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Radio Schleswig Holstein im Ohr und von der Autobahnbrücke über den Kanal den ersten Blick auf die Hochbrücke. Jetzt fühlt sich der Rendsburger wieder zu Hause. Genauso wie der Dom für Köln, ist die Hochbrücke längst zu einem weit über die Grenzen hinaus bekannten Wahrzeichen geworden. Sie symbolisiert den Verkehrsknotenpunkt Rendsburg, war schon Film- und Fernsehstar. Der Autofahrer auf der Autobahn 7 sieht die Hinweisschilder auf die “Rendsburger Brücke", die örtliche Tageszeitung, die "Schleswig-Holsteinische Landeszeitung", hat die Hochbrücke auf ihren Lokalseiten. Auf Plakaten, die für Veranstaltungen werben, ist oft die Hochbrücke als Synonym für Rendsburg mit abgedruckt.
Mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals wurde auch die wichtigste Eisenbahnlinie des Landes zerschnitten. Die Strecke Hamburg – Flensburg gehörte schon damals zu dem am stärksten genutzten Schienenweg und musste in Höhe der heutigen Schiffsbegrüßungsanlage den Kanal überqueren. Bis 1894 rollten die Züge auf einer Landzunge unbeeindruckt vom Kanalbau auf ihren alten Gleisen. Schaute man aus den Fenstern, konnte man ihn rechts und links schon sehen: den Nord-Ostsee-Kanal. Bei der Planung des Kanals hatte man den Bau einer Hochbrücke noch nicht im Sinn.

Aus strategischen Gründen – so der für den Kanalbau verantwortliche Geheimrat Fülscher – und um das Gewicht zu mindern wurden zwei einzelne, in 150 Meter Abstand liegende, eingleisige Drehbrücken gebaut. Eine Brücke für das Gleis nach Norden und eine Brücke für das nach Süden führende Gleis. Kostenpunkt: fast 1,4 Millionen Goldmark. Noch heute ist ein altes Kugellager am Kanalufer nicht weit von der Schiffsbegrüßungsanlage zu bestaunen. Die Drehbrücken waren einflüglig mit einer Stützweite von jeweils 50 Meter. Das Öffnen und Schließen geschah in 1,5 Minuten hydraulisch durch Flaschenzüge. Sollte die Hydraulik einmal versagen, konnten drei bis vier sportliche Männer mit Muskelkraft die Brücken in etwa acht Minuten drehen.

 
Faszination aus Stahl
Um den Schiffsverkehr auf dem Kanal nicht zu gefährden, standen die beiden Eisenbahndrehbrücken immer offen. Erst wenn ein Zug telefonisch angekündigt wurde, schloss sich die entsprechende Brücke. Und zwar bereits etwa zehn Minuten bevor der Zug am Kanal ankam. Pech für die Schiffe – sie mussten warten. Und wenn sich zwei Züge zufälligerweise am Kanal begegneten sollten, konnte es passieren, dass die Drehbrücken schon mal bis zu einer Stunde dicht waren. Vor 100 Jahren hatte die Eisenbahn eben noch ein ganz anderen Stellenwert als heute. Aber nur so konnte gewährleistet werden, dass die Züge ihren Fahrplan einhielten. 

Der Kriegsmarine, für die ja der Kanal eigentlich gebaut wurde, waren die Brücken ein Dorn im Auge. Und tatsächlich setzte sie bei den Planungen der ersten Kanalverbreiterung (1907 bis 1914) durch, dass die Eisenbahn-Drehbrücken verschwinden sollten. 

Aber auch die Schiffe, die mit den Jahren immer größer wurden, ließen sich nicht mehr so einfach mitten im Kanal stoppen. Trotzdem haben die Drehbrücken 18 Jahre unfallfrei ihren Dienst versehen.


1908 schlug die Stunde des später sehr bekannten Brückenbaumeisters Friedrich Voß. Ihm wurde die Leitung des neu geschaffenen Brückenbauamtes innerhalb des Kaiserlichen Kanalamtes übertragen. Führende Ingenieure und Techniker arbeiteten eng mit dem Kanalbauamt in Rendsburg und der Eisenbahndirektion Hamburg-Altona zusammen, um die Hochbrücke zu bauen. Das Team um Friedrich Voß musste drei Forderungen gerecht werden. Die Marine forderte: 42 Meter Durchfahrtshöhe und mindestens 120 Meter Abstand zwischen den Brückenpfeilern. Die Eisenbahnverwaltung bestand darauf, den Rendsburger Bahnhof nicht zu verlegen. Aber er steht nur etwa 600 Meter Luftlinie vom Kanal entfernt. Gleichzeitig konnte ein Zug aber aus technischen Gründen nicht mehr als eine Steigung von 1:150 schaffen. Das heißt für jeden Meter Steigung wurde also eine Strecke von 150 Metern benötigt.

Die Forderung der Marine war zu bewältigen – sie war eher nur eine Frage wie groß die Brücke werden sollte. Die Eisenbahnverwaltung zufrieden zu stellen, war schon schwieriger – zumindest auf der Nordseite. Auf der Südseite konnte man die Bahn durch einen aufgeschütteten Damm langsam auf die erforderliche Höhe bringen. Aber um auf der Nordseite zum Rendsburger Bahnhof zu gelangen, musste die Strecke künstlich verlängert werden.

Dieses wurde in Form der 4,5 Kilometer langen Schleife in östlicher Richtung geschaffen. Warum in östlicher Richtung? Westlich lag der Kreishafen und die schon stark bebaute Stadtfläche Rendsburgs. Aber in östlicher Richtung vom Kanal aus gesehen war das sogenannte Stadtfeld zwischen der Eider und dem Kanal. Die Schleife hat eine Elipsenform mit dem kleinsten Halbmesser von 475 Meter. Der Rendsburger Bahnhof wurde aber zusätzlich noch um 4,5 Meter höhergelegt. Der Bau dieser Schleife war ein bis dahin noch nie angewannter Trick, um im Flachland derartige Höhenunterschiede auszugleichen.
Die Bahnlinie nach Flensburg musste bereits 5,5 Kilometer südlich vom Kanal beginnend mit einem Bogen um den Ort Osterrönfeld herum verlegt werden. Den Kanal erreicht die Eisenbahnline rechtwinklig und mit der höchstzulässigen Steigung. An diese Hauptline musste auch noch die Eisenbahnstrecke Rendsburg – Kiel und eine Nebenstrecke nach Schacht-Audorf eingefädelt werden. Dieses geschah mittels neuer Rampen in 14 Meter Höhe am neugebauten Bahnhof Osterrönfeld. Die Bahnstrecke nach Flensburg wurde dadurch um 4,8 Kilometer, die Strecke nach Kiel um 5,9 Kilometer länger.

Bei der Planung der Rendsburger Hochbrücke griff Friedrich Voß zu einem revolutionärem Mittel. Statt wie bisher üblich eine perspektivische Zeichnung anfertigen zu lassen, ließ er die Brücke bauen. “Ich habe hier wohl zum ersten Mal in der Geschichte des Brückenbaus einen Versuch gemacht, um die plastische Wirkung einer Brücke zu erfassen. Ich habe einen Modelleur beauftragt, der aus Pappe, Kleister und Gips das im Maßstab 1:500, später auch teilweise 1:10 gezeichnete Bauwerk zusammenklebte.³ Verbesserungsvorschläge für seine Brücke erwartete Friedrich Voß übrigens nicht: “Die Konstruktion war eben vollständig durchgearbeitet.³

Trotzdem regte sich Widerstand. In Landesarchiv liegen noch heute mehrere Meter Akten, die davon zeugen, dass man in Rendsburg das Wahrzeichen zunächst gar nicht wollte. Gerade die Verlängerung der Wegstrecke wurde von den Hochbrücken-Gegnern angeführt. Meist war es die örtliche Industrie wie z. B. die Carlshütte in Büdelsdorf, die glaubte, jetzt müsse ein Entfernungszuschlag an die Eisenbahn gezahlt werden. Die Eisenbahnverwaltung versprach, die Preise nicht anzuheben. Ein Anwohner aus Osterrönfeld sorgte sich wegen des Funkenfluges um sein Strohdach. Er bekam ein neues Dach aus Ziegeln. Auch die Stadt Rendsburg hatte ihre Bedenken: Sie glaubte, dass das Stadtfeld von dem übrigen Stadtgebiet durch die Schleife abgeschnitten sein würde. Dieses würde die Stadtentwicklung stark beeinflussen. Das Brückenbauamt gab der Stadtverwaltung recht, und die Hochbrücke wurde um 300 Meter auf der nördlichen Seite verlängert. So wurde der Zugang ins Innere der Schleife vergrößert. Für die Art der Brücke war diese Verlängerung aber ohne Bedeutung.

Ende 1911 wurde damit begonnen, die Rampen aufzuschütten. 4,8 Millionen Kubikmeter Boden wurden dafür auf beiden Seiten benötigt. Bereits 5,5 Kilometer südlich des Kanals beginnt der Damm. Der Boden wurde im Zuge der Erweiterung aus dem Kanal genommen. Etwas seltsame Steinbögen wuchsen aus der Landschaft. Sie gehörten zu den insgesamt acht Unterführungen in den Dämmen. Die Hauptpfeiler der Hochbrücke sind – für eine evtl. weitere spätere Kanalverbreiterung – 17 Meter tief unter der Erde. 51 Pfeiler sind es insgesamt. Die Fundamente bestehen aus 1600 cbm Beton und sind 14 Meter breit. Auf ihnen ruhen die granitverkleideteten Pfeilersockel. Darauf wiederum beginnt dann die Eisenkonstruktion.
Um die Baustelle herum wuchs ein kleines Dorf aus Reparaturwerkstätten, Schmiede, Unterkunftsräume für die Arbeiter, Abstellräume und Materiallager.

Die Eisenteile der Hochbrücke wurden so weit es ging schon in den Werkstätten der Herstellungsfirmen, z.B. der Gutehoffnungshütte aus Oberhausen, unter der strengen Kontrolle der Bauverwaltung zusammengebaut. Dann wurden die Teile teils per Schiff, teils per Bahn nach Rendsburg gebracht. Auf extra angelegten Schmalspurschienen wurde das Eisen dann zur Brückenbaustelle gefahren. Nachdem die mächtigen Tragekonstruktionen aufgestellt waren, konnte ein sogenannter Vorbaukran die nächsten Eisenteile Stück für Stück über den Kanal voranschieben. 140 Meter schwingt sich die Hochbrücke über den Kanal. Insgesamt ist die Eisenbahnhochbrücke 66,9 Meter über dem Wasserspiegel hoch. Die lichte Durchfahrtshöhe beträgt die vorgeschriebenen 42 Meter.

Die damals mit dem Brückenbau beschäftigten 350 Mann bauten fast rund um die Uhr von der Nord- und von der Südseite gleichzeitig. Die Männer vollbrachten eine artistische Meisterleistung. Teilweise ohne Leitern und Gerüste kletterten sie auf der Hochbrücke herum. An manchen Tagen konnte überhaupt nicht an der Brücke gearbeitet werden – der Sturm war einfach zu stark. An anderen Tagen konnten sich die Arbeiter wegen des heulenden Windes nur per Zeichensprache verständigen. Trotz größter Vorsichtsmaßnahmen verletzten sich 50 Mann schwer, zwei erlagen ihren Verletzungen. Fünf Männer stürzten in den Tod.

Ununterbrochen dröhnten die Niethämmer, denn die Eisenbahnhochbrücke ist nicht geschweißt sondern wird von insgesamt 3,2 Millionen Nieten zusammengehalten. Das Gewicht der eigentlichen Brücke über den Kanal beträgt 3696 t, die Rampenbrücken 15 525 t. Die Anstrichfläche ist 236 000 qm groß – über 100 000 kg Farbe wird für einen Anstrich benötigt.
Die Schienen liegen auf auf starken Holzbohlen. Ein Gleis konnte mit bereitliegenden Eisenplatten jederzeit schnell in eine Straße für Militärfahrzeuge verwandelt werden.Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 13,4 Millionen Goldmark.

Am 27. September 1913 wurde die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke polizeilich abgenommen. Mit einem Sonderzug fuhren die Herren des Ministeriums, der königlichen Eisenbahnbauabteilung, des kaiserlichen Kanalamtes und der Betriebsinspektion Flensburg langsam über die neue Brücke. Die 25 Herren hatten keine Bedenken und unterschrieben die Urkunde. Auch die Unterschrift von Friedrich Voß ist darunter. Dass sich der Erbauer unserer Eisenbahnhochbrücke am Tag vor der Einweihung von der Brücke in den Tod gestürzt haben soll, weil er seinem Werk nicht traute, ist ein Gerücht, das sich allerdings sehr hartnäckig hält. Ganz im Gegenteil: Friedrich Voß zeigte sogar ausländischen Ingenieursstudenten “seine³ Brücke und wurde für seine Bauten hochgelobt und geehrt. Auch die Rendsburger Drehbrücke, die in Höhe des jetztigen Fußgängertunnels stand, hat er geplant.
Am folgenden Sonntag setzte in Rendsburg eine Völkerwanderung zur Hochbrücke ein. Die Rendsburger hatten Gelegenheit, sich ihre neue Brücke einmal genau anzusehen und sogar über sie rüberzugehen.

Planmäßig wurde am 1. Oktober 1913 die Hochbrücke für den Eisenbahnverkehr freigegeben. Sie ist zu dieser Zeit das größte Stahlbauwerk Europas. Je nachdem wie schnell und wie schwer die Züge sind, die über die Brücke fahren, biegt sie sich in der Mitte um 13 bis 15 Millimeter. In der Längsrichtung verschiebt sich die Eisenkonstruktion je nach Bremskraft um bis zu 30 Millimeter. Das Mittelstück der Kanalbrücke ist also beweglich.

Zunächst standen sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite der Hochbrücke kleine Häuschen. Im Nördlichen hielt der Brückenmeister Wache, im südlichen Haus saß der Eisenbahner, um die Signale zu stellen.

Während der Kriege war die Eisenbahnhochbrücke ein gesuchtes Angriffsziel der Bombenflugzeuge. Alle Angriffe verfehlten jedoch zum Glück das Ziel. Zum Ende des Krieges 1945 sollte die Hochbrücke und auch die Rendsburger Drehbrücke gesprengt werden. Beherzte Männer mit viel persönlichem Engagement wussten das zu verhindern. Leider ist darüber nicht mehr überliefert.

Immer wieder musste sich die Hochbrücke Reparaturen unterziehen. Rost und Verschleiß machen auch vor einem Wahrzeichen nicht halt. Gemäß eines Planfeststellungbeschluss von 1913 ist die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung als Eigentümer der Hochbrücke verpflichtet das Bauwerk zu unterhalten. Nach intensiver Materialprüfung, kam man zu der Feststellung, dass die Brücke noch mindestens 30 Jahre ihren Dienst versehen kann. Ihren 100. Geburtstag wird sie weit überleben – und der steht ja erst 2013 an. 1992 wurde jedenfalls begonnen, die Brücke zu sanieren. Die geplante Gesamtinvestition der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung liegt bei etwa 135 Millionen DM. Die Sanierung soll im Jahr 2006 abgeschlossen sein.

Die Rendsburger Hochbrücke stellt wohl weltweit die einzige Kreuzung dreier Verkehrswege an einem Punkt dar: der Kanal, die Eisenbahn und die Straße mittels der Schwebefähre.

 
 
Die Schwebefähre

Die Gemeinde Osterrönfeld hatte beim Bau des Nord-Ostsee-Kanals keine eigene Kanalfähre bekommen und somit keine direkte Verbindung nach Rendsburg. Erst durch den Bau der Hochbrücke wurde dieses nachgeholt. Und zwar weil Osterrönfeld durch den Bau der Brücke eisenbahnverkehrstechnisch weiter von Rendsburg entfernt werden und der Bahnhof von Osterrönfeld außerhalb der Gemeinde neu angelegt werden musste. Man entschied sich, eine Fähre direkt unter der Brücke aufzuhängen und bescherte damit Rendsburg wieder ein Unikum. Es dürfte in Deutschland kein vergleichbares Bauwerk geben.

Seit ihrer Inbetriebnahme am 2. Dezember 1913 hat die Fähre nicht ein einziges mal den Fahrplan geändert. Von morgens fünf bis 23 Uhr schwebt sie viertelstündlich über den Kanal – wenn die Schifffahrt nicht behindert wird. Die Fähre ist 14 Meter lang und sechs Meter breit. Sechs Autos und 60 Fußgänger können übergesetzt werden. Sie hängt mit vier Trageseilen (Durchmesser: 33 Millimeter) und acht gekreuzten Versteifungsseilen an einem Fährwagen, der direkt unter der Hochbrücke hängt. Der Fährwagen wird mit vier Motoren angetrieben. Die Besatzung besteht aus einem Fahrer und einem Schrankenwärter. Für die 135 Meter über den Kanal braucht die Schwebefähre etwa 1,5 Minuten. Sie fährt mit einer Geschwindigkeit von 1,24 m/sec.
 

Wie alle anderen Fähren über den Kanal ist auch die Benutzung der Schwebefähre kostenlos. Die Kanalverwaltung hat mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals ein öffentliches Hindernis geschaffen, so dass sie auch für den Transport über den Kanal aufkommen muss. Ist z.B. die Schwebefähre wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb, fährt jedenfalls für Fußgänger und Radfahrer ein Ersatzboot.

Immer wieder ist bei Kanalarbeiten davon gesprochen worden, die Schwebefähre einzustellen. Nicht nur die Gemeinde Osterrönfeld, für die die Fähre seinerzeit gebaut wurde, machte sich für den Erhalt des einzigartigen Bauwerks stark. Seit 1988 steht die Eisenbahnhochbrücke mitsamt der Schwebefähre unter Denkmalschutz.
 

Friedrich Voß – Der Erbauer der Rendsburger Hochbrücke
 

Friedrich Voß wird am 7. Juli 1872 in Calvörde, Kreis Helmstedt, geboren. Seine Vorfahren sind seit 1600 in Niedersachsen beheimatet. Er ist ein großer schlanker Mann mit einem offenen Gesicht mit einer hohen Stirn. 

Voß besucht die technische Hochschule in Braunschweig, um den Beruf des Ingenieurs zu erlernen. 1897 tritt Friedrich Voß in den Dienst der Wasserbauverwaltung Harburg, später gehört er zur Kanalisationsabteilung in Königsberg. Von 1899 bis 1902 arbeitet der junge Ingenieur Voß in der Brückenbauabteilung bei MAN. Hier lernt er auch seine Konstruktionen wirtschaftlich zu planen. Und dieses ziemlich nachdrücklich. Als er später von der Rendsburger Hochbrücke spricht, sagt er: “Brücken müssen schön sein, aber doch wirtschaftlich. Das war mein Standpunkt und an dem habe ich festgehalten. Ich möchte betonen, dass keine Brücke in Deutschland relativ so billig gebaut wurde wie die Rendsburger Hochbrücke." 1903 wird er als technischer Hilfarbeiter ins Ministerium für Öffentliche Arbeiten berufen. In den Jahren 1906 bis 1908 ist er mit den Entwürfen zur Überquerung des Mittellandkanals beschäftigt.

Mit den ersten Plänen zur Erweiterung des Nord-Ostsee-Kanals, kamen auch die ersten Probleme mit den Übergängen – nicht nur in Rendsburg – auf. 1908 wird der 36-jährige Friedrich Voß an das Kaiserliche Kanalamt als Leiter des Brückenbauamtes berufen. Er baut in dieser Zeit drei Hochbrücken über den Kanal: in Holtenau, Rendsburg und Hochdonn. Auch die Straßen-Drehbrücke in Rendsburg trägt Friedrich Voß' Handschrift.

1922 wird ihm der Grad eines Dr. Ing. e. h. verliehen. Ein Jahr später scheidet er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Staatsdienst aus und gründet in Kiel zusammen mit zwei seiner langjährigen Mitarbeiter ein Ingenieurbüro. Als Berater arbeitet er aber weiterhin für die Kanalverwaltung. Unzählige Brückenkostruktionen werden noch in seinem Büro geplant. In unserer Nähe z. B. die Klapp-Brücke über die Eider bei Lexfähre, die Straßenbrücke bei Friedrichstadt. Sogar die Stadt Stockholm hat von Friedrich Voß einen Entwurf für eine Eisenbahn- und Straßenbrücke gekauft.

Friedrich Voß ist auch politisch. Schon damals hat er gesagt: “Ich bin für den Wegfall der europäischen Grenzen, und ich bin für ein einiges Europa.³

Am 3. März 1953 stirbt Friedrich Voß in Kiel. Am Tag darauf wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.

 
Stefan Fuhr

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