Erfolge, aber auch Sorgen

Rechenschaftsbericht von Jochen Bölsche auf der
Jahreshauptversammlung der AG Osteland 2013 in Gräpel


 
... Wir blicken zurück auf ein ereignisreiches Jahr, das uns viele Erfolge, aber auch einige Sorgen beschert hat. 

Speziell zu den Sorgen hier im abgelegenen ländlichen Raum habe ich einiges gesagt in meiner Rede beim 9. Tag der Oste, an dem wohl die meisten von Ihnen teilgenommen haben. Ich möchte mich nicht wiederholen... Ich möchte mich hier auf einige weitere wichtige Punkte beschränken:

Sehr erfreulich entwickelt sich weiterhin unsere Mitgliederzahl. Als Mitglied Nummer 500 haben wir kürzlich  Wiebke Tum Suden aus Neuhaus begrüßen können, die dort, am Osteradweg und an der Deutschen Fährstrasse, ein wunderbares kleines Café mit Tante-Emma-Laden betreibt. Mittlerweile liegt die Mitgliederzahl bei 510.

Den stärksten Zuwachs verzeichnen wir im Kreis Rotenburg.  Eingetreten sind unter anderem Kommunalpolitiker aller Parteien vom Oberlauf des Flusses. Aber auch etliche Vereine sind zu uns gestossen, darunter zum Beispiel letzten Monat der Fähr- und Geschichtsverein Brobergen, der Verein Radsport Hemmoor und die Historienbruderschaft der Neuhäuser Lumpenhunde.

Die Arbeitsgemeinschaft Osteland hat sich auf diese Weise im Laufe der Jahre zu der wohl größten und am breitesten aufgestellten, ehrenamtlich geführten Flussgebietskooperation in Deutschland entwickelt.

Der Vorstand, der im vergangenen Jahr elf Mal zusammengetreten ist, hat wieder viel Zeit darauf verwendet, den Kontakt zu unseren Mitgliedsorganisationen zu pflegen. Unsere Vorstandsmitglieder haben 2012/13 an weit über 100 Veranstaltungen teilgenommen.

Eines der Hauptziele unseres Vereins ist es, die früher weitgehend unbekannte Oste bekanntzumachen und die Entwicklung eines sanften Tourismus zu fördern -  unter anderem mithilfe unserer Deutschen Fährstraße Bremervörde-Kiel samt ihrer blauen, grünen und roten Route für Wassersportler, Radfahrer und Wohnmobilisten, mithilfe der von uns entwickelten Nord-Route der Niedersächsischen Milchstraße und mit dem neuen Oste-Radweg Tostedt – Balje.

Wichtigstes Werbemittel ist der neu entwickelte Flyer, den wir in einer Auflage von 35.000 Exemplaren hergestellt und bei einer Erstbefahrung mit Elektrorädern an die Tourist- Infos am Fluss ausgeliefert haben.

Erfreut haben uns die Bemühungen vieler Mitglieder, die Routen weiter  zu attraktivieren. In Bremervörde am Vörder See entsteht demnächst ein Empfangsgebäude. Am Ferienpark Hechthausen-Klint erfreut sich das neue Fähr- und Fluss-Erkundungsboot Püttenhüpper großer Beliebtheit, ebenso das Natur-Navi-Angebot des Vereins "Natur erleben" mit einer ganz neuen Version für Kinder. 

Im Natureum in Balje, für dessen Erhaltung und Aufwertung wir uns letztes Jahr mit der Unterschriftenaktion „Baljer Appell“ stark gemacht haben, ist gerade eine neue Dauerausstellung eröffnet worden. Dort  entsteht im Herbst ein neues Empfangsgebäude mit Fahrradstation direkt am Elbe-Eadweg, am Oste-Radweg und an der Deutschen Fährstrasse. Und auch am Kornspeicher in Freiburg, ebenfalls an unserer Deutschen Fährstrasse gelegen, gibt es eine neue Fahrradstation mit Sanitärgebäude.

Über weitere aktuellen Bemühungen,  unsere Region touristisch zu vermarkten, kann am besten unser Vorstandsmitglied Michael Johnen aus Cadenberge informieren, hauptberuflich Touristiker der Samtgemeinde Am Dobrock. (...)

Ich komme nun zum wichtigsten Element unserer Deutschen Fährstraße. Um die Erhaltung der beiden Personenprahmfähren auf der Oste haben sich bekanntlich die Familie Plate  hier in Gräpel und der vor fünf Jahren gegründete Fähr- und Geschichtsverein Brobergen große Verdienste erworben. Der unvergessene Helmut Plate und Mitglieder des Broberger Vereins sind bislang insgesamt drei Mal mit unserem Goldenen Hecht ausgezeichnet worden.

Zuversichtlich sind wir auch,  was die Zukunft der beiden überragenden Wahrzeichen unserer Deutschen Fährstraße betrifft: die beiden Schwebefähren.

Im Ostener Fährverein ist nach einem Dritteljahrhundert der Generationenwechsel im Vorstand gelungen. Dort konnte außerdem die Genehmigung eines Windparks in Sichtweite unseres nationalen Baudenkmals bislang glücklicherweise verhindert werden; für einen alternativen Windpark-Standort an der östlichen Gemeindegrenze sehen wir keine Hinderungsgründe.

In  Hemmoor und in Osten sind Bemühungen angelaufen, die Fährköpfe beziehungsweise den Fährplatz attraktiver zu gestalten. Auch das wird von uns grundsätzlich begrüßt.

Die wichtigste Entwicklung aber: In Kiel hat die neue Landesregierung,  der als Innenminister unser Mitglied Andreas Breitner angehört, zuvor Bürgermeister von Rendsburg, den Antrag zur Ernennung von sieben Schwebefähren zum Weltkulturerbe auf den Weg gebracht, der in unserem Arbeitskreis Deutsche Schwebefähren entwickelt worden war. Die älteste Schwebefähre der Welt in Spanien besitzt bekanntlich bereits den begehrten UNESCO-Status. Für Osten und Rensburg drücken wir beide Daumen.

Die Schwebefähre am Nord-Ostsee-Kanal wird zur Zeit mit großem finanziellem Aufwand  - u. a. mit einem Lichtkunstprojekt  - attraktiviert. Anlass ist ihr hundertjähriges Bestehen im August, das wir natürlich nutzen werden, um die Freundschaft mit Rendsburg und die Gemeindepartnerschaft Osten -  Osterrönfeld zu pflegen, die übrigens Ausdruck gefunden hat in einem neuen Osterrönfelder Wandbild, das die beiden deutschen Schwebefähren zeigt. 

Aus Anlass der hundertjährigen Bestehens unserer Schwesterfähre habe ich Gelegenheit, am 27. April auf Einladung der Rendsburger Gesellschaft für Geschichte einen Vortrag über die Welt der Schwebefähren zu halten - und natürlich über unsere Deutsche Fährstraße.

Gefreut hat mich ganz persönlich, dass die 2003 von mir gestartete Initiative zur Gründung der Deutschen Fährsstraße viel Anerkennung gefunden hat - einmal durch die Verleihung des Ehrenzeichens des Landkreises Cuxhaven im vorigen Sommer und dann, im Januar dieses Jahres, durch unseren Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Weitere Aufgaben unseres Vereins sind laut unserer Satzung die Pflege und Bewahrung des Naturerbes, der Kulturschätze und der Heimatgeschichte.

Was die Natur betrifft, so haben wir, wie Sie wissen, mit unserem Arbeitskreis Wanderfische gleichsam die Patenschaft über die Wiederansiedlung des Störs in der Oste übernommen, für die wir seit Jahren mit Kaviarnächten, Störfesten,  einem schwimmenden Denkmal in der Oste und dem Einsatz für einen fischdurchgängigen Fluss werben. Darüber berichtet unser Vorstandsmitglied und "Störvater" Wolfgang Schütz aus Osten als Sprecher des Arbeitskreises. (...)

Ein Thema von großer Bedeutung für die Region mit historischen wie auch aktuellen Bezügen ist der Hochwasserschutz. Darüber berichtet nun mein Stellvertreter Walter Rademacher, der selber maßgeblich beteiligt war am juristischen Zwischenerfolg in Sachen Elbvertiefung und der in Zusammenarbeit mit vielen Heimatfreunden das historische Jahresthema 2012, den 50. Jahrestag der Flutkatastrophe 1962, ebenso aufgegriffen hat wie das Jahresthema 2013, die 200. Wiederkehr des Endes der Franzosenzeit 1813, das nachher Thema unseres heutigen Vortrags sein wird. Walter Rademacher aus Neuhaus hat das Wort. (...)

Auch im vorigen Jahr waren wir bemüht, eines der Alleinstellungsmerkmale unserer Region zu nutzen, um sie als touristisches Ziel bekannter zu machen: die große Zahl an fiktiven Krimitatorten. Im Rahmen unseres Projekts Krimiland Kehdingen-Oste wurde in Balje der 50. Krimi aus der Region präsentiert,  wurde unsere Osteland-Website krimiland.de erweitert, wurde eine Gästeführerschulung veranstaltet  und an unseren Infoständen das breite regionale Krimi-Angebot vorgestellt. In unserem Vorstand ist Renate Bölsche für dieses Arbeitsfeld zuständig. (...)

Unseren Arbeitskreis Schifffahrt und Gewässer, bekannt als Blaues Netz Oste, gibt es seit drei Jahren. Wir haben einen Hafenführer verfasst,  der demnächst neu aufgelegt wird, attraktive Veranstaltungen unter anderem mit den Atlantikskippern Bert und Marlene  Frisch angeboten und planen für September eine Premiere: ein großes „Absegeln/Abmotoren mit Freunden“. Bernd Jürgens aus Hemmoor berichtet.

In Planung für dieses Jahr sind darüber hinaus drei gesellige Veranstaltungen:

- Eine Gemeinschaftsfahrt am 15. und 16. September zu unseren Freunden nach Rendsburg und Osterrönfeld, wo neben dem Ofelder Schützenfest wieder das härteste Ruderennen der Welt ausgetragen wird,

- Am 1. Advent eine Bus- und Schiffstour von Oberndorf nach Brunsbüttel und zurück auf Elbe und Oste zum Weihnachtsmarkt Oberndorf.

- Zunächst aber startet am 1. Mai die traditionelle Maiwanderung mit unserem Vorstandsmitglied Albertus Lemke aus Oberndorf (...).

Mehr und mehr hat sich im vorigen Jahr ein neues Arbeitsfeld für und eröffnet: Themen aus dem Bereich Natur- und Umwelzschutz, Stichworte:  Vermaisung, Grundwasser, Bauschuttdeponie Haassel, Fracking etc. Zugleich sind viele Mitglieder zu uns gestoßen, die auf diesen Gebieten große Kompetenz aufweisen. Es bietet sich an, diese Mitglieder kreis- und verbandsübergreifend zusammenzubringen, als eine Art Grünes Netz Oste, analog zu unserem Blauen Netz Oste. Wer interessiert ist, sich für diesen -  ich nenne es mal zu - Kompetenzbeirat Natur und Umwelt zur Verfügung zu stellen und die Einladungen zu erhalten, wird gebeten, sich in die umlaufende Liste einzutragen.

Ich komme nun zum letzten Punkt unseres Vorstandsberichts, der Öffentlichkeitsarbeit. Neben der klassischen Pressearbeit gewinnt mehr und mehr das Internet an Bedeutung. Wir verwenden viel Zeit und Mühe darauf, unser Vereinsportal www.osteland.de mit seinen sechs Unterseiten zu pflegen, darüber hinaus unsere fünf Facebook-Seiten bzw. Gruppen mit ihren fast 800 Abonnenten. Die Adressen aller Seiten finden Sie auf der Rückseite der heutigen Tagesordnung.

In Zusammenarbeit mit dem Verlag Atelier im Bauernhaus haben wir voriges Jahr zum fünften Mal ein Buch herausgegeben: Nach 
- Die Oste von der Quelle bis zur Mündung,
- Die Farben der Oste,
- Mord an der Schwebefähre und
- Die Fähren an der Oste
haben wir im Herbst in Sandbostel den von uns herausgegebenen Band "Ufergeflüster" mit Geschichten aus der Geschichte des Flusses von Dietrich Alsdorf vorgestellt. 

Die Herausgabe eines sechsten Buches - über die kulinarischen Köstlichkeiten an unserem Fluss der Genüsse - ist zur Zeit in Vorbereitung. Wir freuen uns darauf.

Zum 11. mal bereits ist das Osteland-Magazin der Heimatzeitungen erschienen, konzipiert gemeinsam mit der AG Osteland und mit Anzeigen unterstützt von vielen unserer Mitglieder - ein wichtiger Werbeträger, ebenso wie die auch 2012/13 mehrfach wiederholten Ostefilme im Fernsehen; auch die jüngste Produktion, "Sommerreise an der Oste" von Kerstin Schulz, haben wir, wie Sie wissen, kürzlich mit unserem Goldenen Hecht ausgezeichnet.

Höhepunkt des Vereinsjahres ist immmer wieder der Tag der Oste - in diesem Jahr mit einem Rekordbesuch von fast 300 Teilnehmern und einer Rekordresonanz in den Medien. 

Wir hoffen, diese Rekorde noch einstellen zu können, wenn wir am Sonntag, 16.  Februar 2014, ein Jubiläum feiern werden: unseren 10. Tag der Oste - in der früheren Festhalle in Osten, die seit Jahresbeginn offiziell Osteland-Festhaus heißt, eine höchst erfreuliche Umbenennung, für die sich unsere Mitglieder Carsten Hubert, Torsten Wichmann und Jan Nachtigall stark gemacht haben.

Ich komme zum Schluss. Auch in diesem Jahr möchte der Vorstand einigen Mitgliedern Dank sagen, die sich ganz besonders für unsere Arbeitsgemeinschaft eingesetzt haben. Aus diesem Grund verleihen wir auch 2013 erneut unsere Ehrennadel, den Goldenen Fährmann, an

- Hanni Milan aus Hemmoor: Mit ihrem Schifferklavier und mit den von ihr getexteten Liedern hat sie viele Osteland-Veranstaltungen und auch Fernsehbeiträge über die Oste bereichert. Das von ihr getextete von von den Schülern der Kiebitzschule vorgetragene Lied vom Stör war nach dem Urteil der Presse der emotionale Höhepunkt des jüngsten Tages der Oste.

- Karin Plate aus Gräpel: Als Wirtin des Gasthauses Zum Osteblick und Hüterin der Prahmfähre in Gräpel setzt sich die Gastronomin gemeinsam mit ihrem Ehemann für eine der Hauptattraktionen an der Deutschen Fährstraße und am Oste-Radweg ein. Darüber hinaus ist sie ein der Säulen des Vereins für Natur und Kulturtourismus Himmelpforten-Oldendorf.

- Matthias Holl aus Oberndorf: Seit den Gründungsjahren der AG Osteland hat der Kaufmann aus der Samtgemeinde Am Dobrock die AG Osteland wie kein anderer durch die Werbung von Mitgliedern und durch Öffentlichkeitsarbeit gestärkt, von der Mundpropaganda bis zur unermüdlichen Pflege des wohl aktuellsten Schaukastens im ganzen Osteland.

- Hans-Hermann Tiedemann aus Elm: Mit seinem ehrenamtlichen Einsatz hat sich der 2. Vorsitzende des NABU Bremervörde - Zeven nicht nur um Natur und Umwelt verdient gemacht, sondern auch um die Stärkung der AG Osteland im Landkreis Rotenburg und speziell in Bremervörde-Elm, das sich einen neuen Schwerpunkt der Mitgliederentwicklung darstellt.

- Kurt Ringen aus Hanstedt: Der Landwirt aus Hanstedt sorgt als kundiger,  aber auch kritischer Beobachter nahezu täglich für eine zeitnahe Information des Vorstandes der AG Osteland über das Geschehen an der Oberen Oste und schaltet sich als Aktivbürger immer wieder in die Mitgestaltung der Lebensverhältnisse im Landkreis Rotenburg ein.

- Heino Grantz aus Hemmoor: Der langjährige Vorsitzende und Motor des Heimat- und Geschichtsvereins Hemmoor hat immer wieder Projekte der AG Osteland unterstützt, so zuletzt die Wanderausstellung zur Erinnerung an ein Sturmflut vor 50 Jahren und das aktuelle Gedenken an das Ende der Franzosenzeit an der Oste vor 200 Jahren.

- Gerhard Reibe aus Hechthausen: Als Mitglied des Osteland-Arbeitskreises Blaues Netz Oste unterstützt der Hechthausener unsere Bemühungen um Förderung des Hochwasserschutzes und des Wassersports, zuletzt durch Herausgabe eines Tidekalenders für die Oste. Gemeinsam mit Ehefrau Krista ist er massgeblich beteiligt an der  Organisation des bereits viermal veranstalteten "Oste-Fests" des Gewerbevereins Hechthausen. (...)


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