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“Nicht vergessen, darüber reden...”

Eindrucksvolle Feierstunde unter freiem Himmel /
 Straßenumbenennung zur Erinnerung an die jüdische Familie Philippsohn


Osten (hhk). Die Straße “Am Dubben” heißt jetzt “Philippsohnstraße”: Mit einer betont schlichten, aber dennoch eindrucksvollen Feierstunde unter freiem Himmel und einem anschließenden Konzert aus dem jüdischen Kulturkreis in Ostens “St.-Petri-Kirche”, fand am Sonnabend die Umbenennung statt.

Am Ort des Geschehens, nur wenige Steinwürfe entfernt vom ehemaligen Wohnhaus der Familie Philippsohn, die am 18. Januar 1941 ihr Heimatdorf Osten für immer verlassen musste, hatten sich nahezu 200 Menschen aus dem Ort, aber auch viele Bürgerinnen und Bürger aus den umliegenden Gemeinden eingefunden. Dort, an der Einmündung der unscheinbaren Ortsrandstraße “Am Dubben” in die Deichstraße konnten vor dem noch verhüllten Straßenschild und dem darunter angebrachten Erklärungstext Dr. Manfred und Rüdiger Toborg die Gäste zur stillen Einkehr und zur Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Familie aus Osten begrüßen.

Unter den Teilnehmern befanden sich auch Landrat Martin Döscher, die Bundestagsabgeordnete Annette Faße und die Landtagsabgeordnete Birgit Meyn-Horeis.

Alle drei Politiker hatten in kurzgefassten Redebeiträgen ihr tiefes Mitgefühl über die Vertreibung und den Tod der Hadler Familie im Vernichtungslager Minsk verdeutlicht. Während Martin Döscher sagte, dass zur Bewältigung der Gegenwart und Zukunft auch das Wissen um die Vergangenheit gehöre, äußerten Annette Faße und Birgit Meyn-Horeis große Genugtuung darüber, dass die Gemeinde Osten “ein Zeichen gegen das Vergessen” setzen will.

In diesem Sinne hatte sich auch Ostens Ortsbürgermeister Carsten Hubert augesprochen. Er erinnerte daran, dass bereits unmittelbar nach dem ersten Erinnerungsabend, vor einem Jahr, der Rat einstimmig die Umbenennung der Straße beschlossen habe. Letztlich habe der Holocaust, mit seiner “Reichskristallnacht” vor genau 63 Jahren, auch vor der Gemeinde Osten nicht Halt gemacht. “Wir wollen mit der ,Philippsohnstraße´ nicht zuletzt an die Millionen anderer im Dritten Reich verfolgter und getöteter unschuldiger Menschen erinnern”, betonte Ortsbürgermeister Hubert.

“Nicht vergessen, darüber reden!”

Nur so sei zu erkennen, wozu Menschen fähig sein können, machte Hubert deutlich.Dem Ostener Arzt Dr. Manfred Toborg und dem Ortsheimatpfleger Rüdiger Toborg sowie dem Ehrenbürger Ostens, Wilhelm Jonscheck – der vor vielen Jahren die leidvolle Geschichte von Adolf und Irmgard sowie Anna Luise Philippsohn öffentlich gemacht hatte –, dankte Carsten Hubert im Namen von Rat und Verwaltung.
Rüdiger Toborg hatte zuvor noch einmal die jüngsten Recherchen über die Familie Philippsohn angesprochen. Das schreckliche Ende sei schließlich das Vernichtungslager Minsk/Weißrussland gewesen. (Die NEZ berichtete ausführlich.)

“Sie hatten keine Chance zum Überleben...”

Die früher in Osten lebende Schauspielerin Angelika Achinger sprach unmittelbar vor der Enthüllung des Erinnerungsschildes einen ergreifenden, melancholischen Text. Ostens “Gemischter Chor” unter der Leitung von Monika Rondthaler intonierte zwei der Melancholie angemessene Chorwerke.Über das anschließende Chorkonzert in “St. Petri” wird die NEZ noch berichten.