| Der alte
Markt- und Handelsplatz Osten an der Oste Tagungsort des 9. Weser-Elbe-Heimattages am 7. Juni 1986 Es ist inzwischen gute Tradition geworden, daß zum alljährlich stattfindenden Weser-Elbe-Heimattag der Morgensterner über den Tagungsort im Niederdeutschen Heimatblatt berichtet wird. Der diesjährige 9. Heimattag wird uns in den äußersten Osten unseres Morgensterngebietes führen, wir treffen uns in dem reizvollen alten Markt- und Fährort Osten an der Oste. Man beachte die korrekte Aussprache: "Osten" wird mit offenem „O" (wie Kohl, Vogel, loben) gesprochen. Die Anwendung des "falschen O" (wie Topf, Korb, Ochse) zieht in Osten unweigerlich die Korrektur durch die Ostener nach sich! Der Ort Osten - um es mit einem Wort zu charakterisieren - hat etwas Behagliches an sich. Die Geschlossenheit in der Anlage des Ortes, seine Lage an der Oste, die notgedrungen entstandene enge Bebauung geben dem Kirchdorf das besondere Gepräge, ja, kleinstädtischen Charakter. Um das Jahr 1900 gab es eine Ansichtskarte von Osten mit der Bezeichnung "Stadt". Erst 25 Jahre war Osten damals selbständige Gemeinde, hatte im Kirchspielausschuß als Teil der Gemeinde Altendorf nur ein schwaches Mitbestimmungsrecht in der Verwaltung gehabt, obgleich es der Sitz des "Amts Osten" gewesen war. 1885 entstand im Zuge der preußischen Kreisreform aus den Ämtern Osten und Neuhaus der neue Landkreis Neuhaus/Oste. Der Versuch, für Osten den Kreissitz zu erlangen, scheiterte an der Unzulänglichkeit der Verkehrsverhältnisse. In einer Beschreibung von 1869 heißt es: „Amt Osten - 6,167 Quadratmeilen. 15 520 Einwohner in 34 Gemeinden mit 2758 Wohngebäuden. Osten: 808 Einwohner, Basbeck: 1321, Lamstedt: 1428 - Bauernschaft Altendorf: 1703 Einwohner, Hüll: 1037 und Isensee: 1153 Einwohner." Osten, einstmals ein kleines Schiffer- und Fischerdorf, war durch seine Fischspezialitäten, vor allem durch "Smuttool", Lachs und Stör, schon früh bekannt. Das Wahrzeichen von Osten ist die in den Jahren 1745-1748 errichtete schöne Barockkirche "St. Petri" mit ehemals 1200 Sitzplätzen. Das Kirchdorf als Amtssitz, Markt- und Handelsplatz erlangte bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erhebliche Bedeutung. Im Jahre 1909 wurde die weithin bekannte Schwebefahre erbaut. Erst mit dem Bau der Deiche im 12. Jahrhundert war es möglich, die fruchtbare Ostemarsch und die angrenzenden Moorgebiete planmäßig zu kultivieren und zu besiedeln. Die deich- und wasserrechtlichen Erfordernisse wurden zur Grundlage des ersten organisierten Gemeinwesens der Bauernschaften, der Deichverbände. Das Deichrecht ist so alt wie die Deiche. "Dat Diekrecht von de Oldendorper (Altendorfer) Schowinge" ist das älteste noch vorhandene Dokument aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, das der aus Osten stammende Dr. Diederich Hahn unter alten Akten fand. Für den Deichbau und die Kultivierung des Landes wurden als Planer und Berater erfahrene Holländer auf Geheiß des Erzbistums Bremen herangezogen. Mancher Name alteingesessener Familien in unserem Gebiet deutet noch darauf hin. Auf dem "Dubben" - nahe der heutigen Dorffleet-Schleuse
- befand sich bis 1391 die mit drei Kreuzen versehene Thingstätte,
wo die Rechtsprechung durch den Deichrichter geschah. Es ist zu vermuten,
daß hier auf dem "Dubben" die erste Kirche, wahrscheinlich eine Kapelle,
gestanden hat. Sie wurde durch die Sturmflut von 1391 zerstört, wie
auch die erste Prahmfähre mit kleinem Hafenbecken am Kirchspielsgang.
Die erste Kirche "St. Petri" wurde 1396 auf der Kirchwurt "By de Osten",
dem jetzigen Kirchplatz mit Friedhof, erbaut. Die "nige Fähre"
Bis 1890 hatte Osten stetig an Bedeutung zugenommen. Mehr als 100 Jahre haben die15 Ziegeleien an den Deichen mit dazu beigetragen. Um 1900 trat für den Ort der allmähliche wirtschaftliche Rückgang ein; dennoch gelang den wagemutigen Bürgern des Ortes im Jahre 1909 der Bau der Schwebefähre. Die besseren Verkehrsverhältnisse jenseits der Oste mit der überörtlichen Verbindung durch Straße und Eisenbahn führten nach und nach zu Rückgang in Handel und Gewerbe. Dagegen behielten Frühjahrsmarkt, Sommer-und Herbstmarkt sowie die Remontemärkte für Osten ihre besondere Bedeutung. Bis Ende der 30er Jahre stand in unserem Gebiet die Pferdezucht in hoher Blüte. Die Aufzucht von fünf und mehr Fohlen auf einem Hof war keine Seltenheit. Auf wirtschaftlicher und kommunaler Ebene hat sich ein steter Wandel vollzogen. Seit der Fertigstellung der Ostebrücke im Zuge der Bundesstraße 495 haben die verbesserten Verkehrsverhältnisse wieder einen Aufschwung bewirkt. Die Bautätigkeit nahm erheblich zu. Nach 1950 wurden allein im Osten mehr als 100 neue Wohngrundstücke erschlossen. Die Gemeinden Altendorf, Isensee und Osten sind seit dem 1. Juli 1972 zur Einheitsgemeinde Osten mit rund 2200 Einwohnern zusammengeschlossen und bilden mit Hechthausen und Hemmoor die Samtgemeinde Hemmoor mit rund 13000 Einwohnern. Im Jahre 1961 kam es in Osten zur Gründung des „Fremdenverkehrsvereins Osten e. V.", seitdem hat auch der "Sportfischerverein 'Oste' e. V." beträchtlichen Aufschwung zu verzeichnen und ebenfalls der im Jahre 1978 gegründete "Wassersport-Club Osten e. V." Der Fremdenverkehr hat dank guter Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen und kommunaler Förderung eine stete Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen. Von 2500 Übernachtungen im Jahre 1965 stieg die Zahl bis 1984 auf 31 600 an. Sehr beliebt ist auch hier der "Urlaub auf dem Bauernhof". Dem Gast in Osten und Umgebung bieten sich zur Besichtigung und zum Kennenlernen an: die Kirche "St. Petri", das technische Denkmal "Schwebefähre", die 1983 eröffnete Heimatstube am Markt, das "Buddelmuseum" der Familie ten Doornkaat Koolman, eine Fahrt mit dem Fahrgastschiff "Mocambo" auf der Oste, ein Besuch der hervorragenden Gaststätten sowie eine Rundfahrt durch das Kirchspiel. R. A. Rüsch Aus: Niederdeutsches Heimatblatt, Mai 1986 |