Heisse
Nächte
im
Mailmixer
Meine
Erfahrungen mit Pöbel-Maschinen,
der
Uhr des Todes, dem Austausch von Körperflüssigkeiten und dem
großen roten Frust-Button.
Eigentlich
toll: Im Internet findet sich für jede Stimmung das richtige Angebot.
Selbst wenn ich gerade mal nicht so genau weiß, wie mir zumute ist,
bietet es mir Orientierung: Ich schaue halt rasch mal in mein Tageshoroskop
oder checke meinen Biorhythmus.
Für
den Fall, daß ich Trost und Aufmunterung brauche, habe ich drei todsichere
Adressen.
- Da
gibt es einmal den Sloganizer: Ich
gebe meinen Namen ein, und er produziert ununterbrochen irre Werbeslogans
- nicht für irgendein Produkt, sondern für mich! Zum Beispiel:
"Nora Netz - So treu wie die Freude" oder "Nora Netz - Surfen in der Agonie
des Glücks". Ist das nix?
- Ein
weiterer Roboter erfindet die schönsten Anagramme
auf meinen Namen. Anagramme? Mit den Buchstaben, aus denen sich NORA NETZ
zusammensetzt, lassen sich ganz andere Wörter bilden... Immer wieder
überraschend!
- Und
dann gibt es da noch die Sammlung aller Schimpfworte für Warmduscher
und Gelsattelfahrer. Da bleibt kein Auge trocken.
Am
schönsten waren immer wieder meine Nächte im Mail-Mixer der Pro-7-Sendung
"Liebe Sünde": Du gibst ein paar Wörter in ein spezielles E-Mail-Formular
ein, klickst an, ob Du männliche oder weibliche Kontakte suchst -
und ab geht die Post, an irgendwen. Blind Date im Netz!
Nach
ein paar Tagen ist Dein Eingangskasten voller Mails (jedenfalls wenn Du
eine Frau bist). Manche Briefe sind mehr, manche weniger witzig. Einigen
Schreibern fällt nichts besseres als der Vorschlag ein, gleich mal
schnell "Körperflüssigkeiten auszutauschen".
Neulich
wollte ich mal wieder nach dem Mail-Mixer schauen - Pech, er war
weg. Dafür präsentiert Pro7 unter derselben Adresse urkomische
Porno-Videos aus den Fünfziger Jahren, verwackelt und in Schwarzweiss.
Titel: Big
Boobs.
Für
Amüsement sorgen auch die Top
Hits for Live - wunderbar komische Ratschläge für alle Lebenslagen.
Ausprobieren!
Wenn
es mir mal zu gut geht, befrage ich die Todesuhr
nach der Zahl der Sekunden, die ich noch zu leben habe. Oder ich lasse
mich von einem der Pöbel-Roboter
im Web beschimpfen, zum Beispiel auf Amerikanisch oder, wenn mir danach
ist, mit altenglischen Shakespeare-Zitaten.
Oder:
Ich erprobe meine Frustrationsfestigkeit auf einer Kultseite, die so alt
ist wie das Netz: Ich surfe zu dem berühmten dicken roten Button,
der völlig nutzlos ist, drücke ihn immer und immer wieder, ohne
daß etwas passiert - solange, bis auch das mir zu blöd ist.