Freudenfeuer, Sackhüpfen,
Choräle und Raketen

Wie an der Oste 1913 der Ereignisse
des Jahres 1813 gedacht wurde

Aus der Schulchronik Warstade, Band II,
Seite 80 – 86. Mit Dank an Heino Grantz

Gedenkstein am Mehrgenerationenhaus in Hemmoor


 
Die Feier am 18. und 19. Oktober 
zum Andenken an die vor 100 Jahren 
gewesene Völkerschlacht bei Leipzig

In den Tagen vom 16. bis 19. Oktober 1913 waren 100 Jahre verflossen, seit der folgenschwere Sieg über Napoleon I. auf den Gefilden Leipzigs errungen war. Wie in ganz Deutschland, so sollte auch in Warstade die Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig festlich begangen werden. 

Dieses Fest sollte in der Weise veranstaltet werden, dass es zu einem richtigen Volksfest werden möchte. Es taten sich deshalb die Vorsitzenden der größeren Vereine, nämlich des Kriegervereins, des Turnvereins, des Schützenvereins, des Radfahrervereins, des Rauch- und Unterstützungsvereins, des Gesangsvereins „Sängerlust“, des Gesangsvereins „Einklang“ und des Gesangsvereins „Gemischter Chor“, ferner einige Gemeindeausschussmitglieder, die vom Gemeindeausschusse dazu bestimmt waren und endlich die Lehrer zusammen, um darüber zu beschließen, wie das Fest auszugestalten sei. Die Beratungen wurden in großer Einmütigkeit gepflogen und das Ziel, ein wahres Volksfest zu veranstalten, wurde vollständig erreicht.

Schon in den letzten Tagen vor dem 18. Oktober wurde auf einem Stück Brachlande am Heidacker ein Haufen Holz, 28 Fuder Busch und zwei Fuder von der Fabrik gespendetes leeres Gut (Teertonnen usw.) zu einem Freudenfeuer aufgetürmt. Der Busch wurde teilweise gekauft, jedoch von den Bauern und anderen Fuhrwerks besitzern unentgeltlich herbeigeschafft. 

Der 18. Oktober, ein Sonnabend, brach an. Am Morgen wurde in der Schule eine Feier abgehalten. Es wurde ein Choral gesungen, von einzelnen Schülern ein Gedicht deklamiert. „Die Leipziger Schlacht von Arndt“ und der Lehrer führte in einer Rede den Schülern die Einzelheiten der Schlacht bi Leipzig vor. Der übrige Teil des Tages war schulfrei. Es war ein sonniger Tag, still und warm und so der folgende Tag, so dass das Fest vom Wetter in Anbetracht der späten Jahreszeit äußerst begünstigt war.

Am Abend versammelten sich um halb acht Uhr die Vereine in der Nähe der Fabrik zu einem Fackelzuge. Die Trommler und Pfeifer der Turner machten bei diesem Zuge abwechselnd mit einem Musikchore (16 Musiker) die Musik. Jeder Teilnehmer am Zuge trug eine Fackel. Die Häuser in Warstade waren reich und schön illuminiert. Kanonenschüsse wurden losgelassen. Raketen stiegen empor und bengalische Feuer beleuchteten märchenhaft die bei verschiedenen Wohnungen aufgestellten Gruppenbilder. 

Der Zug bewegte sich bis zur Basbecker Grenze, kehrte dann um, bog die Schützenstraße hinauf und steuerte dem Orte des Freudenfeuers zu. Als der Festzug dort angelangt war, erdröhnte ein Kanonenschuss und der Holzstoß wurde  angezündet. Im Nu stand der ungeheure Haufen in Flammen. Die Musik intonierte „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Dann hielt der Pastor coll. Grabe eine Rede. Hierauf spielte die Musik „Ich bete an die Macht der Liebe“.

Jetzt ordnete sich der Zug wieder und marschierte nach dem Schützenplatze. Durch den mittels Lampions prachtvoll erhellten Park ging es zur Schützenhalle. In der Schützenhalle fand nun für die erwachsenen Herren und Damen ein Kommers statt. Es wurden von den Gesangsvereinen Lieder vorgetragen, ferner wurde von den Turnergruppen Pyramiden vorgeführt und zwischendurch sang das Publikum vaterländische Lieder.

Am folgende Tage, dem 19. Oktober, versammelten sich um halb zwei Uhr nachmittags wieder sämtliche Vereine, diesmal mit Fahnen, beim Gastwirte Jürgens, der in der Nähe der Fabrik wohnt. Auch die Kinder nahmen jetzt an dem Festzuge teil und marschierten der Musik voran. Der Zug ging sofort zum Schützenplatze. Als man dort angelangt war, spielte die Musik „Deutschland, Deutschland, über alles“. Dann wurde von den Kommissionsmitgliedern eine Erinnerungseiche gepflanzt, wobei der Hauptlehrer Wilshusen eine Ansprache hielt. Hierauf trug der Kinderchor ein Lied vor. Nachdem nun noch das „Kaiserhoch“ ausgebracht war, löste der Zug sich auf. 

Der Nachmittag war berechnet für Kinderspiele, Turnvorführungen und Jugendspiele. Als Zuschauer waren sehr viele erwachsene Einwohner anwesend. Auf dem Schützenplatz waren ein Karussell und einige Buden aufgebaut. Zunächst fand ein Schauturnen der erwachsenen Turner an den verschiedensten Turngeräten statt. Danach führten die Kinder der Turnriege, und zwar die Knaben und Mädchen getrennt, je  einen Reigen auf. Es kamen darauf wieder einige Lieder des Kinderchores zum Vortrage. Nachher fand ein Faustballspiel und die Aufstellung von Turngruppen seitens der erwachsenen Turner statt. Während der Zeit konnten sich die Schulkinder bei mancherlei Spielen als Wettlauf, Sackhüpfen, Eiertragen usw. kleine Gewinne erkämpfen, die teils in Schulsachen, teils in Spielsachen bestanden. Es waren im ganzen 40 Mark dafür bewilligt. 

Gegen sechs Uhr abends gingen die Kinder in den Saal, um sich bis sieben Uhr abends am Tanzen zu vergnügen. Zu dieser Zeit begann der Ball für Erwachsene . Entree wurde weder auf dem Platze noch im Saale erhoben. Nur für Tanzen musste bezahlt werden, und zwar wurden im Vorverkauf für Warstader Bürger Tanzkarten zum Preise von einer halben Mark ausgegeben. Im Saale kostete das Tanzband eine Mark. Der Ball am Abend war sehr gut besucht und jedermann war mit dem Feste zufrieden. Da die Gemeinde 150 Mark besteuerte und den Rest der Kosten die Vereine deckten, so waren die Ausgaben bald beglichen. Die Erinnerung an das schöne Fest aber wird noch lange bleiben.  

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