Stärken, Chancen, Risiken

Was Gutachter der Samtgemeinde empfehlen

Um die öffentliche Diskussion über die Zukunft der Samtgemeinde Hemmoor zu beleben und möglichst vielen Bürgern zu ermöglichen, ihr Mitspracherecht wahrzunehmen, veröffentlicht www.hemmoor.info Zitate aus dem 60 Seiten umfassenden MR-Gutachten. Die Kürzungen (...) und Hervorhebungen stammen von der Redaktion.
 

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(...) Die Samtgemeinde Hemmoor im Landkreis Cuxhaven ist im Landesraumordungsprogramm des Landes Niedersachsen als Mittelzentrum ausgewiesen. Aufgrund erheblicher Defizite in verschiedenen infrastrukturellen und stadtentwicklungspolitischen Handlungsbereichen kann sie diese Funktionen momentan jedoch nur ungenügend ausfüllen (...):

•    Unterdurchschnittlicher Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor. Zwar lagen die Wachstumsraten in der Vergangenheit auf denen der Höhe des Landes Niedersachsen. Das Ausgangsniveau war aber relativ gering, so dass nach wie vor Anpassungsbedarf besteht.

•    Unbefriedigende Entwicklung und Funktionsdefizite im Einzelhandel

•    Ungenügende Entwicklungsmöglichkeiten für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor aufgrund fehlender Gewerbeflächen

•    Unzureichende Entwicklung so genannter „weicher" Standortfaktoren (Kultur, Image)

•    Geringe Ausschöpfung der Potenziale im Bereich Tourismus (...)
 

Durch ihre Lage im Landkreis Cuxhaven ist die Samtgemeinde Hemmoor Teil einer der beliebtesten und meist frequentierten Ferienregionen Deutschlands. (...)  Mit einem Anteil von gerade knapp 2 % an den gesamten Übernachtungen im Landkreis und einer unterdurchschnittlichen Übernachtungsquote pro Kopf, kann Hemmoor diesbezüglich als ein touristisches Randgebiet bezeichnet werden, das von den touristischen Wachstums- und Wirtschaftspotenzialen des Umfeldes nicht in befriedigendem Maße profitiert. (...)

Mit Hinblick auf die Entwicklung der Zahlen im Laufe des letzten Jahres kann für die Samtgemeinde sogar der größte Verlust an Übernachtungen im Landkreis konstatiert werden, wobei nach Angaben der Gemeinde im Jahre 2002 jedoch viele Zweitwohnsitze in Hemmoor in Erstwohnsitze umgewandelt wurden und somit aus der Statistik für das Gastgewerbe hinausfielen. Nichtsdestotrotz scheinen vor dem Hintergrund der landschaftlichen Potenziale der Samtgemeinde sowie der ausgesprochen hohen Touristenzahlen im Landkreis insgesamt die endogenen Wachstumspotenziale im Fremdenverkehrsgewerbe bei weitem nicht ausgeschöpft zu sein. (...)

 Mit ca. 50 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten direkt im Gastgewerbe ist der Beschäftigtenanteil des Tourismus in Hemmoor an allen Wirtschaftszweigen mit ca. 2% sowohl bezogen auf Landes- und Bundeswerte (jeweils 2,8%) unterdurchschnittlich, während der Wert für den gesamten Landkreis Cuxhaven mit ca. 5% weit darüber liegt. (...)

Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass der Tourismus in den letzten Jahren in Hemmoor an Bedeutung gewinnt, die wirtschaftlichen Effekte (Arbeitsplätze, Umsätze) sich jedoch im Vergleich zum Landkreis auf einem relativ geringen Niveau bewegen. Verglichen mit den Hauptdestinationen an der Nordseeküste des Landkreises, stellt sich die kommerzielle Nutzung der im Folgenden beschriebenen touristischen Potenziale als sehr gering dar. (...)

Das touristische Potenzial der Region Hemmoor beruht insbesondere auf den naturräumlichen Anreizen, die durch die Wald- und Moorlandschaften und vor allem die Naturraumpotenziale im Bereich des Wassertourismus vorhanden sind. Dabei kommt der Region zugute, dass das lokale Umweltpotenzial und die landwirtschaftliche Kulturlandschaft durch die geringe touristische Kommerzialisierung als noch weitgehend unverbraucht, wenig belastet und intakt gilt und somit für Hemmoor als wichtiger Standortfaktor für Aktivurlaub bzw. als eine Alternative zum Massentourismus an der Nordseeküste werden kann.

Ihre natürlichen Potenziale weist die Region vor allem im Bereich des Wassertourismus auf. In diesem Zusammenhang sind insbesondere das Tauchgebiet Kreidesee und der Fluss Oste mit den Möglichkeiten des Wasserwanderns zu nennen. 20.000 - 30.000 Tauchtouristen pro Jahr machen den von der „Hemmoorer Grundstücks- und Freizeit GmbH" (HGF) betriebenen Kreidesee zu einer zumindest in Taucherkreisen überregional bekannten Tourismusdestination, von der neben den Ferienhäusern der HGF auch die Fremdenverkehrswirtschaft in Osten und Hechthausen (insbesondere Fremdenzimmer) profitieren. Das Besucherpotenzial des Sees scheint mit dieser Zahl jedoch schon weitgehend ausgeschöpft, da vermutet wird, dass abnehmende Sichtweiten im See und damit die Einschränkung der Tauchqualität mit den in den letzten Jahren ansteigenden Besucherzahlen zusammenhängen. (...)

Des Weiteren ist der See zurzeit ausschließlich dem Tauchtourismus vorbehalten bzw. anderen touristischen Aktivitäten (Beach- Volleyball, eher familienorientierten Angeboten) sowie den Einheimischen (lang geforderte Uferpromenade) nur über den Eintritt von jeweils € 2,-  zugänglich, um den sensiblen Tauchsport vor Zielkonflikten mit anderen Nutzungen zu bewahren. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sich auf dem Campingplatz der HGF mittlerweile auch Tagesausflügler und andere Touristen einmieten, erscheinen die Nutzungsmöglichkeiten des Sees jedoch mittlerweile nicht vollständig ausgeschöpft. Inwieweit eine Verbreiterung des Freizeitangebotes möglich ist (z.B. Badeanlagen für einen Teil des Sees), ohne dabei die Entwicklung des Wirtschaftsfaktors Tauchtourismus zu konterkarieren, wäre unter konzeptionellen Gesichtspunkten eine wichtige Fragestellung. Eine Restriktion für jedwede weitere und breiter angelegte Nutzungskonzeption, von der sowohl die Betreiber als auch die Samtgemeinde Hemmoor als Tourismusstandort profitieren würden, ist die Tatsache, dass sich die HGF bisher wenig kooperationsbereit gegenüber den anderen touristischen Akteuren der Samtgemeinde zeigt. (...)

Der Wassertourismus auf der Oste wird als Chance für die touristischen Randgebiete und das Binnenland des Landkreises gesehen (...). In diesem Zusammenhang ist vor allem die Erschließung des Wasserwander-Rundweges im Elbe-Weser Dreieck mit der Schiffbarmachung des Hamme-Oste-Kanals zu nennen, von der auch der Wassertourismus in Hemmoor bzw. der Gemeinde Osten profitieren würde. Mit dem im Juni 2003 veröffentlichten Zwischenbericht „Sieben-Flüsse-Törn" gibt es von der Arbeitsgruppe für das OFT des Landkreises Cuxhaven ein erstes Gutachten zur Machbarkeit dieses Projektes, das Anstoß für umfassendere wassertouristische Entwicklungskonzepte im Landkreis sein könnte. 

„Die Idee zielt darauf ab, sieben Flüsse - Elbe, Oste, Hamme, Lesum, Weser, Geeste, Medem, sowie den Hadelner Kanal, den Bederkesa-Geeste Kanal und den zur Zeit nur eingeschränkt befahrbaren Hamme-Oste Kanal zu einem Sieben-Flüsse-Törn zu verbinden und als Angebot von hohem wassersportlichen und wassertouristischem Reiz zu vermarkten" (OFT Cuxhaven, 2003). 

Potenziale zur Verbesserung der Wertschöpfung bestünden vor allem in der Verknüpfung des Rundweges mit landseitigen Angeboten und Attraktionen (z.B. Gastronomie, Ferien auf dem Bauernhof, etc.) und dem Aufbau von für den Betrieb notwendigen Angeboten (Bootsverleih etc.). 

Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Wassertourismus ist neben dem zusätzlich zu erwähnenden Angeltourismus auch die Errichtung bzw. Wiederinbetriebnahme zweier Schiffsanleger am Osteufer für größere Passagierschiffe (bis zu 500 Fahrgäste) und die Instandsetzung der Schwebefähre zu sehen, die die Region Hemmoor bzw. Osten zusammen mit dem Kreidesee und dem Rundkurs für Wasserwanderer nach Aussage lokaler Akteure zu einer  Drehscheibe des Wassersports werden lassen könnten.

Insbesondere durch die Wiederinbetriebnahme des technischen Baudenkmals Schwebefähre, die für Pfingsten 2004 anvisiert ist, würden nach Aussage des Tourismusbeauftragten der Region ca. 40.000 Tagestouristen pro Jahr zusätzlich ans Osteufer reisen.
 


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