Moorschützer an der Oste:
Freude über rot-grüne Pläne

>>> Johann Steffens (Klenkendorf) hat oste.de diese Erklärung der von über 2000 Mitstreitern unterstützten "Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore" in Gnarrenburg übermittelt:

Am 10. April 2013 berichtete die Presse „Land will Moore schützen, aber ein Moratorium wird es nicht geben“. Doch auch ohne Moratorium wird aller Voraussicht nach im Landkreis Rotenburg/Wümme kein Antrag auf Torfabbau mehr genehmigt werden können.

Christian Meyer, neuer Landwirtschaftsminister, hat mit Schreiben vom 8. April 2013 eine Stellungnahme an den Landkreis Rotenburg/Wümme gerichtet, in der er mitgeteilt hat, dass der Landtag noch vor der Sommerpause mit den Arbeiten zur Änderung des Landesraumordnungsprogrammes beginnen wird. Ziel ist es, alle Vorranggebiete für den Torfabbau ersatzlos zu streichen.

Das Verfahren dauert seine Zeit - aber nach Aussage von Herrn Meyer wird es im kommenden Jahr 2014 abgeschlossen sein! Dann sind Vorranggebiete für den Torfabbau Geschichte!

Diese Zeitschiene ist für einen Gesetzgebungsprozess ordentlich schnell. Außerdem hat Minister Meyer Herrn Luttmann (ROW-Landrat) Hilfestellungen des Umweltministeriums angeboten, falls in der Zwischenzeit ein Antrag auf eine Torfabbaugenehmigung eingehen sollte. Die vorgegebene Zielrichtung des Ministers ist: Schutz der Moore und Verzicht auf Torfabbau.

Ein Moratorium, das sich die Bürgerinitiative gewünscht hatte, wird vom Land nicht erlassen. Das ist in dieser Konstellation nicht dramatisch, wenn das Land so schnell agiert. Schneller hätte man vermutlich auch keinen Landtagsbeschluss über ein Moratorium bekommen.

Wer hätte Ende Oktober bei Gründung der Bürgerinitiative - oder noch im Januar, bei der Podiumsdiskussion – das für möglich gehalten?

Für die Bürgerinitiative geht die Arbeit weiter. Wir sind vom Landkreis eingeladen, am sog. „Runden Tisch“ zur Erarbeitung eines „Zukunftskonzeptes für die Teufelsmoorregion Gnarrenburg“ teilzunehmen.

Ein positives Zukunftskonzept ist eines unserer Ziele. Wir wollen die Dörfer erhalten und wollen, dass der Landkreis den ländlichen Raum im Nordkreis in sein Blickfeld nimmt. Wir wollen, dass der Nordkreis attraktiv bleibt und eine Entwicklungsperspektive bekommt.

Der „Runde Tisch“ wurde von uns auf unserer Unterschriftenliste gefordert. Die Idee wird mitgetragen von der Gemeinde Gnarrenburg, ist von der Mehrheitsfraktion im Kreistag aufgenommen worden und vom Kreistag beschlossen.

Unter Beteiligung der Gemeinde, der betroffenen Ortschaften, der Naturschutzverbände, des Landvolks, der Fraktionen des Kreistages, der Wasserverbände usw. soll das Konzept für „unsere Teufelsmoorregion“ erarbeitet werden, in dem die Vielfalt unserer Landschaft mit den verschiedenen „Nutzungsformen“ (Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus, die kulturhistorisch einmaligen Findorffsiedlungen usw.) einen Raum finden und Maßnahmen für die Zukunft unseres (!) ländlichen Raumes geschaffen werden.

Wir wollen insbesondere für die betroffenen Dörfer, die Landwirte, die hier leben, mögliche Entwicklungsperspektiven erhalten und Förderkulissen erschließen. Wir wollen dass das Leben in den Dörfern attraktiv bleibt, Maßnahmen initiieren und Fördertöpfe finden.

Die Landwirte werden bei uns weiter eine wichtige Rolle einnehmen. Sie bewirtschaften die Landschaft, brauchen für ihre Existenz Flächen und müssen letztendlich für die Flächenpflege extensiv genutzte, naturnahe Flächen, die für den Naturschutz und zur Naherholung wichtig sind und gesichert werden sollen, gewonnen werden und eine gerechte Entlohnung erhalten.

Der „Runde Tisch“ kommt erstmalig am 29.04.2013 nichtöffentlich im Kreishaus zusammen. Die Bürgerinitiative wird von Martina Leitner und Kerstin Klabunde vertreten.

Beispiele für ein Zukunftskonzept kann man in Teilen aus der sog. „Vision Teufelsmoor“ aus dem Nachbarkreis Osterholz entnehmen. Diese Vision ist ebenfalls auf breiter Basis, unter Beteiligung der Betroffenen, erarbeitet worden.

Der Einwand des Industrieverbandes Gartenbau (IVB) ohne industriellen Torfabbau würden 400 000 Arbeitsplätze im Gartenbau gefährdet sein, ist falsch. Es kann niemand ernsthaft behaupten, dass die Arbeitsplätze im Gartenbau ausschließlich an der Frage hängen, ob in der Blumenerde Torf enthalten ist.

Aus Erfahrung weiß man, das überall dort wo etwas verboten wird sehr schnell Ersatzstoffe vorhanden sind. Die Torfindustrie ist bei der Fertigung von Ersatzstoffen auch schon weiter als man denkt, schließlich weiß man auch dort, dass der Rohstoff Torf in absehbarer Zeit zur Neige geht.

Ein Stopp im Torfabbau verhindert im Übrigen nur neue Abbaugenehmigungen. Bereits erteilte Abbaugenehmigungen dürfen bis zum Ende ihrer Laufzeit (20 bis 30 Jahre) weiter genutzt werden. Für die Gnarrenburger Torfwerke wird sich nichts ändern.

An dieser Stelle möchte die Bürgerinitiative allen Dank sagen, die uns unterstützt haben und unsere Ziele weiter verbreitet haben. Die Unterstützung brauchen wir weiter. Helft uns die Idee des Zukunftskonzepts – das übrigens in dieser Komplexität mindestens in Niedersachen einmalig ist und vermutlich Modellcharakter haben wird – in die Öffentlichkeit zu bringen.

Wer Ideen oder Anregungen hat , kann sich mit uns in Verbindung setzen. Wir freuen uns über jede Art von Gespräch.

Herzlich grüßt die Kerntruppe der Bürgerinitiative : Martina Leitner, Eva Janscheck, Jens Schröter, Florian Ahrens, Katrin Klose, Uwe Klose und Kerstin Klabunde.

Web-Tipp: http://www.moorschutz-gnarrenburg.de/