Ausgewählte Reden von
Jochen Bölsche 2004 - 2013

„Ein Fest für das Osteland“ - Das Jahr 2004 an der Oste
Festrede von Jochen Bölsche beim 1. Tag der Oste 2005 in Hechthausen

Moin, moin, meine Damen und Herren, liebe Freunde des Ostelandes, das Jahr 2004 war ein gutes Jahr für die Oste – ein Jahr des Aufbruchs. Ein vergessener Fluss, so urteilen nicht nur örtliche Zeitungen, sei „aus dem Dornröschenschlaf erwacht“. Sogar im fernen Hamburg hat man erkannt, dass die Oste, ich zitiere das „Abendblatt“,  „zu Unrecht nur relativ wenig bekannt“ ist.
Nun, was ist geschehen? Auch an der Oste, die ja aufgrund ihrer Randlage im Grenzgebiet von Landkreisen lange Zeit irgendwie im toten Winkel verlief, hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass man nicht Gebietskörperschaften wie Samtgemeinden oder Landkreise touristisch vermarkten kann, sondern nur natürliche Landschaften
– also in diesem Fall das gesamte wunderschöne Osteland von den Fischotter- und Eisvogeltälern im Oberlauf bis zu den Seehundbänken an der Mündung, diese Region zwischen Moor und Meer, die sich durch ihre natürliche Vielfalt ebenso auszeichnet wie durch ihre kulturelle Einzigartigkeit; die Oste ist schließlich auch der Fluss von Peter Rühmkorf und Walter Kempowski.
Wie stark inzwischen dieser Trend – weg vom Kirchturmdenken, hin zur überörtlichen Zusammenarbeit – geworden ist, hat vor allem die im Januar 2004 gegründete AG Osteland e.V. erfahren: Binnen weniger Monate haben allein an der Oste sechs Samtgemeinderäte und ein Stadtrat aus drei Landkreisen jeweils einstimmig ihren Beitritt beschlossen.
Und zugleich hat sich die Zahl der Einzelmitglieder der AG Osteland seit der Gründung mehr als verdreifacht, darunter erfreulich viele Vereinsvorsitzende aus Wassersport und Heimatpflege, Sportangeln und Kultur, Touristik und Kommunalpolitik, denen der Jahresbeitrag in Höhe von 10 Euro nicht zu hoch ist.
Der erste große Erfolg dieses neuen Denkens war im Mai 2004 die Eröffnung der 250 Kilometer langen Deutschen Fährstraße, die von der Oste zur Ostsee führt und die Geschichte der Gewässerquerungen erlebbar macht – ein „Musterbeispiel länderübergreifender Zusammenarbeit“, wie die Kieler Landesregierung damals in ihrem Grußwort hervorhob.
Mittlerweile wird die jüngste deutsche Ferienstraße nicht nur von uns selber mit Flyern, Großplakaten, Messeauftritten, einer eigenen Website und neuerdings auch Ansichtskartenserien beworben, sondern auch von unseren Kooperationspartnern in Niedersachsen und Schleswig-Holstein und, seit dieser Woche, aus Anlass der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, auch von der Deutschen Zentrale für Tourismus. In ihrem Programm „Deutschland Top 50“ weist die DZT im Internet in zwölf Sprachen auf die Deutsche Fährstraße hin – das ist sozusagen der Ritterschlag für unser Projekt.
Solche Resonanz verpflichtet natürlich zur Weiterarbeit am Produkt, das laut einer Diplomarbeit der Uni Kiel Chancen bietet, „ein sehr erfolgreiches Projekt“ zu werden, aber noch verbesserungsbedürftig ist.
So steht die Ausschilderung der Fahrradroute an der Oste nun zwar vor dem Abschluss, aber die Autoroute harrt noch der Beschilderung. Zwar haben mehrere Kommunen und Verbände die Route in ihre Karten aufgenommen, aber das Angebot an Werbematerial, das dank des Hauptsponsors, der Volksbanken, aufgebaut werden konnte, muss erweitert werden. Zwar gibt es die ersten Pauschalreisen – Pionier ist hier der ADFC-Kreis Cuxhaven –, aber sehr viel mehr
Angebote dieser Art wären wünschenswert. Zwar hat die Oste-Fahrgastschifffahrt 2004 einen erfreulichen Aufschwung erlebt, aber es fehlt noch an geeigneten Anlegern, etwa in Balje und Hemmoor, in Großenwörden und in Klint.
Ein zweiter großer Erfolg der Zusammenarbeit entlang der Oste bahnt sich an rund um die Fähren, die diesen Fluss so unverwechselbar machen. Die Maritime Landschaft Unterelbe hat sich 2004 der Erhaltung der Prahmfähren angenommen. Und die Bundesregierung hat die älteste deutsche Schwebefähre, das überragende Wahrzeichen des gesamten Ostelandes, im Frühjahr 2004 in den Rang eines Baudenkmals von nationaler kultureller Bedeutung erhoben. Mit einer großen
Kraftanstrengung hat sich der Kreis Cuxhaven bemüht, seiner Verantwortung als Eigentümer dieses einzigartigen Baudenkmals gerecht zu werden, für dessen Erhaltung sich sogar der spanische König Juan Carlos I. als Ehrenpräsident des Schwebefähren-Weltverbandes eingesetzt hat. Mit der Wiederinbetriebnahme wird, nach allerdings fast vierjährigem Stillstand, für den Spätsommer dieses Jahres gerechnet.
Ebenso wichtig wie die technische Instandsetzung des Baudenkmals ist seine touristische Inwertsetzung. Dazu zählt die Einrichtung eines kleinen Besucherzentrums mit Fährausstellung ebenso wie, nach dem Vorbild ausländischer Schwebefähren, eine Illuminierung der Anlage. Nachdem die Verkabelung von privater Seite bereits finanziert worden, soll eine Spendensammlung hier und heute dazu beitragen, die noch fehlenden Scheinwerfer zu beschaffen, um das Wahrzeichen des Ostelandes bei seiner Wiederinbetriebnahme ins rechte Licht setzen zu können.
Vielleicht gelingt es uns sogar eines Tages, unseren „Eiffelturm des Nordens“ so ansprechend herzurichten und so schlüssig in touristische und pädagogische Konzepte einzubauen, dass die Bundesrepublik die Schwebefähre für das Weltkulturerbe der Unesco vorschlagen kann. Einen entsprechenden Beschluss für unsere „Schwesterfähre“ in Spanien hat die baskische Regionalregierung bereits vor kurzem verabschiedet.
Ein weiterer Erfolg interkommunaler Zusammenarbeit im Osteland zeichnet sich ab mit dem Start des „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts“ Kehdingen-Oste (ILEK), das, ersonnen in den Rathäusern von Nordkehdingen und Drochtersen, von Heiner Ehlen, dem Minister für den ländlichen Raum, jüngst auf den Weg gebracht worden ist.
Auch der Arbeitskreis Kommunalpolitik der AG Osteland sieht in ILEK ein gutes Instrument, die Erfordernisse von Landwirtschaft, Tourismus, Denkmalschutz und Dorferneuerung im Land zwischen Oste und Elbe abzustimmen und durchzusetzen. Das Ilek-Verfahren könnte vor allem helfen, den Nachholbedarf abzubauen, der an der Unteren Oste gegenüber der Oberen Oste entstanden ist.
Denn in vielfacher Hinsicht können die Aktivitäten der Tourow-Touristiker an der Oberen Oste Vorbild sein für notwendige Entwicklungen im Tidebereich des Flusses. Hingewiesen sei nur auf beispielhaft dichte Radwegebeschilderung im Kreis Rotenburg, auf die Informationstafeln, Rastplätze und Schutzhütten an der Oste, auf das Bemühen um Förderung und naturverträgliche Lenkung des Kanusports durch Befahrensregelungen, auf den hervorragend konzipierten und vermarkteten Radweg „Naturerlebnis Elbe-Weser-Dreieck“ und auf die am 16. April bevorstehende Eröffnung des Radwanderweges Hamburg – Bremen, der die Oste bei Sittensen queren wird.
Damit die Untere Oste aufschließen kann, sind viele kleine Schritte nötig, wie sie erfreulicherweise seit Monaten überall am Fluss erörtert werden.
Genannt seien beispielhaft die Bestrebungen in Kehdingen, das Natureum mit seinem vielfältigen, kreativ gestalteten Programm besser durch die Fahrgastschifffahrt zu erschließen;
die Ambitionen des Fleckens Neuhaus, sich verstärkt als Drehscheibe des Wassersports an der Ostemündung zu profilieren;
die Beharrlichkeit, mit der Oberndorf Bordtrauungen auf der Oste durchgesetzt hat;
die Hemmoorer Pläne, das vakante Bahnhofsgebäude unter anderem als Info-Zentrum für das Osteland zu nutzen, nach dem Vorbild der gemeinsamen Gäste-Information von Nordkehdingen und Drochtersen;
die gute Idee der Kirchengemeinde Osten, den Fluss und die Fähre auf dem Evangelischen Kirchentag in Hannover zu präsentieren; die pfiffigen Großenwördener Pläne, die Moorkieker-Bahn durch einen zusätzlichen Haltepunkt und einen Gemeindeanleger auch an den Ostetourismus anzubinden;
die Hechthausener Überlegungen, das Ferienangebot in Klint durch einen Badesee zu ergänzen;
der gelungene gemeinsame Internetauftritt der Touristiker in Himmelpforten und Oldendorf, die zu den ersten gehört haben, die eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit praktiziert haben;
die Bemühungen in Gräpel, die Traditionen der Osteschiffer wachzuhalten - und sicherlich vieles andere mehr.
Unabdingbare Voraussetzung für jeglichen Tourismus in der Osteregion ist natürlich eine attraktive Gastronomie, die, vor allem, wenn sie typische Gerichte offeriert – Stichworte: Krabben, Aal, Stint – den Reiz unserer Region erhöht. Erfreulicherweise haben erste Betriebe bereits begonnen, Hinweise auf die Deutsche Fährstraße in ihre Selbstdarstellung, zum Beispiel im Internet, einzubeziehen.
Profitieren könnte von einer verstärkten Werbung für den Fluss vor allem auch der Wassersport in seinen verschiedenen Ausprägungen, einschließlich des Wasserski-Angebots am Ostesee, der Bootsvermietungen in Hechthausen und des Tauchreviers am Kreidesee in Hemmoor, das kürzlich als beste Tauchbasis im deutschsprachigen Bereich ausgezeichnet worden ist.
Wenn die internationale Fachzeitschrift „Sejleren’s“ die Oste über mehrere Seiten hinweg heute als „Kleinod für Wassersportler“ rühmt, ist das vor allem den Wassersportclubs an der Oste zu verdanken, deren Gastfreundschaft sprichwörtlich ist. Auch große wassersportliche Veranstaltungen wie der „Oste-Marathon“ der Wasserfreunde Hemmoor (seit über 30 Jahren!) oder die Osteregatten der Seglergemeinschaft Oberndorf genießen bekanntlich einen vorzüglichen Ruf.
Nicht minder verdient gemacht haben sich um die Oste allerdings die Sportfischer mit ihrem Jahrzehnte langen Engagement für den Artenschutz. Gerade an dem einstigen Kaviarfluß Oste, wo menschliche Unvernunft vor 100 Jahren den Stör ausgerottet hat, haben Sportfischer nicht nur Nordseeschnäpel, Quappe und Meerforelle wieder angesiedelt, sondern auch den Lachs, den König der Fische, so dass die Zeitschrift „Fischwaid“ die Oste zu Recht als „Lachsfluss Nr. 1“ bezeichnet.
Diese Sportfischer – stille Helden des Alltags, über die wir heute noch einiges mehr hören werden – haben begriffen, wie wichtig es ist, das Naturpotential der Oste zu bewahren, und das nicht nur deshalb, weil dessen schonende, nachhaltige Nutzung zu den wenigen Entwicklungschancen unserer strukturschwachen Region zählt.
Umso erfreulicher ist es auch,
dass bei Volkensen dank eines bundesweit einmaligen Projekts der fast ausgestorbene Laubfrosch wieder angesiedelt werden konnte,
dass im Tister Moor Tausende von Kranischen heimisch sind und dass an der Ostemündung seit vorigem Jahr der Seeadler wieder heimisch ist - ein Erfolg der
Ausweisung großflächiger Naturschutzgebiete, die in diesem Fall dazu beitragen hat, dass „Niedersachsen wieder ein Stück reicher geworden ist“, wie der hannoversche Umweltminister Hans-Heinrich Sander zu Recht den Wiederansiedlungserfolg an der Oste kommentiert hat.
Aus solchen Gründen sehen wir uns daher als Verbündete jener neuen Generation aufgeschlossener Landwirte, die nach den Beobachtungen der Sportfischer zum Beispiel die Anlage von Gewässerschutzstreifen unterstützen und die nicht nur Konflikte, sondern mehr und mehr Schnitt-mengen zwischen Landwirtschaft, Landschaftspflege und Landschaftsschutz sehen. Wie kürzlich eine Untersuchung des Diplom-Geographen Ralf Baur an der mittleren Oste ergeben hat, sind immerhin 49 von 64 befragten Hofbesitzern bereit, sich am Vertragsnaturschutz zu beteiligen. Das sind ermutigende Signale.
Ebenso begrüßenswert ist das neu erwachte Interesse an der Heimatgeschichte des Ostelandes. Nachdem vor Jahren bereits im Fischerhuder Verlag Atelier im Bauernhaus von Wolf-Dietmar Stock der Natur- und Reiseführer „Unterwegs zwischen Moor und Heide“ erschienen ist – ein wahres Juwel von einem Buch -, folgte zum Jahreswechsel 2003/2004 im Verlag der Männer vom Morgenstern der ebenso erfolgreiche Band „Die Oste“ mit exzellenten Beiträgen so renommierter Fachleute wie Elfriede Bachmann, Gisela Tiedemann, August Heinrich von Brook, Amandus Ahlf, Heinz Behrens und Holger Kuhne.
Hinzu gekommen sind im vorigen Jahr beachtenswerte Einzelstudien über die Osteschifffahrt (vom Gräpeler Schifferverein Freundschaft von 1904) oder über die jüdischen Gemeinden an der Unteren Oste (von Manfred und Rüdiger Toborg aus Osten). Der Bewältigung der düsteren Seiten unserer Regionalgeschichte hat sicherlich auch die Debatte um das Gedenken an die Opfer des Lagers Sandbostel gedient, wo die Beteiligten den Weg zu einer gemeinsamen Lösung beschritten haben.
Den stärksten Einfluss auf das neue „Oste-Bewusstsein“, das zurzeit überall aufkeimt, haben sicherlich die Medien. Genannt sei hier die Oste-Berichterstattung der Heimatpresse von Zeven bis Otterndorf, aber auch der 2004 mehrfach wiederholte wunderbare ARD-Film über die Oste.
Und erwähnt sei schließlich auch das Engagement heimischer Künstler: Nikolaus Ruhl, Schöpfer der wohl schönsten Oste-Fotos, sein Kollege Mike Behrens, der für uns den „Goldenen Hecht“ geschaffen hat, oder der Schauspieler Ernst Reinhardt, bekannt als Lilo Wanders, der gerade erst in der Bremervörder Zeitung mit einer „Hommage an die Oste“ zu Wort gekommen ist hat, und, allen voran, die Schriftstellerin Elke Loewe, die in ihrem literarischen Werk dem Osteland ein Denkmal gesetzt hat.
Eine Hoffnung, eine Vision zum Schluss: So wie wir heute zusammengekommen sind, über Vereins- und Parteigrenzen, über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg, lassen Sie uns gemeinsam weiterarbeiten - dafür, dass das Wort Osteland eines Tages zum Markenzeichen wird für eine gastfreundliche Region mit eigenem Zauber, deren Menschen das Naturpotential dieser Flusslandschaft nicht zuletzt deshalb schützen, um sie nutzen zu können.

„Nach Aufbau Ost ein Aufbau Oste“ - Das Jahr 2005 an der Oste
Festrede von Jochen Bölsche beim 2. Tag der Oste 2006 in Bremervörde

„Das Jahr an der Oste“ ist mein Thema. Als ich vor zwölf Monaten, beim 1. Tag der Oste, gesprochen habe, hieß mein Fazit: „Das Jahr 2004 war ein gutes Jahr für die Oste – ein Jahr des Aufbruchs“. Um mein heutiges Resümee vorwegzunehmen: Auch 2005 war ein gutes Jahr – wir haben die ersten Früchte des Aufbruchjahres 2004 ernten können.
Das Osteland, das Einzugsgebiet der Oste, als dessen Lobby wir uns verstehen, ist 1700 Quadratkilometer groß, größer noch als Hamburg und Berlin zusammen.
Meine notgedrungen kompakte Bilanz kann daher nur einige wichtigsten Entwicklungen ansprechen.
Eines vorweg: Noch vor zwei Jahren, als die AG Osteland gegründet wurde, war vom „unbekannten Fluss“ die Rede, der „im Dornröschenschlaf“ liege. Heute lässt sich sagen: Dornröschen ist erwacht, und es hat mehr Verehrer denn je – ohne nun allerdings gleich zum touristischen Superstar geworden zu sein.
Jedenfalls ist in keinem Jahr zuvor ist in Presse, Funk und Fernsehen so viel über die Oste berichtet worden. Nicht nur, dass mehrfach der ARD-Klassiker „Zwischen Moor und Marsch“ wiederholt worden ist, auch im mdr-Fernsehen und auf N 3 wurden die Reize der Region mehrfach zur Schau gestellt, teils zur besten Sendezeit.
Momentan übrigens ist ein „Nordtour“-Beitrag über die Oste, den „Fluss der Wohnmobile“, in Arbeit. - Auch im modernsten aller Medien, im Internet, ist die Oste mehr und mehr vertreten: Genannt seien hier nur neben unserer Vereins-Website osteland.de die großartige heimatgeschichtliche Seite ostechronik.de von Hartmut Jungclaus aus Burweg-Bossel und das umfassende Linkverzeichnis osteweb.de von Karl-Heinz-Brinkmann aus Osten, beide Mitglieder der AG Osteland.
Vor allem aber ist unsere Region – die zuvor für manch einen im toten Winkel gelegen hat – verstärkt ins Blickfeld der Politik geraten. So hat kein Geringerer als der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff kürzlich auf Vermittlung der AG Osteland die Schirmherrschaft über die Europa-Kutschtour unserer Mitglieder Christiane und Jürgen Reimer aus Hechthausen übernommen. Die beiden wollen als offizielle „Botschafter des Ostelandes“ sechs Monate lang in sechs europäischen Ländern für unsere Region werben.
Zudem hat Heiner Ehlen, der niedersächsische Minister für den ländlichen Raum, nicht nur persönlich in Drochtersen das Verfahren zur Aufstellung des „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts“ (Ilek) Kehdingen/Oste eröffnet, das durch Siegfried Diercken vom Amt für Landentwicklung vertreten wird.
Der Minister hat auch die Schirmherrschaft für unsere Wanderausstellung „Malerische Oste“ übernommen, die vom Mai an in Bremervörde, Neuhaus und Sittensen gezeigt wird und von einem neuen wunderschönen Oste-Buch begleitet wird, beides betreut von unseren Mitgliedern Elke Loewe aus Drochtersen-Hüll – unserer Oste-Kulturpreisträgerin 2005 - und Wolf-Dietmar Stock aus Fischerhude.
Von der Ostequelle bis zur -mündung ist mittlerweile so etwas wie ein „neues Oste-Bewusstsein“ zu spüren, das nicht zuletzt zu einer Verdoppelung unserer Mitgliederzahl gegenüber dem Vorjahr geführt hat.
Zu den Neueintritten zählen Landkreise (zuletzt Cuxhaven), Gemeinden (zuletzt Großenwörden), Wirtschaftsunternehmen (zuletzt die Elbfähre Glückstadt – Wischhafen), Vereine (zuletzt die Oste-Pachtgemeinschaft, die tausende von Anglern vertritt) und viele Einzelmitglieder – das jüngste übrigens ist der 14-jährige Philipp Steiger aus Schneverdingen, der ein Oste-Poster geschaffen hat, von dessen Erlös er einen Euro pro Exemplar unserer AG Osteland stiftet.
Das neue Oste-Bewusstsein äußert sich aber auch in dem Zuspruch, den die Themenexkursionen in unserer Reihe „Unbekannte Oste“ finden; für 2005 und 2006 wurden insgesamt neun Touren ausgearbeitet.
Die nächste Veranstaltung – Thema: „Die Oste, Fluss der Dichter“, auf den Spuren von Peter Rühmkorf und Walter Kempowski – war praktisch über Nacht ausgebucht.
Fortgesetzt wurden 2005 auch die vielfältigen Bemühungen, die Oste-Region bekannter zu machen – unter anderem mit ehrenamtlich betreuten Ständen auf rund einem Dutzend Messen und Festen, mit Newslettern, Pressemitteilungen, bislang mehr als 50 Vorträgen und Präsentationen und mit 100 000 neuen Flyern, die vom Arbeitskreis Tourismus der AG Osteland entworfen und vom Amt für Landentwicklung in Bremerhaven, der Stadt Bremervörde und den Samtgemeinden an der Unteren Oste finanziert worden sind.
Parallel zur Werbung für die Region wurde die touristische Infrastruktur ausgebaut, besonders eindrucksvoll im Kreis Rotenburg. Erwähnt sei hier nur der im April eröffnete 150 Kilometer lange Radfernweg Hamburg – Bremen, der die Oste bei Sittensen quert und der unter anderem das Kloster Zeven, das Handwerkermuseum Sittensen und das Tister Bauernmoor mit der Moorbahn erlebbar macht; um den Radweg hat sich insbesondere einer unserer heutigen Referenten, der Tourow-Geschäftsführer Udo Fischer, große Verdienste erworben.
Zugleich wurde im vorigen Jahr auch die Deutsche Fährstraße Bremervörde - Kiel, die im Mai 2004 mit Unterstützung der Volkbanken eröffnet worden ist, weiter ausgebaut.
Die Radwege- und Autorouten-Ausschilderung im niedersächsischen Teil ist inzwischen abgeschlossen, der Brückenschlag nach Glückstadt vollzogen.
Im Mai wird das Teilstück Brunsbüttel – Kiel von unserem Kooperationspartner im Norden, der Tourist-Info Nord-Ostsee-Kanal unter Leitung unseres Mitglieds Monika Heise, feierlich eröffnet.
Der Empfehlung einer Studie der Universität Kiel folgend – Autorin ist Sylvia Bochmann, Osteland-Preisträgerin 2005 – , haben wir uns bemüht, die anfangs noch relativ schwache Verklammerung des Nord- und Südteils der Deutschen Fährstraße zu verstärken.
Während wir an der Oste für Urlaub am Kanal werben, wird nun in schleswig-holsteinischen Veröffentlichungen verstärkt für die Oste geworben.
Auch die von unseren beiden Mitgliedern Carsten Hubert und Jörg Sibbel, den Bürgermeistern von Osten und Osterrönfeld, vereinbarte Partnerschaft zwischen den beiden Schwebefähren-Gemeinden hat mit vielen Besuchen und Gegenbesuchen bereits dazu beigetragen, die Achse Oste – Ostsee zu stärken; beim 1. Ostener Fährmarkt am 28. Mai soll die Partnerschaft offiziell besiegelt werden.
Große Hoffnungen setzen wir auch in den künftigen nationalen Schwebefähren-Dachverband, der sich im April in Form eines Arbeitskreises innerhalb der AG Osteland konstituieren wird. Der Arbeitskreis, dem unter anderem unser Mitglied Andreas Breitner, Bürgermeister von Rendsburg, angehört, wird unter anderem die Frage prüfen, ob für die deutschen Schwebefähren der Weltkulturerbe-Status der Unesco angestrebt werden soll.
Dieses Prädikat, das noch in diesem Jahr der spanischen Schwebefähre bei Bilbao zuerkannt werden soll und auch für die Schwebefähre in Buenos Aires angestrebt wird, würde dem gesamten Osteland zu einem enormen touristischen Aufschwung verhelfen.
Die Restaurierung des nationalen Baudenkmals Schwebefähre Osten – Hemmoor, des herausragenden Wahrzeichens an der Oste, ist 2005 praktisch abgeschlossen worden – nicht zuletzt dank des unermüdlichen Einsatzes unseres Mitglieds Birgit Greiner vom Landkreis Cuxhaven, die dafür letztes Jahr mit dem Goldenen Hecht ausgezeichnet worden ist.
Bei der Wiederinbetriebnahme der Schwebefähre am 21. April wird auch die neue, ausschließlich von Sponsoren finanzierte Beleuchtungsanlage installiert sein, für deren Realisierung die AG Osteland mit ihrer Tischsammlung beim 1. Tag der Oste in Hechthausen und mit den Erlösen einer Sondermarke mit der Gräpeler Prahmfähre den größten Einzelbeitrag beisteuern konnte.
Der Vorsitzende und der Schatzmeister der Ostener Fördergesellschaft, unsere Mitglieder Horst Ahlf und Peter Burmester, lassen dafür danken. Als nächste Herausforderung kommt auf uns die Notwendigkeit zu, die Schwebefähre durch ein Besucherzentrum, eine Art Fähr- und Flussmuseum, zu ergänzen.
Neben Schwebe- und Prahmfähren, den Alleinstellungsmerkmalen unseres Raumes, zählen der Vörder See mit seinen diversen Attraktionen und das Natureum Niederelbe in Balje mit kontinuierlich ausgebauten Programmen zweifellos zu den Hauptanziehungspunkten unserer Region – und das mehr denn je, wenn erst das Fahrgastschiff Mocambo, das Rückgrat des Wassertourismus an der Unteren Oste, nicht nur in Bremervörde anlegen kann, sondern, dank des im Bau befindlichen neuen Anlegers, demnächst auch in Balje.
Mit Hoffnung erfüllen uns auch die vielen Projekte zur Förderung des Boots- und Fahrradtourismus, mit denen die Untere Oste im Begriff ist, ihren Nachholbedarf gegenüber der Oberen Oste abzubauen. Stichworte sind der Alte Hafen in Neuhaus, das Sanitärgebäude in Oberndorf, neue Schiffsanleger in Osten und eventuell auch in Großenwörden und die neue Aussichtsplattform in der ausgedeichten Osteschleife Hechthausen.
Das Beispiel Hechthausen - wie im übrigen auch der Gemeinde Großenwörden - zeigt, dass es durchaus möglich ist, die Belange von Deichbau, Landwirtschaft, Ökologie und Tourismus auf einen Nenner zu bringen.
Eben dies sollte auch bei Laumühlen möglich sein, wo die Sportangler um den Zugang zu ihrem Pachtgewässer Oste fürchten und wo fruchtbare Gespräche begonnen haben, ebenso wie bei Nindorf/Brobergen, wo es gilt, die historische Fährstelle zu erhalten; eine demnächst zu verhandelnde Kompromissvariante deutet auf eine alle Seiten zufriedenstellende Lösung hin.
Natürlich bleiben noch Wünsche offen – zum Beispiel nach Fahrgastschiffanlegern in Klint und Hemmoor sowie nach passenden, niedrigbordigen Anlegern für Kanu- und Kajakfahrer und nach Zeltmöglichkeiten entlang der Tideoste nach dem Beispiel der Oberen Oste.
Zu hoffen ist, dass nach der Schließung der Jugendherberge in Bremervörde möglichst bald das geplante Jugendhostel zur Verfügung steht  und dass es auch anderswo zu so fruchtbarer wie vorbildlicher überörtlicher Kooperation zwischen Kommunen und Touristikern kommt wie in Nordkehdingen und Drochtersen einerseits und in Himmelpforten und Oldendorf andererseits.
Mit großer Freude haben wir im vorigen Jahr ein wachsendes Interesse an der Heimatgeschichte des Ostelandes registriert, das sich nicht nur in steigender Nachfrage nach Heimatliteratur äußert – und dazu gehören heute auch Regionalkrimis – , sondern auch in der Zahl der Anmeldungen zu einschlägigen Exkursionen.
Dass Heimatpflege mehr ist als Heimattümelei, zeigt das erfreuliche Beispiel Sandbostel, wo nahezu alle Verantwortlichen nun gemeinsam den Weg beschritten haben zu einem angemessenen Gedenken an die ungezählten Opfer des einstigen Kriegsgefangenen- und KZ-Ausweichlagers.
Ebenso lässt sich ein verstärktes Interesse für den Naturschutz im Osteland beobachten. Das reicht von der Freude über die ansehnlichen Artenschutzerfolge der Sportangler, die endlich die angemessene öffentliche Würdigung erfahren, über die Besorgnis um das Schwarzerlensterben an der Oberen Oste bis hin zu den Bemühungen um die Verbesserung der Gewässerqualität; dazu wird unsere Festrednerin Dorothea Altenhofen sprechen.
Vor der AG Osteland und allen Mitstreitern in Politik, Wirtschaft und Vereinsleben liegen in diesem Jahr wichtige Aufgaben: zu allererst, den Bekanntheitsgrad des Ostelandes weiter zu erhöhen, dazu vermehrt touristische Packages, Rund-um-sorglos-Pakete, auch für die Untere Oste zu entwickeln, wie es unsere Mitglieder Monika und Peter Prüß vom ADFC-Kreis Cuxhaven im vorigen Jahr in vorbildlicher Weise für die gesamte Deutsche Fährstraße getan haben und die Planung der Küstenautobahn A 22 kritisch zu begleiten, damit nicht ausgerechnet die ökologisch und touristisch wertvollsten Teile der Flusslandschaft zerstört werden.
Am Ende bleibt eine große Sorge, die uns alle erfüllt: Teile des Ostelandes sind in besonderer Weise betroffen vom demographischen Wandel, von Abwanderung, Überalterung und Arbeitsplatzverlust. Die Wirtschaftskraft gleicht nach jüngsten Untersuchungen etwa der im Raum Rostock. Daraus folgert: So berechtigt es war, Milliarden in den Aufbau Ost zu investieren, so berechtigt ist die Forderung nach einer Art „Aufbau Oste“.
Da reicht es nicht, EU-Millionen für den Altbezirk Lüneburg zur Verfügung zu stellen – sie müssen auch genau dort landen, wo sie im dringendsten benötigt werden. Und das sind ausgerechnet diejenigen Gemeinden, denen es am schwersten fällt, genügend Eigenmittel für die Kofinanzierung aufzubringen. Und von diesen Gemeinden gibt es gerade entlang der Oste etliche.
Dennoch denke ich, dass wir auch hier voran kommen können – wenn wir weiter wie bisher zusammenarbeiten: über Vereins- und Parteigrenzen, über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg, egal ob wir von der Oberen oder der Unteren Oste kommen, vom linken oder vom rechten Flussufer.

„Touristische Erfolge nachhaltig sichern“ - Das Jahr 2006 an der Oste
Festrede von Jochen Bölsche beim 3. Tag der Oste 2007 in Balje

Moin, moin, liebe Freunde, noch nie habe ich vor einem Saal gestanden, in dem so viele Leute den Silbernen Fährmann tragen, das Abzeichen der Freunde der Oste, die sich für unseren schönen Fluss und für die Menschen in seinem riesigen Einzugsbereich einsetzen.
Einen möchte ich besonders begrüßen: unser wohl ältestes Mitglied, gerade 79 geworden, Altbürgermeister, Ehrenratsherr, Ehrenbürger von Brobergen, Helmut Hudaff, leidenschaftlicher Kämpfer für die letzte motorbetriebene Prahmfähre auf der Oste.
Gestern nachmittag bekam er sein schönstes Geburtstagsgeschenk: die Mitteilung des Ostedeichverbandes - heute hier vertreten durch seinen Geschäftsführer, unser Mitglied Ulli Gerdes - , er wolle aus rechtlichen und finanziellen Gründen auf die Ausdeichung der Hälfte des Broberger Ostebogens verzichten. Die historische Fährstelle von 1286 an der Deutschen Fährstraße kann erhalten werden.
Glückwunsch an Helmut Hudaff, der nach einer - man kann schon sagen - Volksbewegung für die Fähre - nun am Mittwoch einen Fähr- und Geschichtsverein gründen wird. Dank an den Verband mit seinem Oberdeichgräfe Hans-Wilhelm Saul für die (verzeihen Sie mir den Kalauer) saulomonische Lösung, die gleichermaßen den Belangen der Deichsicherheit, der Landwirtschaft, des Naturschutzes und des Tourismus Rechnung trägt.
Aber mein Thema ist nicht "Gestern an der Oste", sondern "Das Jahr an der Oste". Zum drittenmal gilt es heute, beim 3. Tag der Oste, Rückschau zu halten auf die vergangenen zwölf Monate an unserem Fluss.
Beim erstenmal lautete das Fazit: „Das Jahr 2004 war ein Jahr des Aufbruchs“.  Beim 2. Tag der Oste konnten wir nicht ohne Stolz berichten, dass „die ersten Früchte des Aufbruchjahres 2004“ geerntet wurden.  Heute allerdings – um das Resümee vorwegzunehmen – muss auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen werden, die noch immer anhaltend positive Entwicklung nachhaltig zu sichern.
Der überragende Erfolg des vorigen Jahres war ohne Zweifel die Wiederinbetriebnahme der Schwebefähre Osten – Hemmoor, für deren Sanierung und Illuminierung sich die AG Osteland von Anbeginn an auf vielfache Weise eingesetzt hat; bei der Finanzierung der Beleuchtung waren wir mit Sammlungen und Sondermarkenverkauf der größte Einzelspender.
Heute kann sich jedermann allabendlich von der – im Wortsinne – enormen Strahlkraft dieses Bauwerks überzeugen, das zum unbestrittenen Wahrzeichen der gesamten Osteregion und der von uns 2004 eröffneten Deutschen Fährstraße geworden ist.
Eine ähnliche Ausstrahlung erhoffen wir uns von einem Projekt, das gleich vornan in unserer Satzung – unter „Vereinsziele“ – verankert ist: die Schaffung eines Fluss- und Fährmuseums. Die Aufnahme der Gemeinde Osten in das Dorfentwicklungsprogramm hat uns der Verwirklichung auch dieses Ziels ein Stück näher gebracht.
Um das 1700 Quadratkilometer große, weithin strukturschwache Einzugsgebiet der Oste für Touristen und Investoren attraktiv zu machen, ist eines fraglos dringlicher als alles andere: die Oste, die lange Zeit als „der vergessene Fluss“ galt, überhaupt erst bekannt zu machen.
Auch auf dem Weg zu diesem Ziel sind wir – dank der wachsenden Popularität der Fähren und der Fährstraße – erneut ein ganzes Stück weit voran gekommen. Das Presseecho allein aus dem Jahre 2006 füllt vier Aktenordner, ganz zu schweigen von einer Vielzahl von Funk- und Fernsehbeiträgen über die Oste; ein besonders erfreulicher Fortschritt war die Herausgabe des bereits zweimal erschienenen "Osteland-Magazins" durch unsere Präsentationspartner, die Heimatzeitungen in den Osteanrainer-Kreisen.
Besonders gefreut hat uns natürlich, dass die Öffentlichkeitsarbeit der AG Osteland auch im Ausland Beachtung findet. Der uns von der japanischen Regierung bescheinigte „full use of mass media and internet“ (mit 13.000 Google-Nennungen für „deutsche fährstrasse“) hat uns zu einer Einladung zu einem Ferienstraßen-Symposium nach Tokio verholfen.
Im Sommer hatte bereits die Deutsche Zentrale für Tourismus die Deutsche Fährstraße für wert befunden, im Rahmen ihres „Top Ten“-Programms in zehn Weltsprachen beworben zu werden, darunter auch auf Japanisch und Chinesisch – ein schönes Kompliment für eine Ferienstaße, die wohl als einzige deutschlandweit von Ehrenamtlichen und ganz ohne Steuergelder ins Leben gerufen worden ist.
Natürlich waren wir – dank unseres neuen, von Renate Wendt geleiteten Arbeitskreises Messen und Märkte – mit unserem Werbematerial auch wieder auf diversen Ausstellungen und Festen präsent; unter anderem in Rendsburg und Bremervörde sowie auf der Reisemesse in Hamburg und auf der Grünen Woche in Berlin.
Die mit Abstand spektakulärste Werbeaktion allerdings verdanken wir unseren Mitgliedern Christine und Jürgen Reimer aus Hechthausen. Sie haben ihre sechsmonatige Weltrekord-Kutschtour durch sechs europäische Länder genutzt, um dort als touristische „Botschafter des Ostelandes“ tätig zu werden.
Fortgesetzt wurden 2006 die Bemühungen unseres Arbeitskreises Kultur/Natur, mit den sonntäglichen Themenexkursionen in der Reihe „Unbekannte Oste“ von der Quelle bis zur Mündung so etwas wie ein Oste-Bewusstsein zu schaffen.
Die stärkste öffentliche Beachtung unter den fünf – sämtlich ausgebuchten – Veranstaltungen des Jahres 2006 fanden der „Fluss der Genüsse“ und der „Fluss mit Vergangenheit“ sowie die Tour „Der Fluss der großen Dichter“, deren Teilnehmer von Walter Kempowski in dessen Haus in Nartum empfangen wurden.
Geradezu bahnbrechende kulturelle Aktivitäten verdanken wir unserem Mitglied Wolf-Dietmar Stock aus Fischerhude. Die von ihm kuratierte Gemäldeausstellung „Die Oste von der Quelle bis zur Mündung“ – Schirmherr war der niedersächsische Agrarminister Heiner Ehlen – hat in Bremervörde, Sittensen und Neuhaus mehr als 8000 Besucher angezogen; zwei weitere Ausstellungen veranstalten wir diesen Sommer im Natureum hier in Balje und in Bremervörde.
Parallel zu den Kunstausstellungen hat Wolf-Dietmar Stock gemeinsam mit Elke Loewe für die AG Osteland einen Kunstkalender und vor allem das großartige Buch „Die Oste“ herausgebracht, in dem unser Fluss erstmals in seiner gesamten Länge und mit all seinen Facetten behandelt wird.
Eine weitere höchst erfreuliche Folge all dieser Aktivitäten ist die kürzlich von Stock initiierte Gründung einer Karl-Otto-Matthaei-Gesellschaft in Neuhaus, wo ein Matthaei-Museum entstehen soll.
Wer sich mit Tourismus befasst, weiß, dass der Kulturtourismus zu den am stärksten wachsenden Segmenten dieses Marktes gehört. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die AG Osteland im vorigen Jahr eine – neben der Fährienstraße – zweite Säule ihrer touristischen Aktivitäten entwickelt: das Projekt „Krimiland Kehdingen-Oste“.
Unterstützt von vier namhaften Regionalkrimi-Autoren, nämlich Elke Loewe, Wilfried Eggers, Thomas B. Morgenstern und Reinhold Friedl, wurde dieses Projekt zunächst mit Erfolg auf der Ilek-Ideenmesse in Himmelpforten präsentiert. Mittlerweile wird es als Ilek-Leitprojekt gefördert, ein Flyer mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren liegt bereits vor.
In diesem Jahr werden gemeinsam mit diversen Kooperationspartnern 16 Krimilesungen, -aufführungen und -erlebnistage unter dem Krimiland-Logo veranstaltet. Und das ist erst der Beginn - touristische Krimirouten und ein Krimiatlas sollen folgen.
All die genannten Aktionen haben dazu beigetragen, nicht nur die Oste bekannt zu machen, sondern auch die AG Osteland, deren Mitgliederzahl in den letzten zwölf Monaten von 100 auf sage und schreibe 170 angestiegen ist.
Besonders freut uns, dass gerade eben mit Osterrönfeld, der Schwebefähren-Gemeinde am Nord-Ostsee-Kanal, nach Brunsbüttel und Burg eine weitere schleswig-holsteinische Kommune vom Nordabschnitt der Deutschen Fährstraße Mitglied bei uns geworden ist.
Bereits am 28. Mai, beim 1. Ostener Fährmarkt, ist auch eine von uns angeregte kommunale Partnerschaft zwischen Osten und Osterrönfeld besiegelt worden. Auch dieser Schritt hat dazu beigetragen, die anfangs noch relativ schwache Verklammerung des Nord- und Südteils der Deutschen Fährstraße weiter zu verstärken - ganz im Sinne der Strategieempfehlung einer geografischen Studie der Universität Kiel.
Das Resultat ist erfreulich: Während wir an der Oste auch für Urlaub am Kanal werben und – wie beim eon-Hansecup 2005 und 2006 – als AG Osteland selber Reisen an den Kanal organisieren, wird in schleswig-holsteinischen Veröffentlichungen wiederum für die Oste geworben.
Verstärkt worden ist diese Achse in jüngster Zeit auch durch neue, gemeinsame Angebote der Touristik-Unternehmen in Kehdingen und Glückstadt (hier gilt unser Dank unserem Mitglied Sylvia Wolter) und nicht zuletzt durch die Gründung des nationalen Schwebefähren-Dachverbandes, der sich im April in Form eines Arbeitskreises innerhalb unserer AG Osteland konstituiert hat.
Dieser Arbeitskreis, dem unter anderem unsere Mitgliedern Andreas Breitner und Bernd Sienknecht, die Bürgermeister von Rendsburg und Osterrönfeld, angehören, strebt auch für die beiden deutschen Schwebefähren langfristig den Weltkulturerbe-Status der Unesco an, der im Juli – und das ist ein weiteres Highlight des vorigen Jahres – bereits der Schwebefähre im spanischen Bilbao zuerkannt worden ist.
Öffentliche Aufmerksamkeit für unseren Fluss erhoffen wir uns auch für den kommenden Sommer, wenn, wie angekündigt, zwei unserer Mitglieder, die Vizebürgermeister der Samtgemeinde Hemmoor und der Gemeinde Osterrönfeld, Johannes Schmidt und Klaus Ströh, einen Kombinationslauf von Schwebefähre zu Schwebefähre absolvieren werden.
So wichtig Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für unsere Region sind – über den touristischen Erfolg entscheidet langfristig die Leistungsfähigkeit der touristischen Infrastruktur an der Oste.
Hier hat sich mit diversen Ausbaumaßnahmen auch im vergangenen Jahr erneut der Kreis Rotenburg mit seinem Tourow-Vorsitzenden, dem stellvertretenden Landrat Reinhard Brünjes, als Vorreiter betätigt.
Entlang der Unteren Oste dagegen, die lange Zeit im touristischen Dornröschenschlaf und im toten Winkel der Landkreise Stade und Cuxhaven lag, gibt es nach wie vor viel aufzuholen.
Aufmerksamkeit hat im vorigen Jahr unsere Forderung erregt, ähnlich dem „Aufbau Ost“ müsse nun ein „Aufbau Oste“ folgen. Das letzte Jahr hat gezeigt: Zu diesem „Aufbau Oste“ könnte es kommen, wenn die angekündigten Millionen aus dem EU-Armutsbekämpfungsprogramm für den Altbezirk Lüneburg dort landen, wo diese Region wirklich arm dran ist – und das sind weite Teile des Ostelandes, etwa das schöne Nordkehdingen, wo wir heute tagen und wo SG-Bürgermeister Edgar Goedecke Pionierarbeit für die Installierung einer der ersten Ilek-Regionen geleistet hat.
Was wird Ilek uns bringen? Festzuhalten ist, dass die Einrichtung der mittlerweile vier Ilek-Regionen im Osteland (Kehdingen-Oste, Hadelner Region, Börde Oste/Wörpe und Moorexpress/Stader Geest) eine Fülle von Ideen und beachtliches Bürgerengagement freigesetzt hat. Auch viele unserer Mitglieder arbeiten sehr aktiv in Ilek-Arbeitskreisen mit; eine Reihe der dort diskutierten Projekte zielt auf eine touristische Inwertsetzung der Osteregion und auf die Bewahrung der Naturschätze und des maritimen Erbes – also genau das, wofür auch die AG Osteland angetreten ist.
Wir verkennen nicht, dass im Vor- und im Umfeld der Ilek-Aktivitäten im vergangenen Jahr bereits das eine oder andere auf den Weg gebracht worden ist – vom modernen Fahrgastschiff-Anleger in Balje (und hoffentlich noch in dieser Saison auch in Osten) über die Sanierung des alten Hafens in Neuhaus und neue Wohnmobilplätze in Oberndorf und Gräpel bis hin zu den Naturbeobachtungstürmen in Hechthausen, Freiburg und Wischhafen, um nur wenige Beispiele zu nennen.
Und sicherlich hat auch die überall im Osteland spürbare Aufbruchstimmung dazu beigetragen, private Investoren zu beflügeln, neue Projekte zu entwickeln, sei es in Hechthausen-Klint, sei es am Kreidesee in Hemmoor. Auch das gerade eröffnete, von Stadt Bremervörde, Nabu und Lebenshilfe getragene, vorbildliche Oste-Jugendhostel namens Ostel wertet die Region in dem von uns gewünschten Sinne auf.
Aber täuschen wir uns nicht. Jeder Blick in die mit uns konkurrierenden Regionen, sei es in Mecklenburg, im Emsland oder in Ostfriesland, zeigt: Vor allem an der Unteren Oste bleibt noch unendlich viel zu tun, bis wir mit einer vergleichbaren Infrastruktur etwa für Radfahrer oder Wassersportler, mit einer durchgängig leistungsfähigen Gastronomie und mit attraktiven, komfortablen Package-Angeboten für Touristen aufwarten können.
So bleibt nur zu hoffen, dass – nachdem viele hundert Teilnehmer der Ilek-Runden entlang der Oste nur so gesprüht haben vor Ideen – nun auch wirklich Fördergelder anrollen.
Wenn das nicht geschieht, wird es wohl auf absehbare Zeit nicht mehr möglich sein, vergleichbar viele Menschen für eine Mitarbeit in Zukunftswerkstätten zu mobilisieren. Die Region würde in Resignation zurückfallen.
Wie unverzichtbar aber gerade das Engagement der Bürger ist, zeigt sich, wann immer das Alleinstellungsmerkmal unserer Heimat gefährdet ist, das maritime Erbe.
Allein die Initiative von Bürgern hat die drohende Einstellung des Schwebefährbetriebs in Osten, aber auch den Abriss des Kornspeichers in Freiburg verhindert.
Uns bleibt nun zu hoffen, dass dem neuen Förderverein um Gerhard Gebhardt hier in Hörne die Erhaltung des alten Baljer Leuchtturms gelingt und unsere Mitglieder Helmut Hudaff und Corinna Kolf mit ihren Mitstreitern die historischen Prahmfährstelle in Brobergen retten können – in unser aller Interesse; denn was wäre unsere maritime Fährstraße ohne die Vielfalt ihrer Fähren, ohne die Hafenspeicher und ohne die alten Leuchttürme?
Es gilt also künftig, das in den letzten Jahren Erreichte nachhaltig zu sichern. Dazu zählt der Kampf gegen die 7. Elbvertiefung mit ihren negativen Auswirkungen auch auf die Nebenflüsse, in dem wir den betroffenen Gemeinden, den Bauern- und Deichverbänden, Fischern und Seglern unsere Solidarität zugesichert haben.
Dazu zählt auch, dass wir die Planung der Küstenautobahn A 22 weiterhin kritisch begleiten, damit nicht ausgerechnet die ökologisch und touristisch wertvollsten Teile der Flusslandschaft zerstört werden.
Und dazu zählt schließlich die Unterstützung der Sportfischer, die für die Erhaltung des Symbolfischs der Oste, des Lachses, kämpfen, und der Naturschützer, die sich um den Symbolvogel der Ostemündung sorgen, den immer wieder von Giftanschlägen bedrohten Seeadler.
Dazu zählt vor allem aber auch, nicht zurückzufallen in unserem Bemühen, die Oste bekannt zu machen – am besten mit einem „Jahr der Oste 2009“, in dem das hundertjährige Bestehen unseres Flusswahrzeichens, der Oste-Schwebefähre, zum Anlass genommen werden kann, einen Oste-Kultursommer von der Quelle bis zur Mündung zu organisieren – unter dem Motto: Ein Fluss feiert seine Fähre.
Anregungen geben könnte die überwältigende 100-Jahr-Feier der Schwebefähre im britischen Newport, an der wir 2006 teilgenommen haben.
Ein Festjahr an der Oste: Das wäre ohne jeden Zweifel ein Ereignis von deutschlandweiter Ausstrahlung und aller Mühen auch der AG Osteland wert. Lassen Sie uns daran arbeiten.

„An unserem Fluss ist vieles im Fluss“ - Das Jahr 2007 an der Oste
Festrede von Jochen Bölsche beim 4. Tag der Oste 2008 in Cadenberge

Liebe Freunde der Oste, ich freue mich, Ihnen zum 4. Tag der Oste in meinem vierten Bericht über "Das Jahr an der Oste" eine - per saldo – positive Bilanz vorlegen zu können.
Was die Entwicklung unserer Region betrifft, sind die bedrohlichen Tendenzen - Strukturschwäche, Überalterung, Bevölkerungsschwund - zwar ungebrochen. Aber wir haben Grund zu der Hoffnung, dass sich das Dichterwort bewahrheitet: Wo die Gefahr wächst, wächst das Rettende auch.
Noch hat der von uns seit langem geforderte "Aufbau Oste" nicht wirklich begonnen. Aber es gibt Ideen und Pläne, es gibt Versprechungen und sogar erste Förderzusagen, alle vier Ilek-Regionen am Fluss haben sich im Leader-Wettbewerb bewährt.
An unserem Fluss ist zurzeit vieles im Fluss. Die Hoffnung wächst, dass der Abwärtstrend, die Folge langjähriger Vernachlässigung unserer Region, aufzuhalten ist, vielleicht sogar umzukehren.
Sollte das gelingen, wäre das vor allem dem wachsenden Engagement der Menschen im Osteland zu verdanken.
Lassen Sie mich einige besonders eindrucksvolle Beispiele aus dem verflossenen Jahr nennen - weil wir heute in Cadenberge sind, in diesem Jahr vorzugsweise Beispiele von der Unteren Oste.
Verhindert werden konnte ein schwerer Rückschlag für unsere 2004 eröffnete Deutsche Fährstraße Bremervörde - Kiel, die bekanntlich zum Rückgrat des Ostetourismus geworden ist.
Eine drohende Flutung der historischen Fähr- und Burgstelle Brobergen konnte abgewendet werden – im Zusammenwirken von drei Verbänden und Vereinen, an deren Spitze jeweils Mitglieder der AG Osteland stehen: der Oberdeichgrefe Hans-Wilhelm Saul vom Ostedeichverband, Ehrenbürger-meister Helmut Hudaff vom Realverband Brobergen sowie Corinna Kolf und Karin Plate, die Vorsitzenden des eigens gegründeten Fähr- und Geschichtsvereins Brobergen und Umgebung.
Durch leidenschaftlichen Einsatz der Bürger des kleinen Dorfes Brobergen (und im übrigen auch in Kooperation mit der AG Osteland) gelang es nicht nur, die Flutung der Fährstelle abzuwenden, sondern auch die Bekanntheit und die Attraktivität dieses wunderschönen Teils des Ostelandes entscheidend zu erhöhen:
- durch den Nachweis der archäologischen Bedeutung der alten Burgstelle, der auch durch den Einsatz von Forschungstauchern geführt wurde;
- durch die Wiedererrichtung der urkundlich bezeugten Rolandstatue von 1600;
- durch ein großartiges Rolandfest mit mittelalterlichem Programm und mit über 1000 Teilnehmern;
- mit der Ausbildung von zehn ehrenamtlichen Fährmännern und -frauen und, soeben geschehen,
- mit der Übernahme der verwaisten Gaststätte "Fährkrug" durch den Fähr-verein, der nun ein neues gastronomisches Konzept erarbeitet.
In Balje, ebenfalls direkt an der Deutschen Fährstraße, hat es ein Förderverein um Gerhard Gebhardt und Eckhard Klitzing verstanden, mit viel Beharrlichkeit und Einfallsreichtum für die Erhaltung des alten Leuchtturms von 1904 zu werben.
Auch dieses maritime Baudenkmal kann nun hoffentlich, nach Einbeziehung in das Leader-Programm, erhalten und für einen sanften Naturtourismus genutzt werden.
Eindrucksvoll ist auch, was sich in Osten vollzieht. Nach der Sanierung der Schwebefähre, die ebenfalls ohne Bürgerengagement nicht durchsetzbar gewesen wäre, hat dieses herausragende Wahrzeichen nicht nur des Ostelandes, sondern auch der Deutschen Fährstraße 2007 Zehntausende von Touristen angezogen, darunter 30 000 zahlende Passagiere.
Die Fördergesellschaft, deren Vorstand neben unserem Gründungsmitglied Horst Ahlf weitere acht Mitglieder der AG Osteland angehören, bereitet zurzeit das hundertjährige Bestehen 2009 vor, das mit einem dreitägigen Fest, einer Schwebefähren-Weltkonferenz und der Vorstellung einer neuen Chronik gefeiert werden soll.
Zugleich laufen die Vorbereitungen für das schon in der Satzung der AG Osteland geforderte Fähr- und Flussmuseum am Ostener Fährplatz in einem denkmalgeschützten Reetdachhaus sowie erste Arbeiten für die Wiederherstellung der historischen Basbecker Schiffsstelle an der Schwebefähre.
Bereits zum drittenmal soll in Osten dieses Jahr ein Fährmarkt abgehalten - übrigens mitsamt einer Luftgitarrenmeisterschaft. Die Organisation des Fährmarkts ist nicht zuletzt der Initiative unserer Mitglieder Carsten Hubert und Karl-Heinz Brinkmann zu verdanken.
Gefeiert werden soll dieser Markt erstmals auch auf der Hemmoorer Seite, wo viele AG-Osteland-Mitglieder - stellvertretend genannt seien Curt Schuster, Dirk Brauer und Johannes Schmidt - darauf drängen,
- dass die Tourismuswerbung der Samtgemeinde so wie bereits etwa Am Dobrock, in Nordkehdingen und Drochtersen professionalisiert wird;
- dass das Basbecker Fährstück zu einer Weltschwebefähren-Infomeile ausgebaut wird;
- dass der vakante Bahnhof künftig unter anderem als Tourist-Info genutzt wird;
- dass der Kreidesee - laut Fachpresse die beste deutsche Tauchbasis – stärker in touristische Konzepte eingebunden wird;
- dass die historische Pferdebahnbrücke restauriert wird, um den Oste-Hafen Schwarzenhütten touristisch besser erschließen zu können.
Allmählich wird wahr, was sich die Gründerväter der AG Osteland - darunter Gerald Tielebörger, Wolfgang Fels, Bernd Brauer und Bernd Jürgens von der Unternehmergemeinschaft Hemmoor – vor gut vier Jahren erträumt haben: eine Stadt im touristischen Aufbruch.
Dass die Samtgemeinde Hemmoor heute im ganzen Kreis Cuxhaven die höchsten Steigungsraten bei den Übernachtungs-zahlen aufweist, geht nicht zuletzt auf die im Herbst 2003 in Hemmoor gestarteten Initiativen zurück.
Damit sich der touristische Aufbruch nicht auf das Umfeld der Schwebefähre beschränkt, hat die AG Osteland im vorigen Jahr eine Ausweitung der Niedersächsischen Milchstraße über den Kreis Stade hinaus nach Osten-Altendorf, Oberndorf und Geversdorf vorgeschlagen, verbunden mit einem Ausbau der einzigen Fassbuttermolkerei in Niedersachsen in Hasenfleet zum Milch-Infozentrum mit Präsentationsraum und Probierstube, wo Besuchergruppen auch die von Heinz Mügge aus Düdenbüttel entwickelte Milchmagisterprüfung ablegen können.
Dieses Projekt, mit vorangetrieben von unseren Mitgliedern Wilhelm Hottendorf, Detlef Horeis, Horst von Thaden, Albertus Lemke und vielen anderen, ist inzwischen für die EU-Förderung vorgesehen und in der Radwegeplanung des Kreises Cuxhaven fest verankert worden.
Große Fortschritte gemacht haben im vergangenen Jahr der Wassertourismus und der Wassersport auf der Oste.
Neben der Mocambo unserer Mitglieder Eibe von Glasow und Caspar Bingemer - einem Schiff, das übrigens zunehmend auch für Trauungen genutzt wird – steuern seit der Indienststellung des neuen Anlegers am Natureum drei weitere Fahr-gastschiffe aus Cuxhaven und Brunsbüttel die Ostemündung an - und zum Teil auch schon Oberndorf, wo die Passagiere dann vom Shantychor empfangen und durch das von unserem Mitglied Ernst von See aufgebaute Heimatmuseum geführt werden. Die mit EU-Hilfe geplanten neuen Anleger unter anderem für Oberndorf, Osten, Geversdorf und Hechthausen werden dem Wassertourismus weiteren Auftrieb geben.
Auch der Wassersport auf der Oste macht zunehmend von sich reden. Die Wasserfreunde Hemmoor unter unserem Mitglied Werner Breves veranstalten alljährlich den bundesweit bekannten Ostemarathon für Tide-Ruderer.
Der WSCO Osten unter unserem Mitglied Hans König beeindruckt immer wieder durch seine alljährlichen Lampiontouren.
Die Oberndorfer SGO, geleitet von unserem Mitglied Uwe Mählmann, hat erfolgreich die größte Regatta der Region, den Nordsee-Elbe-Cup, ausgerichtet.
Mit dem sogenannten Kuhbootrennen, einer Kanustaffelfahrt, hat die Interessengemeinschaft Oberndorfer Vereine unter Vorsitz unseres Mitglieds Nils Uhtenwoldt 2007 außerdem eine neue amüsante wasser-sportliche Tradition begründet, die an das Pappbootrennen in Neuhaus erinnert, das seit Jahren beliebt und außerordentlich gut besucht ist.
Der Flecken Neuhaus wird mehr und mehr zur Drehscheibe des Wassersports (und übrigens auch des Wohnmobiltourismus), seit Bürgermeister Georg Martens, auch er ist aktiv in der Arbeitsgemeinschaft Osteland, die Sanierung des Alten Hafens durchgesetzt hat.
Der Hafen von Neuhaus - wo jetzt auch Kanuanleger geplant sind - wird, ebenso wie der Bremervörder Sportboothafen, von der internationalen Fachpresse als Geheimtipp empfohlen.
Auch das Kanuwandern auf der Oberen Oste und der Urlaub auf den Hausbooten des Geesthofs in Hechthausen-Klint haben sich 2007 erneut großer Beliebtheit erfreut.
Auch im vergangenen Jahr galt es, unser Tourismusprojekt Deutsche Fährstraße in Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern vom Nord-Ostsee-Kanal immer wieder überregional bekannt zu machen, um das Interesse am Osteland wachzuhalten.
Dazu haben wir 2007 einen stark beachteten Auftritt auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin gemeinsam mit dem Fähr- und mit dem Ostener Heimatverein unter dem Vorsitz unseres Mitglied Erika Borchers unterstützt.
Unser AK Messen und Märkte, koordiniert von Renate Wendt, hat mit Infoständen auf der Reisemesse in Hamburg, bei den Matjestagen in Glückstadt, beim Bahnhofstraßenfest in Hemmoor, beim Ruder-Hansecup in Rendsburg und beim Dorffest in der Ostener Partnergemeinde Osterrönfeld gastiert, wo ein Schwebefähren-Quiz mit schönen Preisen viel Resonanz fand. An den diversen Infoständen haben sich mehr als 20 unserer Mitglieder beteiligt.
Eine zentrale Rolle in der ehrenamtlichen Tourismusförderung spielt weiterhin die Medienarbeit. Mehrfach hat die AG Osteland Fernsehdreharbeiten unterstützt. 2007 verging kein Monat ohne TV-Berichte über die Oste, die Schwebefähre oder die Fährstraße.
Ein starkes Echo fanden auch Pressemitteilungen unseres Arbeitskreises Deutsche Schwebefähren über das gute Abschneiden der Baudenkmale an der Oste und zum Teil auch am Kanal bei Popularitätstests von ZDF und ARD.
Zu einem wichtigen Instrument der Werbung für die Oste entwickelt hat sich das von unserem Mitgliedern Ralf Drossner und Ursula Holthausen initiierte bzw. gestaltete, in 25.000 Exemplaren erscheinende Osteland-Magazin unserer Heimatzeitungen, dessen vierte Ausgabe soeben er-schienen ist.
Nachdem schon zum Jahresbeginn die japanische Regierung die - im Internet in zehn Weltsprachen beworbene - Deutsche Fährstraße als einzige deutsche Ferienroute in Tokio präsentiert hatte, reihte die Frankfurter Rundschau sie im Sommer unter die fünf besten touristischen Routen in der Bundesrepublik ein.
Besonders stark beachtet wurden eine Reportage unseres Mitglieds Wolfgang Röhl aus Bentwisch im "Stern" über die Oste sowie eine Fährstraßen-Reportage der Deutschen Presseagentur, die in den Print- und Online-Ausgaben von rund 400 Tageszeitungen veröffentlicht wurde.
Früchte getragen haben 2007 auch unsere Bemühungen, das Osteland als eine Kulturlandschaft ins Bewusstsein zu rücken, die den Vergleich mit Worpswede und dem Teufelsmoor nicht zu scheuen braucht.
Nach drei Kunstausstellungen im Jahr 2006 - in Bremervörde, Sittensen und Neuhaus - konnte die AG Osteland 2007 drei weitere Ausstellungen - in Balje sowie abermals in Bremervörde und Neuhaus - eröffnen. Die Ausstellungen, die Tausende von Besuchern angezogen haben, wurden ebenso wie das wunderbare Begleitbuch "Die Oste" und der Oste-Kalender 2007 von unseren Kulturpreisträgern Wolf-Dietmar Stock und Elke Loewe kuratiert bzw. komponiert.
Ihnen ebenso wie unseren Mitgliedern Evelyn Helenius-Scharten, Ulrike Schröder und vielen anderen ist es zu verdanken, dass mit der Gründung der Karl Otto Matthaei Gesellschaft die Pflege der Landschaftsmalerei an der Oste nun auf Dauer in Neuhaus verankert worden ist, einem Ort mit ganz besonderem Flair.
Freuen dürfen wir uns auch schon auf eine Ausstellung über den Oste-Maler Diedrich Rusch aus Osten, die zu dessen 50. Todestag im nächsten Jahr in Zusammenarbeit mit dem Sammler und Osteland-Mitglied Karl-Otto Richters vorbereitet wird.
Der touristische und kulturelle Aufstieg der Oste hat dazu beigetragen, auch die literarische Produktion zu beflügeln. Nach unserem Oste-Buch hat das Duo Stock/Loewe ein Fotobüchlein mit dem Titel "Sehreise an der Oste" vorgelegt, ein Oste-Quiz folgt im März, ein weiterer historischer Roman von Elke Loewe - Thema: die Walfänger von der Oste - kommt im Sommer im Rowohlt-Verlag heraus. Unsere Osteland-Kulturpreisträgerin Grit Klempow arbeitet an einem Buch über die Oste-Fähren, Osteland-Preisträger Niko Ruhl an einen Fotoband über eine Ostewanderung von der Quelle bis zur Mündung.
Wie erfolgreich Bücher für unsere Region werben können, zeigt das Echo auf unser Literatur- und Tourismusförderungsprojekt Krimiland Kehdingen-Oste, in dessen Rahmen seit Anfang 2006 schon Dutzende von Lesungen und einige Krimitouren stattgefunden haben.
Veranstaltet wurden sie großenteils in Zusammenarbeit mit oder in der Verantwortung von Firmen wie der Buchhandlung Buch & Byte unseres Mitglieds Inga Hebeiss oder dem Oste-Huus von Corinna Kolf, mit unserem Mitglied Sylvia Wolter von der Touristinfo Kehdingen oder mit Vereinen wie dem DRK, dem Culturkreis Hemmoor oder den Hadler Rotariern. Fast immer ausverkauft waren Krimilesungen an originellen Schauplätzen wie
- mit Wilfried Eggers, der demnächst seinen dritten Krimi vorlegt, im Ringofen der Ziegelei Assel,
- mit Ostekulturpreisträger Thomas Morgenstern, dessen zweiter Kehdingen-Krimi in diesem Jahr erscheint, in einem Schlachtereikeller in Neuhaus,
- mit Elke Loewe - die ihren vierten Augustenfleet-Krimi herausgebracht hat - und etlichen anderen Autoren an Bord der "Mocambo" bis um Mitternacht in der Hexenbucht und
- mit Anke Cibach auf der Prahmfähre in Gräpel.
Neu eingetreten sind in den Kreis der Regionalkrimi-Autoren aus dem Osteland der Bentwischer Journalist Wolfgang Röhl mit seiner Krimigroteske "Im Norden stürmische Winde" und der Archäologe Dietrich Alsdorf mit dem Historienkrimi "Anna aus Blumenthal".
Das Krimiland - das ebenfalls als "prioritäres Projekt" für Leader eingestuft worden ist - ist noch stark ausbaufähig und ausbaubedürftig. Doch schon jetzt haben überregionale Zeitschriften wie die "Zeit" dem Projekt viel Platz eingeräumt. NDR-Info hat Silvester eine halbstündige Reportage aus dem Krimiland gesendet. Und auch eine Frauenzeitschrift mit drei Millionen Leserinnen hat über die Krimiautoren und das Land an Oste und Elbe berichtet. Seit kurzem gibt es sogar Sonderganzsachen der Deutschen Post mit Krimiland-Marke.
Fortgeführt wurde im Jahre 2007 unsere Exkursionsreihe "Unbekannte Oste". Konzipiert und geleitet wurden die Ganztagestouren zu den Themen Burgen an der Oste, Schiffbau einst und jetzt, Museen im Osteland und Naturerlebnisse an der Oste von unseren Mitgliedern Curt Schuster, Udo Theuerkauf, Renate Wendt, Harald Sträter, Sigrid Frömming und von mir.
Unterstützt wurden wir unter anderem von den großartigen Regionalhistorikern Gisela Tiedemann aus der Wingst und Rainer Brandt aus Bremervörde, von den Archäologen Dietrich Alsdorf und Stefan Hesse sowie von unserem Gründungsmitglied Hubertus Freiherr von Marschalck sowie von der Diplom-Geografin Corinna Kolf.
Corinna Kolf ist in unserer letzten Mitgliederversammlung durch Nachwahlen, ebenso wie die Europakutscherin Christine Reimer aus Hechthausen und Pastor Burkhard Ziemens aus Oldendorf, in den Vorstand der AG Osteland nachgerückt.
In dieser Mitgliederversammlung in Hechthausen haben zwanzig unserer Mitglieder in Kurzreferaten und Konzepten rund 100 Ideen für das "Jahr der Oste" beigesteuert, das wir 2009 aus Anlass des Hundertjährigen der Schwebefähre von der Quelle bis zur Mündung unseres Flusses begehen wollen - unter dem Motto: Ein Fluss feiert seine Fähren und Brücken. Unser entsprechender Vorschlag beim vorigen Tag der Oste hat sogar in der Landeshauptstadt bei David McAllister ein positives Echo gefunden.
Ein Bericht über die bisherigen Planungen, der den Rahmen dieser Veranstaltung sprengen würde, wird auf unserer Hauptversammlung Ende März folgen. Heute dazu nur soviel: Am vorigen Sonntag hat die Ostepachtgemeinschaft von 21 Vereinen mit 5800 Sportfischern unter dem Vorsitz unseres Mitglieds Wolfgang Schütz einstimmig beschlossen, sich mit zehn Veranstaltungen und Veröffentlichungen am Jahr der Oste 2009 zu beteiligen und zur Finanzierung dieser Aktionen eine Sonderumlage bei allen Vereinen zu erheben.
Positive Reaktionen zum Jahr der Oste kommen auch von der Oberen Oste, wo nach dem gleichnamigen Unterhaltungsverband unter der Leitung von Angelus Pape voriges Jahr auch die Samtgemeinde und die Gemeinde Selsingen der AG Osteland beigetreten sind.
Andere erfreuliche Entwicklungen des vorigen Jahres können in dieser Veranstaltung aus Zeitgründen allenfalls kurz angerissen werden. Längere Ausführungen verdient hätten beispielsweise
- die Schaffung eine Oste-Kulturroute und die große Kunstausstellung des Bremervörder Kunstvereins sowie andere touristische und kulturelle Aktivitäten in der Ostestadt, wo sich zwei unserer Mitglieder, Bürgermeister Eduard Gummich und Fachbereichsleiterin Bianka Zydek, seit Jahren für das Osteland stark machen;
- das 100. Dobrock-Turnier und der Ausbau des Zoos in der Wingst;
- die Eröffnung des Hechthausener Pferdehofs der Europakutsche unserer Vorjahrespreisträger Jürgen und Christine Reimer, die sich weiterhin als "Botschafter des Ostelandes" verstehen, und die von ihnen mit betriebene Entwicklung eines Oste-Trails zum Reiten und Fahren;
- die Eröffnung eines Museums im einstigen Lager Sandbostel, wo sich unsere Mitglieder Klaus Volland, Karl-Heinz Buck und Kurt Ringen erfolgreich für eine neue Gedenk- und Erinnerungskultur einsetzen;
- die Sicherung der Ostener Lorendeichlücke, eines der letzten Relikte der Ziegeleiindustrie an der Oste, unter anderem durch unsere Mitglieder Torsten Wichmann und Heino Schmidt,
- die Aufstellung einer Ostegucker-Statue am Hafen von Gräpel, die an den im April verunglückten, unvergessenen Fährmann und Ostekulturpreisträger Helmut Plate erinnert; und
- der zunehmende Protest gegen die drohende Elbvertiefung, gegen die auch viele unserer Mitglieder mit Fackeln auf den Deichen demonstriert haben. Die AG Osteland steht auf den Seiten der Gegner dieses Projekts.
Alles in allem: 2007 war ein Jahr, das Hoffnungen geweckt hat. Im Februar 2009, beim fünfjährigen Bestehen der AG Osteland, werden wir alle wissen, ob die Blütenträume gereift sind - oder ob all die Menschen, die während der Ilek- und Leader-Prozesse so viele gute Ideen entwickelt haben, enttäuscht sein werden, weil es in unserer so schönen, aber auch so armen Region an Geldern für eine Gegenfinanzierung der Fördermittel fehlt. Wir bleiben dran - und hoffen das Beste für unser Osteland.

„Fünf Jahre ‚Lobby für das Osteland‘“
Rede von Jochen Bölsche zum 5-jährigen Bestehen 2009 in Osten

Liebe Freunde der Oste, als wir auf den Tag genau heute vor 5 Jahren im Hotel Fährkrug in Osten zu zehnt die AG Osteland e. V. gegründet haben, standen für uns zwei Ziele im Vordergrund:

1. den wunderschönen, aber damals weithin unbekannten Grenzfluß Oste durch ehrenamtliche Arbeit deutschlandweit bekannt zu machen, nachdem die Touristik- Profis in Stade und Cuxhaven, aber auch in den Rathäusern in Hemmoor und Umgebung das Potenzial der Oste jahrzehntelang vernachlässigt hatten, und

2. die Existenz der Schwebefähre, die damals wegen Baufälligkeit auf unabsehbare Zeit stillgelegt worden war, nachhaltig zu sichern, indem wir ihre internationale Bedeutung als potenzielles Weltkulturerbe herausarbeiten, indem wir ihre überregionale Funktion als Wahr- zeichen des gesamten Elbe-Weser-Dreiecks betonen und indem wir sie in das länderuübergreifende Konzept einer noch zu gruündenden Deutschen Fährstraße Bre- mervörde - Kiel einbeziehen.

Diese beiden großen Ziele waren bereits niedergelegt in zwei von mir im Oktober 2003 verfaßten Denkschriften mit dem Titel "Deutsche Fährstraße und Deutsches Fährmuseum". Sie wurden wenig später zur Arbeitsgrundlage des Gründerkreises der AG Osteland, in deren Satzung beide Punkte an prominenter Stelle verankert sind.

Nun, exakt ein halbes Jahrzehnt danach, haben wir Gelegenheit zu überprüfen, wie weit wir uns den damals gesteckten Zielen genähert haben, zu denen laut Satzung auch die Bewahrung des Natur- und Kulturerbes sowie die Förderung des maritimen Denkmalschutzes, eines sanften Tourismus und der Heimatpflege entlang der Oste zählen.

Zuna?chst zur Schwebefähre, für deren Abriss vor 5 Jahren allen Ernstes noch manch einer plädiert hat. Sie ist inzwischen, wie Sie wissen, zum nationalen Baudenkmal erklärt und gründlich restauriert worden, und sie wurde - auch mit unserer Hilfe - eindrucksvoll illuminiert und mit einer Webcam versehen.

Das Fernsehpublikum hat die Schwebefähre 2008 erneut zu einer der schönsten Brücken Deutschlands gewählt, sie ist seit drei Jahren Schauplatz eines wunderbaren Fährmarkts und sie hat allein voriges Jahr 35 000 zahlende Fahrgäste befördert.

Heute nun, im 100. Jahr ihres Bestehens, ist die einstige Dorffähre, auch dank der offiziellen Umbenennung in "Schwebefähre Osten - Hemmoor", tatsächlich als Wahrzeichen nicht nur der Gemeinde Osten, sondern der gesamten Region akzeptiert, und sie steht im Mittelpunkt des Jahres der Oste, in dem der neu aufgeblähte Ostener Fährverein um unsere Osteland-Freunde Karl-Heinz Brinkmann und Horst Ahlf die zentrale Rolle spielt.

Beim Aufbau unserer Deutschen Fährstraße, die im Mai 5 Jahre alt wird, konnten wir 2008 einige weitere Erfolge verzeichnen. Wieder haben Fernsehsender, Presseagenturen und überregionale Printmedien über unsere maritime Themenroute berichtet, die im Web weiterhin von der Deutschen Zentrale für Tourismus in zehn Sprachen präsentiert wird und die wir selber auf Märkten und Messen bewerben.

Einige wenige Beispiele sollen veranschaulichen, wie Osteland-Mitglieder sich in das Jahresprogramm einbringen: Reinhard Brandt aus Bremervörde stellt für uns eine Bilderschau über die Oste-Schiffahrt zusammen, Birgit Martins aus Nieder Ochtenhausen präsentiert zwei Fotoausstellungen mit Motiven von der Oste. Bodo Neumann aus Hechthausen hat ein Open-Air-Bläsertreffen angeregt, Peter Wortmann ein Konzert auf einer Prahmfähre.

Obstbauer Torsten Wichmann aus Osten hat etwas schier Unglaubliches erreicht: nämlich dass die deutsche Apfelsaison Ende September erstmals nicht im Alten Land eröffnet wird, sondern in Osten.

Inga Hebeiss veranstaltet ihre alljährliche lange Kriminacht 2009 erstmals nicht in Drochtersen, sondern im Natureum Niederelbe an der Ostemündung.

Wolfgang Schütz aus Osten, Vorsitzender der Ostepachtgemeinschaft von mehr als 5000 Sportfischern, und seine Angelkameraden informieren über den "Fluß der Lachse" und die Artenschutzbemühungen der Vereine.

Die ADFC-Tourenführer Peter und Monika Prüß veranstalten eine Jubiläumsradtour auf der Deutschen Fährstraße.

Werner Breves von den Wasserfreunden Hemmoor bereitet unter anderem eine bundesweit ausgeschriebene Ruderregatta auf der Oste vor.

Erich Kahrs aus Großenwörden bereitet eine Ausstellung zum Thema Reiterei an der Oste vor. Das Ehepaar Reimer aus Hechthausen und das Ehepaar Radtke-Zaun aus Geversdorf organisieren einen "Oste-Trail" für Wanderreiter und Fahrer.

Heino Grantz und Corinna Kolf veranstalten mit ihren Heimat- bzw. Geschichtsvereinen Mittelalterfeste in Hemmoor und in Brobergen. Karin Plate lädt zu einem Hafenfest in Gräpel, Curt Schuster setzt auf dem großen Hemmoorer Bahnhofstraßenfest Oste-Akzente.
Bürgermeister Dirk Brauer freut sich auf eine Austellung von Schu?lerarbeiten zum Thema Oste im Rathaus Hemmoor.
Gerd Drewes und Jürgen Hinck, ebenfalls Hemmoor, planen mit ihren Heimat- und Segelvereinen ein Hafenfest in Schwarzenhütten mit Windjammerbesuch, Schiffs- modellschau und Shanty-Festival. Uwe Mählmann und seine SGO erweitern das Programm der traditionellen Oberndorfer Regatta um einen Tag.

Werner Lemke vom TSV Geversdorf lädt Fußballer aus zwölf Oste-Gemeinden zum Turnier um einen "Jahrhundert-Cup". Günter Lunden, ebenfalls Geversdorf, lädt zu Ausstellungen etwa zur Geschichte der Ostefischerei und wirkt mit am Tag der Ostemuseen.

Obwohl ich gerade mal gut 17 der bislang 170 Termine erwähnt habe, verlasse ich jetzt - aus Zeitgründen - das Thema Jahr der Oste, um mit einigen Anmerkungen zur Zukunft unserer Flussregion zu schließen.

Wir registrieren nicht nur Erfolge. Viele von uns sehen mit Sorge die anhaltend negative demographische Entwicklung in unserer abgelegenen Region außerhalb der Speckgürtel, die weiter anhaltende Abwanderung junger Menschen, das galoppierende Gaststättensterben, die ungelösten Verkehrsprobleme wie etwa das eingleisige Nadelöhr der Ostebahnbrücke in Hechthausen, die wucherähnlichen Bahntarife für Fahrgäste aus Orten außerhalb des HVV, die Finanznot der Kommunen im Armenhaus Osteland, die Unmöglichkeit, wichtige Ilek- und Leader-Projekte gegenzufinanzieren.

Und auch der Zustand der Oste selber bereitet einigen Anlass zur Sorge. Die kaum absehbaren Auswirkungen der vielen Elbvertiefungen und des Verzichts auf die Eigenschaft Bundeswasserstraße, die Folgen künftiger extremer Hochwasserlagen wie im Januar vorigen Jahres in Bremervörde, die nur schleppend voran kommende Beseitigung von Querver- bauungen und Einleitungen im Oberlauf, das Erlensterben, der Rückgang der Aalbestände und vieles mehr.

Das alles wird uns auch weiterhin beschäftigen mu?ssen. Und dennoch werden wir nicht versäumen, den Fluß zu feiern. Denn jedes gemeinsame Fest stärkt auch das Netzwerk jener Menschen beiderseits der Oste, die bereit sind, sich für ihren Fluß einzusetzen - für die Lebensader des Elbe-Weser-Dreiecks.

„An unserem Fluss ist vieles im Fluss“- Das Jahr 2007 an der Oste
Festrede von Jochen Bölsche beim 6. Tag der Oste 2010 in Heinbockel

Moinmoin, liebe Leute, heute, beim 6. Tag der Oste, obliegt es mir zum 6. Mal, über "Das Jahr an der Oste" zu sprechen und ein Resümee der letzten 12 Monate am Fluss zu ziehen.
Nun, ich könnte wie in all den Vorjahren unsere Erfolge bilanzieren und über unsere Sorgen und über manches Ärgernis referieren: die Sorgen wegen weiterer Elbvertiefungen, wegen der gespenstischen Windparkpläne für die wunderschöne Ostemarsch, das - hoffentlich nur vorübergehende  - Versagen der Kommunalpolitik bei der Erhaltung der historischen Prahmfähre in Brobergen, über die noch immer unklare Zukunft des Ostewehrs, über das inzwischen 75 Jahre alte Eisenbahn-Nadelöhr bei Hechthausen, über die Existenzbedrohung für die kindernahen kleinen Dorfschulen rund um Bremervörde, über den verunglückten Entwurf einer Befahrensverordnung für die Oste, über die ungebremste Vermaisung der Landschaft vor allem am Oberlauf, die skandalöse Abschaffung der Gewässerschutzstreifen an den Ostezuflüssen durch die hannoversche Regierungskoalition, den fortwährenden Ausschluss weiter Teile des strukturschwachen Ostelandes aus dem HVV...
Nun, dies alles und mehr will ich hier und heute völlig beiseite lassen; in acht Tagen findet schließlich in Hechthausen unsere Jahreshauptversammlung statt. Beschränken möchte ich mich heute auf ein einziges Thema: auf die beglückenden Erfahrungen bei der Koordination des Jahres der Oste 2009 mit seinen über 420 Veranstaltungen, die auf eindrucksvollste Weise die enorme Kreativität und gewaltige Organisationskraft unserer inzwischen 380 Mitglieder demonstriert haben, die - ehrenamtlich und ohne einen Cent Steuergeld - ein Festjahr auf die Beine gestellt haben, wie es wohl noch kein anderer Fluss je erlebt hat. Ihnen allen herzlichen Dank.
"100 Menschen, 100 Beispiele" heißt mein Vortrag. In 100 Sätzen möchte ich Ihnen sagen - ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit - welche unserer Mitglieder welche Beiträge zum großen Jahr der Oste geleistet haben.
Unser Mitglied Sigrid Frömming, Papiermacherin aus Großenwörden, hat mit ihrer Schiffchenaktion das Jahr der Oste an der Quelle bei Tostedt und an acht weiteren Orten künstlerisch eingeleitet.
Unser Mitglied Hans Wilhelm Saul, Bürgermeister von Hemmoor, hat im Frühjahr im Stadtteil Basbeck eine internationale Schwebefähren-Infomeile eröffnet.
Unser Mitglied Walter Zeeck, Berufsfischer in Geversdorf, hat im Sommer auf seinem Kutter "Ostetal" einen Tag des offenen Schiffs veranstaltet.
Unser Mitglied Torsten Wichmann, Obstbauer aus Osten-Altendorf, hat zum Oste-Jahr die norddeutsche Apfelsaisoneröffnung erstmals nach Osten geholt.
Unser Mitglied Carsten Hubert, Bürgermeister von Osten, hat im Herbst ein kleines Fährmuseum namens "Fährstuuv" in Osten eröffnet.
Unser Mitglied Rainer Brandt, Erster Stadtrat a. D. aus Bremervörde, hat zum Jahr der Oste eine Fotoausstellung zu Geschichte der Osteschifffahrt zusammengestellt.
Unsere Mitglieder Dietrich Meyn, langjähriger Ratsherr in Großenwörden, und Holger Falcke, Samtgemeindebürgermeister in Himmelpforten, erhielten im Jubiläumsjahr die Zusage, dass ihr seit langem verfochtener Plan, in Großenwörden einen Schiffsanleger zu bauen, vor der Verwirklichung steht.
Unser Mitglied Hildegard Both-Walberg, Gesellschafterin der Elbfähre Glückstadt - Wischhafen, hat mit einer 10.000-Euro-Spende die Beschilderung aller neuen Fahrgastschiffanleger an der Oste ermöglicht.
Unsere Mitglieder Karl-Otto Richters, Kunstsammler in Osten, Erika Borchers, Heimatvereinsvorsitzende in Osten, und Wolf-Dietmar Stock, Verleger in Fischerhude, haben in Osten eine Ausstellung mit Werken des großen Oste-Malers Diedrich Rusch eröffnet, die mit Erfolg auch in Bremervörde gezeigt wurde.
Unser Mitglied Günther Lunden, Heimatvereinsvorsitzender in Geversdorf, veranstaltete eine Ausstellung zur Schifffahrtsgeschichte des Dorfes und zeigte Fotografien aus der Ostelandschaft rund um Geversdorf von Volker Born.
Unser Mitglied Elke Loewe, Schriftstellerin in Geversdorf, leitete die Jury unseres Kurzkrimi-Wettbewerbs "Mord an der Schwebefähre", die fast 100 Einsendungen sichtete und die besten Texte bei einem Krimifestival in Osten prämierte.
Unser Mitglied Karl-Heinz Brinkmann, 2. Vorsitzender des Ostener Fährvereins, wirkte maßgeblich mit an der Organisation des viertägigen Schwebefähren-Jubiläums in Osten und Hemmoor und hat eine täglich aktualisierte Website zum Ostejahr betreut.
Unser Mitglied Elisabeth Wedde-Schwanholt, Landfrau aus Burgsittensen, organisierte zum Tag des offenen Denkmals ein Fest am Jagdschloss an der Oste mit Tausenden von Besuchern.
Unser Mitglied Erika Jaschinski, Gästeführerin in Sittensen, konzipierte leitete eine Radtour zu den Ostequellen mit weit über 100 Teilnehmern.
Unser Mitglied Corinna Kolf, Vorsitzende des Fähr- und Geschichtsvereins Brobergen, wirkte am "1. Tag der Ostefähren" mit - Motto: Ein Ticket, drei Fähren.
Unser Mitglied Curt Schuster, aktiv in der IG Bahnhofstraße Hemmoor, war Mitorganisator des 20. Bahnhofstraßenfests, das in das Ostejahr eingebunden war.
Unser Mitglied Henning Kuhne, Heimatvereinsvorsitzender in Oberndorf, veranstaltete zum Ostejahr drei Lesungen mit Grit Klempow zur Geschichte der Ostefähren.
Unser Mitglieder Dr. Manfred Toborg, Dr. Edda Renelt, Renate Bölsche und Dieter Ducksch vom Vorstand des neuen Ostener Verein Kulturmühle e. V. setzten sich im Ostejahr mit Erfolg dafür ein, die 100 Jahre alte ehemalige Kornmühle im Ortskern vor dem Verfall zu retten.
Unser Mitglied Karin Plate, Gastronomin in Gräpel, war Gastgeberin eines Konzertabends der Frauenband "Kaktusblüten" an und auf der Gräpeler Fähre, bei dem ein neues "Ostelied" uraufgeführt wurde.
Unser Mitglied Horst von Thaden, Geschäftsführer in Hasenfleet, organisierte mit Unterstützung u. a. durch unser Mitglied Carola Maas, Marketingexpertin in Oberndorf, aus Anlass der Eröffnung einer "Gläsernen Molkerei" an der Niedersächsischen Milchstraße den "1. Hasenfleeter Milchtag".
Unseren Mitglieder Dieter Köpke aus Oberndorf, Rainer Beckmann aus Hemmoor und weiteren Aktiven von der Clipper-Crew Hadeln gelang es, den Traditionssegler Albatros erstmals für einen Oste-Törn zu gewinnen.
Unser Mitglied Wolfgang Schütz, Vorsitzender der Ostepachtgemeinschaft der Sportangler und des AK Wanderfische Oste, war eine der Triebfedern für die Wiederansiedlung des Europäischen Störs und hat u. a. den Tag des Fisches 2009 im Natureum mitgestaltet.
Unser Mitglied Gisela Tiedemann, Heimatforscherin aus der Wingst, hielt mehrere öffentliche Vorträge über die Geschichte der Störfischerei und veröffentlichte ein Buch über die Mühlen zwischen Weser und Elbe.
Unsere Mitglieder Kerstin und Uwe Mählmann sowie Lothar Beisenherz vom Vorstand der Seglergemeinschaft Oberndorf gehörten zu den Organisatoren des Nordsee-Elbe-Cups, der wichtigsten Regatta an der Niederelbe, mit Abschlussfest in Oberndorf.
Unser Mitglied Nikolaus Ruhl, Oste-Preisträger und Fotograf aus Osten-Achthöfen, entwickelte zum Jahr der Oste mehrere Fotokalender, Poster und Postkarten.
Unser Mitglied Olaf Schlichting, Spirituosenfabrikant und Gastronom in Neuhaus, hat eigens zum Ostejahr einen "Osteland-Aquavit" kreiert und war Mitorganisator des Internationalen Pappbootrennens in Neuhaus.
Unser Mitglied Erika Bardenhagen, Lehrerin in Bremervörde, veranstaltete mit ihren Schülern ein Oste-Projektwoche; ähnliche Aktivitäten fanden Neuhaus, Oberndorf und Hemmoor statt.
Unsere Mitglieder Eckard Klitzing, Gerhard Gebhardt und ihre Mitstreiter konnten mit Unterstützung von Hermann Bösch, dem Bürgermeister der Gemeinde Balje, erreichen, dass der kreiseigene Baljer Leuchtturm von 1904 vor dem Verfall bewahrt werden soll.
Unsere Mitglieder Peter und Monika Prüß, ADFC-Tourenleiter aus Osten, veranstalteten zum fünfjährigen Bestehen der von uns konzipierten Deutschen Fährstraße Bremervörde - Kiel eine einwöchige Jubiläumstour.
Unser Mitglied Werner Breves, Vorsitzender der Wasserfreunde Hemmoor, organisierte zum Jahr der Oste mehrere Ruderveranstaltungen, darunter auch wieder den traditionellen Ostemarathon mit Teilnehmern aus ganz Deutschland.
Unsere Mitglied Gerd Drewes und Rainer Kupke vom Heimatverein Hemmoor veranstalteten zum Festjahr im Hafen Schwarzenhütten eine Schiffsmodellausstellung und ein Shanty-Festival mit Chören von der gesamten Deutschen Fährstraße.
Unsere Mitglieder Krista und Gerhard Reibe sowie Hans-Gerhard Alstedt vom Gewerbeverein Hechthausen hatten aus Anlass des Jahres der Oste zum 1. Hechthausener Hafen- und Mühlenfest mit einem spektakulären Tauziehen über dem Fluss eingeladen.
Unser Mitglied Gundula Gäntgen, Fotografin aus Hechthausen und Autorin auch des vorigen Fotos vom Tauziehen, hat im Ostejahr Dutzende von Ereignisse mit der Kamera dokumentiert und in Internet-Fotocommunitys für das Osteland geworben.
Unser Mitglied Sigrid Beier, Künstlerin aus Osten, hat zum Ostejahr ihre Arbeiten zum Thema Schwebefähre in der Galerie am Alten Hafen in Neuhaus ausgestellt.
Unser Mitglied Dieter Ducksch, Pastor in Osten und Tourismus-Beauftragter des Kirchenkreises, organisierte einen ökumenischen Regionalgottesdienst und ein Bläserkonzert an der Schwebefähre in Osten.
Unser Mitglied Heino Grantz, Heimatvereinsvorsitzender in Hemmoor, gehörte zu den Organisatoren mehrerer Festveranstaltungen, darunter eines Gedenknachmittags für den Dichter Peter Rühmkorf, den bedeutendsten Sohn Hemmoors.
Unser Mitglied Kai-Uwe Bielefeld, Landrat des Kreises Cuxhaven, konnte die Auszeichnung der kreiseigenen Schwebefähre als "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst" durch die Bundesingenieurkammer entgegennehmen.
Unser Mitglied Bernd Sienknecht, Bürgermeister der Ostener Partnergemeinde Osterrönfeld, hat mit seinem Rendsburger Kollegen Andreas Breitner am Nord-Ostsee-Kanal den von der AG Osteland erarbeiteten Radwanderführer zur Deutschen Fährstraße präsentiert.
Unser Mitglied Niels Uhtenwoldt, Tourismusvereinsvorsitzender in Oberndorf, organisierte mit den örtlichen Vereinen ein Deichwiesen- und Hafenfest mit einer Kanuregatta, bei der Wassersportler von der gesamten Oste antraten.
Unser Mitglied Andreas Breitner, Bürgermeister von Rendsburg, leitete im Herbst die Weltschwebefährenkonferenz, deren Teilnehmer eine "Rendsburger Erklärung" mit dem Ziel verabschiedeten, den Unesco-Welterbe titel für alle noch erhaltenen Schwebefähren zu beantragen.
Unsere Mitglieder Gerd und Gisela Berthold, Künstler und Ferienhausvermieter, veranstalteten zum Ostejahr in ihrer "kleinsten Lichtdruckerei der Welt" auf dem Berghof in Klein worden einen Tag der offenen Tür.
Unser Mitglied Dirk Brauer, Samtgemeinde-Bürgermeister in Hemmoor, trug dazu bei, aus Anlass des Oste-Jahres die N3-Sendung "Auf Tour mit Lars und Ludger" an die Oste zu holen, wo unter der Schwebefähre ein buntes Elvis-Fest gefeiert wurde.
Unser Mitglied Wolf-Dietmar Stock, Verleger aus Fischerhude, gab für die AG Osteland die Musik-CD "Klangfarben der Oste" und ein zweites Oste-Lesebuch heraus, an dem u. a. unsere Mitglieder Elke Loewe, Ursula Holthausen, Dietrich Alsdorf, Fritz Buchinger, Rainer Brandt und Klaus Lefebvre mitgewirkt haben.
Unsere Mitglieder Bettina Gallinat und Detlef Horeis, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Am Dobrock und Bürgermister von Oberndorf, haben nicht nur die Projekte Niedersächsische Milchstraße und Historischer Deichwanderweg vorangetrieben, sondern auch das Pro-7-Dörferduell Oberndorf - Wingst an den Fluss geholt.
Unser Mitglied Birgit Martins hatte als Vorsitzende des Heimatvereins Nieder Ochtenhausen ebenso wie fast 20 andere Vereine im Ostejahr den Zevener Fotografen Hermann Tödter zu Gast, der seinen überall mit viel Beifall bedachten Lichtbildervortrag über die Oste hielt.
Unser Mitglied Bodo Neumann, Bürgermeister von Hechthausen, eröffnete im Jahr der Oste in Klint einen Ufer-Wanderweg und ein Blaskonzert mit Musikanten von der Unteren, Mittleren und Oberen Oste.
Unser Mitglied Inga Hebeiss, Buchhändlerin in Drochtersen, organisierte aus Anlass des Jahres der Oste erstmals eine gut besuchte Kriminacht im Natureum Niederelbe auf der Oste-Insel in Balje.
Unser Mitglied Jürgen Hinck, Vorsitzender der Seglervereinigung "Oste" Hemmoor, lud den Segellogger "Vegesack" zu einem Besuch in den Hafen Schwarzenhütten ein, wo der Oldtimer besichtigt werden konnte.
Unsere Mitglieder Manuela Köster, Touristikerin der Samtgemeinde Hemmoor, präsentierte im Frühjahr einen von der AG Osteland herausgegebenen Wanderführer für den historischen Fährwanderweg Osten - Basbeck - Osten und vertrat, gemeinsam mit unseren Mitgliedern Wolfgang Poit (Hemmoor) und Michael Johnen (Wingst), unsere Region auf Reisemessen.
Unser Mitglied Eddy Uhtenwoldt, Unternehmer aus Oberndorf, und weitere Sponsoren aus den Reihen unserer Mitglieder stifteten das schwimmende Stör-Denkmal, das im Frühjahr in Oberndorf enthüllt und unter starker Beteiligung der Bevölkerung auf den Namen "Hein Stör" getauft wurde.
Unser Mitglied Johannes Schmidt, Ratsherr in Hemmoor, hatte die Idee zur Aufstellung großformatiger Werbetafeln für das Jahr der Oste und für das 100-jährige Fährjubiläum und ermöglicht seit sechs Jahren mit Hilfe von Sponsoren die alljährliche Verleihung des Goldenen Hechts.
Unser Mitglied Stefan Tiemann, Bürgermeister der Samtgemeinde Sittensen, konnte im Jahr der Oste ein neues Mühlrad an der historischen Oste-Wassermühle im Sittenser Ortskern in Betrieb setzen.
Unser Mitglied Bernd Jürgens war einer der Sponsoren, die den Pokal für den 1. Osteland-Cup stifteten, den Carsten Lemke aus Oberndorf organisierte und um den im Sommer zwölf Fußballmannschaften von der Quelle bis zur Mündung des Flusses kämpften.
Unser Mitglied Thomas B. Morgenstern, Autor und Biobauer in Aschhorn, hat im Jahr der Oste in mehreren Lesungen seinen neuen historischen Roman "Jakob Owens" vorgestellt, der ein spannendes Kapitel unserer Regionalgeschichte beleuchtet.
Unser Mitglied Horst Ahlf, Gastronom in Osten und Vorsitzender des dortigen Fährvereins, hat die viertägigen Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Schwebefähre eröffnet, zu denen unter anderem ein Bootskorso des Wassersportclubs Osten zählte.
Unser Mitglied Klaus Torborg, Heimatvereinsvorsitzender in Hechthausen, hat im Jahr der Oste einen gut besuchten Vortragsabend zur Geschichte der Ostedeiche mit Professor Dr. Norbert Fischer veranstaltet.
Henry Springer, Vorsitzender des TSV Hollen, hat im Ostejahr erstmals ein Fußballturnier mit sechs Mannschaften aus dem Samtgemeinden Börde Lamstedt und Oldendorf und aus der Stadt Bremervörde um einen "Osteland-Cup" organisiert.
Unsere Mitglieder Ursula Holthausen, Journalistin in Otterndorf, und Ralf Drossner, Objektleiter und Marketingchef der NEZ, haben das "Osteland-Magazin" auf den Weg gebracht, das im Jahr der Oste zweimal erschienen ist.
Unser Mitglied Klaus Schmidt, Pensionär und Philatelist in Rendsburg, hat zum Schwebefähren-Jubiläum in Osten eine Ausstellung aller weltweit erschienenen Briefmarken und Poststempel mit Schwebefähren-Motiven präsentiert.
Johann Schlichtmann, Polizeihauptkommissar und 1. Vorsitzender des Kreis-Leichtathletik-Verbandes Stade, hat zum Jahr der Oste den 1. Oste-Staffellauf von Balje bis Gräpel organisiert, an dem mehr als 60 Sportler teilnahmen.
Unser Mitglied Wolfgang Fels, Vorsitzender der Unternehmergemeinschaft Hemmoor, hat zum Fährjubiläum den Besuch zweier Motoryachten aus der Partnergemeinde Rüdersdorf organisiert.
Peter Knoch, Vorsitzender der Jugendmusikschule an der Oste, hat aus Anlass des Ostejahres das Hamburger Theaterschiff zu einem Törn nach Hemmoor eingeladen.
Unter Mitglied Claus Peter, preisgekrönter Gastronom aus Höftgrube, hat zum Jahr der Oste eine Reihe besonderer Menüs kreiert, in denen er Zutaten von der "nahen Oste und aus dem Fernen Osten" kombinierte.
Unser Mitglied Werner Borchers, Bürgermeister der Samtgemeinde Selsingen, hat eine "Steinerlebnisroute", bestehend aus drei Radwanderwegen mit insgesamt 39 Stationen, eröffnet.
Unsere Mitglieder Siw-Evelyn Helenius-Scharten, Ursula Schröder, Georg Martens und andere kunstsinnige Bürgerinnen und Bürger aus Neuhaus haben im Ostejahr mit vielen kulturellen Veranstaltungen, von Vernissagen bis zum Matthaei-Mahl, das Leben des Ostefleckens bereichert.
Martina Torborg und der von ihr geleitete Kulturkreis Hechthausen haben zum Ostejahr das Marionettentheaterstück "Der Hecht mit der goldenen Krone" der Hechthausenerin Franziska Ochsler präsentiert.
Unser Mitglied Iris Brandt aus Osten ist eine der vielen Landfrauen an der Oste, die mit Aktivitäten zum Festjahr beigetragen haben, unter anderem mit einer Apfelbaum-Pflanzaktion und einem Torten-Kochbuch mit dem Titel "Vom Osteland bis zum Nordseestrand".
Unser Mitglied Albertus Lemke, Kaufmann in Oberndorf, hat aus Anlass des Ostejahrs nicht nur die 32. Maiwanderung des TSV Oberndorf an die Oste verlegt, sondern auch als Kandidat der N3-Fernsehshow "Stadt gegen Land" dazu beigetragen, überregional auf die Region aufmerksam zu machen.
Unser Mitglied Kuno von Zedlitz hat auf seinem Gut Hörne zum Jahr der Oste Konzertlesungen veranstaltet; im Mittelalterdorf Op de Hörne fand außerdem ein Mittelalterfest für Schulkinder statt.
Unsere Mitglieder Edgar Goedecke, Samtgemeindebürgermeister von Nordkehdingen, und Sylvia Wolter vom Tourismusverein Kehdingen eröffneten im Oktober die "Kehdinger Wildganstage", die von der Ostemündung bei Balje bis Drochtersen gefeiert wurden.
Unser Mitglied Ulrich Gerdes, Geschäftsführer des Ostedeichverbandes und des Unterhaltungsverbandes Untere Oste, hat zum Fährjubiläum eine Ausstellung über den Deichbau an der Oste organisiert.
Unser Mitglied Hans-Hinrich Kahrs, Ostepreisträger und Lehrer am Gymnasium Warstade, ist Mitherausgeber eines Sammelbandes mit dem Titel "Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in der NS-Zeit an der Niederelbe", in dem unter anderem Hemmoorer Schülerinnen und Schüler ein dunkles Kapitel der Geschichte des Ostelandes beleuchten.
Unsere Mitglieder Christel Mix, Margrit Holl, Henning Kuhne, Renate Bölsche und viele andere haben während des Jahres der Oste an vielen Info-Ständen für Bücher, Kalender, Poster und Postkarten zum Thema Oste geworben.
Unsere Mitglieder Christine und Jürgen Reimer, Europakutschen-Betreiber aus Hechthausen, haben auch im Ostejahr mit Kutschfahrten in ihrer Heimatregion und in ganz Niedersachsen als "Botschafter des Ostelandes" gewirkt.
Unser Mitglied Hanni Milan, Schifferklavier-Virtuosin aus Hemmoor, hat zum Jahr der Oste und zur Wiedereinbürgerung des Störs das "Lied vom Stör" verfasst, das von der Oberndorfer "Liedertafel Störtebecker" bei der Einweihung des Stördenkmals uraufgeführt wurde.
Unsere Mitglieder Caspar Bingemer und Eibe von Glasow, Kapitän und Reederin aus Oberndorf, haben mit ihrem Fahrgastschiff "Mocambo" nicht nur ein halbes Dutzend Krimitouren unternommen, sondern auch Kinder der Oberndorfer Kiebitzschule zu den Seehundbänken in der Ostemündung gefahren.
Unsere Mitglieder Wolfgang Hess, Vorsitzender des Gewerbevereins Cadenberge, und Niels Uhtenwoldt, Sprecher der Interessengemeinschaft Oberndorfer Vereine, haben durch die Einbeziehung von Osteland-Ständen die Eröffnungsfeier für den neugestalteten Cadenberger Gutspark und den Oberndorfer Weihnachtsmarkt in das Jahr der Oste eingebettet.
Unser Mitglied Walter Rademacher, Wasserbauingenieur aus Neuhaus und Sprecher des Regionalen Bündnisses gegen die Elbvertiefung, hat mehrmals mit spektakulären Aktionen auf die Auswirkungen der Hamburger Pläne auf die Osteregion aufmerksam gemacht.
Unsere Mitglieder Patricia Salas und Tim Swan, Künstler aus Oberndorf, haben mit Gesang und Musik auch das Jahr der Oste bereichert - unter anderem während der Tropennacht im Wingster Zoo.
Unsere Mitglieder Petra Jaeschke und Hartmut Behrens, Theatermacher aus Oberndorf, gastierten mit ihrem Stück "Gülle im Kanister" in mehreren Orten, während in Oberndorf-Bentwisch nach zweijähriger Pause erstmals das "Oste-Theater" wieder aktiv wurde und hinterm Ostedeich ein Freilicht-Märchen aufführte.
Unser Mitglied Reinhard Schlichtmann, Vorsitzender des TSV Großenwörden, war einer der Mitveranstalter des "4. Biking auf der Milchstraße" mit 500 Teilnehmern unter dem Motto: "Radeln für jedermann durch die Ostemarsch". Der VfL Stade veranstaltete zudem eine Radtourenfahrt "Auf der Fährstraße", die so genannten "Tour de Oste", mit 600 Radlern.
Unsere Mitglieder Jürgen Petschull, Gisela Tiedemann, Klaus Liedtke, Birgit Greiner, Heino Grantz und Karl-Heinz Brinkmann gehören zu den Mitarbeitern an dem Schwebefähren-Buch "Über die Oste", über das die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" urteilte, es beleuchte "alle Aspekte dieses ganz besonderen Bauwerks" und vereine "Wissenswertes, Skurriles und Spannendes aus der Geschichte der Fähre".
Unsere Mitglieder Lisa Peschel, Heino Grantz und Heiko van Dieken waren an der Vorbereitung eines Literaturnachmittags in der Hemmoorer Kulturdiele beteiligt, der dem aus Basbeck stammenden Dichter und Schriftsteller Peter Schütt gewidmet war, in dessen Werk es immer wieder die Oste und die Schwebefähre geht.
Unsere Mitglieder Uwe Hildebrandt und Günther Ropers, Bürgermeister und Denkmalschützer aus Bevern, haben mit verschiedenen Veranstaltungen in der Historischen Ziegelei des Ortes - vom Denkmalschutztag bis zum Weihnachtsmarkt - die Ziegeleigeschichte der Region in Erinnerung gerufen.
Unseren Mitgliedern Karl-Heinz Buck, Dr. Klaus Volland und Kurt Ringen sowie Johann Gerken, dem Bürgermeister der Gemeinde Sandbostel, ist im Jahr der Oste der endgültige Durchbruch zur umfassenden Anerkennung ihres Ziels gelungen, die Baracken des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers an der Oste als Dokumentations- und Gedenkstätte zu nutzen.
Unser Mitglied Peter Wortmann, Lehrer in Estorf und Ratsherr in Oldendorf, hat im Ostejahr eine Reihe kultureller Veranstaltungen organisiert, unter anderem den Auftritt eines finnischen Jugendchors an der Prahmfähre in Gräpel.
Unser Mitglied Dietrich Alsdorf, Ostepreisträger, Autor und Archäologieexperte in Stade, hat mit Holger Göbel, Fährmann in Brobergen, ein Historienspiel über Isern Hinnerk erdacht, den Ritter aus dem Osteland, das an der Fähre Brobergen und in Beckdorf aufgeführt wurde.
Unsere Mitglieder Wilhelm und Irma Gerst und viele Mitstreiter vom Gewerbeverein Neuhaus und vom Komitee 600 Jahre Neuhaus haben im Mai, zum Besuch des Großseglers Albatros und zum Tag der Ostemuseen, eine "Kulinarische Meile" an der Oste organisiert.
Unser Mitglied Matthias Holl, Geschäftsmann in Oberndorf und Cadenberge, hat im Jahr der Oste für die AG Osteland eine Rekordzahl von Neumitgliedern geworben, so dass deren Gesamtzahl jetzt bei 380 liegt.
Unsere Mitglieder Bert und Marlene Frisch aus Oberndorf, zur Zeit mit ihrer Segelyacht auf Transatlantik-Törn, haben im Ostejahr keine Gelegenheit versäumt, auf ihrer Website, in ihrem elektronischen Logbuch und über Seefunk für die Reize des Ostelandes zu werben - auch von der Karibik aus.
Unser Vorstandsmitglied Sigrid Frömming hat Ende Dezember - in Anwesenheit des Rotenburger Vize-Landrats Reinhard Brünjes - eine zweite Papierschiff-Aktion zum Abschluss des Jahres der Oste gestaltet, das sich als gelungenes Beispiel einer überregionalen Zusammenarbeit von der Quelle bis zur Mündung unseres Flusses erwiesen hat.
Meine Damen und Herren, das Jahr der Oste ist zu ende. Aber wir machen weiter: Für uns ist jedes Jahr ein Jahr der Oste.

„Jetzt fahren wir die Ernte ein“ - Das Jahr 2010 an der Oste
Festrede von Jochen Bölsche beim 7. Tag der Oste 2011 in Wingst

Dieser 7. Tag der Oste ist für uns auch ein Festtag, ein Grund zum Feiern. Wenn ich hier heute zum siebten mal seit 2005 einen Vortrag halte mit dem Titel "Das Jahr an der Oste", gibt es deutlich mehr Positives zu berichten als in den vorangegangenen Jahren. Lassen Sie es mich so sagen: Nachdem wir sieben Jahre lang den Boden bereitet, ihn gedüngt und gesät haben, können wir nun endlich beginnen, die Ernte einzufahren.
Natürlich halten in unserer relativ abgelegenen und strukturell benachteiligten Region viele bedrückende Negativtrends weiter an: die Abwanderung, die Überalterung, die kommunale Finanznot. Aber wir haben, meine ich, auch Anlass zu hoffen…
Nehmen wir die AG Osteland. Unser Verein ist vor acht Jahren im Fährkrug in Osten von zehn Frauen und Männern gegründet worden. Seither haben wir 420 weitere Mitglieder hinzugewinnen können. Die AG Osteland hat sich damit zu einer breit aufgestellten und weithin wahrgenommenen Interessenvertretung entwickelt, wie sie deutschlandweit beispiellos ist: Nirgendwo sonst im Einzugsbereich eines Flusses sind sämtliche Akteure unter einem einzigen Dach organisiert, grenzübergreifend, parteiübergreifend: Heimatfreunde ebenso wie Wassersportler, Bürgermeister und Gastronomen, Touristiker und Landvolk, Sportfischer und Jäger, Deichgrafen und Naturschützer, Förster und Schriftsteller - allesamt vereint in dem Bemühen, unsere Region kulturell, touristisch und ökonomisch zu stärken, ein Gebiet, das mit 1800 Quadratkilometern immerhin größer ist als Hamburg und Berlin zusammen.
Unsere gemeinsame Arbeit, meine Damen und Herren, hat begonnen, sich auszuzahlen. Einige Erfolge konnte ich bereits in meinem Rechenschaftsbericht in unserer jüngsten Jahreshauptversammlung anführen - von der Rettung des Baljer Leuchtturms (nicht zuletzt aufgrund der Aktivitäten unserer dortigen Freunde und Mitglieder um Eckard Klitzing und das Ehepaar Gebhardt) bis hin zu den aktuellen Bemühungen, für die letzten Schwebefähren den Weltkulturerbetitel der Unesco zu erlangen - nach dem Vorbild der "Mutter aller Schwebefähren" in Bilbao.
Ich beschränke mich heute darauf, Ihnen zwölf neue gute Nachrichten zu übermitteln.
Die erste betrifft die Deutsche Fährstraße, die wir 2003 konzipiert und 2004 eröffnet haben. Unsere Arbeit ist nicht nur kürzlich von der Deutschen Zentrale für Tourismus als "vorbildlich" gewürdigt worden - die Fährstraße wird auch durch immer neue Attraktionen zusätzlich bereichert: Nach der Eröffnung der Fährstuv in Osten und der Internationalen Fährmeile in Hemmoor 2009, nach vielen großartigen Aktivitäten rund um die Prahmfähre in Brobergen und nach der Einweihung eines 1:2-Fährmodells in Oberndorf 2010 steht dort nun in Kürze ein neues Ereignis an: Bei einem großen Fährfest am 2. April wird der Oberndorfer Bürgermeister Detlef Horeis eine Doppelstatue enthüllen, die von Spendern aus den Reihen der AG Osteland mit finanziert worden ist und die einen Fährmann in traditioneller Tracht sowie einen berühmten Fährgast zeigt, den Freiheitsdichter Hoffmann von Fallersleben, der einst auch in Oberndorf Zuflucht vor politischer Verfolgung fand - ein großartiges Projekt eines kleinen Dorfes, das mit Tatkraft und Ideen um eine touristische Zukunft kämpft.
Die zweite gute Nachricht: Am 7. Mai soll die letzte Lücke in der Kette der Fahrgastschiffanleger an der Oste geschlossen werden. Vor fünf Jahren habe ich - ohne allzu große Hoffnungen zu hegen - der Landesregierung ein Osteland-"Programm 2006" zur Förderung des Wassertourismus übermittelt - unter anderem mit der Forderung nach Großanlegern für Balje, Oberndorf, Osten, Hechthausen und Großenwörden. Was wir damals kaum zu hoffen gewagt haben: Mit Hilfe der EU und etlicher anderer Instanzen - u. a. auch unserer treuen Sponsoren Hildegard Both-Walberg und Jochen Walberg von der Elbfähre Glückstadt-Wischhafen - wird dieses Programm praktisch abgehakt sein, wenn der Großenwördener Bürgermeister Bernhard Witt den dortigen neuen Anleger eingeweiht hat. Für diese tourismuspolitische Großtat sind wir allen Beteiligten in den Rathäuser sowie in Hannover, Berlin und Brüssel zu Dank verpflichtet.
Die dritte gute Nachricht: Seit genau fünf Jahren gibt es nun schon das "Krimiland Kehdingen-Oste". Unser Projekt zur Literatur- und Tourismusförderung haben Presse, Funk und Fernsehen - zum Beispiel der Funkautor Jörn Freyenhagen - schon dutzendfach zum Anlass genommen, auf unsere Region hinzuweisen; vorletzte Woche hat erstmals sogar ein ausländisches Blatt, die "Wiener Zeitung", darüber berichtet. Um stets frischen Stoff für neue Krimilesungen und Krimiexkursionen müssen wir uns nicht sorgen: Drei unserer bisherigen Oste-Kulturpreisträger - Wilfried Eggers, Thomas B. Morgenstern und Wolfgang Röhl - haben noch für dieses Jahr das Erscheinen neuer Regionalkrimis angekündigt. Wir freuen uns darauf.
Die vierte gute Nachricht haben wir Männern wie den heute hier anwesenden Deichgrafen / Deichgrefen Heino Schmidt aus Osten vom Deichverband Kehdingen-Oste und Hans Wilhelm Saul aus Hemmoor vom Ostedeichverband zu verdanken (mit dem wir übrigens für den Herbst eine gemeinsame Veranstaltung planen). Die beiden Deichverbände haben im Zuge ihrer energisch vorangetriebenen Unterhaltungs- und Neubauarbeiten begonnen, in Kranenburg und in Basbeck sogenannte wanderfischgerechte Pumpwerke zu bauen bzw. zu konzipieren. Unterdessen bemüht sich die Samtgemeinde Sittensen, ihren Abschnitt der Oberen Oste "fischdurchgängig" zu machen. Die Beteiligten unterstützen damit die Aktivitäten der fast 8000 Sportfischer an der Oste, mit denen gemeinsam wir eine Arge Wanderfische gegründet haben, um die Wiederansiedlung von Stör, Lachs und Meerforelle zu fördern - ein übrigens weltweit verfolgtes Vorhaben, das unserem Fluss immer wieder auch zu starker Beachtung in der Anglerpresse verhilft. Unser Dank gilt hier so unermüdlichen Männern wie den Sportfischern und Ostepreisträgern Wolfgang Schütz aus Osten und Egon Boschen aus Lamstedt, die ebenfalls unter uns sind.
Die fünfte gute Nachricht betrifft den wachsenden Widerstand gegen den Trend zur Monotonisierung der Landschaft an der Oste durch großräumigen Energiemaisanbau - eine für Flora und Fauna fatale Entwicklung, vor deren Folgen für die Artenvielfalt und das Landschaftsbild insbesondere zwei unserer Mitglieder frühzeitig gewarnt haben: Gerhard Klotz aus Hemmoor, Vorsitzender der Hadler Jägerschaft, und Uwe Baumert aus Deinstedt, Landes-Vize des Naturschutzbundes (NABU), der hier heute durch Hans-Hermann Tiedemann aus Bremervörde vertreten ist. Die Bundesregierung hat mittlerweile angekündigt, die Übersubventionierung der Biogaserzeugung abzubauen. Und vorletzte Woche ist in Celle ein von Uwe Baumert entworfener wegweisender Zehn-Punkte-Vertrag zwischen dem NABU und einem der größten niedersächsischen Biogasproduzenten unterzeichnet worden, der auf die Herstellung von "naturverträglichem Biogas" abzielt. Das lässt uns hoffen.
Die sechste gute Nachricht: Das Wanderwegenetz an der Oste wird in diesen Wochen weiter komplettiert. Der Kreis Rotenburg mit der Oberen Oste hat sich das Ziel gesetzt, zur deutschen "Flachland-Wanderregion Nummer eins" zu werden und gemeinsam mit uns und der Leader-Region Börde Oste - Wörpe eine flussbegleitende Osteroute einzurichten - in Verlängerung der Deutschen Fährstraße von Bremervörde bis zur Quelle bei Tostedt. Die Samtgemeinde Am Dobrock wiederum hat bekanntlich bereits 2009 unsere Niedersächsische Milchstraße Nord eröffnet, rund um die Gläserne Molkerei Hasenfleet, die hier heute mit ihrer gesamten Führungsspitze vertreten ist. Und in Kürze kann nun auch der Historische Deichwanderweg Belum - Osten offiziell eingeweiht werden, den u. a. unsere Mitglieder Henning Kuhne, Dorothee Fetz, Ursula Schroeder und Günter Lunden sowie Frank Auf dem Felde in Kooperation mit dem Wingst-Touristiker Michael Johnen erarbeitet haben.
Die siebte gute Nachricht: Ebenfalls in diesem Jahr steht eine Aufwertung des Wassersportreviers Oste an. Vorgesehen ist die die Markierung aller Anlegestellen nach dem weitverbreiteten Info-System Gelbe Welle. Demnächst folgen Veröffentlichungen im internationalen Wassersportführer "Sejleren's". Fortgesetzt werden die Aktivitäten unseres Arbeitskreises Blaues Netz Oste um Bernd Jürgens, Eddy Uhtenwoldt und andere mit Werbetafeln und Tischsets für den "Fluss, der alles hat", mit Flaggen und Wimpeln mit dem Slogan "Lust auf Osteland" usw. sowie mit dem frisch ktualisierten "Oste-Hafenführer", von dem wir bis Ende des Jahres insgesamt 7000 Exemplare in ganz Norddeutschland verbreiten wollen.
Die achte gute Nachricht: Schon in den nächsten Wochen werden Touristen erstmals sogenannte "Oste-Natur-Navis" ausleihen können, speziell programmierte GPS-Geräte, die zwischen Bremervörde und Hechthausen auf einer Strecke von 30 Flusskilometern über naturkundlich und technikgeschichtlich interessante Punkte informieren. Konzipiert hat das hochinteressante Projekt unser Mitglied Christian Schmidt, Journalist und Biologe, im Auftrag des Vereins zur Förderung von Naturerlebnissen von Uwe Seggermann, dem Leiter des Naturschutzamtes des Landkreises Stade, der auch schon die Projekte Moorkieker, Tidenkieker und Vogelkieker verwirklicht hat; beide können wir heute ebenfalls willkommen heißen.
Die neunte gute Nachricht: Unsere von Albertus Lemke aus Oberndorf angeregte Aktion "Wir an der Oste" zur Förderung des Binnentourismus zwischen Ober- und Unterlauf macht gute Fortschritte. Niemals zuvor haben z. B. so viele Vereine aus dem Raum Sittensen / Selsingen / Zeven Fahrten mit dem Oste-Oldtimer Mocambo gebucht wie in diesem Jahr, während hier an der Unteren Oste wiederum das Interesse wächst, den Oberlauf kennenzulernen. So wird die Obere Oste - um ein vorbildliches Beispiel zu nennen - am Ostermontag Ziel einer Wandertour des TSV Oberndorf mit 60 Teilnehmern sein, vorbereitet mit Hilfe des Vereins Landtouristik Selsingen und unterstützt von der Molkerei Hasenfleet.
Die zehnte gute Nachricht: Bereits in den letzten sieben Jahren haben Osteland-Mitglieder und Ostepreisträger wie Elke Loewe, Grit Klempow, Wolf-Dietmar Stock und Gisela Tiedemann-Wingst mit Buchveröffentlichungen über die Oste das zuvor karge literarische Angebot über unseren Fluss enorm bereichert. Heute freuen wir uns darauf, dass wir am 22. Mai in Gräpel einen weiteren von unserem Verein herausgegebenen Titel öffentlich vorstellen können: ein neues Buch von Gisela Tiedemann über die Geschichte der Fähren an der Oste. Es erscheint in dem für unsere Oste stark engagierten Verlag Atelier im Bauernhaus von Wolf Dietmar Stock, dessen Verlag dieses Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiert. Herzlichen Glückwunsch, lieber Wolf Dietmar Stock!
Die elfte gute Nachricht: Im geografischen Zentrum des Ostelandes, in Bremervörde - das heute u. a. durch seinen Bürgermeister Eduard Gummich vertreten ist - , keimen zur Zeit viele neue kulturelle und kommunalpolitische Ideen, die wir mit Freude verfolgen. Ich nenne beispielhaft die Anregung unseres Ostefreundes, Vizelandrats und Tourismusstrategen Reinhard Brünjes, ein städtisches Kulturzentrum mit Galerie in Bremervörde zu schaffen; ferner das am Ostersonntag anlaufende mehrmonatige Festprogramm zum 20-jährigen Bestehen des Natur- und Erlebnispark an der Oste; außerdem die kürzlich vom Bremervörder Kultur- und Heimatkreis entwickelten Visionen für ein "pulsierendes, blühendes, wachsendes Gemeinschaftsleben" sowie die Einrichtung von vier zusätzlichen Ortsräten, mit der sich in dieser Ostestadt die Chance zu mehr Bürgernähe und mehr Bürgerbeteiligung bietet.
Und schließlich die zwölfte gute Nachricht: Als wir 2005 einen der ersten Goldenen Hechte an den Historiker Dr. Klaus Volland für dessen Forschungsarbeiten über das Kriegsgefangenenlager und Ausweich-KZ Sandbostel verliehen haben, da waren Pläne, dort eine würdige Gedenk- und Dokumentationsstätte einzurichten, noch heftig umstritten. Inzwischen wird das Projekt von allen politischen Kräften mitgetragen und Schritt für Schritt verwirklicht - und das nicht zuletzt dank der beharrlichen Arbeit vieler Aktiver wie unserem Mitglied Karl-Heinz Buck von der Stiftung Lager Sandbostel, die auf dem einstmals vergessenen historischen Gelände an der Oste letztes Jahr bereits über 7800 Besucher aus dem In- und Ausland registrieren konnte.
Dr. Klaus Volland und die übrigen mehr als 50 Ostepreisträger bilden eine Art Ehrenlegion des Ostelandes. Die Namen dieser Männer und Frauen - und ihre Verdienste - sind in einem druckfrischen "Goldenen Buch der Oste" enthalten, das unmittelbar nach der heutigen Ehrung an unserem Info-Tisch erworben werden kann. - Meine Damen und Herren, Sie sehen: Unser Osteland lebt.

„An unserem Fluss ist vieles im Fluss“- Das Jahr 2011 an der Oste
Festrede von Jochen Bölsche beim 8. Tag der Oste 2012 in Geversdorf

Das Jahr an der Oste" 2011 - Thema meines Vortrags - unterscheidet sich grundlegend von den Jahren an der Oste 2005, 2006, 2007 ff.: Es war um ein Vielfaches ereignisreicher. Und dennoch will ich versuchen, wie in meinen Vorträgen 2005, 2006, 2007 ff. mit einer guten Viertelstunde auszukommen.
Ich spare alles aus, was die AG Osteland selber betrifft (das ist Thema des Rechenschaftsberichts in der Jahreshauptversammlung in knapp zwei Wochen in Großenwörden) und beschränke mich auf die zehn wichtigsten Trends.
Trend 1: Fluss der Fähren
Unsere Oste hat sich 2011 weiter als Fluss der Fähren profiliert, der Prahmfähren ebenso wie der Schwebefähre Osten - Hemmoor, des Wahrzeichens unserer Region. Unter Federführung des Rendsburger Oberbürgermeisters Andreas Breitner ist der Weltkulturerbe-Sammelantrag an die Unesco mittlerweile auf den Weg gebracht worden. Ein mögliches Hindernis, einen geplanten Windpark in der Nähe der Schwebefähre, haben Ostener Kommunalpolitiker um Bürgermeister Carsten Hubert mit Geschick beseitigt. Ebenfalls in Osten, bei einem Fährenfest, umrahmt vom Hemmoorer Shantychor mit Rainer Kupke und Gerd Drewes, haben wir das von Gisela Tiedemann verfasste und von uns herausgegebene Buch über die Geschichte der Ostefähren präsentiert.
In Oberndorf, an der Modellfähre neben unserem Stördenkmal "Hein Stör", haben Aktive wie Bürgermeister Detlef Horeis, Eddy Uhtenwoldt u. v. a. zur Erinnerung an die Fährtradition an unserem Fluss eine Fährmann- und eine Fährgast-Statue eingeweiht. In Hechthausen hat Clemens von Marschalck vom Ferienpark Geesthof mit dem "Püttenhüpper" eine weitere Ostefähre vorgestellt. Im Schwebefährenverein Osten - Hemmoor ist mit dem Übergang des Vorsitzes nach fast 37 Jahren von Horst Ahlf auf Karl-Heinz Brinkmann und dessen Stellvertreter Lothar Klüser der Generationswechsel geglückt, und inzwischen ist auch die Dienstbereitschaft der Ostener Fährstuv durch die Bewilligung einer Stelle des Bundesfreiwilligendienstes wieder gesichert.
Trend 2: Fluss des Naturerbes
Seit längerem schon gilt die Oste dank der unermüdlichen Arbeit von Artenschützern wie Egon Boschen und Ernst Peters den Medien als "Deutschlands Lachsfluss Nummer 1". Dank Wolfgang Schütz und vieler Mitstreiter wurde nun auch 2011 ein historisches Jahr: Die erste Hälfte von 1000 jungen Stören aus dem Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie wurde am Oberndorfer Stördenkmal in die Oste eingesetzt - was internationale Beachtung und ein bundesweites Echo in der Anglerpresse fand. Im Raum Sittensen haben sich Wilhelm Meyer vom Unterhaltungsverband Obere Oste, der Samtgemeinde-Bürgermeister Stefan Tiemann u. v. a. für die Beseitigung von Wehren und anderen künstlichen Wanderfischhindernissen eingesetzt, wobei es gilt, den von Andreas Rathjen aus Groß Meckelsen aufgezeigten Zielkonflikt mit dem Denkmalschutz nach Möglichkeit zu lösen. Unterdessen hat sich die Arbeitsgemeinschaft Wanderfische, eingebettet in die Sportfischervereine von der Oste mit ihren insgesamt 7800 Mitgliedern, mit der AG Osteland zusammengetan. Für den Herbst wird in Oberndorf und Osten von Wolfgang Schütz und dem Landessportfischerverband ein landesweiter Stör-Aktionstag der Sportfischer vorbereitet, der aufs Neue die Chance bietet, unseren Fluss in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.
Trend 3: Fluss der Radwanderer
Die 2004 von uns eröffnete Deutsche Fährstraße Bremervörde - Kiel, die mit Websites in mehr als einem Dutzend Sprachen beworben wird, kann in diesem Frühjahr ergänzt werden durch den 145 km langen "Oste-Radweg" Tostedt - Balje, den Klaus Feldmann konzipiert und den eine Gruppe erfahrener ADFC-Tourenexperten um Peter und Monika Prüß, Willi und Irma Gerst u. a. erprobt hat. Bei Selsingen ist nach einer Demonstration von rund 50 Ostefreunden um unseren Wanderführer Albertus Lemke auf Betreiben von Bürgermeister Reinhard Aufdemkamp und zur Freude der örtlichen Touristiker um Ruud van Swelm eine marode Ostebrücke repariert und wieder freigegeben worden. Die Samtgemeinde Lamstedt hat am Drei-Kreise-Eck bei Hollnseth eine Radler-Schutzhütte gebaut. Christian Schmidt hat für den Verein zur Förderung von Naturerlebnissen die neue Oste-Natur-Navi-Route Bremervörde - Hechthausen konzipiert. Henning Kuhne und seinen Heimatpfleger-Kollegen Dorothee Fetz, Ursula Schröder, Günter Lunden und Frank Auf dem Felde ist die Eröffnung der Historischen Ostedeichroute Osten - Belum zu verdanken, mit Anschluss an die von uns konzipierte und von Michael Johnen, Horst von Thaden u. v. a. erfolgreich betreute Niedersächsische Milchstraße Nord rund um Hasenfleet. In Osten konnte Bürgermeister Hubert eine Ostedeichpromenade freigeben, im Kreis Rotenburg arbeiten Ostefreunde wie Stefan Tiemann, Erika Jaschinski, Andreas Rathjens u. a. zurzeit an einem Kulturhistorischen Wanderweg bei Sittensen mit Anschluss an das geplante kreisweite Netz von Premium-Flachlandwanderwegen.
Trend 4: Erlebnisort Wasser
Der Osteland-Arbeitskreis Schifffahrt und Gewässer, das "Blaue Netz Oste", mit dessen Sprecher Bernd Jürgens hat sich mittlerweile etabliert, einen Oste-Hafenführer erarbeitet und mit Hilfe von Eddy Uhtenwoldt, Albertus Lemke u. a. überall im Norden verbreitet. Er hat außerdem dazu beigetragen, ein Jetski-Verbot für die neue Landeswasserstraße Oste zu erzielen. In Hemmoor hat der jetzt für die Oste zuständige NLWKN unter maßgeblicher Beteiligung von Martin Kogge einen neuen Betriebshof eingeweiht. In Großenwörden konnte Bürgermeister Bernhard Witt einen neuen Anleger für Schiffe wie die "Mocambo" von Caspar Bingemer und Eibe von Glasow einweihen; dort sind Wasserfreunde um Rainer Wassermann, Jens Lüneberg und Ewald Romund sowie Heinz Böckmann und Brigitte Sawatzki dabei, eine neue Wassersportgruppe zu gründen. Hemmoor ist für die beste Taucherbasis der deutschsprachigen Länder ausgezeichnet worden, Simone Martens u. a. treiben dort ein Taucherhotelprojekt voran und Kommunalpolitiker wie Hans Wilhelm Saul die Anlage eines Wanderwegs um den Kreidesee. Wassersportler wie Werner Breves, Bert und Marlene Frisch, Uwe Mählmann, Jürgen Hinck, Niels Dehde, Dr. Manfred Toborg u. v. a. haben auch 2011 mit Regatten, Geschwaderfahrten und sonstigen Veranstaltungen immer wieder breites Interesse für die Oste geweckt.
Trend 5: Bekannter / unbekannter Fluss
Die einstmals weitgehend unbekannte Oste gewinnt zunehmend an Prominenz. Fernsehberichte (nordstory, Nordseereport usw.), erstellt mit Hilfe von Aktiven wie Albertus Lemke, Caspar Bingemer oder Hermann Tödter, sowie Hörfunkreportagen haben starke Resonanz erzielt, ebenso wie der "Tag der Oste" 2011 und das seit fünf Jahren erscheinende "Osteland-Magazin" der Heimatzeitungen oder die Veröffentlichungen von Fotokünstlern wie Gundula Gäntgen und Nikolaus Ruhl. Die Touristiker im Osteland - jetzt auch mit einer von Manuela Köster betreuten neuen Tourist-Info im Bahnhof Hemmoor - verfügen über zunehmend professionell gestaltete Werbematerialien und Websites; besonders positiv stechen auch die Bemühungen der Wingst-Touristiker wie Dr. Rüdiger Wandrey und Michael Johnen hervor. Bekannte Künstler - Thees Uhlmann, "Liederjan", "Kaktusblüte", "Rollo333" u. a. - besingen immer häufiger die Oste, die außer auf unseren Websites jetzt nahezu täglich auch auf diversen Osteland-Accounts von Facebook und Twitter vertreten ist.
Trend 6: Ein Fluss, wie er im Buche steht
Auch 2011 ist die Region Osteland - Kehdingen ihrem Ruf gerecht geworden, das "Krimi-Mekka" im Norden zu sein. Mit neuen Büchern von Wolfgang Röhl, Wilfried Eggers, Thomas B. Morgenstern und Axel Roschen nähert sich die Zahl der Krimis, die hier spielen oder hier geschrieben worden sind, der 50er Grenze; hinzu kommen Krimierzählungen in Sammelbänden wie "Mord im Moorexpress" aus dem Fischerhuder Verlag von Wolf Dietmar Stock. Das Osteland-Projekt Krimiland Kehdingen-Oste um Renate Bölsche, Gerd und Gisela Bertholdt u. a. hat die vier neuesten Romane in fünf Veranstaltungen in der Nähe der fiktiven Schauplätze in Oberndorf, Hasenfleet, Hüll und Kleinwörden vorgestellt. Der Verein Kultur auf dem Lande um Hartmut Behrens, Fred Dobrinkat u. a. hat sogar eine Krimikomödie auf die Bühne gebracht. Und auch das Fernsehen hat wieder über das Krimiland berichtet, das letztes Jahr übrigens Thema einer Forschungsarbeit war, die an der Uni Mainz entstanden ist.
Trend 7: Wir an der Oste
Das "Ostebewusstsein", das Gemeinschaftsgefühl der Anrainer der Oste von der Quelle bis zur Mündung, wächst. Im Zuge der von Albertus Lemke angeregten Aktion "Wir an der Oste" besuchen Vereine, Schulklassen und Betriebe vom Oberlauf vermehrt Ausflugsziele am Unterlauf - und umgekehrt. Gästeführerinnen von der Oberen Oste wie Elisabeth Schwanholt, Erika Jaschinski und andere machen sich verstärkt kundig über die Untere Oste; am 11. April wird Osten auf unsere Einladung hin sogar Schulungsort für Gästeführer aus dem Kreis Rotenburg sein. Die AG Osteland wird nach den Samtgemeinden Dobrock und Selsingen 2011/2012 nun für 2012/13 die Samtgemeinden Hemmoor und Sittensen gezielt als Destinationen für den von uns gewünschten "Binnentourismus" an der Oste propagieren.
Darüber hinaus haben Dutzende von Vorträgen des Fotokünstlers Hermann Tödter mit Motiven aus der gesamten Flussregion auch im vorigen Jahr das Zusammengehörigkeitsgefühl im Osteland gestärkt. "Osteland" ist übrigens eine von uns 2003 kreierte und seither beharrlich verwendete Bezeichnung für das bis dahin namenlose Zentrum des Elbe- Weser-Dreiecks. Der Begriff Osteland findet nun zunehmend Verwendung, zum Beispiel für ein Gesundheitszentrum, eine Hundezucht, eine Druckfirma, einen Gartenservice und und und. Das Wort "Osteland" ist mithin auf dem besten Wege, zum allgemein akzeptierten neuen geografischen Terminus und zur touristischen "Marke" zu werden.
Trend 8: Fluss des Bürgersinns
Der Gemeinsinn der Bürger entlang der Oste trägt immer häufiger dazu bei, Erhaltenswertes zu bewahren und Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Über 350 Persönlichkeiten, darunter 15 Bürgermeister, haben unseren gemeinsam mit Maike von Zedlitz, Rainer Leive und anderen erarbeiteten "Baljer Appell" zur nachhaltigen Sicherung des Natureums Niederelbe unterzeichnet, das unter der Leitung von Dr. Clivia Häse nach neuen Wegen zur Attraktivitätssteigerung sucht.
Am Oberlauf ist es dem 20-jährigen Kampf von geschichtsbewussten Bürgern um Dr. Klaus Volland zu verdanken, dass das lange Zeit verschwiegene Lager Sandbostel im kommenden Jahr eine würdige Gedenkstätte erhalten wird. Ohne die Aktivitäten etwa von Eckart Klitzing, dem Ehepaar Gebhardt und Bürgermeister Hermann Bösch wären die Rettung des Alten Baljer Leuchtturms (und seit 2011 auch dessen Nutzung) nicht durchgesetzt worden, ohne den Kreis um Dr. Manfred Toborg, Dr. Edda Renelt und Sabine Auf dem Felde nicht die Erhaltung der über hundertjährigen Ostener Kornmühle und deren Nutzung als lebendiges Kulturzentrum, ohne Günther Ropers u. a. nicht das kulturelle Aufblühen der Museumsziegelei Bevern, ohne Gerhard Klotz und viele Mitstreiter nicht die Rettung des Wingster Waldmuseums, ohne die Oberndorfer "Filmdiven" um Barbara Schubert nicht der Weiterbetrieb des Mobilen Kinos, ohne Menschen wie Herbert Bruns und Jörg Petersen nicht die Erhaltung des Freiburger Hafenspeichers, ohne Helmut Hudaff und seine Unterstützer und ohne das Entgegenkommen der Deichverantwortlichen um Hans Wilhelm Saul nicht die Rettung der Broberger Prahmfähre und des dortigen Fährkrugs. Und ohne die Bürger in Selsingen stünden die Aussichten weniger gut, die dort im Einzugsbereich der Oste geplante Deponie zu verhindern – allesamt Erfolge der bei uns noch lebendigen Zivilgesellschaft.
Trend 9: Fluss der erneuerbaren Energien
Erneuerbare Energien, mit Augenmaß und an den richtigen Standorten eingesetzt, eröffnen Zukunftsperspektiven auch für das Osteland. Sofern Windparks nicht gerade mit einer benachbarten potenziellen Weltkulturerbestätte kollidieren (wie es in Osten der Fall wäre) und sofern der Anbau von Energiemais nicht einen Großteil der landwirtschaftlichen Ertragsfläche in eine Agrarsteppe verwandelt (wie es im Kreis Rotenburg zugelassen worden ist), solange bieten die erneuerbaren Energien Auswege aus der Sackgasse der fossilen und atomaren Energieerzeugung. Erfreulich viel Widerhall finden die Initiativen von Jägern wie Gerhard Klotz für die Anlage von Blühstreifen, von Umweltschützern wie Uwe Baumert für eine Limitierung der Energiemaisproduktion sowie von tatkräftigen Solarkraft-Förderern wie Horst von Thaden, Claus Lemke und Matthias Holl, den Vorstandsmitgliedern der neuen Oberndorfer Energiegenossenschaft, die vier Wochen nach ihrer Gründung bereits drei Anlagen installiert hat. Währenddessen suchen in Oldendorf und anderswo Bürgerbus-Initiativen mit Akteuren wie Peter Wortmann nach neuen Lösungen für den Nahverkehr in der Fläche.
Trend 10: Oste - der gezähmte Fluss
50 Jahre nach der verheerenden Februarflut des Jahres 1962 wächst am Fluss erneut das Verständnis für die Bedeutung des Hochwasserschutzes. Die Öffentlichkeitsarbeit führender Vertreter der Deichverbände wie Hans Wilhelm Saul und Ulrich Gerdes sowie der Sprecher des Regionalen Bündnisses gegen die Elbvertiefung, Walter Rademacher und Georg Ramm, und schließlich die Forschungsarbeit von Professor Fischer haben dazu beigetragen, die Notwendigkeit von Küsten- und Hochwasserschutz im Osteland erneut ins Bewusstsein zu rufen. Erst am vorigen Wochenende hat Eddy Uhtenwoldt in Oberndorf mit Hilfe von Günther Behrens und anderen ein Sturmflut-Mahnmal errichtet. Und nächste Woche erscheint, herausgegeben vom Heimatverein Geversdorf um Günter Lunden und mit Hilfe von Elke Loewe ein Buch mit Bilddokumenten und Berichten hiesiger Augenzeugen der Sturmflut 1962.
Dieser 8. Tag der Oste bildet zugleich den Auftakt zu einer Reihe von Gedenkveranstaltungen an Elbe und Oste zur 50. Wiederkehr der großen Flut. Wir freuen uns, gleich nach der Verleihung des Jugend- Sonderpreises den Festvortrag von Prof. Fischer zu hören - aus Anlass der Premiere der von Walter Rademacher mit Hilfe vieler Heimatfreunde zusammengestellten Sturmflut-Ausstellung; die Bilderschau geht anschließend in erweiterter Form auf Wanderschaft, erst zur offiziellen Eröffnung am kommenden Wochenende ins Natureum nach Balje, dann weiter in die Kulturdiele nach Hemmoor und später in den Kornspeicher nach Nieder Ochtenhausen.
All die eben genannten 100 Menschen, die mit ihren Aktivitäten 2011 unsere Region so sehr bereichert haben, sind Mitglied der AG Osteland, die inzwischen 460 Mitstreiter umfasst und die, vielleicht, bis zum nächsten Tag der Oste die 500er Grenze erreicht haben wird.

„An unserem Fluss ist vieles im Fluss“- Das Jahr 2012 an der Oste
Festrede von Jochen Bölsche beim 9. Tag der Oste 2013 in Bremervörde-Elm

Das Jahr an der Oste" lautet mein Thema - und nicht etwa "Das Jahr in der AG Osteland". Das heißt: Vieles, was unseren inzwischen über 500 Mitglieder starken Verein betrifft, spare ich daher hier und heute aus - es wird Thema auf unserer Jahreshauptversammlung sein, zu der wir uns, wenn Sie wollen, am 18. März in Gräpel wiedersehen. "Das Jahr an der Oste" also. Als ich über dieses Thema nachdachte, kam mir ein Wort von Friedrich Hölderlin in den Sinn: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“
In Gefahr ist unser Osteland, wie wir wissen, in vielfacher Hinsicht. Der demografische Wandel und seine Folgen sind in aller Munde: die Landflucht der Jüngeren, die zunehmenden Leerstände, die Krise der Flussgastronomie, die Finanznot vieler Gemeinden, die drohende Aushöhlung der kommunalen Selbstverwaltung, die zunehmende Gängelung durch die Kommunalaufsicht, der Abbau bürgernaher Verwaltungsstellen, die drohende Schließung von Schwimmbädern, von Postfilialen, von Jugendzentren oder, wie auch hier in Elm, auch der bewährten Grundschule vor Ort mit den kurzen Wegen für die kurzen Beine.
All diese Probleme sind kennzeichnend nicht etwa für das flache Land allgemein (denn in den ländlichen Speckgürteln rund um die großen Städte sieht es ganz anders aus), die Gefahrenlage ist typisch für den abgelegenen ländlichen Raum - und das sind weite Teile Deutschlands; unser Osteland etwa ist mit 1800 Quadratkilometern so groß wie Hamburg und Berlin zusammen.
Die immer drängenderen Probleme des peripheren ländlichen Raums sind seit langem absehbar. Schon 2006, bei unserem 2. Tag der Oste in Bremervörde, haben wir darauf hingewiesen, dass sich die Lage ähnlich bedrohlich darstellt wie in manchen ostdeutschen Landstrichen. Über unsere damaligen Forderungen, unter Anspielung auf den Soli für den Aufbau Ost, titelte die Presse: "AG Osteland fordert 'Aufbau Oste'."
Was ist seither passiert? Gemeindebund, Landkreistag, Kommunalwissenschaftler beklagen weiterhin die anhaltende Benachteiligung des abgelegenen ländlichen Raums und die weitgehende Missachtung des Verfassungsgebots, gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen.
Nun, die AG Osteland setzt seit ihrer Gründung vor allem darauf, das lange Zeit vergessene zentrale Drittel des Elbe- Weser-Dreiecks bekannt zu machen und durch die Förderung des Tourismus und des Denkmalschutzes zu stärken - zum Beispiel durch die schon in unserer Satzung als Ziel verankerte Gründung der Deutschen Fährstraße und der Schwebefähren-Infomeile, gefolgt von der Milchstraße Nord, dem Projekt Krimiland Kehdingen-Oste, das im Herbst den 50 . Ostekrimi präsentieren konnte, der Historischen Ostedeichroute und zuletzt dem neuen Oste-Radweg.
Es ist uns gelungen, überregionale Medien, immer wieder auch das Fernsehen, auf den Fluss aufmerksam zu machen. Wir haben inzwischen fünf Bücher über die Oste herausgegeben, zuletzt "Ufergeflüster" von Dietrich Alsdorf. Wir haben mit der Wanderfischaktion das Interesse Zehntausender von Lesern der Anglerpresse geweckt. Wir haben mit dem Hafenführer unseres Blauen Netzes, mit Regatten und dem geplanten Absegeln 2013 Sportbootfahrer auf das Osterevier aufmerksam gemacht. Und wir haben mit unserem Welterbeantrag, um den sich insbesondere der bisherige Rendsburger Bürgermeister und neue Kieler Innenminister, unser Mitglied Andreas Breitner, verdient  gemacht hat, viele Menschen auf das überragende Wahrzeichen unserer Region hingewiesen, die in dieser Form weltweit einzigartige Schwebefähre, und auf ihre "Schwesterfähre" am NOK, deren 100. Geburtstag wir im September mitfeiern wollen.
Ja, und nebenher haben unsere Ehrenamtlichen das Kunstwort Osteland mittlerweile auf vielfache Weise als Marke etabliert, dabei immer unterstützt von den engagierten Tourismusprofis an der Oste - von Erika Jaschinski in Sittensen unweit der Quellregion bis hinab zu Michael Johnen am Dobrock nahe der Mündung.
Wir merken aber auch: Die erwähnten Strukturprobleme und Rahmenbedingungen setzen all unseren Bemühungen enge Grenzen. Manchmal mag man glauben, die Negativtrends nähmen überhand - als müsse man sich stemmen gegen eine fallende Wand.
Wenn überall Gaststätten schließen müssen und damit die Durststrecken für Radtouristen immer langer werden, verlieren unsere Fernradwege an Reiz. Wenn sogenannte Zukunftsverträge klammen Gemeinden die wichtigsten Zukunftsinvestitionen - nämlich die in den Tourismus - als sog. Freiwillige Leistung praktisch verbieten, dann kann von einer Urlaubsregion bald der Lack ab sein. Und das gilt natürlich auch, wenn sich unsere Landschaft weiterhin zu einem Maislabyrinth entwickelt - ein Thema, das Uwe Baumert ansprechen wird.
Nun, uns bleibt bei alldem die Hoffnung, dass Hölderlin recht behält, dass das Rettende wächst. Wir setzen darauf, dass die sich nun abzeichnende neue Landesregierung all diejenigen Lügen strafen wird, die den Roten und den Grünen im Wahlkampf unterstellt haben, sie würden den ländlichen Raum vernachlässigen. Und uns bleibt, vor allem, die Hoffnung auf die Kraft des Bürgersinns und der Bürgerinitiative, die Hoffnung auf die Macht des Ehrenamtlichen, die gerade bei beschränkten finanziellen Ressourcen wichtiger ist denn je. Das hat kürzlich auch, bei einem erfreulichen Anlass, unser Bundespräsident Gauck betont, und das haben gerade wir an der Oste auf vielfache Weise erfahren.
Ohne den Anstoß durch engagierte Bürger wurde - da bin ich mir absolut sicher - die Schwebefähre heute ebenso verrotten wie die Gedenkstätte Sandbostel, die Eitzter Mühle ebenso wie der Baljer Leuchtturm, die Fähre Brobergen ebenso wie die Museumsschiffe in Wischhafen, der Kornspeicher in Freiburg wäre ebenso abgerissen worden wie die Kornmühle in Osten.
Immer und immer und immer war die Rettung bedrohter Kulturschätze und anderer Anziehungspunkte - wie zuletzt auch der Einsatz für das Natureum Niederelbe - zu allererst ein Werk von Bürgern, oft genug von Osteland- Mitgliedern, die der Politik und der Verwaltung erst auf die Sprünge helfen mussten. Das gilt auch für unseren Einsatz mit dem "Baljer Appell" für das Natureum Niederelbe, das Tor zur Oste, das zurzeit runderneuert wird. Wir sagen daher: Der Bürgersinn ist - neben Natur und Landschaft - der wichtigste Standortvorteil unserer abgelegenen Region.
Es waren Ehrenamtliche aus Sittensen, Zeven, Lamstedt und Osten, auch daran sei erinnert, die sich vor 30 Jahren, zunächst verlacht und verspottet, für die Wiederansiedlung des Lachses in der Oste eingesetzt haben - und die nun, da auch der ebenfalls ausgerottete Stör zurückkehren soll, mit gemischten Gefühlen die Entwicklungen am Fluss verfolgen:
Da ist einerseits die erfreuliche Verbesserung der Gewässerstruktur durch Abbau von Wanderhindernissen wie zuletzt in Sittensen, andererseits die drohende Verschlechterung der Gewässerqualität. Sorge bereiten nicht nur den 8000 Sportfischern an der Oste, sondern allen Naturfreunden die zunehmenden Fälle von Fischsterben, die Güllehavarie, die Schadstoffeinleitungen, unzureichende Gewässerschutzstreifen und der widerrechtliche Grünlandumbruch etwa im Oste-Bever-Gebiet.
Tausende aktiver Bürger, allen voran unsere Freunde von NABU und BUND, machen Front gegen fortgesetzten Frevel an der Natur, gegen die geplante Maisgasfabrik im Trinkwasserschutzgebiet an der Oste, für die Erhaltung der Ostemoore im Raum Gnarrenburg und nicht zuletzt - unter führender Mitwirkung unseres 2.Vorsitzenden Walter Rademacher und mit einem erfreulichen ersten juristischen Teilerfolg - auch gegen eine weitere Elbvertiefung.
Und ebenso wollen sich viele Menschen auch nicht damit abfinden, dass das Osteland im toten Winkel zwischen HVV und VBN zu den letzten verkehrsverbundfreien Wucherzonen Deutschlands zählt. Mit Freude verfolgen wir: Auch etliche AG-Osteland-Mitglieder in Parteien und Parlamenten fordern eine Ausweitung des Hamburger Verkehrsverbunds bis Cuxhaven, also gleichsam bis hin zur Hamburger Insel Neuwerk. Ich nenne beispielhaft nur Elke Twesten sowie auch Marco Prietz aus Bremervörde von der CDU, Detlef Horeis aus Oberndorf von der SPD, den Parteilosen Dirk Brauer aus Hemmoor oder Johannes Schmidt vom dortigen Bürgerforum. Und erwähnt sei auch das Engagement von Mitgliedern wie Peter Wortmann aus Oldendorf für Bürgerbusprojekte, die ebenso wie Anrufsammeltaxen Lücken schließen können im ländlichen Raum.
Ganz dringend erforderlich wird anhaltendes Bürgerengagement auch sein, um zu verhindern, dass hier bei uns eine kindgerechte Schulstruktur dem Rotstift zum Opfer fällt – was zum Beispiel viele unserer Mitglieder in der schönen Ostegemeinde Oberndorf hat aktiv werden lassen, die sich nicht nur für alternative genossenschaftliche Bürgerenergieprojekte einsetzen, sondern auch, gerade jetzt, auszuschließende die Rettung ihrer Grundschule.
All die genannten Entwicklungen werden die AG Osteland veranlassen, im zweiten Jahrzehnt ihres Bestehens den Schwerpunkt ihrer ehrenamtlichen und gemeinnützigen Arbeit ein Stück weit zu verlagern: ein klein wenig weg von der Tourismusförderung, die wir mittlerweile bei den Profis in guten Händen wissen, und mit vereinten Kräften hin zur Verteidigung der Lebensqualität der Menschen dieser Region und ihres Natur- und Kulturerbes, hin also zur Interessenvertretung - um nicht zu sagen: zu einem Kampfbund - für den ländlichen Raum.
Auf dass, um auf Hölderlin zurückzukommen, auch "das Rettende" wächst!