An unserem Fluss
ist vieles im Fluss

Jochen Bölsche: Rechenschaftsbericht des Vorstandes
der AG Osteland e. V. zur Jahreshauptversammlung 2012

Liebe Ostefreunde, neben dem üblichen Jahresrückblick des Vorstands steht auf unserer Tagesordnung heute ein Zukunftsthema von existenzieller Bedeutung für unsere Region: die Deichsicherheit. Erlauben Sie mir deshalb, die Rückschau auf das vergangene Vereinsjahr so kurz wie möglich zu fassen, um unseren Gastreferenten nicht die Zeit zu stehlen, zumal gerade zwei Wochen vergangen sind, seit ich - und die meisten von Ihnen waren dabei - beim 8. Tag der Oste über "Das Jahr an der Oste" berichtet habe; im neuen "Osteland-Magazin" ist ein weiteres Jahresresümee erschienen (S. 24/25). Beide Texte sind online verfügbar und liegen auf den Tischen aus. Ich bitte, sie auch dem Protokoll beizufügen.

Unter dem Titel "100 Menschen und 10 Trends" finden Sie im Osteland-Text Nr. 25 noch einmal die Höhepunkte des Jahres aufgelistet - ich beschränke mich daher jetzt auf Stichworte: der Weltkulturerbe-Antrag für die Schwebefähre, unser Fährfest mit Vorstellung eines neuen Fährenbuchs, die Aufstellung der Fährstatuen in Oberndorf, der Beginn des Besatzes von 1000 Stören, die Einbeziehung der AG Wanderfische der Sportfischer in die AG Osteland, der neue Oste-Radweg Tostedt - Balje, die neue Oste-Natur-Navi-Route, das Drei-Kreise-Eck bei Hollnseth, die Fertigstellung der Historischen Ostedeichroute Belum - Osten, der Mocambo-Anleger für Großenwörden, die hervorragend besuchten Veranstaltungen unseres Blauen Netzes Oste, etliche Funk- und Fernsehreportagen und viele neue Lieder über die Oste, weitere Kriminächte im Rahmen unseres Projekts Krimiland Kehdingen-Oste, zwei Oste-Wanderungen am Oberlauf, unser "Baljer Appell" pro Natureum Niederelbe, diverse Aktivitäten für den Alten Baljer Leuchtturm und gegen die Vermaisung der Region, zuletzt der 8. Tag der Oste und die Eröffnung unserer Sturmflut-Ausstellung in Geversdorf und Balje mit positiver Presse- und Publikumsresonanz.

Über eben nur kurz skizzierten Erfolge habe ich, wie gesagt, vor knapp 14 Tagen berichtet. Inzwischen müsste ich - und das zeigt die Dynamik der Entwicklung an unserem Fluss - gut ein halbes Dutzend weiterer Ereignisse hinzufügen, die sich allein während der letzten 13 Tage zugetragen haben.

1. Bremervörde hat beschlossen, mit Hilfe beträchtlicher Zuschüsse seinen in die Jahre gekommenen Natur- und Erlebnispark unweit der Oste am Vörder See für 600.000 Euro aufzupolieren.

2. Gesichert ist seit voriger Woche mit einem Zuschuss von 22.000 Euro aus der Leader-Region Kehdingen-Oste die Fortführung der Radfernroute Mönchsweg, die bislang von Fehmarn bis Glückstadt führte, über Elbe und Oste hinweg bis nach Bremen - übrigens auch durch Großenwörden und mit einem Stichweg nach Osten.

3. Gesichert ist jetzt ebenfalls - dank EU-Geldern sowie des Engagements der Samtgemeinde Oldendorf und der Gemeinde Kranenburg - die Finanzierung eines für 75.000 Euro geplanten neuen Bootsanlegers neben der historischen Fähre in Brobergen.

4. Am vorigen Donnerstag hat Sittensen den Bau einer wanderfischgerechten Sohlgleite beschlossen - übrigens bei Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Mühlrades am Sittenser Mühlenwehr, für die sich der Heimatverein Börde Sittensen stark gemacht hat.

5. Angekündigt geworden ist vorgestern von der Stader Naturerlebnis-Stiftung die Erweiterung der neuen Oste-Natur-Navi-Route Bremervörde - Hechthausen zu den Sommerfarien durch ein spezielles Kinderangebot mit dem Titel "Stör Stups und Reiher Ralf".

6. Ebenfalls seit voriger Woche gesichert ist die Finanzierung (60.000 Euro) von vier Rastplätzen am Oste-Radweg und an unserer Deutschen Fährstraße in der Gemeinde Geversdorf.

7. Der Stader Kreistag hat letzte Woche zwar nicht die Realisierung des großen "Küstenwelten"-Projekts im Natureum Balje beschlossen - und sich damit unserer Meinung nach einer Chance für die Region begeben - , aber immerhin ein Bündel von Erneuerungsmaßnahmen im Volumen von rund einer Million Euro auf den Weg gebracht. Dieses Glas ist, je nach Sichtweise, halb leer oder halb voll.

Alles in allem: An unserem Fluss ist vieles im Fluss, es tut sich was an der Oste. Und fast alle genannten Aktivitäten - und viele mehr - sind von Mitgliedern der AG Osteland gefördert oder mitgetragen worden. Der Vorstand selber hat sie in einigen Fällen initiiert, fast immer aber durch Präsenz und Medienarbeit forciert, begleitet, ermutigt und unterstützt. Um das zu leisten, hat unser Vorstand in aller Regel einmal monatlich getagt, und darüber hinaus war immer wieder vertreten bei Veranstaltungen von Osteland-Mitgliedern, -Mitgliedsvereinen und -Mitgliedskommunen von der Quelle bis zur Mündung. Ich zitiere dazu beispielhaft nur die Vorstandsterminliste des vorigen Monats:

- Eröffnung der Klenck-Ausstellung in Lamstedt,
- Jahreshauptversammlung Kulturmühle in Osten,
- Monatssitzung zum Baljer Appell in Sachen Natureum in Oederquart,
- Veranstaltungen unseres Blauen Netzes in Oberndorf-Niederstrich (mit Infotisch der AG Osteland),
- Info-Gespräch über Tourismusperspektiven für den Kreidesee in Hemmoor,
- Info-Veranstaltung zum Mühlenwehr in Sittensen,
- Einweihung des Rathaussaals in Hemmoor,
- Krimiaufführung des Vereins Kultur auf dem Lande in Osten,
- Jahreshauptversammlung des Schwebefährenvereins in Osten (mit Grußwort der AG Osteland),
- Jahreshauptversammlung des Sportfischervereins Oste (mit Grußwort der AG Osteland),
- Festakt zum 20jährigen Bestehen des Gedenkstättenvereins Sandbostel in Bremervörde.

Das waren, wie gesagt, nur die Termine eines einzigen Monats, über die wir übrigens ausnahmslos im Internet Bericht erstattet haben. Es wird Sie nicht wundern, dass wir allein 2011/2012 bislang auf weit über 200 Veranstaltungen vertreten waren - übrigens mit Anreisen von bis zu 150 Kilometern - , um als AG Osteland Flagge zu zeigen, um den Informationsfluss aufrecht zu erhalten und so zur Vernetzung der Akteure im Osteland beizutragen. Ich danke allen Vorstandsmitgliedern, die daran mitgewirkt haben - übrigens ohne jemals Kilometergeld o. ä. zu beanspruchen. Sehen Sie mit bitte nach, dass ich besonders herzlich meiner Frau Renate danke, die viel mehr ist als nur die Schriftführerin unseres Vereins.

Begleitet wurden unsere Aktivitäten auch im vergangenen Jahr von intensiver Öffentlichkeitsarbeit. Dazu zählen 39 Pressemitteilungen der AG Osteland, die sich zum Teil auf ganzen Zeitungsseiten, aber auch in Fernseh- und Hörfunkbeiträgen niedergeschlagen haben, und dazu zählt eine intensive Nutzung des Internets. Genannt seien hier (neben der täglich aktualisierten privaten Website oste.de) die Vereinsseite osteland.de und diverse vereinseigene Zielgruppenseiten wie krimiland.de, deutsche-faehrstrasse.de, oste-radweg.de, ag-wanderfische-oste.de und blaues-netz-oste.de. Allein auf blaues-netz-oste.de sind im vergangenen Vereinsjahr über 150 Meldungen zu den Themen Oste-Wassersport, Oste-Schiffahrt, Oste-Sportfischerei usw. veröffentlicht worden. Hinzu kommt seit dem vorigen Jahr ein breites Angebot auf Twitter und auf Facebook, wo fast 200 Mitglieder die Mitteilungen der Osteland-Gruppe verfolgen.

Unsere Finanzlage ist gesund, wie der folgende Kassenbericht zeigen wird, allerdings steht eine größere Ausgabe bevor: Nachdem die 100.000 Flyer für unsere Deutsche Fährstraße praktisch vergriffen sind, muss eine aktuelle Version erarbeitet, gedruckt und gestreut werden, die auch unseren neuen Oste-Radweg Tostedt - Balje einbeziehen wird, dessen Feintrassierung bis hinein in den Landkreis Harburg soeben von den Rotenburger Touristikern abgeschlossen werden konnte.

Ohne den Entscheidungen des heute zu wählenden neuen Vorstands vorgreifen zu wollen, zeichnen sich für das neue Vereinsjahr einige Schwerpunkte ab:

- Wir werden weiterhin die Bemühungen fördern, das Osteland zum Land der erneuerbaren Energien umzugestalten, sofern nicht gerade Windparkpläne einem potentiellen Weltkulturerbeobjekt in die Quere kommt oder die Vermaisung weiter Landsstriche nach Rotenburger Vorbild weiter befördert wird.

- Wir werden weiterhin den Oste-Binnentourismus von Vereinen, Firmen und Familien zwischen Oberer und Unterer Oste fördern, indem wir (nach Dobrock und Selsingen) für 2012/13 als Schwerpunktziele die Samtgemeinden Sittensen und Hemmoor propagieren.

- Wir werden das im Herbst bevorstehende Erscheinen des 50. Krimis aus unserer Region nutzen, um weiterhin nach Kräften für das Krimiland Kehdingen-Oste zu werben.

- Wir werden uns weiterhin für weise Kompromisse einsetzen, wenn unsere beiden satzungsgemäßen Ziele "Schutz des Naturerbes" und "Schutz des Kulturerbes" im Einzelfall zu kollidieren drohen; die Stauwehrschützer und die Wanderfischschützer wissen, was gemeint ist.

Und wir werden alle Kräfte aufbieten müssen, damit die politischen Sparzwänge nicht ausgerechnet die Allerschwächsten treffen - nämlich die jeweils letzten Orte vor der Grenze: aus Sicht des Kreishauses in Rotenburg die Obere Oste, aus Sicht des Stader Kreishauses das rechte Ufer des Unterlaufs, aus Sicht des Cuxhavener Kreishauses das linke Ufer. Die jüngsten Meldungen über neue Cuxhavener Einsparungspläne zu Lasten der Schwebefähre, des  Wahrzeichens unserer Region, haben uns alarmiert.

Erfreulich stimmt bei alledem eines: dass immer mehr Menschen den Wert einer lebendigen Zivilgesellschaft gerade für den abgelegenen ländlichen Raum erkennen. Das hat sich bei der AG Osteland im vergangenen Jahr erneut in steigenden Mitgliederzahlen niedergeschlagen. Zur Erinnerung: Gegründet haben wir den Verein Anfang 2004 mit gerade mal zehn Mitgliedern - damals hätte kaum jemand erwartet, was sich aus dieser Keimzelle einmal entwickeln würde: Deutschlands einzige ehrenamtlich geführte Gewässerkooperation von der Quelle bis zur Mündung, die sämtliche Akteure über Kreis-, Partei- und Vereinsgrenzen hinweg unter einem Dach vereint.

2006 haben wir dann mit Hildegard Both-Walberg aus Wischhafen das 100. Mitglied aufgenommen, 2007 mit Lisa Karstens aus Osten das 200. Mitglied, im Jahr der Oste 2009 mit  Thomas Oldhafer aus Oberndorf das 300. Mitglied, 2010 mit dem Polizeibeamten Hermann Röttjer aus Iselersheim (Kreis Rotenburg) das 400. Mitglied, 2011 mit dem Rundfunkredakteur Harald Gerd Brandt aus Offensen (ebenfalls Kreis Rotenburg) das 450. Mitglied. Gestern lag uns die Beitrittserklärung Nr. 468 vor. Das sind schon mehr Mitglieder als die Gemeinde Großenwörden Einwohner zählt; hier leben laut amtlicher Statistik 444 Einwohner. Wir  freuen uns, irgendwann im nächsten Jahr - und vielleicht ja noch in diesem Jahr - das 500. Mitglied in unseren Reihen feiern zu dürfen, das dazu beitragen wird, unsere "Lobby für die Oste" weiter zu stärken und zu festigen.