Geschichte
Königliches
Amt Osten
Einen kompakten historischen Abriß des Königlichen Amtes Osten (1852 - 1884) und seiner Nachfolge-.Körperschaften hat Heinz Schlichting verfasst und osten-oste.de zur Veröffentlichung überlassen. Die PDF-Datei kann hier heruntergeladen werden.
Verkehr
Väter
und Vettern
der Schwebefähre
15. 3. 2004. Über kuriose Kapriolen der Technikgeschichte referierte der Ostener Journalist Jochen Bölsche am Wochenende im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremen. Mit einer 45-minütigen Foto-Präsentation berichtete Bölsche, 2. Vorsitzender des Weltverbandes der Schwebefähren, über die Entstehung dieses Verkehrsmittels und über dessen "Vettern und Väter" - bizarre Vehikel, mit denen Ende des 19. Jahrhunderts das Problem gelöst werden sollten, Tidegewässer zu queren, ohne die Schifffahrt zu behindern.
Einige dieser Fahrzeuge waren nach dem Prinzip "Schiene unten, Plattform oben" konstruiert. Das wohl seltsamste Gefährt war der "Pioneer", eine Art Straßenbahn auf Stelzen, die der britische Erfinder Magnus Volk 1895 im englischen Seebad Brighton in Betrieb nahm und die im Volksmund "Daddy Longleg" (Papa Langbein) hieß. Das Fahrzeug, das auf Unterwasser-Schienen lief und die britische Handelsflagge führte, wurde nach knapp einer Woche von einem Sturm zerschmettert. Ein ähnliches Verkehrsmittel, die "pont roulant" zwischen St. Malo und St. Servan an der französischen Atlantikküste, versank 1923 nach einer Kollision mit einem norwegischen Frachter.
Am Ende setzte sich bei der Querung von Tidegewässern das umgekehrte Prinzip durch: "Schiene oben, Plattform unten". Bahnbrechende Entwicklungen waren die von Alberto Palacio 1893 in Portugalete bei Bilbao realisierte erste Schwebefähre der Welt und die von dem Kölner Zuckerfabrikanten und Ottomotor-Erfinder Eugen Langen konstruierte Wuppertaler Schwebebahn, die 1901 eingeweiht wurde. Während der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg einen Vorschlag Langens als unausgereift verwarf, die Elbe mit einer Schwebefähre zu überqueren, entschieden sich die sehr viel mutigeren Gemeindeväter des 400-Einwohner-Dorfes Osten bereits 1899, die traditionelle Prahmfähre durch eine "Schwebebahn" über die Oste zu ersetzen.
Diese älteste Schwebefähre Deutschlands als Baudenkmal zu erhalten, sei aller Mühen wert, bekräftigte der Direktor des Deutschen Schifffahrtsmuseums, Hans-Walter Keweloh. Kontovers diskutiert wurde von den in Bremen versammlten Experten der AG Binnenfähren die Frage, ob die in Hemmoor entworfene Deutsche Fährstraße auf den Norden der Bundesrepublik beschränkt sein soll. Für die AG Osteland vertrat Bölsche die Auffassung "Weniger ist mehr": Auf den 250 Kilometern zwischen Kiel und Bremervörde seien nahezu zehn Prozent aller 300 deutschen Binnenfährstellen - vom Fährprahm über Autofähren bis zur Schwebefähren - erfahrbar, darüber hinaus seien fast alle sonstigen Flußquerungsmöglichkeiten vertreten, von der einstigen Furt über Klappbrücken und Autofähren bis hin zum Rendsburger Kanaltunnel.
Den Wünschen diverser weiterer Fährbetreiber in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, ebenfalls in die Deutsche Fährstraße integriert zu werden, hielt Bölsche entgegen, das Konzept sehe eine kompakt gehaltene Ferienroute vor, die per Rad binnen einer Woche zu bewältigen ist und die auch per Kajütboot oder Fahrgastschiff befahren werden kann. Wichtig sei es, mit Unterstützung der Metropolregion Hamburg die letzten Prahmfähren auf der Oste in Betrieb zu halten, "damit man sie eines Tages nicht nur im Deutschen Schifffahrtsmuseum besichtigen kann".
Literatur
Zu Weihnachten
ein Oste-Buch

Walfang
Spurensuche
auf
dem Friedhof
Mit Hilfe von Grabstein-Inschriften versucht der Kapitän, Elblotse und Heimatforscher Holger Kuhne (Foto) eines der spannendsten Kapitel der Ostener und Geversdorfer Geschichte aufzuhellen: die Grönlandfahrten der Walfänger von der Oste.
Während über die Ostener Walfang-Aktivitäten bislang nur wenig bekannt ist, hat Kuhne faszinierende Dokumente über die Nordlandfahrten im Auftrag des Geversdorfer Kaufmanns Thumann aufgestöbert.
Über Kuhnes Forschungsergebnisse berichtet exklusiv die soeben freigeschaltete neue Website www.oste.de/walfang.
Literatur
Neue Osten-Texte
im
virtuellen
Dorfarchiv


Ebenfalls in unserer Sammlung:
NEU "Grönlandfahrer von der Oste". Originalbeitrag für oste.de von Holger Kuhne, Geversdorf.
"In der Luft schnell über den Fluß", Reportage über die Schwebefähre, Rhein-Main-Presse, 3. 8.1998,
"Der alte Handelsplatz Osten an der Oste", Aufsatz von R. A. Rüsch, Niederdeutsches Heimatblatt, Mai 1986,
"Osten und die untere Oste", aus dem Buch "Zwischen Niederweser und Niederelbe" von Friedrich Kühlken, 1950,
"Die Ziegeleien im alten Osten", aus dem Buch "Die Niederelbe" von Richard Linde, Hamburg 1928,
"Rede zum 50jährigen Bestehen der Ostener Schwebefähre" im Jahre 1959,
"Highlights des Stahlbaus", aus der Zeitschrift "Industriekultur",
"In Osten über der Oste schweben", aus der "taz" vom 1. 7. 1999,
"Vom Verkehrsmittel zum Wahrzeichen", Fördergesellschaft Schwebefähre, o. D.,
"Die Schwebefähre in Daten und Zahlen", Fördergesellschaft Schwebefähre, o. D.,
"Schwebefähre über die Oste bei Osten", Sonderdruck aus der Deutschen Bauzeitung Nr. 97 und 103 des XLIII. Jahrganges 1909,
"Schmale Straßen, lohnende Motive", Text von Wilhelm Jonscheck aus einem undatierten Tourismus-Prospekt der Gemeinde Osten (achtziger Jahre),
"Die Fähre", Geschichte der Ostener Schwebefähre, aus der "Chronik des Kirchspiels Osten", herausgegeben von der Gemeinde Osten,
"Fährmann, hol über", aus "Allgemeiner Haushaltungskalender", Stade, 1993,
"Die letzten Prahmfähren entlang der Oste", aus "Allgemeiner Haushaltungskalender", Stade, 2003,
"Ein stählerner Koloss aus einer längst verflossenen Epoche", Iserlohner Kreiszeitung, 14. 6. 2003,
"Ein technisches Unikum", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. 2. 2003.
"Pflegefälle", Die Schwebefähre in Osten, FAZ, Dezember 1987.
Weitere Pressetexte über die Schwebefähre stehen hier.
Osten vor 100 Jahren
Am Anfang stand
diese Blaupause




Lesen Sie zu diesem Thema bitte auch die weiter unten stehenden Beiträge zur Zukunft der Schwebefähre. Mehr auch in unserer Rubrik FÄHRE und auf der Website www.schwebefaehre.org.
Geschichte
Walfänger
aus Osten -
alles nur
Schwindel?
Bislang galt als gesichert, dass Osten vor 200 Jahren Heimathafen eines Walfangschiffes namens "Die Hoffnung" war. Diese und andere interessante Mitteilungen enthält ein Aufsatz von Friedrich Kühlken, der 1950 in dem Buch "Zwischen Niederweser und Niederelbe" veröffentlicht wurde und inzwischen auch im Internet gelesen werden kann.
Jetzt hat der Geversdorfer Elblotse und Heimatforscher Holger Kuhne (Foto oben) Zweifel an Kühlkens Darstellung angemeldet. Kuhne, Experte für die Schifffahrt auf der Oste und renommierter Fachautor (unter anderem: "Der Schoner Johanne. Lebenslauf eines kleinen Handelsseglers 1861 bis 1875"), erklärte gegenüber osten-oste.de, es gebe seines Wissens "keine schriftlichen Belege" für die Existenz des Ostener Walfangschiffes. Hat Kuhlke recht? Alles nur Schwindel?
Kühlken hatte sich in dem 1950 im Auftrag des Bezirkslehrervereins Stade veröffentlichten Buch ziemlich präzise geäußert: Er schrieb, dass "15 Bauern" aus Osten "unter Führung zweier Kaufleute im Jahre 1800 den Walfänger 'Die Hoffnung' ausrüsteten und ins Nördliche Eismeer schickten. Die Unternehmung brachte ihnen sogar 20% Gewinn ein" (siehe unten).
Wer weiss mehr zu diesem umstrittenen Kapitel der Ostener Heimatgeschichte? Hinweise erbittet osten@oste.de.
Rechtschreibung
Hemmooor
ist, wenn
man trotzdem
lacht
Hemmoor hat etliche Besonderheiten, die den Ort von anderen Städten unterscheiden - den einzigartigen Kreidesee zum Beispiel, das Deutsche Zementmuseum und - peinlich, peinlich - einen Namen, den viele der eigenen Bürger nicht richtig schreiben können. Womöglich gibt es in ganz Deutschland kaum einen Ortsnamen, der so oft falsch geschrieben wird...
Wenig verwunderlich ist, wenn Ausländer Probleme mit deutschen Städtenamen haben - zum Beispiel der Betreiber einer holländischen Website, auf der es heisst: "Hemoor is een duikplaats die ongeveer 100 km van Bremen ligt." Aber auch auf deutschen Taucherseiten sind häufig Sätze zu lesen wie "Hemmor ist immer eine Reise wert"; anderswo wird über die "Apnoe-Meisterschaft in Hemmor" berichtet.
Mal Hemmor, mal Hemoor, mal zwei M und ein O, mal ein M und zwei O - selbst die Autoren offizieller und offiziöser Websites haben Probleme, die Abfolge von zwei Konsonanten und zwei Vokalen korrekt wiederzugeben.
Sogar im Bundesgesetzblatt ist schon mal von der "Samtgemeinde Hemmor" die Rede, und das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung informiert: "Die auf einer Salzstruktur anstehenden Tone treten im Bereich LamstedtHemmor an die Oberfläche."
Der Verein "Maritime Landschaft Niederelbe" schreibt auf seiner Homepage den verflixten Ortsnamen in einem Absatz gleich dreimal falsch: "Samtgemeinde Hemmor, Rathausplatz 5, 21745 Hemmor, Tel.: 04771 / 602-0, Fax: 04771 / 602144, ...www.hemmor.de."
Und so weiter, und so weiter. Das "Eurosea Verzeichnis der Seekarten" offeriert ein Kartenwerk mit dem Titel "Die Oste von Geversdorf bis Osten (Hemmor)". Die Veranstalter des Elbstrandrennens schreiben: "Am Renntag wird auch ein Bus aus Richtung Hemmor eingesetzt... Abfahrtzeit Hemmor 08.50 h ...Kosten ab Hemmor 5 €." Der Bezirksschwimmverband Lüneburg kennt einen "SC Hemmor".
Der Verdacht drängt sich auf: Wird der Name der jungen Stadt an der Oste womöglich häufiger falsch als richtig geschrieben?
Wer die Suchmaschine google.de zu Rate zieht, erfährt: Auf 381 Webseiten mit der richtigen Schreibweise kommen 340 Seiten mit der Version Hemmor, dazu 32 Seiten mit Hemoor.
Beim Googlen lässt sich auch herausfinden, dass nicht einmal alle Hemmoorer ihren Stadtnamen fehlerfrei schreiben können (oder schreiben lassen).
Manche bevorzugen - statt dem häufigsten Fehler "Hemmor" - die Variante "Hemoor". Schüler der Klasse "Fachgymnasium Technik 98" an den BBS Cuxhaven" etwa stellen sich im Web so vor: "Ich bin Johannes aus Hemoor und liebe den Judosport. ... Ich bin Waldemar und komme aus Hemoor. Ich gehe ab wie ein Lada."
Woran liegt's? Vielleicht daran, dass die junge Stadt noch nicht so alt ist, dass sich ihr Name jedermann eingeprägt hätte? Oder liegt's am Bildungsnotstand? Bekanntlich hat die SG Hemmoor den niedrigsten Schulbildungsstand im Landkreis Cuxhaven (siehe unten).
Doch wenn es um die richtige Schreibweise ihres Heimatorts geht, bilden auch Akademiker keine Ausnahme. Über die Neurologin Dr. Annegret Lammers-Reißing etwa heisst es: "Seit 1998 niedergelassen in Hemmor." Ihre Praxis liegt "10 min. vom Bahnhof im neuen Zentrum von Hemmor."Der heute in Bremerhaven lebende Pastor Jan Postel stellt sich vor: "Geboren am 04.08.1967 in Hemmor."
Die Unternehmervereinigung der Stadt mag nicht abseits stehen. Im Protokoll einer Mitgliederversammlung ist über Subventionsgewährung zu lesen: "Aus dem Bereich der Stadt Hemmor nehmen 2 Firmen an dieser Förderung teil."
Dabei ist es ganz einfach: Es gibt nur einen Ort auf der Welt, der Hemmor heisst - und der liegt auf der schwedischen Insel Gotland und ist eine berühmte Ausgrabungsstätte (siehe Karte unten).


Da schliesst sich der Kreis: Eine einschlägige medizinische Website heisst hemmor.html. Und über ein Medikament mit dem Namen "Hemorex" informiert die Seite www.seoavet.fr/site1/HEMMOR.html.

Drei M - das hat schon mal was.
Denn Hemmoor - das war ursprünglich ja das Moor des alten Dorfes Hemm. Und wenn die neue Rechtschreibung auch für Ortsnamen gelten würde, müßte unsere Stadt sich Hemmmoor schreiben - so wie es heute auch heisst: Balletttänzer, Flanelllappen, Schifffahrt, Brennnessel, Seeelephant, Sauerstoffflasche, Schwimmmeister oder Betttuch.
Hemmmoor - diese Schreibweise haben wir im Internet nur ein einziges Mal gefunden: auf einer Website über die "Deutsche Meisterschaft im Freitauchen - Hemmmoor 2001", verfasst von Benjamin Franz, dem Deutschen Meister und Weltrekordhalter im Freitauchen.

P.S.
Ach ja: Dem Schreiber dieser Zeilen lag vor einigen
Wochen das Werbefaltblatt für die Küstenklassik-Festspiele vor
- zum Korrekturlesen. Einen ärgerlichen Fehler hat er dabei übersehen:
In Druck ging das Werbeblatt mit der Ortsangabe "Heidestrandbad Hemmooor".
Kann ja mal passieren...
Volkskunde
"Ein Basbecker
-
schlagt ihn
tot"

Aber die Basbecker haben wenig Grund, wegen solcher Schmähungen zu schmollen: Sie selber reden von ihren Nachbarorten nicht gerade voller Respekt.
Der in Basbeck geborene Schriftsteller Peter Schütt erinnert sich: "Wenn in Basbeck am Moor Hochwasser war, lag das entweder daran, dass die Kleinwörder die Laufgräben verstopft oder die Bornberger ihre Schleusen in die verkehrte Richtung geöffnet hatten. Kleinwörder Wind bringt Frost, und Bornberger Wind gibt Regen: selbst in solchen Wetterregeln schwang noch eine Spur jener Einstellung mit, die wir Basbecker gegenüber den Bewohnern unserer Nachbarorte hegten..."
Schütt in einem anderen Text: "Ihlbecker hiessen bei uns die grauen fetten Kellerasseln... Lamstadt war nicht weit, und 'Lamstedter' waren in Basbeck eine Art von Sumpfgnitzen, deren Auftreten baldiges Regenwetter ankündigte."
Weiss eigentlich jemand, wie die Basbecker den arroganten Ostener geschmäht haben? Hinweise erbittet osten@oste.de.
Die Schütt-Zitate stammen aus seinem wunderschönen Band "Mein Niederelbebuch", der leider seit Jahren vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich ist.
Schulen
Sklavenarbeit
in der
Hemmoorer
Zementfabrik
Vier
Schüler aus der Internet-AG des Gymnasiums Warstade - Johannes Eberhard
(Klasse 9 ), Stephan Loock (Klasse 10), Sascha Marx (Klasse
9) und Nikolai Schuster (Klasse 9) haben sich während der zwei
wöchentlichen AG-Stunden mit dem Thema "Die Zementfabrik Hemmoor"
auseinandergesetzt. Anlass war der Wettbewerb "Technikatlas Niedersachsen".
Material für unseren Beitrag fanden die Schüler, wie sie berichten,
in der Museumsschute und diversen Veröffentlichungen, vor allem der
Chronik des Zementwerks, den "Hemmoorer Kulturheften" und der Heftreihe
"Aus dem Rathaus". Dabei förderten die Gymnasiasten hoch interessante
Details aus der Frühgeschichte der Zementfabrik zutage. In der Arbeit
heisst es unter anderem:
"Gemessen an heutigen Verhältnissen war die Arbeit in der Zementfabrik 'Sklavenarbeit'. Der Arbeitstag dauerte mindestens zwölf Stunden... Disziplin wurde groß geschrieben. So heißt es in einer Arbeitsordnung von 1898: 'Gesellen und Gehülfen können entlassen werden, wenn sie sich eines liederlichen Lebenswandels schuldig gemacht haben, wenn sie sich Thätlichkeiten oder grobe Beleidigungen gegen den Arbeitgeber oder dessen Familienangehörige zu Schulden kommen lassen, wenn sie Handlungen begehen, welche wider die guten Sitten verstoßen.'
Selbstverständlich war auch jede 'Agitation' für politische oder religiöse Parteien auf dem Werksgelände 'strengstens verboten' . Die Arbeiter waren auch verpflichtet, nach Feierabend sowie an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten, wenn der Vorgesetzte es anordnete. Urlaub gab es nicht. Bemerkenswert ist jedoch, dass bereits 1874 eine Fabrikkrankenkasse eingerichtet wurde, bevor im Zuge der Bismarckschen Sozialgesetzgebung ab 1883 weitere Gesetze erlassen wurden, die die soziale Absicherung der Arbeiter verbessern halfen.
Schon vor der Wende zum 20. Jahrhundert machte sich Arbeitskräftemangel bemerkbar. Deshalb wurden vom Werk Werber losgeschickt, um Arbeiter aus fernen Ländern anzuwerben, z.B. in Galizien, Polen, Rumänien und Italien. Das hatte auch zur Folge, dass sich in dem ehemals rein protestantischen Landstrich an der Niederelbe immer mehr Katholiken niederließen, für die bald auch eine Kirche (die erste katholische in weitem Umkreis) gebaut wurde. Viele polnisch klingende Familiennamen in der hiesigen Gegend erinnern ebenfalls an diese Zeit. Genealogisch Interessierte können übrigens in der Museumsschute gegenüber dem ehemaligen Fabrikgelände Familienforschung betreiben: Dort liegen die alten Listen aus, in denen penibel über die Arbeiter, ihre Herkunft und die Dauer ihrer Werkszugehörigkeit Buch geführt wurde.
Die Anfänge hiesiger gewerkschaftlicher Organisation liegen im Jahre 1894.1907 kam es erstmals zu einem Streik, über den die "Norddeutsche Volksstimme" berichtete: "Eine Arbeitsniederlegung der Kreidefahrer erfolgte heute in einer Stärke von 50 Mann. Der Grund war, weil man ein gegebenes Versprechen, wonach pro Wagen 1 Pfennig (sic!) mehr gezahlt werden sollte, nicht gehalten hatte."

FOTOS: GYMNASIUM WARSTADE
Industriegeschichte
Erst Ton,
dann Töne...



Archäologie
Das Geheimnis
des
Hemmoorer
Eimers

Eisenbahn
Als Hemmoor
noch
Basbeck-Osten
hieß


Denkmalschutz
Hier rollten
die Loren
der "Lehmkonditoren"


Die Deichlücke erinnert an eine Industrie, die schon von Zeitgenossen als übles Beispiel für "kapitalistischen Raubbau" angeprangert wurde, so 1908 der Hamburger Professor Richard Linde, der auch in farbigen Schilderungen überliefert, wie sich die neureichen Ziegelbauern an Elbe und Oste aufführten: "Ihr Hals hat kaum etwas Weißes gesehen, aber wenn sie den Wertpapierkasten schließen wollen, müssen sie ihn mit dem Knie zustemmen... Daß sie statt der Kegel Sektflaschen aufgestellt, Goldstücke im Tanzsaal ausgestreut haben und einer einen Tausendmarkschein, auf ein Brötchen gelegt, fein zerschnitten in Barbarenhochmut verzehrt habe, kann man noch heute überall erzählen hören."
Mehr über die spannende Geschichte der Ostener Ziegelindustrie auf dieser SONDERSEITE.
Als die Ostener
noch Wale
fingen
Osten war vor 200 Jahren Heimathafen eines Walfangschiffes namens "Die Hoffnung". Diese und andere interessante Mitteilungen enthält ein Aufsatz von Friedrich Kühlken, der 1950 in dem Buch "Zwischen Niederweser und Niederelbe" veröffentlicht wurde, jetzt aufgetaucht ist und im Internet gelesen werden kann.
Über den Beginn und das Ende der Ostener Wirtschaftsblüte heisst es dort unter anderem: "Nach all den Elendsjahren, die der 30jährige Krieg und die nachfolgenden unruhigen Jahrzehnte auch hier mit sich brachten - die umstrittenen festen Plätze Stade und Bremervörde lagen nahe -, blühten Landwirtschaft, Ziegeleien und Schiffahrt nach 1719 unter Hannover lebhaft auf. Daher gab es in Osten neben den alten Handwerkern um 1750 einen Arzt, einen Tierarzt und eine Apotheke. Goldschmied, Uhrmacher und Zinngießer, aber auch ein Steuereinnehmer lassen ansteigenden Wohlstand des Bauerntums erkennen, und ein Rechtsanwalt verrät, daß am 'Gericht Osten' prozessiert wurde.
Bezeichnend ist es auch, daß 15 Bauern - Osten war nun auch Alterssitz bäuerlicher Altenteiler größerer Höfe - unter Führung zweier Kaufleute im Jahre 1800 den Walfänger 'Die Hoffnung' ausrüsteten und ins Nördliche Eismeer schickten. Die Unternehmung brachte ihnen sogar 20% Gewinn ein.
Es erfolgte der wirtschaftliche Niedergang der Napoleonischen Zeit. 1825 wurde zudem auch das Kirchspiel Osten überschwemmt. Trotz solcher Rückschläge und einer starken Auswanderung nach Stade wie Hamburg, vor allem aber nach Nordamerika, zählte der Ort 1842 im Ganzen 140 Häuser (1809 waren es 109). Seine Einwohnerschaft beseelte ein kräftiger, demokratischer Geist, der nach 1848 die Ablösung aus der Gemeinde Altendorf erzwang. Mit nur 16,87 ha Fläche wurde Osten eine selbständige Gemeinde und wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt an der mittleren Oste."
Der komplette Text steht hier...
Brauchtum
Ein Herz für
die Nachbarn
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In Osten feiert man bekanntlich gern - nicht nur Hochzeiten, sondern auch Hochzeitsjubiläen, zum Beispiel jüngst den 10. Hochzeitstag von Detlef und Iris Brandt (Glückwunsch!) oder vorigen Monat den 40. Hochzeitstag von Horst und Gisela Ahlf vom Hotel Fährkrug (siehe Fotos oben). Während in Osten die Nachbarn den Festpaaren einen Kranz binden, hat sich osteabwärts in Dingwörden ein anderer Brauch gehalten, wie auf der sehenswerten Dorf-Website zu lesen ist: Bei jedem Hochzeitsjubiläum flaggt das ganze Dorf, und jeder, der auf seinem Grundstück die Gemeindefahne hisst, bekommt von den Jubilaren eine Flasche "Flaggenköm" geschenkt. Auf der Dingwördener Homepage scheint sich allerdings ein Fehler eingeschlichen zu haben: Die Hölzerne Hochzeit, steht da, werde nach 5 Jahren gefeiert. In Osten dagegen wird - wie fast überall in Norddeutschland - der 10. Jahrestag als Hölzerne Hochzeit bezeichnet. Sollte das hier tatsächlich von Ort zu Ort unterschiedlich gehandhabt werden?
Geschichte
Einigkeit und
Recht
und Hemmoor
August
Heinrich Hoffmann von Fallersleben, vor allem bekannt als Dichter des Liedes
der Deutschen ("Einigkeit und Recht und Freiheit"), hielt sich im Vormärz,
also der Zeit vor der Märzrevolution 1848, mehrfach im Land Hadeln
auf, das heute ein Teil des Landkreises Cuxhaven ist. Warum der politisch
verfolgte Liberale gerade hier weilte und welche Spuren davon heute noch
sichtbar sind, zeigten Schüler des Gymnasiums Warstade in ihrem Beitrag
zum Literaturatlas
Niedersachsen auf. Es war übrigens nicht das erste Mal, dass
das Gymnasium Warstade auf die Verbindungen zwischen Hoffmann und dem hiesigen
Raum hinweist: 1967 wurde in Zusammenarbeit mit der Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft
eine Ausstellung in der Schule präsentiert, in der der Öffentlichkeit
erstmals die Polizeiakte der Landdrostei Stade vorgestellt wurde. Leider
besteht die entsprechende Website
nur noch aus toten Links. Irgend jemand sollte sich mal des Problems annehmen.
Familienforschung
Alte Adressbücher
bald online
Bedeutsam
für Familienforscher ist ein neues Projekt des Vereins für
Computergenealogie, der historische Adressbücher aus unserer Region
im Internet verfügbar machen will. Historische Adressbücher
sind eine wichtige Quelle für Familienforscher. Seit etwa einem halben
Jahr läuft die Erfassung verschiedener historischer Adressbücher
aus dem deutschsprachigen Raum sowie aus alten deutschen Siedlungsgebieten.
Die Online-Datenbank startet mit Adressbüchern unter anderem aus Altendorf-Achthöfen,
Hechthausen, Hemmoor, Isensee und Osten a. d. Oste. Mehr: www.adressbuecher.net
Heimatverein
Mit Rüdiger
Toborg
ins alte Osten

Rund
400 Ansichtskarten mit Ostener Motiven sind im vergangenen Jahrhundert
gedruckt worden, etwa 350 davon hat der Ortsheimatpfleger und Kommunalpolitiker
Rüdiger Toborg archiviert. Einen Einblick in seine Sammlung gab Toborg
vor rund 50 begeisterten Zuschauern in einer Versammlung des Heimatvereins.
Zu den Prachtexemplaren aus der Kaiserzeit gehören Fotos vom damaligen
"Café Central" (oben) und vom "Villenviertel" am Dorffleet (kleines
Bild).

Sammler
Hohe Preise
für
alte Postkarten

Literatur
Heimatforscher
klingelte
an 300 Türen
Vom
Ende des Jahres 1997 bis Anfang 2002 führten die Landschaft und der
Landschaftsverband Stade ein umfassendes Dokumentationsprojekt mit dem
Titel „Historische Sachkultur - Erschließen, Erforschen, Erhalten“
durch. Als Ergebnis dieser Studien erscheint dieser Tage ein rund 850 Seiten
starkes, reich illustriertes Buch. Gut vier Jahre lang besuchte der Volkskundler
Dr. Thomas Schürmann über 300 private Haushalte und viele Museen
im ganzen Elbe-Weser-Gebiet. Er nahm über 3700 Möbel, Zinngeräte
und andere Dinge aus dem Bereich des historischen Wohnens in Wort und Bild
auf. Der Bogen der Darstellung reicht von den Formen des traditionellen
Bauernhauses über Truhen, Schränke, Sitzmöbel, Betten, Uhren,
dem Herdgerät, bemalten Spanschachteln bis zum Handwerk der Zinngießer.
Neben der Präsentation der Objekte wird stets auch eine Darstellung
der Geschichte dieser Gegenstände bzw. Gegenstandsgruppen geboten.
Um die Besitzer der abgebildeten Objekte zu schützen, sind alle Angaben
zu Standorten anonym gehalten. Mehr...
Thomas Schürmann: Erbstücke. Zeugnisse ländlicher Wohnkultur im Elbe-Weser-Dreieck. Stade: Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, 2002. XII und 846 Seiten, 538 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag, Preis: 39,90 Euro (ISBN 3-931-879-10-0). Das Buch ist als Band 17 in der Schriftenreihe des Landschaftsverbandes erschienen.
Heimatforschung
Ostener Geschichte
jetzt auch
im Netz
Hilfreich nicht nur für Heimatforscher ist die Zeitschriften- Datenbank des Landschaftsverbandes. Wichtige Hinweise auf Literatur zur Ostener Geschichte finden sich hier...
Demokratie
Als Willy Jonscheck
die SPD gründete
Mehr
als 35 Jahre liegt der Tag zurück, an dem sich Ostener Sozialdemokraten
zusammentaten, im in Osten einen Ortsverein ihrer Partei zu gründen.
Hauptinitiator und erster Vorsitzender war der im April 2003 verstorbene
Wilhelm Jonscheck (Foto). Diese und viele andere Informationen über
das gute Dritteljahrhundert ihrer Präsenz in Osten hat der SPD-Distrikt
zusammengetragen und auf seiner Website
veröffentlicht, die hier aufgerufen werden kann.
Zeitgeschichte
"Am Dubben"
heisst
"Philippsohnstrasse"
In
einer eindrucksvollen Feierstunde zum Gedenken an die im Dritten Reich
verfolgte und 1941 im Minsker Ghetto umgekommene jüdische Familie
Philippsohn ist am 10. November die Strasse "Am Dubben" in "Philippsohnstrasse"
umbenannt worden. Flankiert von Ortsheimatpfleger Rüdiger
Toborg und Dr. Manfred Toborg, den Hauptinitiatoren dieser Aktion,
enthüllte Bürgermeister Carsten Hubert das neue Strassenschild.
In der Feierstunde sprachen unter anderem Landrat Martin Döscher,
Annette Faße MdB, Birgit Meyn-Horeis MdL und der frühere SPD-Ortsvorsitzende
Wilhelm
Jonscheck, der bereits in den achtziger Jahren dem Schicksal der
Familie Philippsohn nachgegangen war (Jonscheck, Wilhelm; Das Schicksal
der Familie Philippsohn aus Osten; in: Geheime Staatspolizei, Außendienststelle
Cuxhaven; Cuxhaven; 1989; Seite 18 - 23). Das anschliessende Konzert
des Gemischten Chors Osten (Leitung: Monika Rondthaler) in der St.-Petri-Kirche
mit geistlicher und weltlicher Musik aus dem jüdischen Kulturkreis
empfanden die Zuhörer als "kulturelles Highlight", wie Bürgermeister
Hubert urteilte. Weitere Einzelheiten im ausführlichen Bericht der
Niederelbe-Zeitung...

-
Das Schicksal der Familie Philippsohn aus Osten
-
Die Juden in Osten, Neuhaus und Umgebung
-
Der Wingster Judenfriedhof (1)
-
Der Wingster Judenfriedhof (2)
-
SPD-Gedenken an die Familie Philippsohn
-
Die Gemeinde Wingst und der Judenfriedhof
Ahnenforschung
Woher stammt
die Familie
Ahlf?
Aus Schweden oder aus Norddeutschland?
Dieser Frage geht eine neue Website nach, die dem Thema Familienforschung
gewidmet ist und die auch Horst Ahlf aus Osten zitiert. Zur Website...
Ostener
Geschichte
in Daten
und Fakten
Im Mündungsgebiet von Elbe und Oste siedelte schon vor Beginn unserer Zeitiechnung ein germanischer Volksstamm, die "Chauken". Die Flachlandsiedlungen auf den Wurten bestanden bis in das 12. Jahrhundert. Damals begann die planmäßige Kultivierung von Marsch und Moor; es entstanden die Deiche mit den Schleusen für die Be- und Entwässerung des Landes, die Fleets, die Wettern und Gräben, die unserer Landschaft das Gepräge geben.
1220
Urkundliche Erwähnung der Siedlungen Osten
als "by de Osten" oder "to de Osten". Damals und noch Jahrhunderte danach
wurde hier nur "Plattdütsch" gesprochen.
1391
Durch eine schwere Sturmflut werden die Prahmfähre
am Kirchspielsgang", die Schleuse und die erste Kirche - auf dem Dubben
- zerstört.
1396
Neubau einer Kirche auf dem jetzigen Platz.
1400
Um 1400 entsteht das Dorf Osten - Kirchosten genannt
- als Teil der Bauernschaft Altendorf.
1423
Erwähnung der "nige Fähre" (jetziger
Standort).
1526
Einführung der ev.-luth. Lehre.
1645-1712
Schwedenzeit / Das königliche Gericht Osten
entsteht.
1712-1715
Kirchspiel Osten von den Dänen besetzt.
1748
Einweihung der St.-Petri-Kirche, Osten.
1773
Feuersbrunst in Osten, 42 Wohnhäuser zerstört.
1848
Beginn der Bestrebungen zur Bildung der politisch
selbstständigen Gemeinde Osten / Abtrennung von Altendorf.
1862
Bau der Landstraße Neuland-Osten-Lamstedt.
1875
Das Kirchdorf Osten ist eine selbstständige
Gemeinde.
1881
Bau der Eisenbahn Harburg-Cuxhaven.
1895
Osten hat 839 Einwohner. Der Ort ist ein
relativ bedeutender Handelsplatz mit 159 Gewerbetreibenden. Zuvor haben
an den Deichen bis zu 15 Ziegeleien bestanden.
1909
Bau der gemeindeeigenen Schwebefähre
1933
Osten zählt nur noch 553 Einwohner
1940
Die Gemeinde erwirbt 15,8 ha Kirchländereien
der Gemarkung Altendorf.
1951
Beginn reger Bautätigkeit / Neu-Osten entsteht
1961
Gründung des Fremdenverkehrsvereins
1962
Flut-Katastrophe vom 16./17. Februar
1969
Bis 1974 Bau der Brücke bei Osten; Ausbau
der Bundesstraße 495
1972
Aus dem Zusammenschluss von Altendorf, Isensee
und Osten entsteht die neue Gemeinde Osten/Oste, die 1984 etwa 2100 Einwohner
zählt.