Die Deutsche Krimistraße
Morde zwischen Moor und Meer (7)

Der morbide "genius loci" - der fraglos dazu beigetragen hat, die Krimi-Autoren zu inspirieren - prägte womöglich  jahrhundertelang auch den Menschenschlag, der in den nassen Niederungen siedelte. 

In der Familien-Saga "Teufelsmoor" - im Mittelpunkt steht eine Sippe, die aus der Gegend an der Rönnequelle stammt - zitiert Elke Loewe den Erfahrungssatz, dass einstmals erst die dritte Generation der Moor-Kolonisatoren ihr Auskommen hatte: Der ersten der Tod, der zweiten die Not, der dritten das Brot.

Die Selbstmord-Rate in der Region war lange Zeit so hoch, dass Freitod fast als der Normalfall erschien. 

In der "Rosenbowle" lässt Elke Loewe einen Landarzt auftreten, der denn auch regelmässig eine "natürliche Todesursache" bescheinigt, wenn sich wieder einmal jemand am Dachbalken erhängt hat - "durch die Schlinge kucken" nennt es der Volksmund.

Ein spezielles Verhältnis zu Leben und Tod scheint auch heute die Menschen in Moor und Marsch zu prägen. In jungen Jahren versuchen sie, ihre beiden Hobbys miteinander zu vereinbaren: Saufen und Motorrad fahren - bis der Rettungshubschrauber kommt. Der Satiriker Axel Marquardt schreibt in seinem Buch "Die Marschmenschen":

"Am liebsten fährt sich der Marschmensch tot. Das macht er gemeinhin so: In einer leichten Linkskurve kommt er nachts so gegen halb zwei aus ungeklärter Ursache, die 2,7 Promille beträgt, und aufgrund überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn ab und knallt gegen einen Chausseebaum und wird dann von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Wrack herausgeschnitten. Die stecken dann zwei Tage später ein Kreuzchen an den Straßenrand, auf dem sie bedauern, daß ihr Kamerad von ihnen gegangen ist, und beteuern, daß sie an ihn denken werden. Dann gehen sie in die Schänke, trinken, wollen dann heim und fahren sich unter Umständen tot."

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