Blätter für St. Georg
Ausgewählte Beiträge aus Heft 11/2002
Lange
Reihe gesperrt
Ab Februar 2003 wird die Lange Reihe für
acht bis neun Monate gesperrt werden. Sielbauarbeiten sind unumgänglich.
Hierfür wird von der Hamburger Stadtentwässerung die Lange Reihe
in mehreren Teilstücken aufgerissen, um den in fünf Meter Tiefe
liegenden Mischwasserkanal zu erneuern.
Dies ist dringend notwendig. Der alte Kanal
ist fast 100 Jahre alt und droht einzustürzen. Er muss zwingend erneuert
werden.
Für die Bewohner der Langen Reihe,
insbesondere aber für die Geschäftsleute, wird dies eine sehr
harte Zeit werden, denn die Lange Reihe wird voll gesperrt. Lediglich der
Anlieferverkehr wird auf einer kleinen Fahrspur gewährleistet werden.
Wer aber weiß, wie problematisch bereits derzeit der Anlieferverkehr
ist, kann erahnen, welches Verkehrschaos ab Februar des nächsten Jahres
auf die Bewohner der Langen Reihe zukommt. Die Fußwege werden auf
beiden Seiten eingeengt. Die Baustelle und die Fahrspur für die Baustelle
werden etwa fünf bis sechs Meter der Straßenbreite benötigen.
Zum Glück wird die Hamburger Stadtentwässerung
die Bauarbeiten in mehreren Abschnitten durchführen. Im ersten Bauabschnitt
wird von Haus Nr. 83 (Sanitätshaus Mock) bis zur Danziger Straße
gebuddelt werden. Parallel hierzu wird in einem vierten Bauabschnitt am
oberen Ende der Langen Reihe (Baumeisterstraße, Lange Reihe 1) gearbeitet
werden.
Die Hamburger Stadtentwässerung stellte
auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Handelskammer ihre Pläne
vor. Verantwortlich für das Bauvorhaben wird vor Ort Herr Reiner Dießner
sein, der Ansprechpartner für alle Bürger sein wird, die mit
dem Bau irgendwelche Schwierigkeiten während der Bauphase haben werden.
Wir veröffentlichen daher schon jetzt seine Telefonnummer: 34 98 68
85.
Für die Planung ist Herr Detlef Brüchmann,
Telefon 34 98 53 25 verantwortlich, der auch zusammen mit anderen die Baupläne
in der Zeitabfolge verantwortet.
Das große Straßenfest in der
Langen Reihe Ende April 2003 wird im übrigen zumindest etwas von der
Baumaßnahme verschont bleiben. Die Hamburger Stadtentwässerung
hat versprochen, hierauf Rücksicht zu nehmen und will den ersten und
vierten Teil ihrer Baumaßnahmen bereits zu diesem Zeitpunkt beendet
haben.
Hiernach geht es aber unmittelbar weiter.
Ab Ende April soll das Zwischenstück zwischen der Langen Reihe 29
bis zur Langen Reihe 43/46 (im wesentlichen ist das der Bereich um den
Carl-von-Ossietzky-Platz) ein neues Siel bekommen und hiernach als
letzte Baumaßnahme das Teilstück zwischen der Langen Reihe 29
bis hoch zum Spadenteich.
Besondere Sorgen und Probleme wird dabei
der Verkehr machen. Wir haben Zweifel daran, dass es gelingen wird, den
gesamten Durchgangsverkehr während der Bauzeit aus der Langen Reihe
herauszuhalten. Dies hat eigentlich noch nie geklappt. Wir müssen
uns daher alle auf genervte Autofahrer und einen Endlosstau in der Langen
Reihe in dieser Zeit einstellen.
Der Busverkehr wird überhaupt nicht
mehr durch die Lange Reihe geführt werden. Für die Bauzeit werden
die Busse über den Steindamm umgeleitet werden.
Besondere Probleme für die Geschäftsleute
der Langen Reihe werden durch die vielen wegfallenden Parkplätze eintreten.
Firmeninhaber sprachen auf der Veranstaltung sofort davon, sie müssten
dann ihren Geschäftsbetrieb in der Langen Reihe sofort einstellen
bzw. den Mietvertrag kündigen.
In der Tat, es wird eine harte Zeit werden.
In der Langen Reihe wird es keine Parkplätze geben. Ein Teil des Carl-von-Ossietzky-Platzes
wird für Bauwagen und Baumaterial benötigt werden. Der kleine
Parkplatz vor der Baumeisterstraße wird ebenfalls Bauplatz. Gebaut
werden soll in der Zeit von 7.00 - 20.00 Uhr.
Auf der Versammlung wurde von den Geschäftsleuten
spontan der Wunsch geäußert, in dieser Zeit den Carl-von-Ossietzky-Platz
als Parkplatz zur Verfügung zu stellen. Dies wird am Donnerstag und
Freitag schon allein deswegen nicht möglich sein, weil der Marktbetrieb
aufrecht erhalten werden soll. Im übrigen muss auf jeden Fall die
Sicherheit unserer Kinder gewährleistet sein und die Heinrich-Wolgast-Schule
führt direkt auf den Platz.
Es gibt aber keine Alternative zu den Bauarbeiten.
Wir können nur darauf hoffen, dass die Hamburger Stadtentwässerung
eine Baufirma mit der Maßnahme beauftragt, die die Arbeiten schnellstens
durchführt, sodass - wenn alles klappt - bereits im Frühherbst
die Arbeiten beendet sind. Realistisch ist wohl, dass wir bis in die Vorweihnachtszeit
des nächsten Jahres in der Langen Reihe eine Baustelle haben werden,
deren verkehrliche Auswirkungen ganz St. Georg betreffen werden. Da zudem
auch die Koppel durch den Großbau der Volksfürsorge nur eingeschränkt
genutzt werden kann und die Nebenstraßen des Viertels allenfalls
für den Anliegerverkehr geeignet sind, appellieren wir bereits heute
an die Menschen, die hier arbeiten, aber nicht wohnen: bemüht Euch
rechtzeitig um einen Stellplatz für Euer Auto oder lasst das Auto
zu Hause. Die nächsten neun Monate werden für die Lange Reihe
eine Qual werden.
Herzlichen
Dank!
Mit Ihrer Spende unterstützen Sie
die Jugendarbeit des Bürgervereins St. Georg von 1880 RV.
Wir wissen: ein Stadtteil ohne Kinder lebt
nicht. Umso wichtiger ist es daher, Kinder und Jugendliche in St. Georg
besonders zu fördern.
Wir bedanken uns bei Ihnen mit einem Kalender,
den Sie nicht kaufen können.
Unser St. Georg - Kalender 2003 zeigt Bilder
des Stadtteils, die Markus Schreiber, der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte,
aufgenommen hat. Als wir den begeisterten Hobby-Fotografen baten, Fotos
von St. Georg zu machen, erklärte er sich hierzu spontan bereit.
Der Kalender ist weitgehend aus Spenden
finanziert worden. Wir werden ihn im Stadtteil und überall dort, wo
St. Georg Freunde hat, denen schenken, die für Kinder und Jugendliche
des Stadtteils spenden. Unsere Idee: eine fünf-Euro-Spende für
die Kinder St. Georgs wird bei vielen Spendern vielleicht zu zehntausend
Euro. Dieses Geld werden wir in vollem Umfang den Kindern und Jugendlichen
des Stadtteils zur Verfügung stehen.
Unser Dank gilt unseren Sponsoren, ohne
die wir die Idee nicht hätten realisieren können, Jens Wunderlich,
der aus seiner Sammlung viele Ergänzungsfotos zur Verfügung gestellt
hat, und besonders Markus Schreiber.
St. Georg muss leben! Das ist seit Jahrzehnten
der Leitsatz des Bürgervereins. St. Georg, das sind daher zunächst
die Menschen, die hier wohnen und arbeiten. Sie haben den Stadtteil geprägt
und ihn zu einem toleranten, liebenswerten Viertel gemacht. Wir setzen
uns dafür ein, dass dies so bleibt.
Helmut Voigtland
1. Vorsitzender
Advent
der anderen Art
Ramadan + das Fest des Fastenbrechens
Advent - was bedeutet uns das?
am 15.12.2002 (3. Advent), 16.00 Uhr
im Malersaal des Schauspielhauses
Hierzu sind alle Bewohner des Stadtteils
St.Georg
herzlich eingeladen. Ganz besonders wollen
wir unsere
Bewohner der umliegenden Stifte, alle
Kitas und Kinder
unserer Schulen (aller Konfessionen) in
St. Georg sind aufgerufen mitzumachen!
Der Eintritt ist kostenlos
Der Imam der Centrums Moschee, Mustafa
Günesdogdu wirkt mit einer Rezitation aus dem Koran unter musikalischer
Begleitung mit.
Özlem Nas, die Frauenbeauftragte
der Centrums Moschee wird mit den muslimischen
Kindern der Hamburger Islamischen Gemeinde
mitwirken, sowie auch das Islamische Albanische Kulturzentrum, Imam Zulhajrat
Fejzullahi , wird mit einer Jugendgruppe dabei sein! Frau Herold von der
Heinrich Wolgast Schule hat ebenfalls das Kommen mit Kindern der 3+4 Klasse
zugesagt. Es werden sicherlich auch noch Prominente Freunde dabei sein-Da
das Kommen aber noch nicht ganz fest steht. Geben Sie uns die Chance, Sie
zu überraschen!
Wir bitten alle weiteren Interessierten
sich bei Helga Detjens, vom Quartiermanagement der IG-Steindamm, Büro
Wolfgang Schüler, 040- 44 11 32 15, Fax: 44 11 32 32 zu melden; damit
wir ein schönes Programm für einen gemeinsamen Vorweihnachtsnachmittag
gestalten können. Geschäftsleute, Freunde und Gönner
sind herzlich aufgerufen mit Spenden, aber auch persönlich dabei zu
sein.
Es freuen sich auf Sie alle: die Arbeiterwohlfahrt,
Landesverband Hamburg, der Bürgerverein St. Georg, und das Quartiermanagement
der IG-Steindamm: Wolfgang Schüler und Helga Detjens.
Die
interessanteste Straße
Das neue Merian-Heft, das sich diesmal
Hamburg widmet, sollten Sie unbedingt lesen. In diesem Heft wird die Lange
Reihe als Hamburgs interessanteste Straße geschildert. Viele Geschäfte
und Gaststätten aus dem Viertel werden vorgestellt. Wenn diese Straße
unseres Viertels als Hamburgs interessante Straße bezeichnet wird,
freut uns dies. Dass leider immer noch bei Vielen vorhandene negativ-image,
das St. Georg als Drogen-Hochburg stigmatisiert, ist offenbar nicht mehr
länger haltbar.
Unser Stadtteil ist „in“. Er ist
attraktiv geworden. Dies belegt auch ein Artikel aus der Welt am Sonntag,
den wir nachstehend veröffentlichen.
Das
neue Herz von St. Georg
Früher beherrschte das Drogenelend
den Stadtteil, heute öffnen rund um die Lange Reihe Szene-Lokale und
schicke Läden. Ein Rundgang durch ein pulsierendes Viertel
Von Deborah Knür
Früher fiel hier niemand auf. Bunte
Vögel konnten untertauchen in dem schrillen Trubel, in dem das Ungewöhnliche
gewöhnlich war. Mittlerweile hat sich viel geändert an der Langen
Reihe. Neue Geschäfte und Restaurants haben sich angesiedelt, Wohnungen
werden gebaut, und Münchnerinnen machen auf dem Heimweg von Sylt einen
Zwischenstopp auf der Meile, weil eine Frauenzeitschrift sie als Geheimtipp
handelt. In dem Strom der Besucher und neu Hinzugezogenen ist das Ungewöhnliche
auf Hamburgs buntester Meile wieder ungewöhnlicher geworden und das
Leben zwar nicht weniger bunt, aber dennoch ein bisschen weniger schrill.
St. Georg ist im Umbruch, nicht erst seit
die rigorose Drogenpolitik des neuen Senats die Drogenszene größtenteils
aus dem Viertel vertrieben hat. Die Lange Reihe ist das Herz des Quartiers
und der Spiegel der Entwicklung, die schon vor Jahren begann und derzeit
ihren Höhepunkt erreicht.
St. Georg ist hip geworden, die Lange Reihe
vor allem. Kreative haben das Viertel längst entdeckt, Besserverdienende
und Immobilienunternehmer auch. Die Spitzengastronomie siedelt sich an.
Mit dem Cox, das einst das erste Indiz für den Wandel war, wird es
in Kürze drei Top-Restaurants allein in der Langen Reihe geben, die
Seitenstraßen nicht mitgerechnet. Erst kürzlich hat sich Anna
Sgroi, die sich im Anna e Sebastiano einen Namen erkochte, hier den Traum
eines eigenen Restaurants verwirklicht. Alice von Skepsgardh will sich
ein weiteres Gastro-Denkmal setzen und baut derzeit die alte Turnhalle
um.
"Es gab Zeiten, da war alles verpönt,
was schön war", erinnert sich Josef Planzer vom Literatenhotel Wedina,
das in der Gurlittstraße erst kürzlich seinen Erweiterungsbau
eröffnete. Manche wehrten sich auch heute noch. Aber niemand habe
den Wandel verhindern können, der kommen musste und sich langsam auch
gegen Widerstand und Kritik durchgesetzt habe. "Das Schöne hat gesiegt",
sagt Planzner, der vor elf Jahren aus der Schweiz nach St. Georg kam, zufrieden.
Adressen wie die Cube Bar locken die Nachtschwärmer
in die Lange Reihe, und Annas alte Stammkundschaft pilgert jetzt abends
nach St. Georg statt nach Eppendorf. "Viele sind ganz erstaunt, wie sich
das Viertel verändert hat, dass die Drogenszene weg und das Angebot
attraktiver geworden ist", sagt Frank Gräsel, der mit Partnern das
Lagerhaus betreibt, das seit sieben Jahren mit seinem Angebots-Mix aus
trendigem Schnickschnack, Café-Bar, Friseur, Kleidung und Wein Erfolge
verbucht. Gräsel gehört zu den Befürwortern der Entwicklung:
"Natürlich partizipieren wir von dem, was die Kritiker Yuppisierung
nennen, von denen, die kommen und ihre Kreditkarte zücken."
Die neuen Kunden sind zahlungskräftiger
als viele Alteingesessene, weshalb es in der Langen Reihe jetzt auch einen
Laden gibt, auf dessen Schild Interior steht, was Geschmack verkünden
soll und entsprechende Preise nach sich zieht. Manch langjähriger
Anwohner kann sich das nicht leisten, viele sind weggezogen, auch die Mietpreise
sind gestiegen. Die Umwandlung in Eigentumswohnungen ist ein lukratives
Geschäft.
"Vor allem Familien haben St. Georg verlassen,
in der Schule wurden Klassen gestrichen, weil es nicht mehr genügend
Kinder gibt", sagt Jürgen Funk, der selbst erst kürzlich eine
neue Wohnung suchte und sich bei der Besichtigung "neben Kaschmirpulli-Trägern"
fand. 500 Euro für 50 Quadratmeter sind längst auch in St. Georg
normal.
Jetzt sitzt Funk bei Heiko Schmidtke in
dem kleinen Friseur-Studio "Haare in St. Georg" in der Gurlittstraße,
das mit Holzfußboden und Putten auf der abgehängten Halogenkonstruktion
an der Decke mehr wie ein Wohnzimmer wirkt, und prüft bei Früchtetee
den Haarschnitt im Goldrandspiegel. Im Februar hat Schmidtke den kleinen
Laden aufgemacht. "Dörflich ist der Stadtteil", sagt er, "man kennt
sich." Noch immer, die meisten zumindest. Auch wenn Danja Antonovic, die
wegen ihrer Liebeserklärungen an die Lange Reihe in der Stadtteilzeitung
lokale Berühmtheit erlangt hat, schon lange beklagt, dass die Zeit
vorbei sei, in der Nachbarn auch immer Freunde waren.
Ob die Neuen in Zukunft auch Freunde werden,
muss sich erst noch zeigen. "Wir würden uns wünschen, dass die
Leute, die hierher ziehen, sich mit dem Viertel auch wirklich auseinander
setzen", sagt Jürgen, der "Georg" trotzdem liebt, auch wenn es sich
wandelt und noch niemand so recht weiß, wohin der neue Weg den Stadtteil
führen wird.
"Ich hoffe jedenfalls, dass die Mischung
erhalten bleibt", sagt Schmuckdesigner Marc Fleschner, der sich über
die neue Kundschaft freut, die wichtig ist für ein Geschäft wie
das, welches er mit seinem Vater betreibt. Viele seien aber auch schon
auf der Strecke geblieben, klagt der Senior, der seit 23 Jahren an der
Langen Reihe ist. "Früher gab es zwei Schlachter und einen Fischladen,
heute nur noch einen Supermarkt", erzählt er und knetet ein Stück
Papier zwischen den Fingern. Abwarten, die Vergangenheit habe ihn Vorsicht
gelehrt.
Manchmal allerdings muss nachgeholfen werden,
nicht alles regelt sich von selbst. Die Vielfalt müsse auch an der
Langen Reihe gesteuert werden, glaubt Josef Planzner vom Hotel Wedina.
"Sonst gibt es plötzlich nur noch Döner-Buden", formuliert er
vorsichtig, was viele fürchten. Das internationale kulinarische Angebot
müsse erhalten bleiben, Multikulti auch in der Gastronomie, in der
es so vieles gibt. Nur mit einer Spezialität werde es jetzt schon
schwierig, stellten erst kürzlich die "Blätter aus St. Georg"
fest: mit der Curry-Wurst.
Drogenzentrum
St. Georg
Leider verdichten sich die Anzeichen dafür,
dass wir vom Bürgerverein Recht hatten, als wir bereits im Frühjahr
dieses Jahres darauf hinwiesen, dass der Hamburger Senat plant, alle Drogenhilfe-Einrichtungen
in St. Georg zu konzentrieren.
Alle Proteste, die wir zusammen mit den
Bürgern, Geschäftsleuten, Verbänden und Einrichtungen des
Stadtteils hiergegen erhoben haben, sind offenbar vergeblich gewesen.
Fakt ist, dass der Senat das Wüstenrot-Haus
am Besenbinderhof und das benachbarte Schubert-Haus Ecke Repsoldstraße
kaufen will, um dort Drogenhilfe-Einrichtungen zu konzentrieren. Beide
Gebäude sind riesengroß. Die Nutzflächen betragen im Besenbinderhof
Nr. 71 1.667 qm auf sechs Stockwerken und am Besenbinderhof 70 1.697 qm
auf acht Stockwerken. Zum Vergleich: das Drob Inn jetzt hat eine Nutzfläche
von weniger als 500 qm. Der Ankauf der Immobilie soll vom Senat aus Mitteln
des Grundstocks für Grunderwerb finanziert werden. Beide Häuser
werden von der Sprinkenhof AG verwaltet werden. Offenkundig hängt
zumindest der Ankauf des Schubert-Hauses Ecke Repsoldstraße ganz
wesentlich damit zusammen, dass die Eigentümer dieses Hauses einen
hochinteressanten Rechtsstreit gegen den Senat geführt haben, um Mietzinsminderungsansprüche
aufgrund der Belästigung durch die Drogenszene durchzusetzen.
In einer Antwort des Senats auf die schriftliche
kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Freudenberg hat sich der Senat zum
ersten Mal dahingehend geäußert, dass er ein Drogenhilfezentrum
in der City plant. Der Senat begrünet seine Entscheidung damit, dass
er besser vernetzte und effizientere Hilfe für Süchtige aus der
offenen Drogenszene schaffen will. Durch das Zusammenwirken mehrerer Projekte
sollten die Anstrengungen verstärkt werden, Therapieplätze früher
an die Zielgruppe heranzutragen und die weiterführende Vermittlung
der Klienten zu forcieren. Die Einzelheiten des Konzepts stehen aber noch
nicht fest.
Immerhin entschieden ist, dass das Café
Drei bereits Mitte November die Fixerstube beim U-Bahnhof Hoheluft schloss.
Auch diese Maßnahme war vom jetzigen Senat bereits erwartet worden
angesichts des Umstandes, dass der Senator einen Betrag von 800.000 €
im Drogenhilfebereich einsparen will.
Das Café Drei war stets das ungeliebte
Kind unter den Hamburger Fixerstuben, schrieb die Hamburger Morgenpost.
Etliche Proteste der Anwohner, Gegenwehr auch vom Betreiber, falscher Standort
- hieß es. Und nun muß gespart werden. Gesundheitssenator Rehaag
hat entschieden, dass ein bis zwei solcher Einrichtungen geschlossen werden
sollen. „Wir haben das Café Drei informiert, weil dort die Frequentierung
vergleichsweise gering ist.“ So äußerte sich der Sprecher der
Gesundheitsbehörde, Volker Dumann. Noch nicht entschieden ist zwar,
ob auch die Fixerstube am Schulterblatt, der Fixstern, mit in das neue
Drogenhilfezentrum in St. Georg einziehen wird. Auch das ist aber zu befürchten.
Klar ist jedenfalls, dass der Fixstern nicht mehr am Schulterblatt bleiben
wird. Offiziell erklärt sich Senator Rehaag stets dahin, dass die
Schließung des Fixsterns noch keine beschlossene Sache sei. Es gebe
lediglich Überlegungen, den Druckraum für Heroinkonsumenten mit
dem Drob Inn in St. Georg zusammenzulegen. Inoffiziell haben wir insbesondere
von Hamburgs Innensenator Ronald Schill schon ganz anderes gehört.
Senator Rehaag hat sich vor wenigen Tagen
deutlich erklärt: den Fixstern am Schulterblatt wird es Ende 2003
nicht mehr geben und ein Umzug in die benachbarte Lagerstraße ist
ausgeschlossen. Was uns dann hier im Stadtteil erwartet und bisher von
den Senatoren immer in Abrede gestellt wird, hat jetzt der Sprecher der
Gesundheitsbehörde laut einem Artikel in der taz deutlich gemacht:
wenn man im Wüstenrot-Haus ein gutes Angebot macht, werden die Süchtigen
aus der Schanze da schon hingehen!
Uns erwartet also genau das, was wir seit
Monaten sagen: mehr als 250 schwerst drogenabhängige Junkies in St.
Georg. Nochmals sagen wir: der Stadtteil kann dies nicht aushalten.
Wenn der Senat in seiner Antwort auf die
schriftliche kleine Anfrage der Abgeordneten Freudenberg davon spricht,
dass Beratungen über die Nutzung der Immobilien in den Stadtteilgremien
stattgefunden haben, so ist dies falsch. Richtig ist, dass die Betreiber
des Drob Inn ihr Konzept im Stadtteilbeirat vorstellten. Alle Stadtteilgremien
haben sich einstimmig gegen eine Zentralisierung der Drogenhilfeeinrichtungen
in St. Georg. ausgesprochen. Der Senat schafft sich durch die Zentralisierung
selbst ein neues Problem. |