mit Korn beladene Schiffe an. Dieser Platz wurde wahrscheinlich auch von den Grönlandfahrern benutzt und diente wohl auch als Winterliegeplatz. Zwischen 1777 und 1818 sind die Quellen über die Grönlandfahrt von der Oste nicht sehr ergiebig. Sicher ist, daß in diesem Zeitraum Schiffe nach Grönland ausgefahren sind. Die Kaufleute Ahrens & Ulex in Neuhaus planten damals (1788) die Ausrüstung eines Schiffes auf den Walfang und suchten nach Teilnehmern und Aktienzeichnern. Das Commerzkolleg ermunterte sie zu diesem Unternehmen durch noch weit über die Verordnung von 1788 hinausgehende Versprechungen. Aber mit solchen allein konnte man Schiffbau und Reederei nicht ins Leben rufen. Wie Ahrens & Ulex klagten, fehlte es an einem geschickten Zimmermeister, an geeigneter Werft, an Holz und Baumaterialien. Das musste alles erst verschrieben werden, und die hohen Preise schreckten die Unternehmer ab. Dabei blieb es dann. Es wird noch ein weiteres Unternehmen aus dem Dorf Osten erwähnt: "1799 gründeten einige Kaufleute und Bauern in Osten eine Reederei mit einem Kapital von 20.000 Thlr. und rüsteten ein Schiff mit 40 Mann Besatzung für die Fahrt ins nördliche Eismeer aus. Am 4. 4. 1800 fuhr es die Oste hinunter und kehrte am 27. 7. 1800 mit reicher Ladung an Tran, Barten und Robbenfellen zurück. Leider blieb es wegen der napoleonischen Wirren bei dieser einzigen Reise des Schiffes." Den Reedern soll ein Gewinn von 20% ausgezahlt worden sein. Leider konnten keine schriftliche Belege aus dieser Zeit gefunden werden. Durch die schon eben erwähnten napoleonischen Wirren ist der Walfang zum Erliegen gekommen. Dies geht auch aus einem Schreiben aus dem Jahre 1814 von Hinr. Joh. und A. Thumann an das Amt Neuhaus a./d. Oste hervor. Sie wollen keine Transportabggabe für ihre beiden Grönlandfahrer bezahlen, die seit 7 Jahren aufliegen und für Truppentransporte auf der Elbe ungeeignet sind. Sie wollen aber ihre drei übrigen Fahrzeuge (Ever) gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. 1814 faßte Johann Thumann, jetzt Junior, wieder Mut ein Schiff nach Grönland auszuschicken. Dazu folgende Anzeige: "Zu verkaufen Ich bin gesonnen,die mir an den im Neuhäuser und Geversdorfer Hafen liegenden Grönlandfahrer, Die Freundschaft und Catharina Elisabeth genannt, zustehende 4te Theile entweder in Actien oder im Ganzen öffentlich zu verkaufen und lade Kauflustige damit ein, am 26. März dieses Jahres, Morgens um 10 Uhr in des Gastwirths Horeis Hause zu Neuhaus an der Oste sich einzufinden und die Bedingungen zu vernehmen, wobey hiermit zur Nachricht dient, daß das Schiff, Die Freundschaft, noch diesen Frühling ausgehen soll und zu solchem Zwecke bereits ausgerüstet wird, und vielleicht auch noch das Andere. Neuhaus an der Ost, den 7ten März 1814. / Johann Thumann." Ob es dazu gekommen ist, ist nicht belegt. Der Grönlandfahrer Catharina Elisabeth war mit 229 Kaufmannslasten vermessen. ![]() Wahrscheinlich war die Familie Thumann durch die napoleonischen Wirren in Konkurs geraten. Dafür sprechen zahlreiche Verkaufsanzeigen von Häusern und Grundstücken im Stader "Intelligenz Blatt". Familie Thumann beschloß das Schiff Die Freundschaft nicht aufzugeben. Johann Thumann jun. kaufte 1818 die Brigg von 130 Last für 24.000 Mark für eine Partenreederei, deren "Directeur" er wurde. "Ihr Vermögen bestand aus 40 Aktien a 500 Reichstaler (=1500 Mark). 22 Aktien behielt die Fanilie Thumann, davon 13 1/2 der Bürgermeister Claus Thumann Otterndorf, 6 2/3 Johann Thumann jun. und zwei die Ehefrau von Johann Thumann sen., die restlichen übernahmen die Hofbesitzer J. Schmoldt, Niendick (5), J. F. Kemme, Wiese (2), C. Mahler, Balje (2), J. Tamm, Bentwisch (2), Ph. Tamm, Altenbruch (2), J.D. Mahler, Balje (l), J. Ch. Raap, Niederstrich (l), H. A. Kröncke, Osten (l). H. Schmoldt, Ritsch (l) und Minister H. von Bremer (l)". Als Einleitung schrieb Johann Thumann in sein "Schiffbuch": ![]() "Caus Deo Anno 1819. Der Einkauf, die Unkosten und die Ausrüstung des Brigg Schiffes Die Freundschaft, so ich diesen Frühjahr Zu Geversdorf von die Herrn Gebrüder Thumann zum Fischfang und Robbenschlag einkaufte und beliebet worden den Namen bey zubehalten, worauf Claus Bonck aus Spaden zum Commandeur gewählet und darauf den 25te März 1819 in See gegangen. Der große und liebevolle Gott bewahre es für Unglück auf seiner Reise lasse es gesegnet und wohl behalten anher wieder gelangen und noch viele Jahre zur Freude der Rehderey fahren." Die Freundschaft hat für diese Reederei drei Fahrten unternommen, über die das von Job. Thumann jun. geführte Schiffbuch recht genaue Angaben enthält. Bei der Werbung der Aktionäre hatte er besonders darauf hingewiesen, daß das Schiff als einziges unter der Königlich-hannoverschen Flagge nach Grönland fuhr. Es wäre ein Durchschnittsertrag von 100 Quardeelen Tran und damit eine sehr gute Verzinsung zu erwarten. Das Schiff könnte sich in einem Jahr "freifahren". "Commandeur" der Freundschaft wurde Claus Bonck aus Spaden, der schon "etliche 30 Jahr" nach Grönland gefahren war. Das Schiffsvolk bestand aus den sogenannten Offizieren: Speckschneider, Speckschneidersmaat, zwei Harpunieren, "Doctor" (d. h. Feldscher), Oberzimmermann, Oberküper, Unterküper, Bootsmann, Bootsmannsmaat, "Schinmann" und Koch, der "halben Part" (fünf Mann) oder der "viertel Part" (sieben Mann), 17 Matrosen, dem Kochsmaat und dem "Kajütswächter". Leider ist nur bei einem Teil die Herkunft angegeben. Aus Freiburg (Elbe) stammten F. Schmidt, J. D. Köster, J. Dieckmann und N. Baack, aus Drochtersen H. Schröder und H. Kesselring, aus Geversdorf C. Tietje, von der Laack C. H. Koch, aus Hammah H. Wick, aus Westersode C. Oelrich, aus Osten H. Schlichting, aus Neuhaus P. H. Suhr, aus Oberndorf F. Fuhrmann, aus Spaden J. H. Grothausen und H. Vollers. Von anderen Namen sind die meisten heute auch noch recht verbreitet. Alle erhielten ein Handgeld in sehr verschiedener Höhe: der Commandeur 240 Mark (außerdem eine Tonne Tran), die Offiziere 27 bis 100 Mark, die Matrosen 14 bis 24 Mark und der Kajütswächter nur 9 Mark. Besondere Vergütungen gab es für alle vorbereitenden Arbeiten und die an Bord verbrachten Tage. Die Offiziere (außer dem Doctor) waren "Partfahrer" und mit einer halben oder viertel Part am Fang beteiligt. Das von Thumann geführte Rechungsbuch gibt einen guten Einblick in die wirtschaftliche Bedeutung des Walfangs. Viele Handwerker und der Handel profitierten von der Aurüstung des Walfängers. ![]() Weiter wurden folgende Dienst- und Handwerksleistungen erbracht: Botendienste, Fahrten zur Kornmühle, Pumpenmacher "eine Pumpe zurecht zu machen". Reepschlägerarbeiten, Kupferschmiedearbeiten, Küperarbeiten, Segelmacherarbeiten, neue Riemen (Ruder), leere Trantonnen, Bunde Quardelbänder, 28 Ellen greises (graues) Leinen, Bunde Tonnenbänder, 10 Faden Holz (Brennholz), Schweineschlachtung, Botenlohn von Geversdorf nach Stade zur Besorgung des Seepasses, Schwefelhölzer, 20 Pfund Lichter, Lieferung von 20 Himpten Sand, Schiff auftakeln, 5 Pfund weiße Seife, 20 Pfund "Pariser Weiß", weißes Leinen, Fracht und Accise für 70 Pfund, Schweinefleisch von Altona nach Geversdorf, Schiffszimmerarbeiten, "für ein Schiff, das vor der Oste zu löschen" (leichtern) usw. Die erste Reise im Jahre 1819 dauerte 3 Monate 26 Tage. Die Heuer, die an Kommandeur und Besatzung ausgezahlt wurde, betrug insgesamt 4143 "Marken". Die größte Heuersumme hatte der Oberzimmermann Joh. Hinr. Vollmers mit 355 Mark und 4 Schilling ausbezahlt bekommen. Kommandeur Klaus Bonck aus Spaden erhielt 263 Mark, der "Kajütswächter" Carsten Jungclaus nur 34 Mark und 13 Schillinge. Das vorweg bezahlte Handgeld betrug für alle zusammen 1487 Mark. Davon erhielt der Kommandeur 240 und der "Kajütswächter" 9 Mark. Die Rechnung für diese Reise (1819) wurde am 3. Januar 1820 aufgemacht. Das Ergebnis war schlecht. Das Schiff hatte von der Reise 177 Robbenfelle und ca. 18 1/2 Quardelen Tran eingebracht. Wahrscheinlich müssen auf dieser Reise auch andere Tiere als Robben erlegt worden sein, denn von 177 Robben erhält man keine 18 1/2 Quardelen Tran. Die Gesamteinahme betrug 5035 Mark. Darin war auch der Erlös von verkauftem nicht verbrauchten Proviant, verkauftem alten Tauwerk und Segeln enthalten. Der Einnahme standen Kosten von 20695 Mark gegenüber. Der finanzielle Verlust belief sich also auf 15660 Mark. Dieser Verlust wurde von den Aktionären durch "Einschüsse" ausgeglichen. 1820 wurde das Schiff wieder für die Ausfahrt ausgerüstet. Die Mannschaft unter Kommandeur Bonck fuhr fast unverändert wieder mit aus. Die Handgelder wurden wie auf der vorhergehenden Reise in gleicher Höhe ausgezahlt. Die Reise dauerte 3 Monate 15 Tage. Es wurde nichts gefangen. Die Mannschaft erhielt nur ihren Zeitlohn von insgesamt 2643 Mark l Schilling ausgezahlt. Der kastastrophale finanzielle Verlust betrug 16659 Mark und 2 Schillinge. Die Robbenfelle des letzten Jahres waren zum Teil verdorben. Deswegen verringerte sich die Einnahme nochmal um 28 Mark 8 Schilling. 1820 wurden 7 Robbenfelle für 96 Mark 14 Schilling verkauft. Der Marschbauer Garsten Mahler bemerkte zur Jahresabrechnung 1820 folgendes: "Da einige Klagen von den Matrosen eingegangen, daß sie so schlechte Tractamente erhalten, so bescheinige ich, daß die Rechnung zwar für gut befunden, ich aber mein Recht mir vorbehalte. Carsten Mahler." ![]()
Benutzte Quellen: Klenck, W., Heimatkunde des ehemaligen Kreies Neuhaus an der Oste. Faksimiledruck, Otterndorf 1986, S.435. Voigt, Harald, Die Nordfriesen auf den Hamburger Wal- und Robbenfängern 1669 -1839. Neumünster 1987 Kreisarchiv des Landkreises Cuxhaven in Otterndorf,
Hauptstaatsarchiv Hannover, Dep. 113 Nr.20 Nr.6, darin:
Brinner, Ludwig, Die deutsche Grönlandfahrt. Berlin 1913, Hauptstaataarchiv Hannover Dep. 113 Nr.28 Nr.6 Commerzbibliotek Hamburg, Lyst van de Hollandse, Hamburgeren Bremer Groenlands Varders, Anno 1767, weiter: Lyst van de Groenlands Varders. "Schiffahrt" Hamburg (Anlagen zu den Protokollen der Commerzdeputation, Rote Nr. 12 - 14. Staatsarchiv Stade, Rep.74 Neuhaus/Oste Bd.l IIIA6 Nr.l neu (91) Staatsarchiv Hamburg, 731 - l Handschriftensammlung 263 Staatsarchiv Hamburg, 111 - l Senat C1 VII Lit.Eb Nr.2 Vol.12 Fasc.4. Oesau, Wanda, Schleswig Holsteins Grönlandfahrt, 1937 Inteligenz - Blatt der Herzogthümer Bremen und Verden, Stade Albrecht, Karl, Chronik der Gemeinde Geversdorf, unveröffentlicht Baasch, Ernst, Beiträge zur Geschichte des deutschen Seeschiffbaus und der deutschen Schiffbaupolitik, Hamburg 1899 Oellerich, E., Geschichte der Gemeinde Osten, 1941 Kreisarchiv des Landkreises Cuxhaven in Otterndorf, Bremersches Gutsarchiv, Ha. Abt. 5A, Nr.1 + 2 Lenz, Wilhelm, Grönlandfahrer von der Oste, in Niederelbisches Jahrbuch 7. Jahrgang 1965 Eschels, Jens Jacob, Lebensbeschreibung eines alten Seemanns, Husum 1983, Nachdruck
Grönlandfahrt - Begriff für Walfang und Robbenschlag im Nordmeer Schiemann - Mann, der für das Verstauen der Fässer verantwortlich war Directeur - Geschäftsführer des Schiffes Vaten - Fässer Weygath - Durchfahrt südlich der Novaja Semlja Fische - in diesem Fall Wale Ouardelen - Maßeinheit für Fässer Barten - Faserartige Hornplatten im Maul der Wale zum Ausfiltern kleiner Krebse und Kleinlebewesen Auf niedrige Breite besetzt weit - südlich vom Eis eingeschlossen Fleet - Walfanggeschirr, wie Harpunen, Leinen, Speckmesser, Fässer usw. Heuer - Bezahlung der Mannschaft Tractamente - in diesem Fall Verpflegung Kaufmannslasten meistens Commerzlasten genannt - 6000 Pfund = ca.3000 kg
Holger Kuhne
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