Kapitän Caspar Bingemer vom Oste-Schiff "Mocambo" und sein Kollege Peter Brandt (r.) von der "Germania" mit dem Emblem der Deutschen Fährstraße

Kanal- und Oste-Kapitäne wollen kooperieren

Erstbefahrung der "Deutschen Fährstraße" auf Fahrgastschiffen / Binnen-Kreuzfahrt mit der Weißen Flotte von Schwebefähre zu Schwebefähre / AG Osteland organisiert maritime Studienreise / Nächstes Jahr Oste - Ostsee - Oslo?

Kiel / Stade / Bremervörde. Seite an Seite tänzeln zwei schneeweiße Fahrgastschiffe auf den glitzernden Wellen der Oste. Über die Reling reichen sich die beiden Kapitäne die Hand: Caspar Bingemer (Oberndorf) von der Firma Oste-Schifffahrt und Peter Brandt (Wilster) von der Personen-Schifffahrt Brunsbüttel wollen künftig auf der Oste kooperieren und ihre Fahrpläne aufeinander abstellen.

Auf diese Weise könnte die Oste verstärkt für den überregionalen Flusstourismus erschlossen und an das Personenschiffahrtsnetz des Nordens angebunden werden. Arrangiert hatte den "Kapitänsgipfel" die im Januar gegründete Arbeitsgemeinschaft Osteland e.V., die sich als "Lobby für die Oste" versteht.

Die Begegnung von Bingemers "Mocambo" und Brandts "Germania" am Anleger der Werft von Geversdorf war einer der Höhepunkte einer dreitägigen Erkundungsreise zwischen Oste und Ostsee. Mit der Fahrt wollte die AG Osteland den Beweis antreten, dass die im Mai eröffnete 250 Kilometer lange "Deutsche Fährstraße" nicht nur mit Rad und Reisemobil, Auto und Sportboot befahren werden kann, sondern auch mit der Weißen Flotte der fahrplanmäßig verkehrenden Personenschiffe auf der Kieler Förde, dem Nord-Ostsee-Kanal, der Niederelbe und der Oste.

Weil die Fahrpläne der verschiedenen Schifffahrtslinien bislang allerdings noch nicht aufeinander abgestimmt sind, war die von der Ostener Diplom-Geographin Renate Wendt organisierte Erkundungstour auf regulär verkehrenden Schiffen in diesem Jahr nur an einem einzigen Termin, in der ersten Augustwoche, möglich. Nach geringfügigen  Fahrplanänderungen könnte das im kommenden Jahr anders werden.

Dann würde sich ein Traum der AG Osteland erfüllen: eine gut viertägige Mini-Kreuzfahrt, die mit Hilfe unterschiedlicher Schiffe Bremervörde und Kiel verbindet, dabei Zwischenstopps in Gräpel und Osten, am Natureum Balje sowie in Brunsbüttel und Rendsburg vorsieht und sogar die Buchung einer zweitägigen Anschlusstour Kiel - Oslo - Kiel ermöglicht.

Erleben könnten die Teilnehmer dann nicht nur Bremervörde, die schöne Stadt mit der historischen Oste-Furt, sondern sämtliche Möglichkeiten, die der Mensch ersonnen hat, um ein Gewässer zu überqueren: etwa die altertümliche, handbetriebene Prahmfähre in Gräpel (Samtgemeinde Oldendorf), die letzten deutschen Schwebefähren in Osten (Kreis Cuxhaven) und Rendsburg, eine lange Reihe imposanter Klapp- und Hochbrücken sowie die modernste Hochseefähre der Welt, die zur Zeit im Bau befindliche "Color Fantasy", ein gigantisches "Kreuzfährschiff", das im Dezember von Kiel aus den Oslo-Verkehr aufnimmt.

Einen Vorgeschmack bekam die Delegation der AG Osteland, als sie jetzt ihre Testreise (in Nord-Süd-Richtung) unternahm. Mit einem Wochenend-Sparticket der Bahn ging es zunächst nach Kiel, dem Ausgangspunkt der Deutschen Fährstraße. Gleich am Bahnhof konnte die bizarre Hörnbrücke in Augenschein genommen werden, eine weltweit einzigartige, computergesteuerte Doppelklappbrücke.

Vom Förde-Fährschiff "Heikendorf" aus sah die Reisegruppe dann unter anderem die ehemalige Kaiserliche Werft, die bis 1923 Standort einer nahezu vergessenen dritten deutschen Schwebefähre war, und das beeindruckende Kieler Schiffahrtsmuseum mit seinen vielfältigen Exponaten auch zur Geschichte des Fährwesens auf Förde und Ostsee.

Weiter ging es auf dem Nord-Ostsee-Kanal, der noch vor dem Suez- und dem Panamakanal meistbefahrenen künstlichen Schifffahrtstraße der Welt. Dort, zwischen Kiel und Brunsbüttel,  verkehrt unter anderem das Fahrgastschiff "Funny Girl" der Cuxhavener Reederei Cassen Eils, vom dem aus sich der knapp hundert Kilometer lange Nord-Ostsee-Kanal mit seinen 14 Fähren und zehn Brücken erleben läßt.

In Rendsburg legte die Gruppe einen halbtägigen Zwischenstopp ein. Die Tourist-Info Nord-Ostsee-Kanal, der schleswig-holsteinische Kooperationspartner der niedersächsischen AG Osteland, hatte eine Besteigung der berühmten Hochbrücke arrangiert, unter der die Schwebefähre verkehrt. An diesem Baudenkmal, einer sieben Jahre jüngeren "Schwester" der Ostener Schwebefähre, wird Schleswig-Holstein am 12. September seine zentrale Veranstaltung zum Tag des Denkmalschutzes  ausrichten.

Wie Klaus Schmidt vom Rendsburger Vorbereitungsteam berichtete, wird die Post aus diesem Anlaß einen Sonderstempel sowie ein Gedenkblatt zum Thema Schwebefähren herausgeben, auf dem auch auf das Ostener Baudenkmal hingewiesen wird. AG-Osteland-Vorstandsmitglied Johannes Schmidt stellte in Rendsburg einen neuen Großplakat-Entwurf der AG Osteland vor, dessen zentrales Motiv die Kanal-Hochbrücke mit der Schwebefähre ist.

Nach einem Rundgang durch das historische Rendsburg legte die von Jochen Bölsche, dem Vizevorsitzenden der AG Osteland, geleitete Delegation in der Kanal- und Schleusenstadt Brunsbüttel einen zweiten eintägigen Aufenthalt ein. In der Stadt, die kürzlich ihren Beitritt zur AG Osteland angekündigt hat, informierte Melanie Hagen vom Wasser- und Schiffahrtsamt über die faszinierende Historie und Technik der Kanalschleusen und über das Angebot des Kanalmuseums "Atrium".

Besonders erfreulich für die Delegation war die Mitteilung, dass ein Postkarten-Verlag aus Marne in Schleswig-Holstein eine Ansichtskartenserie mit dem Logo der Deutschen Fährstraße herausgeben will.

In Brunsbüttel begann auf der "Germania" von Käpt'n Brandt die letzte und nach dem Urteil einiger Teilnehmer schönste Etappe der Tour: der Törn über die Niederelbe bei frischem Wind und Sonnenschein in die Mündung der idyllischen Oste, vorbei am Sandbänken mit Seehunden und Seevögeln. Am Ostener Anleger unterhalb der in Reparatur befindlichen Schwebefähre endete die Tour, die, wenn sie als Pauschalreise angeboten wird, weiter bis Bremervörde führen soll.

"Selten kann man in drei Tagen so viele Eindrücke sammeln," urteilte die Ostener Gastronomin Bianca Schwoche vom "Flusshotel Seefahrer", die sich in der AG Osteland engagiert und die Hoffnung teilt, dass die Deutsche Fährstraße mit ihren Fluß- und Kanalattraktionen dazu beiträgt, die Wirtschaftskraft des küstenfernen Hinterlandes zu stärken.

Voraussetzung sind allerdings Investitionen in die Infrastruktur entlang der Oste, wie sie an anderem Flüssen bereits selbstverständlich sind. Notwendig wären im Unterlauf sichere Anleger, die auch für größere Fahrgastschiffe wie die "Germania" geeignet sind, die die niedrige Straßenbrücke bei Hemmoor nicht passieren können.

"Wir würden ja gerne auch Hemmoor anfahren, wenn es ginge", erklärt Käpt'n Brandt. Bedarf bestehe aber auch an einer Anlegestelle am Natureum Niederelbe. Zur Zeit ist das Naturkundemuseum nur über einen kaum behindertengerechten Behelfsanleger an der Geversdorfer Werft und einen Bus-Shuttle erreichbar.

Fahrgäste aus Brunsbüttel, die dank der "Germania" das erstemal die Ostemündung und das Natureum erleben, zeigen sich begeistert. Typische Äußerung: "Wir leben ja praktisch gegenüber, aber hatten keine Ahnung, wie schön es an der Oste ist."

Web-Tipp: www.deutsche-faehrstrasse.de


Mit der Weißen Flotte
von der Ostsee zur Oste

Die folgenden Pressefotos können in beliebiger Anzahl honorarfrei verwendet werden
 
 

Die Delegation der AG Osteland vor dem Aufstieg auf die Rendsburger Hochbrücke, die mit ihrer Schwebefähre zu den Wahrzeichen der Deutschen Fährstraße zählt

"Frohe Fährien": Mit der Förde-Fähre "Heikendorf" wurde auf der Kieler Förde die erste Etappe der Erkundungstour zurückgelegt

Alfred Roggenbach von der Tourist-Info Nord-Ostsee-Kanal stellt den niedersächsischen Gästen die Rendsburger Schwebefähre vor

Die "Funny Girl" der Cuxhavener Reederei Cassen Eils auf dem "Kanal der Traumschiffe", im Hintergrund die Rendsburger Hochbrücke

Das Kieler Schifffahrtsmuseum mit seinem Museumshafen zählt zu den Highlights der jüngsten deutschen Ferienstraße

Die Ostener Gastronomin Bianca Schwoche (M.) bewundert die gigantische Hochbrücke in Rendsburg, im Hintergrund die Gondel der Schwebefähre

Zu den besonderen Reizen der Deutschen Fährstraße zählen die Wagenfähren über den Nord-Ostsee-Kanal, die kostenlos benutzt werden dürfen

Die Strecke von Brunsbüttel (Foto) nach Osten/Oste legte die Gruppe auf dem Fahrgastschiff "Germania" zurück

Wahrzeichen des Nordabschnitts der Deutschen Fährstraße: die Schwebefähre von Rendsburg

Klaus Schmidt (r.) bereitet die Feiern zum 90-jährigen Bestehen der Rendsburger Schwebefähre mit vor; aus diesem Anlaß hat er ein Gedenkblatt der Post entworfen

Melanie Hagen (r.) vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel informierte an der Schleuse Brunsbüttel kompetent über den "Kanal der Traumschiffe"

AG-Osteland-Mitbegründer Johannes Schmidt (Hemmoor) an der skurrilen, doppelt klappbaren Hörnbrücke, Ausgangspunkt der Deutschen Fährstraße in Kiel

Die riesigen Skandinavienfähren auf der Kieler Förde ermöglichen Anschlußreisen zum Beispiel nach Oslo

Die AG Osteland setzt sich ein für  mehr und bessere Anlegemöglichkeiten für die Oste-Schifffahrt und für Wassersportler. Am Natureum Niederelbe zum Beispiel kann noch immer nicht angelegt werden.Am Ausweichanleger in Geversdorf ist ein Landgang für Rollstuhlfahrer und andere Behinderte nur mit Mühe möglich. Anschließend müssen die Passagiere auch noch einen Bus besteigen, um ins Museum zu kommen.

www.deutsche-faehrstrasse.de