Rendsburg, 2.12.2003
Zu ihrem 90-jährigen Dienstjubiläum war die Schwebefähre
unter der Eisenbahnhochbrücke gestern festlich geschmückt. Aber
weder das weihnachtlich anmutende Tannengrün mit den
Plastik-Fähnchen in den Landes- und Bundesfarben noch die
Gästeschar auf Osterrönfelder Seite änderte etwas daran,
dass die
"Eiserne Lady" ihren Fahrplan ungerührt einhielt. "90 Jahre im
öffentlichen Dienst und noch kein Gedanke an die Rente - das ist
wirklich ungewöhnlich", sagte Dieter Schnell, der Leiter des Wasser-
und Schifffahrtsamtes in seiner Ansprache. Wie sehr das
altertümliche Verkehrsmittel noch gebraucht wird, zeigt vor allem
die Flut von Beschwerden, die regelmäßig bei der Behörde
eingehen, wenn die Schwebefähre einmal wegen
Reparaturarbeiten ausfällt, so Schnell, der die Gäste mit einer
speziell angefertigten Torte mit der Schwebefähre in Marzipan
überraschte. Die Bedeutung der Schwebefähre wird vor allem im
Rückblick auf die 90 Dienstjahre deutlich: Rund 540000 Kilometer
hat die Fähre seit dem 2. Dezember 1913 über den Kanal
zwischen Osterrönfeld und Rendsburg zurückgelegt. Die Fahrzeiten
haben sich übrigens seit 90 Jahren nicht geändert. Ursprünglich
war vorgesehen, dass die erste Fähre um 5.30 Uhr fährt. Mit
Rücksicht auf den frühen Arbeitsbeginn in der Carlshütte
und die
Milch, die nach Rendsburg transportiert werden musste, verlegte
der Präsident des Kaiserlichen Kanalamtes die erste Fahrt des
Tages auf 5 Uhr. Dabei ist es bis heute geblieben. Im nächsten
Jahr wird noch einmal gefeiert: Die Eröffnung des Denkmaltages ist
im September an der Brücke vorgesehen und möglicherweise folgt
der spanische König Juan Carlos der Einladung, die die
Bürgermeister Andreas Breitner und Jörg Sibbel überbrachten.
Dann wird die Fähre noch einmal mit königlichen Pomp gefeiert.
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